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Demonstration für Frieden und gegen Geld für Banker am 4. April in New York / Wallstreet

Von David Swanson, 24.03.2009 - AfterDowningStreet.org

Am Samstag, dem 4. April, organisiert United for Peace and Justice (UFPJ), das größte Friedensbündnis der USA, einen landesweiten Marschauf die Wallstreet: "Die Kriege im Irak und in Afghanistan beenden und gegen die Wirtschaftskrise durch Kürzung der Militärausgaben". Ein weiteres, separates Bündnis mit einer ähnlichen Botschaft wird am 3. und 4. April einen Marsch auf die Wallstreet organisieren. In Europa werden unsere Brüder und Schwestern am 4. April nach Strasbourg reisen, um gegen die Nato-Feiern zum 60. Geburtstag zu demonstrieren.Anmerkung d. Übersetzerin: Links zum Ostermarsch und zum 3. u. 4. April 2009 in Kehl und Strasbourg und weiteren Aktionen zum 60. Geburtstag der Nato unter www.lebenshaus-alb.de/magazin/aktionen/005633.html .

Wenn es in den USA einen geeigneten Tag der Massenproteste für Frieden und Gerechtigkeit gibt, dann der 4. April, und die Wallstreet ist der geeignete Ort - gerade heute. Der 3. April ist ein Freitag. An diesem Tag wären mehr Räuberbarone an ihrem Arbeitsplatz. Doch am Samstag werden mehr Beraubte frei und Zeit haben, an der Demonstration teilzunehmen. Der 4. April ist der Todestag von Martin Luther King Jr. (1968) und seiner Rede im Jahr zuvor in der Riverside Church in New York City.Anmerkung der Lebenshaus-Redaktion: Diese eindrucksvolle Rede von Martin Luther King vom 4. April 1967 ist in der Lebenshaus-Website in deutscher Übersetzung zu finden: "Jenseits von Vietnam" . Das englische Original findet sich hier:  "Beyond Vietnam - A Time to Break Silence, Martin Luther King, Jr." . Die Rede kann auch im Original angehört werden:  "Beyond Vietnam - A Time to Break Silence" .

In dieser Rede am 4. April 1967 sprach sich King mit aller Macht gegen den US-Krieg in Vietnam aus. Er argumentierte, die innenpolitischen Probleme der USA - einschließlich Armut - könnten nicht gelöst werden, solange Kriege wie dieser weitergingen und so viele unserer Ressourcen in den Militarismus flössen. Es war eine Erklärung gegen die Handlungsweise des damaligen Präsidenten Lyndon B. Johnson und gegen jene Verfechter des sozialen Aufstiegs, die es bequemer fanden, zu diesem Krieg zu schweigen. Kings Rede war ein Meisterstück an Mut, Klarheit und Überzeugungskraft und eine der besten Ansprachen, die unser Land bezeugen kann. Natürlich hat unsere Regierung diese Rede noch immer nicht gehört.

An der Wallstreet gibt es Kriegsprofiteure. Aber der Grund, weshalb die Wallstreet derzeit in den Schlagzeilen ist und in dieser Weise zum Ziel von Protesten wird, ist die massive Ungleichverteilung von Reichtum, wie sie die Wallstreet durchsetzt. Die Wallstreet saugt Billionen öffentliche Gelder - neben Billionen privater Gelder - auf. Zu mir und Ihnen sickert kaum ein Tröpfchen durch. Eine Neuauflage von Martin Luther Kings Lektionen wäre nötig. Wir werden Themen wie Bildung, Krankenversicherung und Wohnraum nie auf die Reihe bekommen, solange wir Billionen an Banker und/oder Kriege verschwenden. Wenn es um die Bedürfnisse der Menschen geht, werden wir keine Goldtöpfe aus dem Nichts schaffen. Das klappt nur, solange es um Banker geht. Wenn wir Finanztöpfe finden wollen, müssen wir die Finanzierung der Banker und der Kriege blockieren.

Als das US-Repräsentantenhaus 2008 zum erstenmal über ein Bailout-Gesetz für Banker entscheiden sollte, reagierte es auf den immensen öffentlichen Druck und stimmte mit "Nein". Es gab Kräfte - überwiegend aus der Wallstreet - die diese Antwort nicht akzeptieren wollten. Kings drei gigantische Themen - Rassismus, Materialismus und Militarismus - werden vom Geld, von den Medien und den Parteien (die das Volk kontrollieren, während sie uns eigentlich repräsentieren sollten) durchgesetzt.

Nur wenn wir selber stärker werden, können wir etwas an diesem Wirkmechanismus ändern. Eine Möglichkeit wäre, unsere Sorge um die Menschen im Iran, in Afghanistan und in anderen Ländern mit der Besorgnis über das Leiden im eigenen Land zu verbinden. Wer am 4. April mit marschiert, tut dies, weil er/sie für Investitionen in Jobs, Krankenversicherung und Wohnraum anstatt in Bomben, Basen und Bailouts ist. Wir werden nicht in die Viertel marschieren, die von räuberischen Kreditgebern zerstört wurden. Wir werden vor die Häuser derer marschieren, die die Kreditgeber für ihre Straftaten bezahlt haben. Obwohl es uns schwerfällt, werden wir ohne Hass handeln. King hat uns gelehrt, dass Hass kontraproduktiv ist. "Springt doch, ihr Fucker!" Eine berühmt gewordene Botschaft, die vor kurzem in der Wallstreet hochgehalten wurde. Ich kann mir denken, dass Schilder dieser Art, (bei der Demo) in der Menge auftauchen werden.

