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Weshalb wir fordern, das Recht zur Kriegführung abzuschaffen

Von Werner Dierlamm

Wir finden den Weg in die Zukunft nur, wenn wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und die Konsequenzen ziehen.

Das ungeheure Verbrechen an den europäischen Juden in der Schoa und an anderen verfemten Menschen in den Vernichtungsstätten des "Dritten Reiches" ist in den letzten Jahrzehnten erkannt worden - und dass Vergleichbares nie wieder geschehen dürfe.

Die Konsequenzen aus den zwei Weltkriegen mit ihrem unermesslichen Leid für viele Menschen sind nach meiner Überzeugung noch nicht gezogen worden.

Ich denke daran, dass schon der Erste Weltkrieg vor den Augen der nichtchristlichen Welt den vollständigen Bankrott des europäischen Christentums erwiesen hat. Ich nehme an, dass 90 oder mehr Prozent der Soldaten, die in den Ersten Weltkrieg zogen, getaufte Christen waren. Millionen unter ihnen haben sich gegenseitig umgebracht. Warum? Sie folgten dem Beschluss ihrer Regierung, in den Krieg einzutreten. Das Bekenntnis, dass Jesus Christus ihr Herr sei, erwies sich als Lippenbekenntnis. Auf vielen Kanzeln wurde für den Sieg der eigenen Sache gebetet.

Das Fiasko der christlichen Kirchen wurde von den Kirchenleitungen, der Universitätstheologie, den Kirchengemeinden nicht genug erkannt, benannt, verarbeitet.

So konnte sich die Katastrophe des Ersten Weltkriegs zwanzig Jahre später unter schlimmeren Vorzeichen wiederholen. Diesmal folgten die deutschen Soldaten, darunter unzählige Pfarrer und Theologiestudenten, den Befehlen Adolf Hitlers, eines politischen Schwerverbrechers. Wie könnte ich meine beiden Brüder verurteilen, die für Hitler gekämpft haben und dabei getötet wurden! Ich selbst war Luftwaffenhelfer und Flak-V-Soldat. Wir alle waren irrende Schafe.

Wie stand es mit der Verteidigung, mit dem Gegen-Angriff der Alliierten gegen Hitlers Aggression? Die West-Alliierten, die zu den christlichen Völkern gerechnet werden, schlossen ein Bündnis mit einem anderen politischen Schwerverbrecher, mit Josef Stalin und seiner "atheistischen" Sowjetunion. Dass die sowjetischen Soldaten deutsche Frauen zu Tausenden vergewaltigten, Millionen Flüchtlinge erbarmungslos in die Flucht trieben, wurde von der Führung geduldet und gebilligt. Die Sowjets bekannten sich auch nicht zum Glauben an Jesus Christus. Zur gleichen Zeit haben englische und amerikanische Bomberbesatzungen eine deutsche Stadt nach der anderen eingeäschert - ungeachtet der Frauen, Kinder, Alten und Kranken, die in den Flammen in Todesangst schrien und umkamen. Was haben sich die gläubigen Christen (und die anderen Soldaten) dabei gedacht? Auch sie folgten dem Befehl ihrer Regierung. Es war ja Krieg. Die Regierungen beriefen sich auf ihr "Gewaltmonopol" und nahmen das Recht für sich in Anspruch, den Krieg zu erklären und das "Kriegsrecht" auszurufen.

In Friedenszeiten gilt die absichtliche Tötung eines Menschen als größtes Verbrechen. In Kriegszeiten kann dies zur Pflicht werden. Welch ungeheurer Unterschied besteht also zwischen Friedenszeiten und Kriegszeiten, zwischen Zivilrecht in Friedenszeiten und Kriegsrecht in Kriegszeiten.

Wer entscheidet darüber, ob wir im Frieden oder im Krieg leben, ob das eine Recht oder das andere Recht gilt? Wenn es im 21. Jahrhundert keine Kriege und Kriegserklärungen im überlieferten Sinn mehr gibt (so verstehe ich Erhard Eppler) und Regierungen trotzdem Kriegswaffen produzieren und Soldaten ausbilden, um auf Menschen Jagd zu machen, die sie verdächtigen, Terroristen zu sein (Nahost, Irak, Afghanistan, afrikanische Staaten, Südostasien und viele andere Brennpunkte) - was geht da vor, was bedeutet das? Ist das nicht ein Art Dauer-Kriegszustand für die ganze Welt, eine Vorstufe zum Weltbürgerkrieg?

Und wie sollen sich dazu Menschen verhalten, die sich noch bewusst als Christinnen und Christen verstehen und am Glauben an Jesus Christus festhalten wollen?

Wenn die christliche Kirche Jesus nachfolgt, zu dem sie sich mit den Lippen bekennt, wird sie zur Kontrastgesellschaft zu der in tödliche Gewalt verstrickten Welt.

Darum ergänzen wir die Forderung der Schorndorfer Erklärung: "Den Krieg nicht mehr lernen", die sich an alle "Christinnen und Christen" und alle betroffenen Frauen und Männer wendet Siehe hierzu die Website zur Schorndorfer Erklärung , durch die Forderung an die deutsche Regierung und an alle Regierungen: "Das Recht zur Kriegführung abschaffen!"

Dem innenpolitischen Beschluss: "Die Todesstrafe ist abgeschafft" (GG Art. 102) muss der außenpolitische Beschluss: "Das Recht zur Kriegführung ist abgeschafft" folgen. Das Zivilrecht, welches das gezielte Töten von Menschen als Mord bezeichnet, muss als einzig gültiges Recht zu jeder Zeit von allen Regierungen anerkannt werden.

Werner Dierlamm, Schorndorf, ist evangelischer Pfarrer im Ruhestand und u.a. Initiator der Ökumenischen Aktion Ohne Rüstung Leben und der Schorndorfer Erklärung "Den Krieg nicht mehr lernen".

Fußnoten

Veröffentlicht am

24. Februar 2009

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