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Pete Seeger: Die Feier zu seinem 90. Geburtstag

Am 3. Mai in Madison Square Garden in New York

 

Von Amy Goodman, 08.05.2009 - Truthdig / ZNet

Was für eine Gartenparty. Am Sonntagabend war Madison Square Garden vollgepackt mit 18.000 Menschen, die die ersten 90 Jahre von Pete Seegers Leben feiern wollten.

Der legendäre Folksänger ist lebende Geschichte. Er verkörpert die Graswurzel-Kämpfe des 20. Jahrhunderts - für Bürgerrechte, für die Rechte der Arbeiter, für Umwelt und Frieden. Kraftvoll und leidenschaftlich erklang seine Musik bzw. seine ‘Tributes’ von der Bühne. So hat Seeger der Gesellschaft seinen permanenten Stempel aufgedrückt.

Bruce Springsteen eröffnete den Abend (in Madison Square Garden) mit einem Tribute an Pete. Er sagte: "Als ich und Pete nach Washington reisten, um an Präsident Obamas Amtseinführung teilzunehmen, erzählte er mir die ganze Geschichte von ‘We Shall Overcome’; wie dieses Lied der Arbeiterbewegung - durch Petes Inspiration - von der Bürgerrechtsbewegung übernommen wurde. Als wir an diesem Tag ‘This Land is Your Land’ sangen, sah ich Pete an. Der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten saß rechts neben ihm. Ich dachte an die unglaubliche Reise, die Pete zurückgelegt hat… Er war so glücklich an jenem Tag - nach dem Motto: ‘Pete, du hast die Dreckskerle überlebt, Mann’."

Springsteen erinnert sich an den einzigen Wunsch, den Pete hinsichtlich der Amtseinführung geäußert hatte: "Nun, ich will alle Verse (von ‘This Land is Your Land’) singen. Wissen Sie, ich will alle singen, die Woody (Guthrie) geschrieben hat, vor allem jene beiden, die weggelassen werden… und in denen es um Privatbesitz und die Wohlfahrtsbehörde geht…"

So hat es Pete sein Leben lang gehalten. Er hat immer alle Verse gesungen, vor allem jene, die wir gerne aus unserer Geschichte als Volk streichen würden."

Hier die Verse aus dem Lied, die so oft zensiert werden:Anmerkung d. Übersetzerin: Die Originalverse aus ‘This Land is My Land’:
‘In the squares of the city, under shadow of the steeple,
at the relief office, I saw my people.
As they stood there hungry, I stood there whistling,
this land was made for you and me.
A great high wall there tried to stop me.
A great big sign ther said private property,
but on the other side it didn’t say nothing.
That side was made for you and me.’

‘An den Plätzen der Großstadt, im Schatten des Kirchturms,
in der Wohlfahrtsbehörde sah ich meine Leute.
Sie standen dort hungernd, ich stand dort pfeifend,
dieses Land wurde für dich und mich gemacht.
Eine große, hohe Mauer wollte mich stoppen.
Auf einem großen, wuchtigen Schild stand ‘Privatbesitz’,
aber auf der anderen Seite stand nichts geschrieben.
Diese Seite ist für dich und mich gemacht.’

Seegers kompromissloses Engagement für soziale Gerechtigkeit brachte ihn 1955 vor das ‘Komitee für Unamerikanische Aktivitäten’ HUAC. Pete sagte dem HUAC: "Mir missfällt sehr und zutiefst, unter welchen Umständen ich vor dieses Komitee zitiert werde. (Der Grund) scheint irgendwie zu sein, dass ich weniger Amerikaner sein soll als irgend ein anderer, weil meine Meinung sich vielleicht von der Ihren unterscheidet". Seeger kam auf die ‘Schwarze Liste’ und war fast 15 Jahre vom Bildschirm verschwunden. Sein erster Auftritt als Sänger fand in der Show der Smothers Brothers (The Smothers Brothers Comedy Hour) 1968 statt.

Seeger erzählte mir: "Die Smothers Brothers waren ein wirklich großer Erfolg auf CBS-TV. Und… im Frühjahr 1967 sagte CBS: "Was können wir tun, um euch noch glücklicher zu machen?" Und sie sagten: "Lasst Seeger bei uns auftreten". CBS sagte: "Nun, wir werden es uns überlegen". Endlich, im Oktober, sagten sie: "Okay, ihr könnt ihn haben". Ich sang dieses Lied: ‘Waist deep in the Big Muddy… the big fool says to push on’ (Bis zur Hüfte im Großen Sumpf… der große Depp sagt, geht weiter)…. In New York wurde das Lied zensiert. Die Smothers Brothers wandten sich an die Presse und sagten: "CBS… hat Seegers bestes Lied zensiert"…. Endlich, Ende Januar 1968, sagte CBS: "Okay, okay, er kann das Lied singen". Es handelt von einem Captain der Armee, der ertrinkt, während er seine Truppen immer tiefer in den Fluss treibt. Es war offensichtlich eine Metapher auf die Einmischung der USA in Vietnam.

1949 hatte Pete Seeger gemeinsam mit dem schwarzen Opernsänger und Schaulspieler Paul Robeson, der auf der "Weißenliste" stand, ein Konzert in Peekskill, im Staate New York, gegeben. Peekskill ist ein Dorf im oberen Teil des Staates, wo der Ku-Klux-Klan aktiv war. Eine Vigilantenmenge warf Steine in die Menge. Es gab Hunderte Verletzte. Pete nahm einige der Steine des Angriffs mit und baute sie in seinen Kamin ein. Auf diese Weise würden sie niemanden mehr verletzen und nur die Flammen beschützen.*** Anmerkung der Übersetzerin: Auf Youtube finden sich mehrere Kurzvinterviews mit Pete Seeger, u.a. zu den Peekskill-Krawallen .

Sein Leben lang hat Pete den Hudson River geliebt. Dieser Fluss gilt als eines der verseuchtetsten Gewässer der Welt. 1966 gründete Pete zusammen mit anderen die Umweltorganisation ‘Hudson River Sloop Clearwater’. Mit Hilfe eines wunderschönen Holzbootes und einer jährlichen Feier werden die Menschen darüber informiert, wie nötig es ist, den Hudson sauber zu machen. Sie werden angeregt, sich für dieses Ziel und den Umweltschutz einzusetzen. Es gibt zudem eine Bewegung, die sich dafür einsetzt, dass Pete Seeger den Nobelpreis erhält.

In Madison Square Garden stand Pete am Sonntag im Mittelpunkt. Er spielte auf seinem Banjo. Seine Gesangsstimme klingt heute dünn - nachdem er den Mächtigen 70 Jahre lang die Wahrheit entgegengesungen hat. Sein Mund formte die Worte der Lieder, aber die laute Stimme kam von den 18 000 Menschen im Publikum. Das ist Petes Vermächtnis. Das ist es, was weiterbestehen wird.

Denis Moynihan hat zu diesem Artikel beigetragen.

Amy Goodman ist Moderatorin des TV- und Radioprogramms ‘Democracy Now!’, das aus rund 500 Stationen in Nordamerika täglich/stündlich internationale Nachrichten sendet.

 

 

Quelle:  ZNet Deutschland vom 04.05.2009. Originalartikel:  Pete Seeger Carries Us On . Übersetzt von: Andrea Noll.

Fußnoten

Veröffentlicht am

10. Mai 2009

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