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Der Bürgerkrieg auf Sri Lanka: Traumatisierte Tamilen leben in Furcht vor neuer Offensive

Von Annie Kelly, 09.04.2009 - The Guardian / ZNetAnmerkung d. Autorin: Die Namen in diesem Artikel wurden geändert, um die Identität von Personen zu schützen.

5. April 2009. Es war im vergangenen Jahr, in einem Dorf im Osten Sri Lankas. Selvi Ratnarajah öffnete ihre Haustür. Drei maskierte Männer standen davor und zielten mit ihren Gewehren auf ihr Gesicht. Sie schoben sie nach Innen und schrien, sie solle die Lichter auslöschen. Als sie sich weigerte, riefen sie nach ihrem Ehemann Ravanana. Sie zogen ihn auf die Straße und zwangen ihn mit vorgehaltenem Gewehr auf den Rücksitz eines Motorrades.

"Ich lief aus dem Haus und rannte, rannte durch den Busch", sagte sie, während sie die zerfleddderte Ausweis-Karte ihres Mannes herausfingerte. "Ich konnte die Lichter des Motorrades vorne sehen und sah, wie sie bei einer Brücke anhielten. Dann hörte ich Schüsse. Ich lief in Richtung des Lärms und konnte jemanden atmen hören. Es war dunkel, und es gab kein Licht. Ich rief nach ihm. Als ich meinen Ehemann fand, hatten sie ihm in den Mund geschossen. Er versuchte, zu mir zu sprechen. Ich versuchte, erneut zu schreien, aber ich brachte keinen Laut hervor. Dann starb er".

Ratnarajah sagte, sie habe keine Ahnung, wer ihren Mann mitgenommen hatte, oder warum sie es taten. "Als sie zum Haus kamen, sagten sie nur, er würde zu einer Befragung mitgenommen, aber niemand hat mir je gesagt, warum er mitgenommen wurde", sagte sie.

"Überall sind Männer mit Waffen. Wir wissen nicht, wer sie sind und was aus den Kämpfen wird. Ich weiß nicht, wem ich vertrauen soll. Ich sah, wie sie ihn aus dem Haus holten, aber niemand will mir zuhören. Mein Ehemann wurde nie irgendeiner Sache wegen beschuldigt".

In diesem Frühjahr führt das Militär von Sri Lanka eine Offensive durch, mit der sie die Tamil Tigers (LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) eliminieren und deren blutigen, sechsundzwanzigjährigen Kampf um eine unabhängige Heimat beenden will. In den Regionen, in denen die Tamilen in der Mehrzahl sind, wird die Zivilbevölkerung terrorisiert und vertrieben und rechnet mit dem Schlimmsten.

Laut der Armee von Sri Lanka kämpfen die Tamilen ihren letzten Kampf - auf einem schmalen Streifen im Nordosten des Landes. Aber es ist unwahrscheinlich, dass eine Niederlage der Rebellen - als Kampftruppe - zu einer neuen Ruheperiode führen wird. Stattdessen sprechen Menschenrechtsorganisationen von einer Katastrophe "epidemischen Ausmaßes", die sich im Norden und Osten Sri Lankas entfalte. Bis zu 190.000 Zivilisten sitzen in der Region Vanni noch immer zwischen den letzten Tamil Tigers und den vorrückenden Regierungstruppen in der Falle.

Während die Rebellensoldaten wieder in der Zivilbevölkerung aufgehen und die Zahl der durch die Kämpfe Vertriebenen wächst, gibt es unzählige Berichte, die von Einschüchterungsversuchen und Brutalität erzählen. Manche Menschen verschwinden einfach.

Journalisten ist es verboten, sich in der Kriegszone zu bewegen. Sie bekommen auch keinen freien Zugang zu den "befreiten Regionen". Dennoch gelang es The Observer in Zusammenarbeit mit Journalisten vor Ort, Aussagen von Frauen wie Selvi aufzunehmen, in diese sie von verschwundenen oder gewaltsam verschleppten Ehemännern, Brüdern oder Söhnen berichten.

