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Ökologische Gerechtigkeit statt Wachstumswirtschaft für die Reichen

Von Ulrich Duchrow

Es ist nicht überraschend, dass es eine Finanzkrise gibt. Überraschend ist, dass sie erst jetzt ausbricht. Der Club of Rome sagte sie 1972 in ihrer Studie "Grenzen des Wachstums" bereits für 2000 voraus. Hinter ihr steht nämlich die Krise des kapitalistischen Systems. Dieses braucht Wachstum. Warum? Kapital ist Geld, das man investiert, um eine möglichst hohe Rendite auf die eingesetzten Ressourcen und Arbeitsleistungen zu gewinnen. Daraus entsteht das rationale Nutzenkalkül, die natürlichen Ressourcen möglichst frei zu nutzen, so wenig wie möglich arbeitende Personen einzustellen und Arbeitslöhne zu senken. Dies ist der Grund für die Tendenz des Kapitals, die Quellen des Reichtums, Natur und ArbeiterInnen, zu zerstören.

Nach der Weltwirtschaftskrise 1929 konnte angesichts des Zusammenbruchs des klassischen Liberalismus und der Konkurrenz des Sozialismus die starke Gegenmacht der Arbeiterbewegung eine Zähmung des Kapitalismus erreichen. Daraus entstand die New Deal-Politik in den USA und nach dem Krieg die Soziale Marktwirtschaft in Europa. Als sich aber seit den 1960er Jahren das Kapital globalisierte und so den nationalen Regulierungen auswich, führten die G7 Länder, in denen die 100 größten Transnationalen Konzerne (TNCs) ihre Hauptquartiere haben, die neo-liberale Politik ein. Die Folge: Spaltung der Bevölkerungen in Armgemachte und sich Bereichernde in und zwischen Nord und Süd, Lohndrückerei, Massenerwerbslosigkeit, Senken der Sozialleistungen und ökologische Zerstörungen. Dadurch wurde auch die Kaufkraft der Massen geschwächt, was wiederum zur Überproduktion beitrug. Wegen der so abnehmenden Profite in der Realwirtschaft schufen die Kapitaleigner Finanzblasen durch Spekulation, um durch Derivate die Renditen zu erhöhen. So entstand der Kasino-Kapitalismus ohne Basis in der Realwirtschaft mit Renditen über 25%. Dieses System musste zusammenbrechen.

Nun kann der Markt, der Gott der Neoliberalen, nicht mehr helfen, und die Spekulanten schreien nach dem schon zuvor instrumentalisierten Staat. Aber was sie wollen, ist ihre Auslösung durch die Steuerzahler, nachdem sie die Gewinne privatisiert haben. Inzwischen werden die Staaten vorsichtiger und gehen zu Teilverstaatlichungen über, damit Gewinne in den öffentlichen Haushalt zurückfließen können. So ist wenigstens ein Anfang gemacht, den Neoliberalismus zu überwinden und die Wirtschaft unter öffentliche Kontrolle zu bringen, um die Interessen der breiten Bevölkerung zu berücksichtigen. Das wird nur geschehen, wenn die Bevölkerung Druck macht.

Aber dies ist nicht genug. Nötig ist ein ganz neues Modell (Paradigma) für die Wirtschaft.Vgl. u.a. Duchrow, Ulrich/Hinkelammert, Franz, 2002, 2005 2. Aufl., Leben ist mehr als Kapital. Alternativen zur globalen Diktatur des Eigentums, Publik-Forum, Oberursel, und Duchrow, Ulrich/Bianchi, Reinhold/Krüger, René/Petracca, Vincenzo, 2006, Solidarisch Mensch werden. Psychische und soziale Destruktion im Neoliberalismus - Wege zu ihrer Überwindung, VSA in Kooperation mit Publik-Forum, Hamburg/Oberursel. Hier empfiehlt es sich, vorkapitalistische Ansätze zu studieren, um eine post-kapitalistische Vision zu entwickeln.

Nehmen wir zuerst die Perspektive indigener Völker aus Lateinamerika. Ich zitiere aus der Erklärung "Nein zur Patentierung von Leben!":Duchrow/Hinkelammert, aaO., 277ff.

