Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

Ihre Spende ermöglicht unser Engagement

Spendenkonto:
Bank: GLS Bank eG
IBAN:
DE36 4306 0967 8023 3348 00
BIC: GENODEM1GLS



Suche in www.lebenshaus-alb.de
 

Interview mit den Verhafteten von ‘Free Gaza’

Von Amy Goodman und Juan Gonzalez, 02.07.2009 - Democracy Now!

Die irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguire spricht aus einer Gefängniszelle in Israel. Vor einigen Tagen wurde sie gemeinsam mit 20 anderen Aktivisten verhaftet, als das israelische Militär in internationales Gewässer eindrang und die Spirit of Humanity, enterte, die Hilflieferungen nach Gaza bringen wollte.

Zugeschaltet ist uns zudem Huwaida Arraf, die Gründerin der Bewegung Free Gaza.

Juan Gonzalez: Wir beginnen mit dem Neuesten über das Schiff mit Hilfslieferungen für Gaza, das am Dienstag von israelischem Militär geentert wurde. Israelische Soldaten kamen an Bord und schleppten das Schiff in den israelischen Hafen Ashdod. Auf dem Schiff befanden sich 21 Aktivisten - darunter die ehemalige Abgeordnete des US-Kongresses und Ex-Präsidentschaftskandidatin Cynthia McKinney, die irische Friedensaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguire, Huwaida Arraf und Lubna Masarwa. Die beiden Letztgenannten wurden wieder freigelassen. Die anderen 19 befinden sich noch in Haft.

Amy Goodman: Huwaida Arraf ist Gründerin der Bewegung Free Gaza. Sie ist uns nun am Telefon aus Israel zugeschaltet.

Huwaida, willkommen bei Democracy Now! Bitte erklären Sie uns: Warum haben Sie versucht, per Schiff nach Gaza zu kommen und was ist Ihnen an Bord widerfahren?

Huwaida Arraf: (Unverständlich) Hallo, Euch allen. Ziel unserer Mission war es, die internationale Gemeinschaft darauf aufmerksam zu machen, dass Israel sich gegenüber Gaza klar illegal verhält. Unsere (amerikanische) Regierung tut absolut nichts dagegen. Israel behauptet konstant, die israelische Politik basiere auf Sicherheit, aber sie tun… sie verhängen eine kollektive Bestrafung über eine gesamte Zivilbevölkerung.

Unser Boot war sehr, sehr klein. Wir transportierten medizinische Hilfe und einige Baumaterialien - denn bei dem Angriff auf Gaza im Dezember/Januar wurden ja tausende Häuser zerstört, zehn Krankenhäuser und Schulen schwer beschädigt. Wissen Sie, die Gemeinde der Spender hatte Gaza angeblich versprochen (unhörbar) aber niemand sagt etwas. Kein einziges Land sagt etwas zu der Tatsache (unhörbar), dass es im gesamten Gazastreifen nicht einen Sack Zement gibt (unhörbar).

Amy Goodman: Huwaida, wir unterbrechen an dieser Stelle für eine Minute. Es sieht so aus, als hätte Juan Gonzalez jemanden aus einem israelischen Gefängnis in der Leitung.

Juan Gonzalez: Ja, es sieht so aus, als hätten wir die Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguiere am Telefon - in ihrer Gefängniszelle. Willkommen bei Democracy Now!

Mairead Maguire: Vielen Dank, wirklich, vielen, vielen Dank.

Juan Gonzalez: Können Sie uns sagen, was mit Ihnen und den anderen Verhafteten gerade geschieht?

Mairead Maguire: Ja. Wir wurden gerade für einige Stunden in unsere Zellen eingeschlossen. Wir durchlaufen ihren (Gefängnis-)Prozess. Man wirft uns vor, illegal an die israelische - also in die Nähe der israelischen - Küste gekommen zu sein. Sieht so aus, als würden wir aus Israel abgeschoben werden. Wir sind nicht freiwillig nach Israel gekommen. Unser kleines Schiff wurde von Kampfsoldaten der Marine, die in voller Riot-Ausrüstung kamen, geentert. Wir waren nur 25 Meilen von der Küste Gazas entfernt. Mit vorgehaltener Waffe, unter Zwang, wurden wir in das Haftzentrum Ashdod gebracht. Wir verbrachten dort eine Nacht. Dann brachten sie mich - mit Handschellen, in einem Militärfahrzeug - vom Haftzentrum Ashdod in das Gefängnis (Giv’on-Gefägnis), in dem ich mich jetzt befinde. Das gilt für alle 19. Insgesamt waren wir 21, aber Huwaida und Lubna sind schon draußen; der Rest von uns wird in diesem Gefängnis hier festgehalten.