Bhavani Varnakulasingham ist 26 Jahre alt und hat zwei Kinder. Sie weint, als sie das Foto ihres Ehemannes hochhält und von dem Tag seines Verschwindens erzählt. Er war auf dem Nachhauseweg von der Arbeit. Er arbeitete als Fahrer für eine internationale Hilfsorganisation. "Er ging (in die Hauptstadt) nach Colombo. Er rief an, um zu sagen, dass er auf dem Weg nach Hause sei; als er nicht ankam, begann ich, auf seinem Mobiltelefon anzurufen", sagte sie. "Ich versuchte es tagelang. Einmal antwortete jemand. Ich schrie und bat sie, ihn freizulassen, aber sie legten auf. Da wusste ich sicher, dass sie ihn hatten".

Sie hat keine Ahnung, warum ihr Mann entführt wurde oder wer die Täter sind. Trotz wiederholter Anfragen bei der Polizei und bei Regierungsoffiziellen hat sie bislang keinerlei Informationen erhalten, was mit ihm geschehen ist.

In einem Dorf nahe Batticaloa, an der Ostküste, berichtete Amirtha Sinnathamby von unbekannten Bewaffneten, die 2006 ihren älteren Bruder erschossen. Ein weiterer Bruder starb, als er ins Kreuzfeuer von Rebellen und Regierungssoldaten geriet, und im vergangenen November verschwand ihr Mann, nachdem er nach Colombo gereist war, um eine Arbeitserlaubnis zu beantragen.

"Leute aus Colombo haben mich angerufen und sagten, man habe ihn mitgenommen", sagte sie. "Ich ging zur Polizeistation und legte eine Beschwerde ein, (ich) bin zu tamilischen Politikern, zum Roten Kreuz und zur Menschenrechtskommission gegangen, aber keiner konnte mir helfen. Keiner konnte mir sagen, wer ihn entführt hat oder warum er entführt wurde. Nun habe ich gar nichts mehr; ich habe mein ganzes Geld genommen, um nach Colombo zu reisen und mich bei der Polizei zu beschweren. Aber ich weiß nicht, ob er tot ist oder noch lebt. Ich lebe weiter mit den Tränen".

Die Welle von Entführungen und willkürlichen Festnahmen veranlasste eine Reihe von Menschenrechtsorganisationen, Alarm zu schlagen. Chris Chapman ist der Konfliktpräventionsoffizier von Minority Rights International. Er sagt: "Wir sind extrem besorgt über die Situation, mit der sich die Minderheiten in Sri Lankas Konfliktregionen konfrontiert sehen. Abgesehen von der humanitären Katastrophe in der Kampfzone, gibt es Hinweise auf eine steigende Zahl von Menschenrechtsverstößen."

"Man berichtet uns von willkürlichen Verhaftungen, Entführungen und Fällen von Verschwundenen. Betroffen sind Tamilen, die vor den Kämpfen fliehen. Auch in anderen Landesteilen kommt es zu solchen Verstößen. Was immer der militärische Ausgang sein mag, bei uns gibt es keine Belege, dass dieses Muster der Menschenrechtsverstöße dann aufhören wird", so Chapman.

"Ernsthafter internationaler Druck auf die Regierung von Sri Lanka wäre nötig, um Menschenrechtsmechanismen zu aktivieren, die sicherstellen, dass die hohe Zahl der Entführungen und Fälle von gewaltsamen Verschleppungen im Norden und Osten gestoppt werden und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden".

Anna Neistat, eine hochrangige Notfallkoordinatorin der Organisation Human Rights Watch (HRW), sagt: "Hier geht es nicht um den Konflikt; es geht um die Regierung, die nichts tut, um aktuellen Menschenrechtsverstößen, die gegen tamilische Zivilisten verübt werden, Rechnung zu tragen. Wir sind extrem besorgt angesichts der humanitären Krise, mit der Tausende, die durch die Kämpfe im Norden noch immer in der Falle sitzen, konfrontiert sind; diese Art von Verstößen scheint sich fortzusetzen. Die unabhängige Presse und Menschenrechtsaktivisten werden weiterhin eingeschüchtert, auch dem wird nicht Einhalt geboten", so Neistat.

Beiden Seiten wird vorgeworfen, tamilische Zivilisten, die zwischen den beiden Konfliktparteien festsitzen, anzugreifen. Es gibt Berichte über Zivilisten, die von der Artillerie der Regierung mit Granaten angegriffen wurden. Den Tamil Tigers wird vorgeworfen, Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht zu haben und auf Zivilisten zu schießen, die versuchen, aus der Region zu fliehen.

