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Kinder als unbeweinte Opfer der Kriegsverbrechen Bushs

Die Bush-Administration hat sogar Kinder foltern lassen - klagt der US-Autor Michael Haas an!

 

Von Michael Haas, Information Clearing House, 01.05.09

Die Folter hat unter den vielen Kriegsverbrechen der Bush-Administration das größte Aufsehen erregt. Aber diejenigen, die Bushs "Krieg gegen den Terror" unterstützen, haben die Foltervorwürfe nicht beeindruckt. Noch schlimmer als die Folterungen sind die Morde an mindestens 50 Gefangenen in Abu Ghraib, Afghanistan, und in Guantánamo; aber auch diese illegale Todesstrafe ohne Gerichtsurteil für angebliche Terroristen hat die Hartherzigen kalt gelassen.

Wenn aber Kinder misshandelt werden, ist es schwieriger, das zu akzeptieren. Das bestgehütete Geheimnis unter allen Kriegsverbrechen Bushs ist die Tatsache, dass er Tausende von Kindern einsperren und foltern ließ und ihnen Rechte vorenthalten hat, die ihnen nach den Genfer Konventionen und verwandten internationalen Abkommen zugestanden hätten. Sowohl der Kongress als auch die Medien haben es seltsamerweise versäumt, das Einsperren von Kindern als Kriegsverbrechen zu brandmarken. In der islamischen Welt werden diese Untaten aber nicht totgeschwiegen. Der Prophet Mohammed war tatsächlich der erste, der die Kämpfenden aufgefordert hat, Kinder zu schonen.

Die ersten Kriegsverbrechen gegen Kinder, die sehr gründlich dokumentiert wurden, geschahen während der Invasion Afghanistans im Jahr 2001; damals wurde das Kinderkrankenhaus in Kabul bombardiert und seine Patienten wurden dabei ermordet. Das war ein klarer Verstoß gegen die erste Rotkreuz-Konvention von 1864. Andere tote Kinder waren als "Kollateralschäden" während der Kriege in Afghanistan und im Irak zu beklagen, obwohl die Genfer Konventionen der unterschiedslose Töten in Kriegen verbieten; die genaue Anzahl der getöteten Kinder ist unbekannt. Im Frühjahr 2004 wurden während des Angriffs auf die irakische Stadt Falludscha etwa 300 Kinder umgebracht - auch bei friedlichen Demonstrationen. Bilder von ihren Leichen wurden von dem TV-Sender Al-Jazeera in der ganzen Arabisch sprechenden Welt gezeigt.

Im Jahr 2008 meldete die Bush-Administration dem UN-Komitee für die Rechte des Kindes, dass die Vereinigten Staaten seit 2002 im Irak 2.400 Kinder und in Afghanistan 100 Kinder eingesperrt hatten; nach einer anderen Quelle sollen es in Afghanistan mindestens 800 Jungen im Alter von 10 bis 15 gewesen sein, von denen sogar 64 nach Guantánamo gebracht worden seien. Im Mai 2008 waren jedenfalls noch 21 von ihnen dort eingesperrt. In diesem Monat rügte das Komitee die Vereinigten Staaten, weil sie Minderjährige als Kriegsverbrecher inhaftieren, anstatt sie als Opfer des Krieges zu behandeln. Die beiden 7 und 9 Jahre alten Kinder von Khalid Sheikh Mohammed (der beschuldigt wird, die Anschläge am 11.9.2001 geplant zu haben) wurden getrennt gefangen gehalten, um ihn zu einem Geständnis zu zwingen.Mehr Informationen s. http://de.wikipedia.org/wiki/Chalid_Scheich_Mohammed .

