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Gratulation - den Kämpfern gegen die kriminellen Konzerne!

Drei Tage lang wurde der Coup abgewendet

Von Michael Moore, 02.10.2008 - ZNet
 

Freunde.

Alle hatten gesagt, die BillAnmerkung d. Übersetzerin: *Die dringliche Gesetzesvorlage der Bush-Regierung zur finanziellen Entlastung der Wall Street, in Höhe von $700 Milliarden, wurde anfangs der Woche vom Kongress mit 228 zu 205 Stimmen abgeschmettert. werde durchgehen. Die Herren des Universums hatten schon mal in den feinsten Restaurants Manhattans für die Jubelfeiern am Abend gebucht. In Dallas und Atlanta wurden persönliche Einkaufsassistenten losgeschickt, um die ersten Weihnachtsgeschenke zu besorgen. In Chicago und Miami ließen Verrückte die Korken knallen und prosteten sich zu - lange vor den ersten Morgenkursen.

Womit diese Leute nicht gerechnet hatten: Hunderttausende Amerikaner wachten gestern Morgen auf und beschlossen, es sei Zeit für eine Revolte. Auch die Politiker hatten nicht damit gerechnet. Millionen Telefonate und Mails hämmerten auf den Kongress ein - so, als wären Marshall Matt Dillon (‘Rauchende Colts’), Elliot Ness und Dog (‘Der Kopfgeldjäger’) persönlich in D.C. gelandet, um das Plündern zu beenden und die Diebe zu verhaften.

Das Konzern-Verbrechen des Jahrhunderts wurde gestoppt - mit 228 zu 205 Stimmen. Es war ein historisches Ereignis, ein seltenes Ereignis. Niemand kann sich erinnern, dass ein Gesetz, das sowohl die Unterstützung des Präsidenten als auch der Führung beider Parteien hatte, je abgeschmettert wurde. Es war einfach noch nie dagewesen.

Viele fragen sich, warum der rechte Flügel der Republikanischen Partei gemeinsam mit dem linken Flügel der Demokraten gegen diesen Diebstahl stimmte. 40 Prozent der Demokraten und Zweidrittel der Republikaner stimmten gegen das Gesetz.

Was war geschehen:
Laut Umfragen ist die Präsidentschaftswahl noch nicht entschieden, aber bei den Rennen um die Kongresssitze zeichnet sich ein Erdrutschsieg der Demokraten ab. Die Voraussage, dass die Republikaner am Wahltag (4. November) abgeledert werden, bestreiten nur Wenige. Bis zu 30 Sitze im Repräsentantenhaus könnten den Republikanern verlorengehen. Das wäre eine erstaunlich deutliche Abfuhr für ihre Agenda.

Die republikanischen Abgeordneten haben daher sehr, sehr große Angst um ihre Sitze. Als die "Finanzkrise" vor zwei Wochen ihr Haupt reckte, begriffen sie, dass dies ihre - einzige - Chance war, um sich noch vor der Präsidentschaftswahl von Bush zu lösen und etwas zu tun, das den Eindruck erweckt, als stünden sie auf der Seite "des Volkes".

Gestern morgen sah ich mir C-Span an. Es war die beste Comedy-Show (Realsatire) seit langem. Da kamen sie alle an - jene Republikaner, die den Krieg unterstützt und das Land in eine Rekordverschuldung gestürzt hatten, Leute, die gegen jegliche Regulierung gestimmt hatten, mit der man Wall Street hätte kontrollieren können. Da standen sie nun und riefen "Foul!" und standen für den kleinen Mann auf! Einer nach dem andern ging ans Mikro des Kongresses und warf Bush (rhetorisch) unter den Bus oder Zug (allerdings hatten sie zuvor für die Abschaffung der amerikanischen Züge gestimmt). Mann - sie hätten Bush am Lower Ninth Ward in die steigende, reißende Flut geworfen, wenn sie nur einen neuen Hurrikan hätten herbeizaubern können. Wissen Sie, wie Ihr Hund reagiert, wenn er von einem Stinktier angepisst wird? Er jault und rennt herum, um den Gestank loszuwerden. Er rollt sich quer über Ihren Teppich und reibt sich, um den Geruch loszubekommen. So sah es gestern auf der Seite der Republikaner aus - ein Anblick, den man so leicht nicht vergisst.

Die 95 wackeren Demokraten, die mit Barney Frank und Chris Dodd gebrochen haben, sind die wahren Helden - so wie jene Wenigen, die im Oktober 2002 aufstanden und gegen einen Krieg im Irak stimmten. Ich will besonders die gestrigen Aussagen der Abgeordneten Marcy Kaptur, Sheila Jackson Lee und Dennis Kucinich hervorheben. Die Drei sagten die Wahrheit.

