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Krieg macht krank

IPPNW befürchtet, dass die Zahl traumatisierter Soldaten deutlich steigen wird

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Die Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) begrüßen den Antrag der Regierungsfraktionen zur Unterstützung traumatisierter Bundeswehrsoldaten, der am Donnerstag im Bundestag verabschiedet werden soll. Bei Auslandseinsätzen traumatisierte Bundeswehrsoldaten sollen künftig mehr Hilfe für ihre Rückkehr in ein normales Leben erhalten. Der Bundestag beschloss bei seiner Sitzung am 12.02.2009 einstimmig die Einrichtung eines Forschungszentrums. Zudem wird eine zentrale Ansprechstelle für erkrankte Soldaten geschaffen. Vor allem Afghanistan-Heimkehrer können immer häufiger die dort erlebte Gewalt nicht verarbeiten. In einer Studie soll zudem geklärt werden, wie hoch die Dunkelziffer ist, denn viele Soldaten scheuen medizinische Hilfe. Die beste Prävention psychischer Folgeschäden von Kriegseinsätzen aber ist ein bald möglicher Rückzug aller Truppen, ein Friedensplan für Afghanistan und eine Unterstützung für den Wiederaufbau des Landes unter Einbeziehung der regionalen Stämme.

Aufgrund der verschärften Sicherheitslage in Afghanistan wird die Zahl der Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) bei Soldaten weiter steigen, befürchtet die IPPNW. "Krieg macht krank, nicht nur die beteiligten Soldaten, sondern auch die Bevölkerung. Er verändert die Gesellschaft daheim. Gesellschaftliche Ressourcen oder Reichtümer werden in einem wachsenden Ausmaß der Fähigkeit zur Kriegsführung anheim gestellt", so die IPPNW-Vorsitzende Dr. Angelika Claußen. "Wir setzen Menschen unmenschlichen Situationen aus, in denen sie im Extremfall selbst unmenschlich werden und medikalisieren anschließend das Problem".

Die IPPNW appelliert an die Bundesregierung, einen Strategiewechsel ihrer Afghanistanpolitik einzuleiten. Deutschland müsse gemeinsam mit europäischen Regierungen, islamischen und blockfreien Ländern, Gespräche für einen neuen Friedensprozess vorantreiben. Beteiligt werden sollten die unterschiedlichen Gruppierungen der afghanischen Opposition einschließlich der Taliban und die afghanische Regierung. Realistisch seien heutzutage die Kräfte, die eingestehen, dass die militärische Aufstandsbekämpfung der NATO gescheitert ist. Der Friedensprozess brauche daher einen konkreten militärischen Abzugsplan aller Truppen.

Die IPPNW fordert die Bundesregierung zudem auf, den Beitrag zur zivilen Hilfe deutlich aufzustocken. Diese Mittel sollen für Entwicklungsprojekte in Afghanistan zur Verfügung gestellt werden, die von Orten und Regionen des Landes gemeinsam für wichtig und nützlich gehalten werden und die Lebensbedingungen der Menschen vornehmlich auf dem Lande verbessern. Eine zivil-militärische Zusammenarbeit (CIMIC) lehnen wir ab, denn sie dient der jeweiligen militärischen Operation und hat mit humanitärem Aufbau oder Entwicklungshilfe nicht das Geringste zu tun.

IPPNW-Hintergrundpapier von Dr. Angelika Claußen zum Download:  Der Krieg kehrt heim (PDF-Datei).

 

Quelle: IPPNW   - Presseinfo vom 11.02.2009.

Fußnoten

Veröffentlicht am

12. Februar 2009

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