Während ihrer Gefangenschaft sind mehrere Kinder brutal behandelt und gefoltert worden. In Abu Ghraib machten amerikanische Wärter Videoaufnahmen von irakischen Männern, die kleine Jungen vergewaltigen, schritten aber nicht ein, um den Missbrauch zu verhindern. Das vielleicht schlimmste Vorkommnis in Abu Ghraib war die Misshandlung eines 12 oder 13 Jahre alten Mädchens, das ihren Bruder in einer Zelle im Stockwerk darüber laut schreiend zur Hilfe rufen wollte, als es nackt ausgezogen und geschlagen wurde. Der irakische Journalist Suhaib Badr-Addin al-Baz, der die Schreie des Mädchens hörte, bezeugte auch die Misshandlung eines kranken 15-Jährigen, der in Abu Ghraib gezwungen wurde, mit zwei schweren vollen Wasserkannen auf und ab zu laufen, und der geschlagen wurde, wenn er anhielt. Als er schließlich zusammenbrach, zogen ihn die Wärter aus und übergossen ihn mit kaltem Wasser. Schließlich wurde ein Mann mit einer Kapuze über dem Kopf herbei geholt. Als man ihm die Kapuze abnahm, erkannte der Junge seinen Vater, dem man zweifellos mit der brutalen Misshandlung seines Sohnes ein "Geständnis" entlocken wollte.

Als General Hamid Zabar im Irak verhört wurde, entschlossen sich seine Vernehmer, auch seinen geschwächten 16-jährigen Sohn einzusperren, um ein Geständnis zu erzwingen. Nachdem Soldaten den Jungen ergriffen hatten, wurde er ausgezogen, mit Schlamm und Wasser übergossen und in der kalten Januarnacht gefesselt auf der offenen Ladefläche eines Lastwagens ins Gefängnis gebracht. Als man ihn nackt seinem Vater präsentierte, zitterte er wegen Unterkühlung und brauchte dringend ärztliche Behandlung.

An eingesperrten Kindern wurden mindestens 25 Kriegsverbrechen begangen. Dazu gehört auch die Verschleppung aus ihren Heimatländern, wobei ihre Eltern zunächst befürchten mussten, sie seien tot. Als man den Eltern später den Aufenthaltsort ihrer Kinder offenbarte, wurde ihnen nicht erlaubt, auf dem Postweg Kontakt zu ihnen aufzunehmen. Die Familienmitglieder Hassin Bin Attashs erfuhren überhaupt nichts über seine heimliche Verschleppung nach Jordanien, und die Verwandten Ahmad Bashirs wussten nichts von seiner zweijährigen Inhaftierung in einem Geheimgefängnis.

Kinder wurden, obwohl die Genfer Konventionen das verbieten, in denselben Gefängnissen wie Erwachsene eingekerkert. In Einzelhaft wurden ihnen Bildungs- und Erholungsmöglichkeiten vorenthalten. Einem Rechtsanwalt wurde tatsächlich nicht erlaubt, seinem Klienten Omar Khadr eine Kopie des Videos "Herrn der Ringe" zu übergeben oder Domino mit ihm zu spielen; einem anderen Anwalt wurde verboten, seinen Klienten Mohammed Jawad mit Artikeln aus dem Internet zu versorgen. Nachdem der muslimische Geistliche, (US-)Hauptmann James Yee, Guantánamo am 10. September 2003 verlassen hatte, wurde er nicht ersetzt; eine angemessene religiöse Betreuung wurde den Muslimen also verweigert.

Inzwischen haben sich die Behörden geweigert, Personen zu überprüfen oder anzuklagen, die Kinder misshandelt haben, und es wurden auch keine Vorkehrungen getroffen, um die Misshandlung (von Kindern) in Gefängnissen zu verhindern oder Misshandelten in ihrem posttraumatischen Stress zu helfen. Vielen wurde der gesetzlich vorgeschrieben Beistand von Anwälten verweigert, bei ihrer Einweisung ins Gefängnis wurden ihnen auch keine Gründe für ihre Inhaftierung genannt; die Mindestanforderungen an ein "beschleunigtes Verfahren", das die Genfer Konventionen vorschreiben, wurden nicht erfüllt. Die Kinder wurden zu falschen Geständnissen gezwungen, vorgelegte entlastende Beweise oder Zeugenaussagen wurden nicht zugelassen.

2003 hat die (US-)Arbeitsministerin Elaine Chao eine Rede über die Notwendigkeit gehalten, Kindersoldaten in Burundi, Kolumbien, El Salvador, Sierra Leone, Sri Lanka, und Uganda zu rehabilitieren. Während sie sprach, wurden mehrere Kinder in Guantánamo misshandelt. Die bekanntesten von ihnen sind Mohammed Jawad und Omar Khadr; sie werden immer noch für ein Verfahren in Guantánamo gefangen gehalten.