Jene Demokraten, die dafür stimmten, das Geld (Bailout) wegzugeben, handelten größtenteils aus Furcht vor den Drohungen der Wall Street: Wenn die Reichen keine Auslöse bekämen, würden die Märkte verrückt spielen, hieß es. Und das wiederum hieße, bye-bye Aktienpensionsfonds und -rentenfonds.

Und raten Sie mal, was passiert ist? Wall Street tat genau das. Gestern fiel der Dow Jones so gewaltig wie noch nie an einem einzigen Tag. Es war der tiefste Fall in der Geschichte der New Yorker Börse. Die Nachrichtenredakteure schrien es gestern Abend hinaus: Die Amerikaner haben gerade 1,2 Billionen Dollar an der Börse verloren!! Ein finanzielles Pearl Harbor! Der Himmel stürzt ein! Vogelgrippe! Killerbienen!

Vernünftige Leute wissen natürlich, dass gestern niemand irgendetwas "verloren" hat. Die Kurse fallen, und sie steigen wieder. Auch die Fluktuation wird vorübergehen, weil die Reichen vorsichtig kaufen werden, die Käufe halten, dann verkaufen und anschließend wieder vorsichtig kaufen.

Doch für heute gilt, Wall Street und deren Propaganda-Arm (die Netzwerke und Medien, die Wall Street besitzt) werden weiter versuchen, uns Angst einzujagen und uns jeden Schneid auszutreiben. Es wird schwieriger werden, einen Kredit zu bekommen, und einige Leute werden ihre Jobs verlieren. Eine schwache Nation von Jammerlappen wird so einer Folter nicht lange standhalten - oder? Oder werden wir durchhalten? Sieht so unsere Zukunft aus?

Hier mein Tipp: Die Führung der Demokraten im Repräsentantenhaus wird klammheimlich hoffen, dass Bushs Gesetzesvorlage absäuft. Ist Bushs Vorschlag erst einmal geshreddert, können die Demokraten ihre eigene Vorlage schreiben (das wissen sie auch), eine, die Durchschnittsamerikaner bevorzugt, anstatt die oberen 10 Prozent, die schon auf den neuen Goldkessel gehofft hatten.

Die Demokraten sind jetzt am Ball. Doch die Wall Street hält ihnen noch immer die Pistole an den Kopf. Bevor die Demokraten zu ihrem nächsten Zug ansetzen, lassen Sie mich kurz einige Punkte anmerken, die die Medien in der Debatte über das (Bush-)Gesetz verschwiegen haben:

  1. Das geplante ‘Bailout-Gesetz’ enthielt KEINE Regelungen, die der sogenannten ‘Aufsichtsgruppe’, die überwachen sollte, was die Wall Street mit den $700 Milliarden anfangen würde, Durchsetzungsvollmacht verliehen hätten.
  2. Der Gesetzentwurf sah KEINERLEI Strafen, Gebühren oder Haft für Manager vor, die Summen jenes Geld des Volkes klauen.
  3. Der Gesetzentwurf beinhaltete NICHTS, was Banker und Kreditgeber dazu gezwungen hätte, die Hypotheken der Leute umzuschreiben, um Räumungen zu verhindern. Dieses Gesetz hätte NICHT EINE Räumung verhindert!
  4. Der Gesetzesentwurf hatte keinen Biss, nirgends, an keiner Stelle. Wo es um die künftige Rückzahlung des Bailout-Geldes an die Regierung ging, tauchten nur so Wörter wie "vorschlagen" auf.
  5. Mehr als 200 Ökonomen schrieben an den Kongress, das Gesetz könnte die "Finanzkrise" noch VERSCHLIMMERN und womöglich zu einem NOCH größeren Abschmelzen führen.

Hauen Sie Ihre Gabel in dieses Stück Schweinefleisch. Es ist vorbei. Und es wird Zeit, dass unsere Seite deutlich macht, welche Gesetze WIR wollen. Ich werde Ihnen meine Vorschläge heute noch mitteilen. Wir haben 72 Stunden Zeit herausgeschunden.

Ihr Michael Moore
MMFlint@aol.com

 

Quelle:  ZNet Deutschland   vom 03.10.2008. Originalartikel: Congratulations, Corporate Crime Fighters! Übersetzt von: Andrea Noll.

Fußnoten

Veröffentlicht am

03. Oktober 2008

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