Am vergangenen Donnerstag entsandte die UNO Walter Kaelin. Er ist Vertreter von UNO-Generalsekretärs Ban Ki-moons und zuständig für die Menschenrechte intern vertriebener Personen (IDPs). Er kam, um die Situation einzuschätzen und sich mit hochrangigen Regierungsvertretern zu treffen. Es ist geplant, dass er bis morgen bleibt. Er reiste auf Einladung der Regierung Sri Lankas in das Land.

Wahrscheinlich sieht die Prognose düster aus. Charu Hogg ist assoziierter Direktor des internationalen Thinktank Chatham House. Er glaubt, die Zerschlagung der Tamil Tigers, als Kampftruppe, werde nur der Beginn einer neuen, hässlichen Phase der Unterdrückung der Zivilisten sein. "Das Ende des territorialen Kampfes wird zweifellos zu einem autoritäreren Regime führen. Die kämpfenden Kräfte werden vielleicht ausgelöscht werden, aber das Ende der Schlacht wird nicht das Ende der (Tiger) oder ihres Kampfpotentials bedeuten", so Hogg.

"Es wird zu ernsthaften Verwerfungen bei den Menschenrechten derjenigen Zivilisten kommen, die verdächtigt werden, etwas mit (den Tigern) zu tun zu haben oder mit ihnen zu sympathisieren. Das Verschwindenlassen ist eine hässliche Seite dieses Konfliktes und wird wahrscheinlich weitergehen - als Antiaufstands-Taktik, die von der Regierung und von bewaffneten Gruppen, die für die Regierung sind, eingesetzt wird", so Hogg.

Sri Lanka ist das Land mit der zweithöchsten Rate an Vermisstenfällen weltweit, die der UNO gemeldet werden. In einem Bericht von Human Rights Watch aus dem Jahr 2008 steht, dass zwischen 2005 und 2007 mehr als 1.500 Menschen als vermisst gemeldet wurden. Allein 2006 wurden mehr als 1.000 Menschen "vermisst" gemeldet.

Im vergangenen Monat verstärkte die Regierung die ‘Pflichtregistrierung aus Sicherheitsgründen’ von Tamilen in der Hauptstadt Colombo. Es gibt Befürchtungen, dass nach einem Ende des Konfliktes, jeder Tamile als mögliches Sicherheitsrisiko gelten wird und die Zahl der Verhaftungen und Tötungen weiter steigen wird.

Schon jetzt gibt es wachsende Befürchtungen über die Sicherheit der 60.000 intern Vertriebenen (IPDs). Bei den meisten handelt es sich um ethnische Tamilen, die aus Regionen geflohen sind, die von der Regierung kontrolliert werden. Schon jetzt gibt es Berichte über gewaltsame Verhaftungen, Entführungen und von Menschen, die aus Krankenhäusern oder "Wohlfahrts"-Lagern verschwanden oder an Sicherheitscheckpoints im Distrikt Vavuniya und Mannar verschwanden.

Ein Helfer aus Sri Lanka, der anonym bleiben will, spricht von Berichten über maskierte Banden, die in Hospitäler (voller vertriebener Tamilen) im Distrikt Vavuniya eindringen und Patienten mit Gewalt entführen.

Dr. Paikasothy Saravanamuttu, Exekutivdirektor des Centre for Policy Alternatives in Sri Lanka, sagt, dass gewaltsame Entführungen auch in den "Wohlfahrts-"Lagern in Jaffna und Vavuniya vorkämen.

"Menschen, die vor dem Konflikt fliehen, werden in hochmilitarisierte Transitlager oder Wohlfahrtslager gesteckt, die angeblich mehr Gefangenenlagern ähneln", so Saravanamuttu. "Es gibt keinen wirklichen Plan, was die Wiederansiedelung betrifft, und die Paramilitärs sind in den Lagern, wo die Menschen identifiziert werden und wo sie, als (angebliche) Unterstützer oder Sympathisanten (der Tiger), verschwinden".

Saravanamuttu sagt, er könne "nicht genug betonen", wie wichtig im Zusammenhang mit der Überprüfung tamilischer Zivilisten, die vor den Kämpfen fliehen, eine unabhängige, internationale Überwachung wäre.

Seit dem Beginn des Bürgerkrieges, 1983, wurden mehr als 800.000 Tamilen vertrieben und über 70.000 getötet. Obwohl es sich bei den Tamilen um eine Minderheit handelt, sind sie in den nördlichen und östlichen Provinzen des Landes in der Mehrheit.

