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Brauchen wir wirklich Wachstum?

Von Franz Alt

In dieser Woche wurde bekannt, dass die deutsche Wirtschaft wieder ein klitzekleines Wachstum hat und schon sehen fast alle Ökonomen und Politiker Wachstum wieder als Allheilmittel aus der Krise. Doch die Zahlen über das nur leicht wachsende Inlandsprodukt sagen nichts über das Glück und das Wohlbefinden unserer Gesellschaft.

In diesen Monaten gab es Wachstums- und Gewinneinbrüche hauptsächlich in den Luxusindustrien - von Luxusautos über Luxusessen bis Luxusklamotten. Ist das wirklich schlimm?

Ewiges Wachstum ist kein vernünftiges politisches Ziel, sondern eine gefährliche Ideologie. In einer endlichen Welt wächst nichts unendlich - außer dem Krebs. Wollen wir eine Krebswirtschaft? Das wäre eine Todeswirtschaft. Kein Baum wächst in den Himmel und kein Mensch wird viel größer als zwei Meter. Nach dem Wachstum ist Reife angesagt. Naturgesetze gelten auch in der Wirtschaft. Schon beim Turmbau zu Babel mussten unsere Vorfahren die Grenzen des Wachstums schmerzlich erfahren. Ohne ökologische Vernunft gibt es keinen wirtschaftlichen Erfolg. Wir müssen in der Krise lernen, endlich mit der Natur nicht mehr gegen die Natur zu wirtschaften.

Das heißt: Wer kleinere Autos kauft statt Luxuskarosserien entlastet seinen Geldbeutel und die Umwelt. Und viele teure Luxuskleider sehen eher spießig aus als chic. Gerade in der Mode ist absehbar, dass schön und teuer nicht dasselbe ist. Weniger Rolex, Champagner, Mercedes und Haute Couture schadet einer Gesellschaft überhaupt nicht. Im Gegenteil: Es steht uns besser zu Gesicht als lächerlicher Luxus.

"Nur Wachstum bringt Vollbeschäftigung" beten die Politiker jetzt im Wahlkampf. Doch soeben in der Krise wurde das exakte Gegenteil bewiesen. Viele Arbeitsplätze blieben nicht durch Wachstum, sondern durch Kurzarbeit erhalten. Ein neues Gleichgewicht zwischen Familienarbeit, Berufsarbeit und Freizeit ist für das Glück der Menschen wichtiger als einige Euro mehr Lohn durch Wachstum. Dann wären auch viele Menschen gesünder und leistungswilliger und wir bräuchten weniger Geld für Gesundheitsreparatur.

Weniger wirtschaftliches Wachstum ist vielleicht Voraussetzung für seelisches, kulturelles, religiöses und spirituelles Wachstum.

Das erfolgreichste Unternehmen aller Zeiten ist die Natur. Sie kennt kein grenzenloses Wachstum. Lernen von der Natur heißt: Die Grenzen des Wachstums anerkennen und Wohlstand ohne ewiges Wachstum organisieren. Weniger könnte oft mehr sein. Die Natur wird mit Krisen besser fertig als der Mensch, weil sie die Grenzen des Wachstums kennt.

Quelle: Franz Alt 2009 - www.sonnenseite.com . Dieser Text wird hier mit freundlicher Genehmigung von Franz Alt veröffentlicht.

Veröffentlicht am

14. August 2009

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