"Wir, die indigenen Gemeinschaften aus aller Welt, glauben, dass niemand besitzen kann, was in der Natur existiert, außer der Natur selbst. Ein menschliches Wesen kann nicht seine eigene Mutter besitzen. Die Menschheit ist Teil der Mutter Natur, wir haben nichts geschaffen und deshalb können wir auch in keiner Weise beanspruchen, die Besitzer von etwas zu sein, was uns nicht gehört. Doch immer wieder wurden uns westliche Eigentumssysteme aufoktroyiert, die unserer Weltanschauung und unseren Werten widersprechen.
Wir sehen mit Angst und Sorge, wie Artikel 27.3 (b) des WTO- Abkommens über handelsbezogene Rechte geistigen Eigentums weiterhin unsere Rechte auf unser kulturelles und geistiges Erbe, unsere Pflanzen, Tiere und sogar unsere menschlichen Gen-Ressourcen verleumdet und aushöhlt und unsere Art des Denkens und Handelns diskriminiert. Dieser Artikel macht eine künstliche Unterscheidung zwischen Pflanzen und Tieren auf der einen und Mikroorganismen auf der anderen Seite. Ebenso unterscheidet er künstlich zwischen ›im wesentlichen biologischen‹ und ›mikrobiologischen Prozessen‹ zur Schaffung von Tieren und Pflanzen. Für uns sind alles Lebensformen und Leben schaffende Prozesse, die heilig sind und nicht zu Privatbesitz gemacht werden dürfen."

Hier berühren wir die Eigentumsfrage. Die Erde gehört nicht uns, sondern ist Gabe zum Nutzen für alle.

Wir haben auch kulturelle Ressourcen in Afrika und Asien. Eine ÖRK-Konsultation unter dem Thema Transforming Theology and Life-giving civilization sagt: www.oikoumene.org/de/dokumentation/documents/oerk-generalsekretaer/speeches/13-08-07-chang-seong-korea-transforming-theology.html .

"Today we are faced with life-killing civilization, manifested in economic injustice, ecological destruction, the threat of Empire, and the escalation of religious conflicts. This compels us to urgently explore the possibility of life-giving civilization which affirms relationships, co-existence, harmony with creation, and solidarity with those who struggle for justice. This quest finds meaning in Ubuntu and Sangsaeng.
Ubuntu is an expression of human relations lived in community and in harmony with the whole of creation (‘African anthropology and cosmo-vision lived in community’). Sangsaeng is an ancient Asian concept ‘of a sharing community and economy which allows all to flourish together’."

Auch hier haben wir Ansätze, die in Relationen und Gesamtzusammenhängen denken, nicht in Beherrschungskategorien und Nutzenkalkül.

Gleiches gilt von der Jüdisch-christlichen Tradition: Die Vision der Bibel ist eine "Wirtschaft des Genug für alle", eine "Wirtschaft für das Leben". Wir finden sie z.B. in der Mannageschichte (Exod 16). Das von Gott gegebene Brot ist genug für jede Person - wenn fair geteilt wird: "Als sie die Gefäße zählten, hatte keiner, der viel gesammelt hatte, zuviel, und keiner der wenig gesammelt hatte zu wenig. Jeder hatte so viel gesammelt, wie er zum Essen brauchte" (V.18). Diese Geschichte wird erneut aufgegriffen im 7. Jh. v. Chr. in Deut 8 nach der Einführung einer neuen Eigentums-Zins-Geld-Ökonomie. Der Text erinnert durch Moses’ Mund die Judäer im Kontext einer sich in Reich und Arm spaltenden Gesellschaft an die Regel des Teilens des Mannabrotes, die Gott mit dem Brot gegeben hatte: Gott "wollte dich erkennen lassen, dass der Mensch nicht nur vom Brot lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was der Mund des Herrn spricht" (V.3). Diesen Vers hält Jesus dem Teufel entgegen, der ihn versucht, durch Akkumulation von Brot aus Steinen ökonomische Macht zu erlangen (Mt 4). Jesus lehrt uns beten um das täglich Brot, nicht um wachsende Bankkonten. Er verwirft die Ökonomie des unbegrenzten Wachstums von Eigentum durch Geldmechanismen: Gott oder Mammon.

Das verweist auf das 1. Gebot: "Ich bin es, der NAME, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten hinausführte, aus dem Haus des Sklaventums" (Ex 20,2). Dieser Gott wollte ein Volk, in dem niemand Herr ist und niemand Sklave. "Nach dem Handeln des Landes Ägypten, wo ihr einmal wohntet, handelt nicht, nach dem Handeln des Landes Kanaan, wohin ich euch gebracht habe, handelt nicht" (Lev 18,3). Diese Differenz zwischen Israel und den Völkern fasste es in den "Zehn Geboten" zusammen. Niemals sollen sich bei uns "ägyptische" Verhältnisse einschleichen, niemals Verhältnisse wie im Sklavenhaus, niemals "kanaanitische" Verhältnisse, Verhältnisse des Großgrundbesitzes, wo der Baal, der "Besitzer", Gott ist (1Kön 18,21; 21,1-16). Die Zehn Gebote lassen sich zusammenfassen in zwei, aus dem 1. Gebot folgenden Verboten: im Verbot des Sklaventums (Ausbeutung der Arbeitskraft von Menschen) und dem Verbot der Akkumulation (Ansammlung von nicht geteiltem Reichtum). Beides ist das Gegenteil des Finanzkapitalismus.