In den kommenden Tagen wird es der Regierung wahrscheinlich gelingen, den restlichen Widerstand der Tiger zu brechen. Internationale und lokale Menschenrechtler sagen, angesichts dieser Situation müsse die fehlende Kontrolle über die schwerbewaffneten, mit der Regierung sympathisierenden paramilitärischen Gruppen, die im Norden und Osten des Landes operieren, gestoppt werden. Vielen dieser Gruppen wird vorgeworfen, seit 2006 ungesetzliche Tötungen durchzuführen, Geiseln zu nehmen, Menschen gewaltsam zu entführen und Kinder als Soldaten zu rekrutieren.

"Seit 2006 hat die Regierung zunehmend auf verbündete bewaffnete Gruppen zurückgegriffen, um ihre Counterinsurgency-Strategie zu vollstrecken, und sie hat diesen Gruppen erlaubt, im Norden und Osten straffrei zu operieren", so Yolanda Foster, Politikoffizierin von Amnesty International Sri Lanka.

"Sieht man sich an, was passiert ist, als die Regierung den Osten von den Kräften der Tigers "befreit" hat, so sieht man eine Zunahme unrechtmäßiger Tötungen (und keine) juristische Hilfe für Familien, deren Angehörige verschwunden waren, ohne Hinweise, was mit ihnen geschah - in Vavuniya, wo die meisten Lager liegen, operieren mindestens 10 bewaffnete Gruppen, die bereit sind, in das Vakuum zu stoßen, das die Niederlage der Tiger hinterlässt", so Foster.

Der Norden ist am schlimmsten von den Kämpfen betroffen. Das UNHCR spricht zudem von einer signifikanten Zunahme an Morden, Entführungen und Verletzungen in Sri Lankas östlichen Provinzen. In einer Erklärung vom Januar ist von einer sich verschlechternden Sicherheitssituation in dieser Region die Rede. Diese gefährde eine sichere Rückkehr von mehr als 200.000 Menschen, die durch die Kämpfe vertrieben worden waren. Die Familien würden in zunehmendem Maße von bewaffneten Gruppen eingeschüchtert und in ihrer Bewegungsfreiheit behindert, heißt es dort.

Sri Lankas Bürgerkrieg hat dazu geführt, dass Tausende Familien im Norden und Osten verzweifelt auf der Suche nach Angehörigen sind. Sie seien "verschwunden", ohne dass es eine Spur gäbe. Sie seien an Sicherheitscheckpoints mit Gewalt mitgenommen worden oder aus dem Haus der Familie entführt worden.

Im Report von Human Rights Watch des Jahres 2008 steht, dass es seit 2006 Hunderte von Fällen angeblich "Verschwundener" gab. Dennoch sei kaum etwas geschehen, um die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Die Regierung weigere sich, Daten über die Zahl der vermisst Gemeldeten zur Verfügung zu stellen, heißt es darin weiter.

Die Regierung weist diese Behauptungen zurück und behauptet, diese entbehrten jeder Grundlage, was die Beweislage auch zeige. Die Behauptungen, dass es an Checkpoints für Vertriebene und in Wohlfahrtslagern zu Entführungen und Fällen von Verschwundenen gekommen sei, weist sie als Propaganda zurück.

"Wir setzen einen Wiederansiedelungsplan um und haben vollstes Verständnis, dass der Prozess der Überprüfung und Registrierung von IDPs ordentlich durchgeführt werden muss. Wir sind in der Position, dass eine von 1.000 Personen, die in die von der Regierung kontrollierten Regionen kommen, ein Selbstmordbomber ist, aber einer von 1.000 reicht uns aus, um unsere Überprüfungsprozess gründlich durchzuführen", so Rajiva Wijeinha, Sekretär im Ministerium für Katastrophenmanagement und Menschenrechte.

"Bei den Beschuldigungen, die Regierung begehe Menschenrechtsverstöße gegenüber tamilischen Zivilisten, handelt es sich um empörende Propaganda der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam)", sagt er. "Wir haben hier 250 Menschen, die zugegeben haben, zu den Kadern der LTTE zu gehören, aber jene, die offensichtlich keine Verbindungen zur LTTE haben, ziehen hin, wo immer sie können", sagt er.

