Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

Ihre Spende ermöglicht unser Engagement

Spendenkonto:
Bank: GLS Bank eG
IBAN:
DE36 4306 0967 8023 3348 00
BIC: GENODEM1GLS



Suche in www.lebenshaus-alb.de
 

Arsenal des Schreckens

Die Ärzte gegen den Atomkrieg fordern die Abrüstung aller Kernwaffen. Gelingt Obama und Medwedjew ein Neuanfang bei den Start-Verhandlungen?

 

Von Wolfgang Kötter

Der Zeitdruck ist enorm. Bis zum Jahresende muss es einen neuen START-Vertrag geben über die Reduzierung der strategischen Atomwaffen Russlands und der USA oder alles kann außer Kontrolle geraten.

Rechtzeitig, bevor Moskau und Washington in neue Verhandlungen einsteigen, hat die Organisation Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW) einen klare Forderung formuliert: Mehr als 300 international renommierte Mediziner verlangen in einem Appell , "das atomare Zeitalter" endgültig zu beenden. Den Brief haben Dekane, Leiter medizinischer Abteilungen, Nobelpreisträger, Gesundheitsminister und Redakteure von medizinischen Fachzeitungen aus 38 Ländern unterzeichnet, darunter auch 50 deutsche Professoren. Sie warnen vor den weltweit immer noch über 20.000 Atomwaffen als der "größten und gefährlichsten Bedrohung für den Fortbestand der Menschheit". Die IPPNW appelliert an Obama und Medwedjew, die Welt von einer Waffe zu befreien, die das Ende der Menschheit bedeuten könnte.

Start innerhalb von Minuten

Die USA und Russland verfügen mit 14.000 (Russland) beziehungsweise 5.400 (USA) über 95 Prozent der weltweit gelagerten Atomwaffen. Hunderte von ihnen könnten sofort abgeschossen werden, denn sie befinden sich in höchster Alarmbereitschaft und würden im Ernstfall innerhalb weniger Minuten starten, um die gegnerischen Ziele zu zerstören. Millionen Menschen würden sterben, weitere in den Folgemonaten an Seuchen, Verstrahlung und Hunger sterben. Ein regional begrenzter Atomkrieg würde eine globale Klimakatastrophe bis hin zum Zusammenbruch des gesamten Ökosystems auslösen.

Und zu diesem Arsenal des Schreckens kommen auch noch die Atomwaffen Großbritanniens, Frankreichs und Chinas hinzu. Zwar verfügen diese Staaten über weitaus weniger Kernwaffen als die nuklearen Supermächte. Doch ohne in Abrüstungsverpflichtungen eingebunden zu sein, würden sie weiter aufrüsten und die bilateralen Bemühungen letztendlich unterlaufen. Um erfolgreich zu sein, müssten Abrüstungsverhandlungen also konzeptionell erweitert werden und auch die de-facto-Atommächte Israel, Indien Pakistan und Nordkorea einbeziehen. Dafür unterbreitet IPPNW einen einfachen, aber radikalen Therapievorschlag. Beide Atommächte sollten sich zunächst bilateral verpflichten, alle Nuklearsprengköpfe abzuschaffen und gleichzeitig mit den anderen Kernwaffenstaaten über einen globalen Atomwaffenvertrag verhandeln. "Wir schreiben Ihnen in der großen Hoffnung, dass Sie die Gunst der Stunde, die durch Ihre Wahl entstanden ist, nutzen", heißt es in dem Brief an die Präsidenten Russlands und der USA.

Eine Chance, die Welt zu retten

Wer es mit der atomwaffenfreien Welt wirklich ernst meint, muss nicht bei Null beginnen - Vorschläge für einen globalen nuklearen Abrüstungsprozess liegen bereits auf dem Tisch. So erarbeiteten Juristen der "Internationalen Vereinigung Rechtsanwälte gegen Atomwaffen" IALANA einen Modellentwurf für eine Nuklearwaffenkonvention . Er sieht einen zeitlich befristeten Stufenplan zur Beseitigung aller Atomwaffen in 15 bis 20 Jahren vor. Die nukleare Abrüstung würde mehrere Phasen haben: Reduzierung der gelagerten Arsenale, Löschen der Alarmbereitschaft für atomare Waffen, Rückzug aller Systeme von ihren Stationierungsorten, Entfernen der Sprengköpfe von den Trägermitteln, Verschrotten der Sprengköpfe. Damit beginnen müssen die USA und Russland, dann sollten die übrigen Atommächte folgen.
Um einen Anreiz für einen solchen Ausstieg zu setzen, wird ein Energie-Programm erneuerbarer Energiequellen eingerichtet, das die Staaten unterstützt. Verhandlungen auf der Grundlage dieses Modells könnten unverzüglich beginnen, doch dazu bedarf es der Entscheidung von Politikern auf höchster Ebene. Die Ärzte mahnen eindringlich: "Die jetzige Chance könnte unsere letzte sein … Wenigen Menschen wird im Laufe der Geschichte die Möglichkeit gegeben, Großartiges zu leisten. Ihnen wurde die Chance gegeben, die Welt zu retten. Wir bitten Sie, uns nicht zu enttäuschen."

Quelle: der FREITAG vom 31.03.2009. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Kötter und des Verlags.

Veröffentlicht am

31. März 2009

Artikel ausdrucken

Weitere Artikel auf der Lebenshaus-WebSite zum Thema bzw. von