Der Buddhismus ist im gleichen historischen Kontext entstanden. Im Juli 2005 hielt die Historikerin Prof. Uma Chakravarti aus Neu Delhi im Center for Social Analysis/Madurai einen Vortrag unter dem Titel "Can Dalit/Buddhist Culture be an Anti-Capitalist Resource?"Unveröffentlicht. Vgl. Uma Chakravarty 1987. Dalits werden die kastenlosen "Unberührbaren" im hinduistischen Indien genannt, also die unterste Unterschicht der Gesellschaft. Sie schilderte darin den Kontext, in dem Buddha seine Bekehrung und Erleuchtung erlebte, folgendermaßen: Zwischen dem 8. und 6. Jahrhundert drang in Nordindien eine neue Wirtschaftsform ein, die auf Privateigentum und Geld aufbaute und von der Königsmacht gestützt wurde. Dadurch spaltete sich die Gesellschaft in Verarmende und sich Bereichernde. Die Erfahrung dieser Armut und des damit verbundenen Leidens veranlasste den Prinzen aus Mitleid alle seine Güter und Würden zu verlassen, um den Weg zu finden, Leiden in der Gesellschaft zu überwinden. Seine Erkenntnis reifte, dass die Armut und das Leiden durch die Gier verursacht wird, weshalb die Überwindung der Gier durch Meditation und das Abstreifen alles Überflüssigen sein Ausweg wurde. Die Beschreibung des Kontextes hätte gerade so gut von jemandem gegeben werden können, der oder die den Kontext der Hebräischen Bibel in diesen Jahrhunderten hätte zeichnen wollen. Dort waren es die Propheten und die Bauernbefreiungsbewegungen, die exakt auf die gleiche Spaltung der Gesellschaft mit Kritik und Rechtsreformen reagierten. Wir haben also historisch die erstaunliche Tatsache festzustellen, dass das Judentum sowie darauf aufbauend Jesus auf der einen und der Buddhismus auf der anderen Seite ihre zentrale Prägung im gleichen Kontext erfahren haben. Und dieser Kontext ist präzise das Entstehen der Eigentums-Geld-Wirtschaft, also die Vorform des neuzeitlichen Kapitalismus.

Das hat der buddhistische Ökonom Karl-Heinz Brodbeck vorzüglich herausgearbeitet in seinen Büchern: Buddhistische Wirtschaftsethik. Eine vergleichende Einführung, Shaker, Aachen, 2002, und Die Herrschaft des Geldes. Geschichte und Systematik, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 2009. Es gilt die drei Gifte zu überwinden: Gier, Aggression und Verblendung.

Aber es gibt auch Neuansätze in den westlichen Wissenschaften: Fast alle Versuche, Neuansätze zum westlich-modernen Ansatz zu finden, beginnen mit einer Kritik des französischen Philosophen René Descartes (1596-1650), um an seinen für die Neuzeit grundlegenden Kategorien zu zeigen, was zu überwinden ist und was an deren Stelle zu setzen wäre. Descartes hatte alle Wahrheitserkenntnis auf der Grundlage aufgebaut "Ich zweifle, also denke ich", "Ich denke, darum bin ich". Dieses denkende Ich bezeichnet er als denkende Substanz (res cogitans) und als das Subjekt. Ihm gegenüber steht die ausgedehnte körperliche Materie (res extensa) als Objekt. Descartes war genialer Mathematiker und ging von der Voraussetzung aus, dass die Erkenntnis der Objektwelt nichts anderes ist, als die Erkenntnis der mathematischen Strukturen in ihr. Sein Hauptziel war es, den mechanistischen Charakter der Physik, also der Erkenntnis der Körperwelt, zu beweisen - worin ihm später Newton folgte. Dazu half ihm auch eine theologische Konstruktion. Er führte einen Gottesbeweis durch, nach dem die Existenz Gottes aus dem Begriff Gottes in unserer Vorstellung folgt. Diesen Gott verstand er als einen Uhrmacher, der die Welt wie eine Uhr so perfekt nach mathematischen Gesetzen geschaffen hatte, dass sie danach in linear verstandener Zeit einfach ablaufen konnte. Die scharfe dualistische Trennung von denkendem Subjekt und körperlich-mechanischem Objekt diente auch zentral dem Beherrschen der Natur im Sinn des früheren Satzes von Francis Bacon, einem anderen Vater der Moderne: "Wissen ist Macht".