Die Regierung verweist auf ein Statement des UNHCR vom 31. März, um zu belegen, dass sie sich an internationale Standards hält. In dem Statement wird die "positive Entwicklung" in den IPD-Lagern im Norden begrüßt, einschließlich der vor kurzem erfolgten Freilassung von 371 Menschen mit speziellen Bedürfnissen. Allerdings wird in dem Statement auch mehr Bewegungsfreiheit für jene Vertriebenen (IPDs) gefordert, die den Überwachungsprozess (Screening) bereits durchlaufen haben.

Wijesinha verteidigt auch die Weigerung der Regierung, Journalisten in die Konfliktzone zu lassen. Er sagt, man sei nicht bereit, das Blut von Journalisten, das durch die Tigers vergossen würde, an den Händen zu haben.

Er bestreitet Behauptungen der International Federation of Journalists in Sri Lanka, dass Gewalt und Einschüchterungsversuche benutzt würden, um Informationen zu unterdrücken und Menschenrechtler zum Schweigen zu bringen.

Die Militärkampagne nähert sich ihrem Abschluss. In dieser Situation erneuert die internationale Gemeinschaft ihre Aufrufe, Druck auf die Regierung Sri Lankas auszuüben, damit diese sich mit der Einrichtung einer Überwachungsmission für Menschenrechte durch die UNO einverstanden erklärt. Eine solche Mission soll Verstöße aus dem ganzen Land - begangen durch Regierungstruppen oder durch die Tigers -, untersuchen und weitermelden.

In der Zwischenzeit fragt sich Selvi Ratnarajah weiter, warum ihr Ehemann sterben musste. "Ich habe Angst, nach Informationen über meinen Mann zu fragen", sagt sie, "aber ich kann das Leben nicht ertragen, wenn ich nicht weiß, warum sie ihn in dieser Weise töteten".

Chronologie des Konflikts:

1948 erlangte Sri Lanka (vormals Ceylon) die Unabhängigkeit von Großbritannien. Die Bevölkerungszahl des Landes beträgt 21 Millionen. Von diesen sind circa 3,2 Millionen hinduistisch-tamilischer Abstammung.

Tamilisch ist eine der Hauptsprachen des hinduistischen Dravidian-Dialektes, der in Indien von mehr als 200 Millionen Menschen gesprochen wird.

Die ceylonesischen Tamilen sind ein ethnischer Teil der Bevölkerung Sri Lankas. Sie stellen circa die Hälfte der tamilischen Bevölkerung dort. Sie leben hauptsächlich im Norden der Insel Sri Lanka. Sie sind relativ gut ausgebildet. Viele von ihnen haben professionelle oder geistliche Ämter inne.

Die so genannten indischen Tamilen hingegen wurden von den Briten im 19. und 20. Jahrhundert von Indien nach Ceylon gebracht, um in den Teeplantagen zu arbeiten.

Die Angehörigen beider tamilischen Gruppen sind meist Hindus. Allerdings gehören die ceylonesischen Tamilen und die indischen Tamilen unterschiedlichen Kastensystemen an und haben wenig miteinander zu tun.

In den 70er Jahren kam es zu wachsenden Spannungen zwischen den hinduistisch-ceylonesischen Tamilen und wechselnden (singalesisch-buddhistisch) Mehrheitsregierungen Sri Lankas. Daraus erwuchs ein Guerillakrieg gegen die Zentralregierung. Militante Tamilen forderten einen eigenständigen Staat im Nordosten Sri Lankas.

Im Konflikt der Tamil Tigers, LTTE, mit der Regierung starben, Schätzungen zufolge, 70.000 Menschen; Tausende wurden vertrieben.

Die Gewalttätigkeiten nahmen 2005 wieder zu, nachdem Präsident Mahinda Rajapaksa in seinem Wahlkampf eine Autonomie der Tamilen im Norden und Osten ausgeschlossen hatte. Er gab zudem das Versprechen ab, den Friedensprozess zu überdenken.

Sowohl das Militär als auch die Tigers werden regelmäßig schwerer Menschenrechtsverstöße beschuldigt - u.a. von Organisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch.

Annie Kelly

Quelle:  ZNet Deutschland vom 11.04.2009. Originalartikel: Traumatised Tamils live in fear of new crackdown in Sri Lanka . Übersetzt von: Andrea Noll.

Fußnoten

Veröffentlicht am

22. April 2009

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