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Die US-Abrüsterin: Rose Gottemoeller wird Chefunterhändlerin für die atomare Abrüstung mit Moskau

Von Wolfgang Kötter

Wie der russische Staatschef Dmitri Medwedjew und US-Präsident Barack Obama auf ihrem ersten Treffen in London bekundeten, wollen die USA und Russland sofort Verhandlungen über ein "neues, umfassendes und rechtlich verbindliches" Abrüstungsabkommen aufnehmen, das "ein Rekordmaß an Reduzierung" beinhaltet. Es soll ein wichtiger Schritt auf das Ziel einer atomwaffenfreien Welt hin werden. Doch die Meinungsunterschiede über ein Nachfolgeabkommen des am Jahresende auslaufenden START-Vertrages über die Reduzierung der strategischen Offensivwaffen sind erheblich, viel wird darum von der Kompetenz und dem Verhandlungsgeschick der Diplomatie abhängen.

Auf US-amerikanischer Seite tritt eine Frau an, die aus mehrfacher Sicht eine gute Wahl ist. Dr. Rose Eilene Gottemoeller gilt als Spezialistin für atomare und Verteidigungsfragen Russlands und der Ex-Sowjetrepubliken. Sie spricht fehlerfrei Russisch und auch in Moskau kennt sie sich hervorragend aus. Bis Dezember leitete sie das dortige Zentrum der renommierten Carnegiestiftung. In der Forschung konzentriert sie sich auf die Themen Nuklearsicherheit, Nichtverbreitung von Atomwaffen und Rüstungskontrolle. Zahlreiche Fachpublikationen zeugen von hoher Fachkompetenz, scharfsichtiger Analyse und ausgewogener Urteilsfähigkeit. Vorab bekommt sie schon mal lobende Wort von Obama: Ihr "außergewöhnliches Engagement und ihre Expertise machen sie zu einem wertvollen Zugewinn für das State Department und mein nationales Sicherheitsteam", wenn wir die amerikanische Diplomatie erneuern, um eine sicherere Welt zu schaffen."

Wann immer sie sich in den vergangenen Jahren zur Politik der Bush-Administration äußerte, nahm sie kein Blatt vor den Mund. Mit deutlicher Frustration kommentierte sie die engstirnige Politik Washingtons gegenüber Moskau, die auch für US-Sicherheitsinteressen kontraproduktiv sei: "Es ist immer noch in unserem nationalen Interesse einige der Schlüsselthemen wie Nichtverbreitung und Counter-Terrorismus weiterzuverfolgen", kritisierte sie die Verweigerungshaltung der USA nach dem Kaukasuskonflikt vom vergangenen Jahr, "oder wollen wir einfach die Tür zuschlagen und die Lichter löschen? Da sind ein paar Leute in Washington die das gern tun würden."

Die 56-jährige kennt die internationalen Beziehungen nicht nur aus theoretischer Perspektive, sondern pendelte regelmäßig zwischen Wissenschaft und aktiver Politik. Während der Amtszeit von Bill Clinton war sie ab 1997 zunächst Direktorin im Energieministerium, das in den USA auch für die Atomrüstung zuständig ist. Sammelte dann als beigeordnete Staatsekretärin Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Russland und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Anschließend stieg sie sogar zu Vizeministerin für nukleare Nichtverbreitung und nationale Sicherheit auf.

Davor machte Rose Gottemoeller einen Abstecher nach London, wo sie am Internationalen Institut für Strategische Studien als stellvertretende Leiterin wirkte. Hier konnte sie wissenschaftlich vertiefen, was sie in den Jahren 1993/94 im Nationalen Sicherheitsrat des Weißen Hauses praktiziert hatte. Als Direktorin war sie dort für die atomare Abrüstung Russlands, der Ukraine, Kasachstans und Weißrusslands nach dem Zerfall der Sowjetunion verantwortlich. Begonnen hatte sie ihre Karriere aber als Wissenschaftlerin an der RAND-Corporation und am Council on Foreign Relations. Gleichzeitig lehrte sie sowjetische Sicherheits- und Militärpolitik an der Georgetown University in Washington. Ihr Nachfolger in Moskau, Dmitri Trenin, ist voll des Lobes: "Es gibt kaum einen anderen amerikanischen Experten zu Abrüstung und Rüstungskontrolle, der Russland so gut kennt, der so fließend Russisch spricht und der bei seinen russischen Kollegen so große Wertschätzung genießt." Gemeinsam mit Alexeij Arbatow vom Zentrum für Internationale Sicherheit an der Russischen Akademie der Wissenschaften skizzierte sie in einem Artikel für die Zeitschrift "Arms Control" die inhaltlichen Eckpunkte des anzustrebenden Abrüstungsabkommens. Es sollte eine "erweiterte" Version des Moskauer SORT-Vertrages über die Reduzierung strategischer Offensivwaffen aus dem Jahre 2002 sein, die präzise Zählregeln für Sprengköpfe und zuverlässige Verifikationsverfahren enthält.

Was sie insgesamt in den Beziehungen zu Russland anstrebt, machte Gottemoeller vorausblickend bereits vor einiger Zeit in der Zeitschrift "Washington Quartely" deutlich: "Wir müssen sorgfältig die Phasen abwägen, die wir zu durchschreiten haben, um zu einer neuen Ära strategischer Kooperation zu gelangen." Mag dieses Ziel auch in noch so weiter Ferne liegen, eine Einigung über die weitere Verringerung der tödlichen Atomwaffenarsenale gehört zweifellos zu den vordringlichsten Aufgaben. Es bleibt zu hoffen, dass die soeben vom US-Senat bestätigte Staatssekretärin im State Department ihre theoretischen Erkenntnisse möglichst bald auch in der Realität umsetzen kann.

Veröffentlicht am

07. April 2009

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