Alle Naturwissenschaften, aber auch die Ökonomie und andere Wissenschaften, sind diesem Modell gefolgt, und die meisten Wissenschaftler folgen ihm bis heute in ihrem faktischen Vorgehen, obwohl inzwischen deutlich ist, das die auf Descartes aufbauende objektivierende Methode allenfalls einen Ausschnitt der Wirklichkeit erfassen kann und viele Dimensionen der Wirklichkeit ausblendet. Den Anfang in der kritischen Hinterfragung dieses Ansatzes als umfassendes Erklärungsmodell der Wirklichkeit machte bekanntlich die Physik selbst, als sie im Bereich der Erforschung der kleinsten Teile, in der Quantenphysik, feststellte, dass die Objekterkenntnis jeweils zu anderen Ergebnissen kommt, je nachdem, welche Versuchsanordnungen die Forschenden einsetzen. Das heißt im Klartext: Das Objekt ist nicht unabhängig vom Subjekt. Der Ausdruck dieser neuen Erkenntnis sind die Einsteinsche Relativitätstheorie und die vielen Versuche, die philosophischen und erkenntnistheoretischen Folgerungen aus dieser neuen Situation zu ziehen (Niels Bohr, Werner Heisenberg, Carl Friedrich von Weizsäcker und andere).

Aber auch im Bereich der Wissenschaften vom Menschen sind inzwischen Erkenntnisse gewonnen worden, die die Trennung von rationalem Subjekt und körperlichem Objekt unmöglich machen. Als Beispiel aus der Hirnforschung nennen wir das Buch von Antonio R. Damasio mit dem geradezu programmatischen Titel: "Descartes’ Irrtum - Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn". Seine Grundaussagen sind die folgenden:

"1. Das menschliche Gehirn und der restliche Körper bilden einen unauflöslichen Organismus, integriert durch wechselseitig aufeinander einwirkende biochemische und neuronale Regelkreise (zu denen unter anderem das Hormon-, das Immun- und das autonome Nervensystem gehören). 2. Der Organismus befindet sich als Ganzes in Wechselwirkung mit seiner Umwelt, in einem Prozess, den weder der Körper allein noch das Gehirn allein bestimmt. 3. Die physiologischen Operationen, die wir Geist nennen, entstammen der Gesamtheit der strukturellen und funktionellen Organisation und nicht dem Gehirn allein: Geistige Phänomene lassen sich nur dann ganz verstehen, wenn wir die Wechselwirkung des Organismus mit seiner Umwelt einbeziehen. Dass die Umwelt zum Teil erst aus der Aktivität des Organismus entsteht, unterstreicht nur, wie komplex die Wechselwirkungen sind, die wir berücksichtigen müssen." (Damasio 1997, 18)

Das bedeutet, dass Trennung von denkender Ratio und fühlendem Körper ein ideologisches Konstrukt ist. Es bedeutet aber auch, dass der einzelne Mensch nicht ohne Wechselwirkung mit seiner Umwelt, also anderen Menschen und Gegenständen denkbar ist. Schon hier wird also das entscheidend Neue gegenüber dem neuzeitlich-westlichen Ansatz deutlich: das Ich ist nicht ohne Beziehung zum eigenen Körper und zu den Anderen samt natürlicher Umwelt denkbar. Der Kernpunkt liegt also in der Priorität von Beziehung im Gegensatz zur Priorität des isolierten Subjekts. Ein weiteres kommt bei Damasio klar zum Ausdruck: Mit der Überwindung der dualistischen Spaltung zwischen Geist und Körper, Fühlen und Denken, Ich und Umwelt usw. fällt auch der mechanistische Determinismus des modernen Denkens. Bei solchen komplexen Wechselwirkungen in den verschiedenen Beziehungen gibt es bei aller Vorstrukturiertheit (oder sogar auch Traumatisierung!) immer offene Möglichkeiten, die im Verlauf der Zeit entwickelt und umgesetzt werden können. Dass manche Hirnforscher als Deterministen auftreten, zeigt nur, dass sie die cartesianischen Vorurteile noch nicht in Frage gestellt haben.

Für unsere Fragestellung von unschätzbarem Wert ist eine noch ganz junge, weitere Einsicht der Hirnforschung: Im Hirn sind sog. Spiegelneuronen festgestellt worden, über die das Einfühlen in andere Menschen, Empathie und Mitgefühl geschieht. Joachim Bauer (2005) hat dies in seinem Buch "Warum ich fühle, was Du fühlst - Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneuronen" anschaulich dargestellt. Diese Spiegelneuronen werden in der frühesten Kindheit durch affektive Wechselbeziehung zwischen Baby und Beziehungspersonen ausgebildet. Dies ist also die physiologische Grundlage für das, was wir als beziehungspsychologische Einsichten bisher vorgestellt haben.

