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Dom Luiz Cappio: Mutiger Einsatz gegen ein menschenverachtendes System

Am 9. Mai 2009 wurde der brasilianische Bischof Dom Luiz Cappio in Freiburg von der Freiburger Kant-Stiftung für seinen Einsatz gegen das Ableitungsprojekt der brasilianischen Regierung am Rio São Francisco mit dem Kant-Weltbürgerpreis bedacht. Am Abend zuvor berichtete er bei der Kooperation Brasilien (KoBra) in einem vollen Saal über die Widerstandsbewegung. Dom Cappio wurde international bekannt, als er 2005 und 2007 gegen das Großvorhaben am Rio São Francisco in Hungerstreik ging.

Vertreter aus der Solidaritätsbewegung mit Brasilien erwarteten am 8. Mai 2009 mit Spannung den brasilianischen Bischof Dom Luiz Cappio und die ihn begleitenden Ruben Siqueira und Andrea Zellhuber von der Landpastorale. Ihre Ankunft hatte sich etwas verzögert - doch das machte die Freude der Anwesenden beim Eintreffen der Symbolfigur für den Widerstand gegen eines der umstrittensten Großprojekte Brasiliens umso größer. Die meisten Teilnehmer der KoBra-Mitgliederversammlung, in deren Rahmen die Begegnung stattfand, befassen sich seit Jahren mit Brasilien und dem Ableitungsprojekt. Die Gäste aus Brasilien betonten, wie wichtig die Unterstützung ihres Einsatzes durch die Kooperation Brasilien in den vergangenen Jahren gewesen sei. Nach dem Bericht versammelten sich alle zum gemeinsamen Foto und besangen sichtlich bewegt mit dem Bischof den Fluss.

Auch als Dom Luiz Cappio am Tag darauf den Kant-Weltbürgerpreis durch die Freiburger Kant-Stiftung verliehen bekam, waren die Mitglieder der Kooperation Brasilien dabei. Der diesjährige Preis ging an Dom Cappio und Jeff Halper, der sich für die Rechte der Palästinenser in den von Israel besetzten Gebieten einsetzt. In der gefüllten Aula der Freiburger Universität konnten die Teilnehmer viel über den Einsatz der beiden Preisträger erfahren. Enttäuscht allerdings waren die Mitglieder der Kooperation Brasilien von der Lobrede, die der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), auf Dom Luiz Cappio hielt: Lula wolle durch das Ableitungsprojekt die Bevölkerung in den nördlichen Bundesstaaten des trockenen brasilianischen Nordostens mit Wasser versorgen, so Erler. Dom Cappio hingegen fürchte darum, dass den bisherigen Flussanrainern so das Wasser abgegraben werde, stellte er dagegen. Damit reduzierte der Staatminister den Widerstand gegen das umstrittene Großprojekt auf einen Konflikt zwischen armen Menschen verschiedener Regionen. Nicht von ungefähr also fragten Teilnehmer der Preisverleihung auf Basis der Laudatio ratlos die Kooperation Brasilien, warum Dom Cappio denn nun wohl den Preis erhalten habe.

Tatsächlich geht es bei dem Widerstand gegen das Projekt eben nicht um einen Wasser-Verteilungskonflikt zwischen Arm und Arm. Denn das Ableitungsprojekt soll in erster Linie die exportorientierte Bewässerungslandwirtschaft mit Wasser aus dem Fluss versorgen, während den Menschen in unmittelbarer Nähe zum Fluss weiterhin der Zugang zu Trinkwasser verwehrt bleiben wird. Die sozialen Bewegungen wehren sich sowohl in den Flussgebieten als auch in den Empfängerregionen gegen das Vorhaben. Sie können nachweisen, dass es für die Wasserversorgung der Bevölkerung wesentlich effektivere und kostengünstigere Alternativen gibt als die Flussableitung. Doch diese Informationen ließ die Laudatio des Staatsministers vermissen.

Stattdessen verwies er stolz auf das Abkommen zur deutsch-brasilianischen Zusammenarbeit im Bereich erneuerbare Energien von Mai 2008 zwischen dem brasilianischen Präsidenten Lula und Bundeskanzlerin Angela Merkel, und suggerierte damit eine grundsätzliche Gleichheit der Interessen von Lula und Dom Cappio. Dabei kritisiert der Preisträger mit seinem Widerstand genau jenes Entwicklungsmodell, das der brasilianische Präsident propagiert. "Dieses Projekt ist die Ausgeburt eines Systems, welches versucht, sich die Situation der Armen und die Klimaveränderung zunutze zu machen, um genauso ungerecht und unökologisch weiter zu machen wie bisher", so konnte er in seiner Dankesrede klarstellen, "Mittels einer gut durchdachten und intensiven Propaganda beruft es sich darauf, 12 Millionen durstenden Menschen Wasser zu bringen, während es in Wirklichkeit die sichere Wasserversorgung für riesige Obstexportunternehmen und die Produktion von Agrotreibstoffen, Krabben und Stahl gewährleisten soll". Eine Flussableitung, um u.a. Treibstoff für unsere Autos unter hohem Wasserver­brauch und zu menschenverachtenden Arbeitsbedingungen herzustellen - ein klares Ergebnis nicht nur der Politik von Lula, sondern auch der von Erler in seiner Laudatio beschworenen Politik in Deutsch­land und der EU.

Quelle:  KoBra - Kooperation Brasilien e.V. - Pressemitteilung vom 12.05.2009.


Weitere Informationen zum Hintergrund und zur Rundreise finden sich auf

Wenn Sie die Menschen in Brasilien und deren Symbolfigur, den brasilianischen Bischof Cappio mit einer Petition unterstützen möchten, dann unterschreiben Sie sich bitte die aktuelle Online-Petition:

Veröffentlicht am

31. Mai 2009

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