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Das amerikanische Imperium ist bankrott

Der US-Journalist Chris Hedges kündigt den baldigen Untergang des bankrotten US-Imperiums an

Von Chris Hedges, thruthdig, 14.06.09

In dieser Woche wurde das Ende des Dollars als Weltreservewährung eingeläutet. Damit beginnt in den Vereinigten Staaten eine schreckliche Periode wirtschaftlichen und politischen Niedergangs. Dem amerikanischen Imperium geht die Luft aus. Es geht zu Ende und kommt nie wieder. Was jetzt noch kommt, wird sehr, sehr schmerzhaft sein.

Barack Obama und die Kriminellen der Wall Street, unterstützt von den Medienkonzernen, die auch weiterhin nur albernen Klatsch und blödes Gequatsche als Nachrichten verbreiten, während wir die größte Wirtschaftskrise in unserer Geschichte erleiden, können vielleicht noch uns (die Amerikaner) täuschen, aber die übrige Welt weiß längst, dass wir bankrott sind. Und die anderen Nationen wären bescheuert, wenn sie auch künftig einen inflationären Dollar stützen und die massiven Defizite im Bundeshaushalt ausgleichen würden, die auf über zwei Billionen Dollars angeschwollen sind und nur für Amerikas imperiale Expansion in Eurasien und unser System des Casino-Kapitalismus aufgehäuft wurden. Unsere Geldgeber haben uns an der Kehle. Sie sind dabei, zuzudrücken.

Am Montag und Dienstag treffen sich in Jekaterinburg in Russland, das auch schon mal Swerdlowsk hieß, der chinesische Präsident Hu Jintao und der russische Präsident Dmitri Medwedew mit anderen Spitzenleuten der Shanghai Cooperation Organization / SCO (der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit). Man sollte sehr sorgfältig beobachten, was dort passiert. Die Vereinigten Staaten wollten auch teilnehmen, wurden aber nicht zugelassen. Die Zusammenkunft ist nach Aussage des (US-)Wirtschaftswissenschaftlers Michael Hudson "das bisher wichtigste Treffen im 21. Jahrhundert".

Es ist der erste formale Schritt unserer wichtigsten Handelspartner zur Ablösung des Dollars als Weltreservewährung. Wenn ihnen das gelingt, wird der Dollar dramatisch an Wert verlieren, die Kosten für alle Importe - einschließlich Erdöl - werden explodieren, die Zinsen werden steigen, und der Arbeitsmarkt wird in einem Ausmaß ausbluten, dass die vergangenen Monate uns wie Zeiten eines Booms erscheinen. Die staatlichen und föderalen Dienstleistungen werden aus Geldmangel schrumpfen oder ganz aufhören, und die Vereinigten Staaten werden immer mehr der Weimarer Republik oder Simbabwe ähneln. Obama, den viele schon als Erlöser eingeschätzt haben, wird plötzlich mitleiderregend, unqualifiziert und schwach aussehen. Die Wut, die sich in den letzten Wochen schon in einigen Schießereien und Gewalttaten entladen hat, wird große Teile der entmachteten und irregeführten Arbeiter- und Mittelklasse erfassen. Die Menschen dieser Klassen werden Vergeltung, einen radikalen Wandel, (eine neue) Ordnung und eine moralische Erneuerung fordern, und eine Horde überzeugter Faschisten von der christlichen Rechten bis zu den Scharfmachern, die über (den TV-Sender) Fox News Hass predigen, wird dem Land die Erfüllung all dieser Forderungen versprechen.

Nachdem Hudson am Montag in der FINANCIAL TIMES einen Artikel unter der Überschrift "The Yekaterinburg Turning Point: De-Dollarization and the Ending of America’s Financial-Military Hegemony" (Der Wendepunkt von Jekaterinburg: Die Entmachtung des Dollars und das Ende der finanziellen und militärischen Vorherrschaft Amerikas) veröffentlichte, habe ich ihn angerufen.Siehe Prof. Michael Hudson: De-Dollarization: Dismantling America’s Financial-Military Empire. The Yekaterinburg Turning Point . Hudsdon schrieb: "Jekaterinburg wird künftig nicht mehr nur als Hinrichtungsort der Zarenfamilie bekannt sein, dort wird auch das Ende des amerikanischen Imperiums beschlossen werden." Es lohnt sich, seinen Artikel zu lesen, auch das beunruhigende Exposé von John Lanchester über das Bankensystem der Welt, das unter dem Titel "It’s Finished" (Es ist aus) in der Ausgabe der LONDON REVIEW OF BOOKS vom 28. Mai erschienen ist.Siehe John Lanchester: It´s Finished . "Das bedeutet das Ende des Dollars", versicherte mir Hudson. "Das bedeutet, dass China, Russland, Indien, Pakistan und der Iran eine offizielle Finanz- und Militärzone schaffen werden, um Amerika aus Eurasien zu verdrängen.