In der Psychologie selbst hat es bei einzelnen hervorragenden Vertretern dieser Wissenschaft längst zentrale Durchbrüche gegeben, die von der klassischen Ich-Psychologie in der Tradition Freuds zu einer Wir-Psychologie, einer Relationalen oder Beziehungspsychologie vorgedrungen sind. Wir haben in den vorangegangenen Kapiteln bereits mehrere Vertreter der Relationalen Psychologie aus dem englischsprachigen Raum kennen gelernt (Fairbairn, Winnicott, Lifton u.a.). An dieser Stelle ist aber besonders auch Horst-Eberhard Richter zu nennen. Er hat den Übergang von der Ich- zur Wir-Psychologie in einem Buch dargestellt, das seinen eigenen Lernweg im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten 50 Jahre nachzeichnet unter dem Titel "Das Ende der Egomanie. Die Krise des westlichen Bewusstseins". Darin hat er ebenso einige Vorgänger in diesen Bemühungen wie Martin Buber sehr anschaulich dargestellt wie auch die Bedeutung von sozialen Bewegungen, worauf wir ausführlich zurückkommen werden.

Nun wird aber selten thematisiert, was wir in dem Buch "Solidarisch Mensch werden"S.o. Anm. 1. versuchen, nämlich die psychologischen und philosophischen in Wechselwirkung mit den ökonomischen Fragen zu erfassen. Immerhin sagte Descartes nicht nur, der Mensch sei Beherrscher der Natur, sondern "maitre et possesseur de la nature", also auch Eigentümer. Das verweist uns zurück darauf, dass der Grundansatz der neuzeitlichen Philosophie des Ich als Subjekt zur Beherrschung der Objekte jedenfalls faktisch nur im Zusammenhang einer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung entdeckt und formuliert werden konnte, in der der Mensch als handelnder Eigentümer im Markt erfahren wird. Beherrschen und Eigentümersein gehören in diesem westlichen Ansatz offenbar zusammen. Immerhin war Thomas Hobbes Zeitgenosse von Descartes. Wie wir oben angedeutet haben, sieht er die Menschen ganz ähnlich wie Descartes in mechanistischen Bewegungen gegeneinanderstoßen, wenn sie in ihrem Begehren mehr Reichtum, Macht und Ansehen anstreben. Und Descartes hat die Wahrscheinlichkeitsrechnung im Zusammenhang der Zinsvorausberechnung entwickelt.

All dies soll nicht einer simplen materialistischen These Vorschub leisten, alle Ideen - also hier die von Descartes und Hobbes - seien nur Spiegelbild ihrer eigenen ökonomischen Interessen oder der ihrer Klassen. Sie haben aber auf den Begriff gebracht, was als reale gesellschaftliche Entwicklung sich vollzog. Ihre Kategorienbildung hat dann umgekehrt wieder zurückgewirkt auf diese Entwicklung und diese beschleunigt, geprägt und auch gerechtfertigt. Häufig wird heute die Ansicht vertreten, wir könnten die Lage unserer und der globalen Gesellschaft dadurch ändern, dass wir das Denken, die Ethik oder die Spiritualität ändern. Das wird nur dann wirksam sein, wenn wir gleichzeitig und in Wechselwirkung damit die ökonomischen und politischen Strukturen ändern.

Dies bestätigt die genannte Beobachtung, dass die Menschen gar nicht mehr handelnde Subjekte gegenüber dem ökonomischen System sind. Das isoliert gegeneinander konkurrierende Eigentümersubjekt, das wissenschaftlich, technisch, ökonomisch und politisch nach Beherrschung der Anderen und der Natur strebt, bringt ein System hervor, das es selber zum Objekt des Mechanismus macht, den es hervorgebracht hat. Das Ich-Subjekt der Neuzeit hat zunehmend und heute beschleunigt sein Subjektsein verloren. Das hat als erster Karl Marx in seiner klassischen Fetischismusanalyse durchschaut.Marx, Karl, 1969, Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Karl Marx/Friedrich Engels,Werke, Bd. 23, Dietz Verlag, Berlin. Er knüpft wieder im kritischen Sinn an Aristoteles an. Er entschlüsselt den Mechanismus der Geldvermehrung, das "Geheimnis der Plusmacherei", wie er es nennt, in der wirtschaftlichen Entwicklung bis zum industriellen Kapitalismus durch drei fundamentale Erkenntnisse: 1. Er macht die Vergewaltigung der Wirklichkeit durch die Abstraktion des Geldvermehrungsmechanismus verstehbar durch seine Analyse des Warenfetischismus und Kapitalfetischismus: Alle Regeln und Institutionen dieses Systems, die unsichtbar bleiben, die aber über Leben und Tod der Menschen und der Erde entscheiden, dienen letztlich der Kapitalakkumulation und gelten als solche sakrosankt, tabu. 2. Dabei verfeinert er die aristotelische Unterscheidung zwischen Geld als Geld (im Sinn des Tauschmittels für den Gebrauchswert von Waren zur Befriedigung der Lebensbedürfnisse in der Konsumtion) und Geld als Kapital (im Sinn der grenzen- und maßlosen Vermehrung des Geldes als Wert um seiner selbst willen). 3. Dabei liefert er auch die grundlegende Analyse für die schon bei Luther angedeutete Erkenntnis, dass die Vermehrung, Akkumulation des Kapitals als Kaufmannskapital oder als industrielles oder als zinstragendes Kapital, also der Mehrwert, durch ausgebeutete Arbeit zustande kommt. (Heute wäre die ebenfalls von Marx angedeutete Ausbeutung der Natur als grundlegend hinzuzunehmen). Dabei sieht er im Anschluss an Adam Smith, dass nur gerade soviel des Gewinns in die Reproduktion der Arbeitskraft fließt, als zu ihrer minimalen Erhaltung nötig ist. Die Menschen und menschlichen Bedürfnisse, die über die Reproduktion der Arbeitskraft hinausgehen, sowie die Erde interessieren das sich selbst vermehrende Kapital nicht - der Grund für die Verelendungsprozesse von Menschen und für die Zerstörungsprozesse der Natur.

