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Welt-Ernährungstag: Kein Milliarden-Paket gegen den Hunger

Neue Oxfam-Studie über Gewinner und Verlierer der Nahrungsmittelkrise

Innerhalb von 14 Monaten ist der Preis für Reis in Bangladesch um 66 Prozent gestiegen. Im Senegal schnellte der Weizenpreis um 100 Prozent in die Höhe, in Somalia sogar um 300 Prozent. "Man sollte meinen, dass auch die Millionen Kleinbauern in den armen Ländern vom jüngsten Anstieg der Nahrungsmittelpreise profitieren", sagt Marita Wiggerthale, Handelsexpertin von Oxfam Deutschland. "Doch das trifft nicht zu." Der rasante Anstieg der Lebensmittelpreise nützte vielmehr lediglich wenigen internationalen Lebensmittelkonzernen und Supermarktketten. Dies geht aus der Oxfam-Studie Double Edged Prices hervor, die am 16. Oktober veröffentlicht wird.

Kleinbauern schutzlos den Preisschwankungen ausgeliefert

"Ähnlich wie in der Vergangenheit im Finanzsektor, gibt es auch in der Landwirtschaft einen Trend zu Deregulierung und Zurückhaltung seitens des Staates", erklärt Wiggerthale. Die Nahrungsmittelkrise habe gezeigt, dass dies verheerende Folgen hat. "In vielen Entwicklungsländern sind die Kleinbauern den Preisschwankungen des Marktes schutzlos ausgeliefert", so Wiggerthale. Entwicklungsländer, die ihre Landwirtschaft vernachlässigt, den Schutz ihrer Märkte abgebaut und auch keine Sozialsicherungssysteme haben, seien von den Folgen der Krise besonders schlimm betroffen.

"Im Gegensatz dazu profitierten einige internationale Lebensmittelkonzerne und Supermarktketten kräftig vom Anstieg der Lebensmittelpreise", sagt Wiggerthale. So habe Nestlé im ersten Halbjahr 2008 den weltweiten Umsatz um neun Prozent gesteigert und die englische Supermarktkette Tesco meldet Gewinnsteigerungen von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch der weltweit größte Saatgut-Hersteller Monsanto konnte sich im ersten Quartal 2008 über einen Rekorderlös von 3,6 Milliarden US-Dollar und eine Gewinnsteigerung um 26 Prozent freuen.

Erst ein Bruchteil der Lebensmittelhilfen ausgezahlt

Die internationale Gemeinschaft hat bisher völlig unzureichend auf die weltweite Nahrungsmittelkrise reagiert. "Während für die Finanzkrise Milliardenbeträge bereitgestellt werden, scheint die Welternährungskrise vergessen", kritisiert Wiggerthale. Von versprochenen 12,3 Milliarden US-Dollar Hilfsgeldern sei bisher lediglich eine Milliarde ausgezahlt worden. Gleichzeitig würden Agrardumping und Marktöffnung weiter vorangetrieben. "Die Mitgliedsstaaten der EU zwingen die armen Länder Afrikas, der Karibik und des pazifischen Raums (AKP), ihre Märkte für Waren, Investitionen und Dienstleistungen aus Deutschland und der EU zu öffnen", so Wiggerthale. Die Ernährungssicherheit dieser Länder komme beim Abschluss der Freihandelsabkommen unter die Räder.

Oxfam fordert daher die Unterstützung nachhaltiger Lebensmittelproduktion, gezielte Förderung von Kleinbauern, faire Handelspolitiken und soziale Sicherungssysteme für in Armut lebende Menschen.

 

Die Oxfam-Studie "Double Edged Prices" kann heruntergeladen werden unter: www.oxfam.de/download/double-edged-prices.pdf .

Einige Zahlen und Fakten der neuen Oxfam-Studie finden Sie hier: www.oxfam.de/download/zahlenundfakten.pdf .

Quelle:  Oxfam Deutschland   - Pressemitteilung vom 14.10.2008.

Veröffentlicht am

16. Oktober 2008

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