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Sind die Begegnungen junger Israeli und Palästinenser im Sommer 2009 gefährdet?

Seit dem Sommer 2002 haben sich im Rahmen der Aktion "Ferien vom Krieg" des Komitee für Grundrechte und Demokratie über 500 junge Menschen aus Israel mit über 500 Gleichaltrigen aus Palästina zu Dialogseminaren in Deutschland getroffen. Es waren schwierige und oft schmerzhafte Prozesse, denn viele der palästinensischen TeilnehmerInnen trauerten um nahe Angehörige, vermissten Brüder und Väter, die in israelischen Gefängnissen saßen und litten im Alltag unter materieller Not und Demütigungen. Die israelischen TeilnehmerInnen sprachen über ihre Ängste vor Anschlägen durch Selbstmordattentäter und vor den Raketen der Hamas bzw. Hisbollah. Viele von ihnen waren aber erstaunt und erschüttert, als sie von der unverhältnismäßigen Brutalität hörten, mit der die israelische Armee in den besetzten Gebieten vorging. Alle TeilnehmerInnen bewiesen Mut, denn auf beiden Seiten können diese Kontakte als "Verrat" oder "Kollaboration mit dem Feind" denunziert werden und soziale Sanktionen zur Folge haben. Der Prozess war aber getragen von Hoffnungen und Visionen, die in den "188 Plädoyers für einen israelisch-palästinensischen Dialog" und vielen Berichten zum Ausdruck kommen ( www.ferien-vom-krieg.de ). Eine Palästinenserin formulierte als Resümee: "Wir können zusammen leben - sogar unter einem Dach. Das ist eine phantastische Erfahrung!"

Das durch private Spenden finanzierte Projekt "Ferien vom Krieg" versteht sich auch in anderen Kriegs- und Krisengebieten als beispielhafte friedenspolitische Praxis, und nicht als Solidarisierung mit einer bestimmten Opfergruppe.

Noch zu Weihnachten erhielt das Team der Aktion "Ferien vom Krieg" Grüße aus Israel und Palästina und planten ein Vorbereitungsseminar im Januar für die Begegnungen im Sommer 2009. Doch schon zwei Tage später begann das Inferno im Gazastreifen - der Angriff einer der modernsten Armeen der Welt aus der Luft, vom Wasser und mit Bodentruppen auf ein dicht besiedeltes Gebiet ohne Fluchtwege. Die Bevölkerung wird ausgehungert und unterschiedslos dem Bombardement ausgesetzt. Fast 1.000 Tote in drei Wochen. Tausenden Verletzten kann nicht geholfen werden. Doch auch die Raketen der Hamas haben Menschen in Israel getötet und verletzt. Sie haben die Rechtfertigung für diesen Krieg geliefert. Mit jedem Tag wachsen Hass und Gewalt ins Unermessliche.

Die zarten Ansätze zur Aussöhnung werden zur Zeit von den Machthabern im Blut ertränkt. Das Team der Aktion "Ferien vom Krieg" hofft, dass es weiterhin junge Menschen in Palästina und Israel geben wird, deren Denken und Handeln nicht von Rache und Hass bestimmt wird.

Seine beiden Koordinatoren aus Israel (Keren Assaf von "Breaking Barriers" und Shlomo Regev von "Alternative Voice in the Galilee") und viele TeilnehmerInnen sind MitunterzeichnerInnen einer Petition, die von Intellektuellen in Israel initiiert wurde, und in der die Forderungen von palästinensischen Menschenrechtsorganisationen aufgenommen werden. Über 500 Menschen in Israel beweisen damit zum jetzigen Zeitpunkt großen Mut. Sie fordern ein internationales Eingreifen, da sie keine andere Chance mehr sehen, diesem Krieg ein Ende zu bereiten. Diese Initiative ist in Deutschland so gut wie unbekannt, verdient aber weitere Öffentlichkeit ( Petition von über 500 Menschen aus Israel an die Vereinten Nationen und die Europäische Union ).

In diesen Tagen schickte der Koordinator aus Palästina schreckliche Bilder an die Aktion "Ferien vom Krieg" und forderte zu materieller und medizinischer Hilfe auf. Es wird um Spenden gebeten an: medico international, Frankfurter Sparkasse, Kontonummer 1800, BLZ 500 502 01. Stichwort: "Palästina".

 

Quelle:  Komitee für Grundrechte und Demokratie - Pressemitteilung vom 14.01.2009.

Veröffentlicht am

15. Januar 2009

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