Unser Zahlungsbilanzdefizit hat vor allem militärische Ursachen. Amerika gibt die Hälfte seines verfügbaren Geldes für militärische Zwecke aus. Unser (inflationäres) Defizit hat massenweise Dollars in die ausländischen Banken und Zentralbanken geschwemmt. Sie hatten keine andere Wahl, als die Dollars durch den Ankauf von Schuldverschreibungen der US-Regierung zu recyceln. Damit haben die asiatischen Länder ihre militärische Einkreisung selbst finanziert. Sie waren gezwungen, Dollar-Schuldscheine zu akzeptieren, die niemals eingelöst werden können. Sie haben bisher die gegen sie gerichtete militärische Aggression Amerikas selbst bezahlt. Davon wollen sie sich jetzt befreien.

Hudson zeigt auf, dass China schon bilaterale Handelsabkommen mit Brasilien und Malaysia geschlossen hat, um Handel in Yuan statt in Dollar, Pfund oder Euro betreiben zu können. Russland kündigte an, seinen Handel künftig in Rubel oder in der Währung des jeweiligen Partners abwickeln zu wollen. Der Chef der Zentralbank Chinas hat öffentlich die Ablösung des Dollars als Reservewährung gefordert und vorgeschlagen, ihn durch Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds zu ersetzen. Wie das neue System aussehen wird, ist noch unklar, aber die Flucht aus dem Dollar hat bereits begonnen.

Das Ziel ist nach den Worten des russischen Präsidenten die Schaffung einer "multipolaren Weltordnung", mit der zunächst die wirtschaftliche und schließlich auch die militärische Dominanz der Vereinigten Staaten gebrochen werden kann. China ist hektisch darum bemüht, seine Dollarreserven durch den Kauf von Fabriken und Grundstücken auf der ganzen Welt auszugeben, um sich von der US-Währung zu lösen. Deshalb machte die Aluminum Corp. of China (die Chinesische Aluminium-Gesellschaft) auch so viele Zugeständnisse bei dem gescheiterten Versuch, sich mit 19,5 Milliarden Dollar am australischen Rio Tinto Mining Concern (am Rio Tinto-Bergbaukonzern) zu beteiligen.Siehe Rio Tinto’s backdown shows short-sightedness, prejudice . China versucht verzweifelt, seine Dollars abzustoßen.

"China möchte so viele Dollars wie möglich durch Deals loswerden, in denen es diesen Müll gegen Ressourcen eintauschen kann", sagte Hudson. "Sie geben ihre Dollars in allen Ländern aus, die bereit sind, dafür ihre Ressourcen zu verschleudern, weil sich Amerika weigert, irgendeine seiner Hightech-Industrien oder UNOCAL (den größten Erdöl- und Erdgas-Vermarkter) an ‘die gelbe Gefahr aus dem Osten’ zu verkaufen. China weiß, dass seine Dollars schon bald völlig wertlos sein werden."

Die Architekten der neuen Weltwährung wissen, dass sie mit dem Sturz des Dollars auch die militärische Vormachtstellung der Vereinigten Staaten beenden werden. Unsere (riesigen) Militärausgaben sind ohne den Zyklus gewaltiger Anleihen nicht mehr zu finanzieren. Im Haushaltsjahr 2008 verschlang der offizielle US-Verteidigungshaushalt 632 Milliarden Dollar, ohne Zusatzkosten wie die für Atomwaffen-Forschung. Das nächstgrößere Verteidigungsbudget eines einzelnen Landes ist nach CIA-Angaben mit 65 Milliarden Dollar das der Chinesen.

Unser Zahlungsbilanzdefizit hat sich in drei Bereichen aufgetürmt. Amerika importiert mehr, als es exportiert. Das betrifft den Handel. Die Wall Street und die US-Konzerne kaufen ausländische Firmen auf. Das ist der Kapital-Verkehr. Das dritte und größte Defizit in der Zahlungsbilanz ist in den letzten 50 Jahren aber aus den Ausgaben des Pentagons im Ausland erwachsen. Es sind vor allem die Militärausgaben, die für das in den vergangenen fünf Dekaden entstandene Zahlungsbilanzdefizit verantwortlich sind. Schauen Sie auf Tafel 5 des Balance of Payment Reports (des Berichts zur Zahlungsbilanz), den der Survey of Current Business (die Statistikabteilung des Handelsministeriums) vierteljährlich veröffentlicht, nach den Militärausgaben. Dort finden Sie (den Hauptgrund für) unser Defizit.