Es ist nicht möglich, die Fetischismusanalyse, die Marx im "Kapital" vorgelegt hat, hier vollständig zu entfalten. Hierzu sei verwiesen auf die vorzügliche, unter heutigen Fragestellungen entwickelte Darstellung bei Franz Hinkelammert "Die ideologischen Waffen des Todes. Zur Metaphysik des Kapitalismus".Hinkelammert, F., 1985, Die ideologischen Waffen des Todes. Zur Metaphysik des Kapitalismus, Edition Exodus, Fribourg, 11-68. Was untersucht Marx in der Fetischismustheorie? Er analysiert die Regeln, Institutionen und Herrschaftsverhältnisse, nach denen sich die gesellschaftliche Arbeitsteilung und die Verteilung der Güter ordnen. Insbesondere in der kapitalistischen Gesellschaft werden diese Regeln unsichtbar gehalten, weil sie sich in den Warenbeziehungen verstecken.
Je arbeitsteiliger die Gesellschaft wurde, desto mehr verlagerte sich die Bedeutung der Ware von ihrem Gebrauchswert für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse hin zum Dingwert der Ware. (Das kommt bei Aristoteles in der Verschiebung von der natürlichen Erwerbswirtschaft, ktetiké, zur geldvermehrenden Warenwirtschaft, chrematistiké, zum Ausdruck; "chrema" heißt im Griechischen bezeichnenderweise gleichzeitig Ding und Geld). Der Fetischismus entwickelt sich also in verschiedenen historischen Epochen.Ebd.16.

Im Fall des Gebrauchswerts gibt es noch nichts Geheimnisvolles. Weizen ist zum Essen da, ein Kleid zum Kleiden. Im Rahmen einer Arbeitsteilung auf der Grundlage des Privateigentums wird aber Weizen ein Mittel, durch Tausch Schuhe zu erhalten und umgekehrt. (Hinkelammert weist übrigens nach, dass auch im real existierenden Sozialismus die Beziehungen durch Waren vermittelt blieben, was hier ausgeklammert bleiben muss). Durch den Tauschwert beginnen aber die Waren untereinander ein nicht mehr kontrollierbares Beziehungssystem zu entwickeln, in dem sich die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen untereinander spiegeln.

Dieser Vorgang verschärft sich, wenn die Ware Geld ein gemeinsamer Nenner für den Tauschwert aller anderen Waren wird. Geld ist dann die Ware in ihrem Dingwert. Symbolisiert in Silber und Gold, ist Geld das Wert-Depot. Dieser Stufe des Fetischismus entspricht das Schatzsammeln. Dies ist es, was Aristoteles als Gier nach grenzenlosem Geldvermehren beschreibt.

Im Kapitalismus erreicht die Entwicklung des Fetischismus ihren Höhepunkt und ihren umfassenden Charakter. Denn hier wird alles zur auf Geldvermehrung zielenden Ware: natürlich das Geld selbst, aber auch der Boden (und zunehmend die industriellen Produktionsmittel) und vor allem die Arbeit in Form von käuflicher Lohnarbeit.Marx, Karl, 1969, Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Karl Marx/Friedrich Engels,Werke, Bd. 23, Dietz Verlag, Berlin (MEW), 25, 835; dazu Hinkelammert, aaO. 37. Anders ausgedrückt: alles wird zu Kapital. Was ist Kapital?

Marx stellt zur Erklärung zwei Formeln gegenüber. In der Tauschwirtschaft dient das Geld dem Austausch zweier Waren zur Bedürfnisbefriedigung im Gebrauch. Hier ist also die Formel: Ware 1 —> Geld —> Ware 2 (W —> G —> W’). Zu Kapital wird das Geld, wenn es Ausgangspunkt und Ziel des wirtschaftlichen Prozesses wird, die Ware aber nur ein Mittel, um Geld zu vermehren. Daher lautet die Formel Geld —> Ware —> (mehr) Geld (G —> W —> G’). Dabei ist, wie oben gezeigt, in der vermittelnden Ware ein oder mehrere gleiche Zyklen dieser Art im Produktionsprozess verborgen.