Aber das sollte nicht unsere Botschaft sein. "Gebt uns unser Geld zurück!" wäre besser. Unsere Botschaft gilt letztendlich nicht den Räuberbaronen. Unser Marsch richtet sich symbolisch an Washington. Am vergangenen Samstag fand ein Marsch auf das Pentagon statt, der den sechsten Jahrestag des Irakkrieges markierte. Unser Bündnis UFPJ hat diesen Marsch nicht mitunterstützt. Als wir unseren Marsch im November und Dezember planten, war uns sehr daran gelegen, den Eindruck zu vermeiden, wir würden gegen den neuen Präsidenten protestieren. Wir gingen davon aus, dass wenige Amerikaner - wenige Amerikaner, die gewillt sind, gegen Kriege zu protestieren -, gegen Obama protestieren wollen. Der Plan war, sowohl euphorische Obama-Fans sicher einzubeziehen, als auch Gruppen, die auf innenpolitische Themen fokussiert sind, indem die Demonstration in New York stattfinden sollte. Ich persönlich war dagegen. Ich war für größere Proteste in Washington. Aber vielleicht war es nicht schlecht, dass mein Plan bei der Abstimmung scheiterte. Der Kongress befindet sich in Washington DC, aber er interessiert sich mehr dafür, was im Fernsehen vor sich geht als vor seinen Fenstern. Ein massives Zeichen des zivilen Ungehorsams am eigentlichen Tag der Irakinvasion (19. März) wäre natürlich ideal gewesen, aber das war ein Wochentag. Der Marsch, der am 21. März stattfand, hätte wahrscheinlich auch dann nicht mehr Medienaufmerksamkeit erregt, wenn er doppelt so groß gewesen wäre. Hinzu kommt: An einem Protestmarsch gegen die von der Wallstreet getriebenen Obama-Politik führt ohnehin kein Weg vorbei.

Als Martin Luther King gegen Präsident Johnsons Kriegspolitik sprach, fand er den Mut, sich einem Präsidenten entgegenzustellen, der bei innenpolitischen Themen gut dastand. Heute verbinden wir außen- und innenpolitische Themen. Heute kann keiner die Tatsache verwischen, dass wir gegen dasselbe Weiße Haus demonstrieren, das in Pakistan angreift, den Krieg in Afghanistan eskaliert, den Krieg im Irak verlängert, Kriegsermächtigungen proklamiert, die im Gegensatz zu unserer Verfassung stehen und ein größeres Militärbudget vorschlägt als das letzte, das Bush vorgeschlagen hat UND das weitere Billionen unserer Dollars an jene vergibt, die sie am wenigsten benötigen und am wenigsten geeignet scheinen, unsere Probleme mit diesem Geld zu lösen. Natürlich trifft der Kongress - gemäß unserer Verfassung - in all diesen Dingen die verantwortlichen Entscheidungen, doch zieht er es vor, die Verantwortung auf das Weiße Haus zu verlagern. Es besteht keine Gefahr, dass irgendwer glaubt, wir würden keine Kritik an der Politik Washingtons üben. Es besteht eher die Gefahr, dass jeder Protest gegen die Wallstreet als Republikanischer Parteipopulismus gewertet wird. Das liegt an der absurden Einstellung der Medien, die Leute müssten entweder die eine oder die andere Partei unterstützen. Die Themen, gegen die heute protestiert wird, wurden in 12 Fuß großen Lettern mit dem Stempel BARACK OBAMA versehen.

Ich glaube, es gibt einen Punkt, an dem wir aufhören müssen, mit den Verrückten, die unser Fernsehen kontrollieren, zu reden. Wir müssen handeln wie Martin Luther King, der in der Riverside Church sagte, "mein Gewissen lässt mir keine andere Wahl". Die USA haben heute keine andere Wahl, als in die Bedürfnisse der Menschen zu investieren anstatt in Kriege - oder in die Gier der Banker. Wenn Investitionen in grüne Energie, bezahlbaren Wohnraum, in Infrastruktur, Massentransportmittel und in eine Krankenversicherung aus einer Hand ein normaler Weg werden, um Jobs zu schaffen, von denen man leben kann, wird das Argument, wir bräuchten die Rüstung, um Arbeitsplätze zu schaffen, in sich zusammenfallen. Hätten die USA nicht mehr die Möglichkeit, Waffen zu stationieren und einzusetzen, würde Amerika unweigerlich in die Menschlichkeit investieren müssen. Ohne Rassismus fiele beides dramatisch leichter. Ohne Materialismus würden die Straftaten der Wallstreet-Räuberbarone für alle offensichtlich. Ohne Militarismus würden Frieden und Gerechtigkeit zur Realität.

Der 4. April ist der ideale Tag, um den Mund aufzumachen, und die Wallstreet ist der ideale Ort. Sehr gut möglich, dass wir Gehör finden werden - wie damals bei der ersten Bailout-Abstimmung im Repräsentantenhaus… falls wir alle nach New York reisen und mitmachen und unseren Kampf am 5. April erweitern und fortführen und weiter fortführen.

David Swanson ist Mitglied von United for Peace and Justice (UFPJ) in den USA. Swanson hat einen Mastergrad in Philosophie. Er war als Nachrichtenreporter und Kommunikationsdirektor tätig (u. a. für Dennis Kucinich in dessen Präsidentschaftswahlkampf 2004). Er ist Medienkoordinator der International Labor Communications Association.

Quelle:  ZNet Deutschland   vom 25.03.2009. Originalartikel: What More in the Name of Love? Übersetzt von: Andrea Noll.

Fußnoten

Veröffentlicht am

26. März 2009

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