Um unsere andauernden Kriegskosten zu finanzieren, haben wir die Welt mit Dollars überschwemmt. Die ausländischen Empfänger tauschen die Dollars bei ihren Zentralbanken gegen die einheimische Währung um. Die Zentralbanken haben dann ein Problem. Wenn eine Zentralbank dieses Geld nicht in den Vereinigten Staaten ausgibt, wird der Wechselkurs gegenüber dem Dollar steigen. Damit würden die Exporteure bestraft. Deshalb war es den Vereinigten Staaten möglich, hemmungslos immer weitere Dollars zu drucken, um die Importe zu bezahlen, ausländische Firmen zu kaufen und unsere militärische Expansion zu finanzieren, in der Gewissheit, dass andere Staaten wie China den Ankauf von (US-)Schatzanweisungen (ewig) fortsetzen würden. Dieser Kreislauf scheint jetzt aber unterbrochen zu sein. Wenn der Dollar ausländische Zentralbanken nicht mehr überfluten kann und niemand mehr (US-)Schatzanweisungen kauft, wird unser Imperium kollabieren. Die verschwenderischen Ausgaben für das Militär, die bei Berücksichtigung aller Kosten etwa 1 Billion Dollar (jährlich) betragen, werden wir uns dann einfach nicht mehr leisten können.

"Wir werden unsere Militärausgaben selbst finanzieren müssen", warnte Hudson. "Das wird nur dann möglich sein, wenn die Arbeitslöhne (vor allem in der Rüstungsindustrie) drastisch beschnitten werden. Dann gibt es wieder Klassenkampf. Das weiß auch die Wall Street. Deshalb haben ihr Bush und Obama auch die riesige Summe von 10 Billionen Dollar zugesteckt, damit sie genug Geld zum Überleben hat."

Der verzweifelte Versuch, uns durch weitere Anleihen vor dem finanziellen Kollaps zu retten, hat die staatlichen Eingriffe in einem Ausmaß wachsen lassen, das seit dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder erreicht wurde. Er hat uns auch in ein unerforschtes Territorium verschlagen.

"Wir mussten tatsächlich Kriege anfangen, um uns aus dem Loch zu retten, das unser Wirtschaftssystem gegraben hat", schreibt Lanchester in dem LONDON REVIEW OF BOOKS. "Es gibt kein Modell und keinen Präzedenzfall für die Überwindung dieses Zustands und keine Möglichkeit, zu überprüfen, ob wir uns richtig verhalten, weil in den bekannten Kapitalismus-Modellen diese Situation nicht vorgesehen ist. Man hat nicht angenommen, dass sie jemals eintreten könnte, und deshalb gibt es auch keine Verhaltensregeln für die Lage, in der wir uns befinden."

Die Kosten für das tägliche Leben - angefangen bei den Lebensmitteln bis zur medizinischen Versorgung - werden nur noch von wenigen ohne Schwierigkeiten aufzubringen sein, wenn der Dollar abstürzt. Staaten und Städte werden ihre Versorgungsfonds schwinden und austrocknen sehen. Die Regierung wird gezwungen sein, Teile der öffentlichen Infrastruktur - darunter auch Straßen und Transportmittel - an private Unternehmen zu verkaufen. Wir werden zunehmend für privatisierte Dienstleistungen zur Kasse gebeten werden - man denke an (den bankrott gegangenen Energiekonzern) ENRON - die vorher reguliert und subventioniert waren. Kommerzieller und privater Grundbesitz werden nur noch weniger als die Hälfte ihres gegenwärtigen Wertes haben. Der negative Marktwert (der noch zu tilgende Darlehensbetrag ist höher als der Marktwert des Hauses), der schon für 25 Prozent der Privathäuser in Amerika zu verzeichnen ist, wird sich ausdehnen und fast alle Hauseigentümer betreffen. Es wird sehr schwierig werden, sich auf Grundbesitz Geld zu leihen oder ihn ohne große Verluste zu verkaufen. Immer mehr Läden werden schließen müssen, und viele Häuser werden verbarrikadiert (und unbewohnt) sein.

Zwangsvollstreckungen werden sich wie eine Epidemie über das ganze Land ausbreiten. Es wird lange Schlangen vor den Suppenküchen und viele, viele Obdachlose geben. Unsere von den Konzernen kontrollierten Medien, die schon jetzt nur noch Banalitäten und Trivialitäten verbreiten, werden Überstunden machen, um uns mit sinnlosem Klatsch, Spektakeln, Sex, grundloser Gewalt, Angst und bedeutungsloser Junk-Politik zu narkotisieren.

Die amerikanische Gesellschaft wird sich aus einer großen enteigneten Unterklasse und einer winzigen allmächtigen Clique von superreichen Oligarchen zusammensetzen, die unser Land von ihren sicheren Privatfestungen aus mit einem rücksichtslosen, brutalen, neofeudalistischen System beherrschen. Wer sich widersetzt, wird ruhig gestellt, wenn nötig, mit Gewalt. Wir werden einen schrecklichen Preis bezahlen, und wir werden ihn bald bezahlen - für die entsetzlichen Untaten unserer Machtelite.

Unter http://en.wikipedia.org/wiki/Chris_Hedges sind Informationen zu Cris Hedges Verfasser zu finden.

Quelle: LUFTPOST vom 02.07.2009. Originalartikel:  The American Empire Is Bankrupt . Übersetzung: LUFTPOST.

Fußnoten

Veröffentlicht am

04. Juli 2009

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