Amy Goodman: Wie reagieren Sie, Mairead Maguire, auf die Aussage des israelischen Sprechers Mark Regev, dass Hilfsgüter frei nach Gaza passieren könnten?

Mairead Maguire: Nein, das stimmt nicht. Ich meine, wir wissen, dass es diese Freiheit nicht gibt. Ich meine, Gaza ist wie ein riesenhaftes Gefängnis, nur mit geschlossenen Grenzen. Der Seeweg nach Gaza wird seit über 40 Jahren von israelischen Regierungen gesperrt. Wir wären erst das siebte Schiff gewesen, das in den Hafen von Gaza eingefahren wäre bzw. das versucht hat, die Belagerung zu durchbrechen.

Auf unserer Fahrt kamen wir an Gazas Gasfeldern vorbei. Das war sehr interessant. Wie Sie wissen, hat Gaza riesige Gasressourcen, auf die Israel anfängt zurückzugreifen. Eine sehr wichtige Frage lautet: Wem gehört das Gas im Gazastreifen? Dazu die (Frage der) Bauern und Fischer, die versuchen, hinauszufahren, ohne… um innerhalb einer Zone von circa 12 Meilen für ihre Familien zu fischen. Die israelische Marine schießt sie in diesem Gebiet zusammen; sie hat einige getötet.

Gaza ist ein großes besetztes Gebiet mit 1,5 Millionen Menschen, die von der israelischen Regierung einer kollektiven Bestrafung unterworfen werden. Dies verstößt gegen die Genfer Konvention und jedes andere internationale Gesetz, das existiert. Die Tragödie ist, dass die amerikanische Regierung, die UNO und Europa angesichts dieser Verstöße gegen die Menschenrechte der Palästinenser - wie das Recht auf Freiheit - schweigen. Es ist wirklich eine Tragödie.

Und es ist tragisch, dass heute fast 7 Millionen der insgesamt rund 10 Millionen Palästinenser Flüchtlinge sind - im Ausland oder im eigenen Land. Das gilt insbesondere seit dem schrecklichen Massaker durch israelische Kampfjets Anfang des Jahres, als Israel Gaza - die Bevölkerung Gazas, Zivilisten - 22 Tage lang bombardierte. Wir wissen nicht genau, welche Waffen abgeworfen wurden. Dazu bräuchte man Wissenschaftler. Wir brauchen Leute, die hingehen, um sich zu vergewissern, ob angereichertes Uran in den Ackerboden von Gaza gelangt ist. Leider will Israel keine Menschenrechtsaktivisten dort dulden, die nachsehen, was (Israel) angerichtet hat und noch anrichtet. Selbst Repräsentanten von… (unverständlich)…

Juan Gonzalez: Mairead Maguire -

Mairead Maguire: (Selbst Repräsentanten) werden nicht hineingelassen.

Juan Gonzalez: Mairead Maguire, ich möchte Sie fragen: Wissen Sie, ob Ihre Regierung - oder im Falle von McKinney die US-Regierung - oder die Regierungen der anderen - versucht haben, die Verhafteten zu besuchen oder bei der israelischen Regierung Protest (gegen die Haft) eingelegt haben?