Die Videobotschaft Omar Khadrs an seine Mama und seine Aussage, er sei gefoltert worden, wurden über das Fernsehen weltweit verbreitet. Obwohl er vom Kampf in Afghanistan noch verwundet war, wurde Omar viele Male verhört, manchmal mit einer Kapuze über dem Kopf und mit bellenden Hunden in seiner Nähe. Er gestand, weil ihn seine Wunden zu sehr schmerzten. Während der Verhöre in Guantánamo wurde Omar in Stress verursachenden Positionen an den Fußboden gefesselt, bis er urinieren musste. Sein gefesselter Körper wurde zweimal als "Putzlappen" verwendet, um seinen eigenen mit Kiefern-Öl vermischten Urin aufzuwischen. Danach durfte er nicht duschen oder die Kleider wechseln. Während eines Hungerstreiks wurde er brutal geschlagen und mit Vergewaltigung bedroht, ein Medikament gegen Schmerzen wurde ihm verweigert.

Es gibt einige Unklarheiten über die Inhaftierung Mohammad Jawads. Ist er deshalb in Guantánamo, weil er behauptet hat, in einem US-amerikanischen Gefängnis in Afghanistan im Jahr 2002 gesehen zu haben, wie Amerikaner Gefangene ermordeten? Um ihn am Schlafen zu hindern, musste er im Mai 2004 in Guantánamo in zwei Wochen mehr als hundertmal die Zelle wechseln, und er sitzt bis heute in Einzelhaft. Als er 2008 einem Richter vorgeführt wurde, war er der erste, dem man dabei Fußfesseln anlegte. Während der Verhandlung fragte ihn der Richter, ob er den zugeteilten Militäranwalt als seinen Rechtsanwalt akzeptiere. Nachdem er das verneinte, fragte der Richter, ob er einen anderen Rechtsanwalt wolle. Seine Antwort in der an Kafka erinnernden Untersuchung war: "Ich kenne keinen Rechtsanwalt, wie soll ich mich da von einem vertreten lassen? … Ihr solltet mir die Freiheit geben, dann kann ich mir einen suchen." Diese Bitte wurde natürlich abgelehnt.

Die Misshandlung von Kindern geschah nicht zum Spaß und sollte bei kommenden Untersuchungen und bei der Strafverfolgung der für die Folter Verantwortlichen nicht vernachlässigt werden. George W. Bush ist während des "Krieges gegen den Terror" nie nach der Misshandlung von Kindern in US-Gefängnissen gefragt worden.

Es ist höchste Zeit, Bush und andere für das ungeheuerlichste aller Kriegsverbrechen zur Verantwortung zu ziehen - für die Folterung und den Tod von Kindern, die man niemals hätte einsperren dürfen.

Das Buch "George W. Bush, War Criminal? - The Bush Administration’s Liability for 269 War Crimes" (George W. Bush, ein Kriegsverbrecher? - Die Verantwortung der Bush-Administration für 269 Kriegsverbrechen) des Autors Michael Haas ist im Buchhandel verfügbar (für 39.99 Euro). 

 

Quelle: LUFTPOST vom 07.05.2009. Originalartikel: Children as Unlamented Victims of Bush’s War Crimes . Übersetzung und (Klammer-)Anmerkungen: LUFTPOST. In der LUFTPOST http://www.luftpost-kl.de/luftpostarchiv/LP_07/LP17807_280807.pdf wurde bereits ein Artikel über ein US-Kindergefängnis im Irak veröffentlicht. Darin versuchte man noch der Eindruck zu erwecken, als seien die von den US-Streitkräften eingesperrten Kinder und Jugendlichen in "Erholungsheimen" untergebracht. Der US-Autor Michael Haas deutet durch seine wenigen entsetzlichen Beispiele an, was die eingekerkerten Minderjährigen in Wirklichkeit erdulden mussten. Und Mister Obama will auch ihre Quäler und Henker ungestraft davonkommen lassen. Das ist unter http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP09404_250409.pdf nachzulesen.

Fußnoten

Veröffentlicht am

08. Mai 2009

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