"Kaufen, um zu verkaufen, oder vollständiger, kaufen, um teurer zu verkaufen, G —> W —> G’, scheint zwar nur einer Art des Kapitals, dem Kaufmannskapital, eigentümliche Form. Aber auch das industrielle Kapital ist Geld, das sich in Ware verwandelt und durch den Verkauf der Ware in mehr Geld rückverwandelt. Akte, die etwa zwischen dem Kauf und dem Verkaufe, außerhalb der Zirkulationssphäre, vorgehen, ändern nichts an dieser Form der Bewegung. In dem zinstragenden Kapital endlich stellt sich die Zirkulation G —> W —> G’ abgekürzt dar, in ihrem Resultat ohne die Vermittlung, sozusagen im Lapidarstil, als G —> G’, Geld, das gleich mehr Geld, Wert, der größer als er selbst ist. In der Tat also ist G —> W —> G’ die allgemeine Form des Kapitals …"MEW 23, 170.

Diese Erkenntnis zielt bei Marx darauf, dass in der neuzeitlichen bürgerlichen Geldvermehrungs-Marktgesellschaft in umfassender Form herauskommt, dass der Mehrwert in der Bewegung von Geld über Ware zu mehr Geld ausgebeutete Arbeitskraft ist. Der Lohnarbeiter kann nicht mehr seine in einem Produkt vergegenständlichte Arbeitskraft als Ware zu Markte tragen, sondern er muss seine Arbeitskraft, sich selbst zu Markte tragen. Denn der Kapitaleigner hat die Produktionsmittel, Maschinen usw. in der Hand. Er ist aber auch Besitzer der Produkte, also der Lebensmittel für alle Nicht-Kapitaleigner, d.h. auch für die Bauern ohne Land, die Arbeitslosen und andere Randgruppen (Marginalisierte).

"Der Konsumptionsprozess der Arbeitskraft ist zugleich der Produktionsprozess von Ware und Mehrwert."MEW 23, 189; vgl. Hinkelammert, aaO., 38.

Das Kapital aber - seinem Wesen nach Geldvermehrung um seiner selbst willen - "sichert nur das Leben derjenigen Arbeiter, die für seinen (des Kapitals) eigenen Lebensprozess notwendig sind".Hinkelammert, aaO., 39. Das Elend der Arbeitslosigkeit z.B. hat keinen Platz im Kalkül des Kapitals - ebenso wenig wie einst Kinderarbeit -, solange die Gegenkräfte nicht stark genug sind. So sieht das Kapital von Seiten der Nicht-Kapitaleigner aus. Das Kapital selbst erweckt den Schein, als sei es die Quelle alles Produktiven. Sein zerstörerischer Selbstvermehrungsmechanismus wird als die Quelle des Lebens dargestellt.

"Im zinstragenden Kapital erreicht das Kapitalverhältnis seine äußerlichste und fetischartigste Form … Das Kapital erscheint als mysteriöse und selbstschöpferische Quelle des Zinses, seiner eigenen Vermehrung. Das Ding (Geld, Ware, Wert) ist nun als bloßes Ding schon Kapital, und das Kapital erscheint als bloßes Ding; das Resultat des gesamten Reproduktionsprozesses erscheint als eine einem Ding von selbst zukommende Eigenschaft; es hängt ab von dem Besitzer des Geldes, d.h. der Ware in ihrer stets austauschbaren Form, ob er es als Geld verausgaben oder als Kapital vermieten will. Im zinstragenden Kapital ist daher dieser automatische Fetisch rein herausgearbeitet, der sich selbst verwertende Wert, Geld heckendes Geld, und trägt es in dieser Form keine Narben seiner Entstehung mehr … Es verdreht sich auch dies: Während der Zins nur ein Teil des Profits ist, d.h. des Mehrwerts, den der fungierende Kapitalist dem Arbeiter auspresst, erscheint jetzt umgekehrt der Zins als die eigentliche Frucht des Kapitals, als das Ursprüngliche, und der Profit, nun in der Form des Unternehmergewinns verwandelt, als bloßes im Reproduktionsprozess hinzugekommenes Accessorium und Zutat. Hier ist die Fetischgestalt des Kapitals und die Vorstellung vom Kapitalfetisch fertig."MEW 25, 404f. Vgl. Hinkelammert, aaO., 43f.

Wie ist aus diesem Teufelskreis herauszukommen?