Mairead Maguire: Ja, wir hatten hier Besuch (unverständlich) von den Konsulaten unserer unterschiedlichen Regierungen. Wir machen uns Sorgen um die Fünf aus Bahrain Anmerkung d. Übersetzerin: Liste der Inhaftierten der Spirit of Humanity:
Khalad Abdelkader (Bahrain)
Khaled Al-Shenoo (Bahrain)
Kaltham Ghloom (Bahrain)
Fatima Al-Attawi (Bahrain)
Juhaina Alquaed (Bahrain)
Mansour Al-Abi (Jemen)
Othman Abufalah (Jordanien)
Ishmahil Blagrove (Großbritannien)
Derek Graham (Irland)
Mairead Maguire (Irland)
Alex Harrison (Großbritannien)
Denis Healey (Großbritannien)
Fathi Jaouadi (Großbritannien)
Theresa McDermott (Schottland)
Cynthia McKinney (USA)
Adam Qvist (Dänemark)
Adnan Mormesh (Großbritannien)
Adam Shapiro (USA)
Kathy Sheetz (USA)
, weil sie nicht… weil ihre Regierung nicht über dieselben Verbindungen zu Israel verfügt. Wir machen uns Sorgen um ihre Sicherheit. Wir haben Freiheit für alle, die entführt wurden, gefordert - ja, wir wurden im Meer vor Gaza wirklich gehijackt. Alle sollen wieder freikommen und ihren Besitz zurückerhalten. Wir müssen hier aufeinander aufpassen.

Amy Goodman: Mairead Maguire, was wird jetzt passieren? Wir haben gehört, es gab Verletzte?

Mairead Maguire: Ja, das stimmt. Ich meine, als die Kampfsoldaten - voll bewaffnet und maskiert - an Bord unseres kleinen Schiffes kamen, wurden einige von uns verletzt. Und selbst während… dies geschah, selbst während des Tages… In der Nacht zuvor wurde unser Leben noch mehr gefährdet - als wir in internationalen Gewässern, mitten in der Nacht, von mehreren israelischen Marineschiffen umstellt wurden. Über Radio teilten sie uns mit, sie würden auf unser Boot schießen, falls wir nicht umkehren und wieder nach Zypern zurückkehren würden. Sie kappten unsere Kommunikation, einschließlich unserer Satellitenkommunikation. An diesem Punkt waren wir in großer Gefahr, getötet zu werden.

Die zweite Situation war, als die Marinekampfsoldaten an Bord des Schiffes kamen. Sie erlaubten dem Kapitän nicht, unser Schiff nach Ashdod zu schippern; stattdessen übernahmen sie es. Ich dachte, wir würden alle ertrinken, denn als wir näher kamen, als wir auf Ashdod zuhielten, windete es heftig. Wasser drang ein, es war - wir befanden uns wirklich in einer sehr, sehr gefährlichen Lage. Wir wurden von israelischem Militär buchstäblich mit vorgehaltener Waffe gehijackt. Nun sitzen wir im Gefängnis, und sie drohen uns mit Abschiebung. Wir wurden gegen unseren Willen hergebracht. Wir kamen nicht aus freier Entscheidung, und wir bleiben nicht aus freier Entscheidung.

Amy Goodman: Mairead Maguire, in was für einer Haftzelle - in welchem Gefängnis sitzen Sie?

Mairead Maguire: Wir befinden uns im Giv’on-Gefängnis. Wir Frauen sind auf der einen Seite (des Gefängnisses) untergebracht, die Männer auf der anderen.

Amy Goodman: Mairead Maguire, irische Friedensaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin - danke, dass Sie uns aus ihrer Gefängniszelle zugeschaltet waren - per Handy (eine ganz neue Bedeutung des Handys). Zu Beginn unseres Gespräches waren wir mit Huwaida Arraf verbunden, Gründerin der Bewegung Free Gaza. Maireaed ist eine von 19 Personen, die noch in Haft sind. Huwaida wurde kurz zuvor freigelassen.

Amy Goodman und Juan Gonzalez sind Moderatorin und Moderator des TV- und Radioprogramms ‘Democracy Now!’ , das aus rund 500 Stationen in Nordamerika täglich/stündlich internationale Nachrichten sendet. 

Quelle:  ZNet Deutschland vom 06.07.2009. Originalartikel: Nobel Peace Laureate Mairead Maguire Speaks From Israeli Jail Cell After Arrest on Boat Delivering Humanitarian Aid to Gaza. Übersetzt von: Andrea Noll.

 

Weblink:

Fußnoten

Veröffentlicht am

07. Juli 2009

Artikel ausdrucken

Weitere Artikel auf der Lebenshaus-WebSite zum Thema bzw. von