Am Beispiel Energie hat Sigurd Bergmann herausgearbeitet, dass die entscheidende Frage ist, ob wir die von Gott geschenkten Ressourcen als Gabe oder Ware ansehen.In: Energy Talks Ossiach 2009: Liberalisierung: Quo Vadis?, Ossiach 2009, s. auch http://www.energytalks.com/ . Genauso formulierte Dietrich Bonhoeffer in seiner Ethik:

"Die Kirche bekennt sich schuldig aller 10 Gebote, sie bekennt darin ihren Abfall von Christus….; sie hat die Fürsorge Gottes nicht so glaubhaft zu machen vermocht, dass alles menschliche Wirtschaften von ihr aus seine Aufgabe in Empfang genommen hätte. Durch ihr eigenes Verstummen ist die Kirche schuldig geworden an dem Verlust an verantwortlichem Handeln, an Tapferkeit des Einstehens und Bereitschaft für das als recht Erkannte zu leiden."DWB, Bd. 6, 131f.

Aber wie sollen wir eine neue Vision, die auf dem nachhaltigen Umgang mit Gottes Gaben aufbaut, inmitten der gefährlichen Krise in die Tat umsetzen? Wir brauchen eine vielfältige Strategie, wie sie Kairos Europa über mehr als 15 Jahre entwickelt hat:

1. Alle Menschen guten Willens können lokal und regional zu wirtschaften beginnen in Harmonie mit Gottes guten und ausreichenden Gaben der Natur - in einer kooperativen, sozial-solidarischen und ökologischen Wirtschaft, wie sie schon weltweit umgesetzt wird.Vgl. Douthwaite, Richard/Diefenbacher, Hans, 1998, Jenseits der Globalisierung: Handbuch für lokales Wirtschaften, Grünewald, Mainz; www.economiasolidaria.org/ ; de.wikipedia.org/wiki/Solidarische_%C3%96konomie http://www.populareconomics.org/ussen/ .

2. Gleichzeitig müssen Bündnisse gebildet werden, um politische Maßnahmen in der Perspektive ökologischer und sozialer Gerechtigkeit durchzusetzen wie:

  • Eine neue Eigentumsordnung von unten, speziell statt Geld als Ware Geld als öffentliches Gut im Sinn der Commons, Gemeingüter. Insgesamt geht es um die Lebens- und Gemeinwohlpflichtigkeit des Eigentums;Duchrow/Hinkelammert, aaO. Kap. 7.
  • Angesichts der Krise Bindung von staatlichen Interventionen an soziale und ökologische Kriterien, damit mittel- und langfristig das Wirtschaften unter öffentliche Kontrolle und Regulierung für das gemeinsame Wohl gebracht werden;
  • Grundversorgung der Bevölkerung mit öffentlichen Gütern und Diensten (Wasser, Energie, Bildung, Gesundheit usw.) - gegen weitere Privatisierungen;
  • Entwicklung einer zyklischen Wirtschaft, die Ressourcen in einer Form nutzt, dass diese wieder regeneriert werden können;
  • Langfristige Überwindung der kapitalistischen Wachstumswirtschaft für die Kapitaleigner durch eine Nullwachstumsökonomie, die das ökologische Gleichgewicht und soziale Gerechtigkeit als politisch belohntes Hauptziel verfolgt -eine Demokratisierung der Wirtschaft.

Fazit: Hinter der Finanzkrise steht die Systemkrise, deutlich sichtbar durch die ökologische Krise. Die Ressourcen der Erde sind begrenzt, besonders Öl, auf dem die kapitalistische Industrialisierung beruht, aber auch die landwirtschaftlichen Flächen für die Ernährung, die durch Agro-Sprit Produktion dezimiert werden. Ein ökonomisches Modell, das auf grenzenlosem Wachstum aufbaut, benötigt grenzenlose Ressourcen. Zur Zeit erweitern die westlichen Mächte die Grenzen ihres eigenen Wachstums durch imperiale Kriege wie in Afghanistan und Irak, durch die Bewaffnung Georgiens, durch die Unterstützung von faschistischen Regimen wie in Kolumbien und den Philippinen. Wer für einen Paradigmenwechsel im Wirtschaftlichen arbeitet, arbeitet also auch für den Frieden. Die gegenwärtige Krise ist für die Menschheit ein Kairos, ein entscheidender und zur Entscheidung rufender Augenblick, vom Tod zum Leben umzukehren.

Ulrich Duchrow (* 1935) ist Theologe und Wissenschaftsethiker. Der Befreiungstheologe wirkt als Professor für Systematische Theologie (evangelisch) an der Universität Heidelberg und zählt zu den renommiertesten Kritikern des globalen Kapitalismus. Er ist Mitbegründer von Kairos Europa, einem Netzwerk, das sich im Rahmen des Konziliaren Prozesses unter anderem für gerechtere Wirtschaftsbeziehungen einsetzt.

Beim vorliegenden Text handelt es sich um das Manuskript eines Vortrags, den Ulrich Duchrow am 26.2.2009 bei einer Veranstaltung von ATTAC Lörrach gehalten hat. Wir danken ihm für das freundliche Überlassen dieses Textes zur Veröffentlichung in unserer Website.

 

Fußnoten

Veröffentlicht am

15. Mai 2009

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