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Die ersten Olympia-Sieger stehen schon fest

Deutschland in Peking: Die größten Gewinner der Sommerspiele sind multinationale Unternehmen - Siemens, VW und die Deutsche Bahn gehören dazu


Von Hermannus Pfeiffer

Felix Magath, Trainer des Bundesligavereins VfL Wolfburg, wäre in Griechenland gern mit der olympischen Fackel in der Hand unterwegs gewesen, ließ er kürzlich im Aktuellen Sportstudio des ZDF eine überraschte Fernsehnation wissen. Als der gelegentliche Marathonläufer tatsächlich für ein bisschen Jogging extra nach Athen flog, hatte dies einen ganz profanen Grund: Für Magaths Arbeitgeber, den VW-Konzern, ist China weltweit der wichtigste Markt, in diesem Jahr gilt das mehr denn je.

Das Unternehmen zählt wie auch Adidas zu den “nationalen Sponsoren” des Organisationskomitees der Spiele in Peking (BOCOG) und darf darum eigentlich nur in China mit dem Olympia-Logo werben. Für globale Aufmerksamkeit sollte daher der Lauf mit dem Olympischen Feuer sorgen - insgesamt 1.000 Fahrzeuge stellten die Wolfsburger für den langen Marsch über fünf Kontinente zur Verfügung.

Im August werden von Volkswagen angeheuerte Fahrer mit etwa 4.000 Karossen der Marken VW, Audi und Skoda Ehrengäste des IOC in Peking zum Bankett fahren, Staatsmänner chauffieren und Sportler rechtzeitig zum Wettkampf in den Arenen abliefern. Ganz zu schweigen von Millionenbeträgen, die VW für Werberechte an die Olympia-Organisatoren zahlt. Für den keineswegs selbstlosen “Sponsor” (lateinisch: Gönner) zahlt sich das schon jetzt aus, im ersten Quartal 2008 verkaufte VW in der Volksrepublik ein Drittel mehr Fahrzeuge als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs und dürfte 2008 spielend die Millionengrenze überfahren.

Licht aus München

Zu den anderen Olympia-Siegern zählen bereits die zwölf Top-Sponsoren des IOC - Multis, die sich für insgesamt 866 Millionen Dollar das Recht erkauft haben, zwischen 2005 und 2008 global mit den Olympischen Ringen zu werben. Die Peking-Spiele selber sollen McDonalds, Visa und Samsung ein famoses Finale bescheren, bieten sie doch die einmalige Chance, sich einem Markt von 1,3-Milliarden Menschen nachdrücklich zu empfehlen.

Ohne offiziellen Sponsorvertrag will Siemens von Olympia profitieren. Neben der Technik für die Schwimmarena liefert der Konzern unter anderem Stadtbahnzüge, eine Wasseraufbereitungsanlage sowie eine neue Gepäckförderanlage für den Peking-Airport. Daneben erneuern die Münchner die Stromversorgung der Metropole und rüsten vor allem das Olympiastadion mit Lichttechnik aus. Aufträge über 4,9 Milliarden Euro gingen im vergangenen Geschäftsjahr aus China bei Siemens ein, wo der Mischkonzern mit 30.000 Beschäftigten zu den großen Arbeitgebern gehört. Besonders stolz zeigt sich Siemens über die Hochgeschwindigkeitstrasse ins nördliche Tianjin, die geholfen habe, “den Zugang zu den Olympischen Spielen zu verbessern”, so eine Konzernsprecherin.

Mit größerer Sorge als seine Vorstandskollegen bei VW und Siemens, die um ihre starke Präsenz auf dem chinesischen Markt nicht zu fürchten brauchen, dürfte Adidas-Boss Herbert Hainer die Tibet-Proteste in aller Welt beobachtet haben - er will schließlich mit seiner Marke bei Olympia vorrangig über das Image punkten. Der Sportartikler aus dem fränkischen Herzogenaurach lässt bereits die Hälfte seiner weltweit verkauften Schuhe und Modeartikel billig in China produzieren, um sie teuer im Westen verkaufen zu können.

Fröhliche Spiele freilich, wie sie Adidas braucht, sind für die Zeit zwischen dem 8. und 24. August nicht vollends gesichert. Tibet, Doping-Affären und nicht zuletzt ein nationalpatriotischer Furor der Chinesen als Reaktion auf die Kritik aus dem Westen trüben augenblicklich die Sponsoren-Stimmung.

Solche Sorgen muss sich Bahn-Chef Hartmut Mehdorn nicht machen. Die Bahn-Tochtergesellschaft Schenker war bereits 2003 eine strategische Partnerschaft mit dem IOC eingegangen. Dessen Präsident Jacques Rogge sieht in der langfristigen Partnerschaft mit Schenker “eine Schlüsselstellung”, um die Spiele zu einem Erfolg werden zu lassen.

Spediteur für Spitzensportler

Der weltweit führende Logistikkonzern Schenker wird zahlreiche Transportaufgaben für Spitzensportler, Medien, Veranstalter, Sponsoren und Organisationen erfüllen. Das Equipment vieler Athleten, Nationaler Olympischer Komitees sowie von Hörfunk- und Fernsehanstalten wird zusammengeführt, verpackt und in Luftfrachtcontainer verstaut. Schenker wird Zollformalitäten erledigen und Sicherheitsauflagen in China beachten. Nach dem Ende der Spiele darf die Bahn-Tochter die Sachen auf schnellstem Wege wieder zurück in die Heimatländer transportieren.

Der Konzern lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme ab, ob und wie unter Umständen das China-Geschäft unter den China-Tibet-Turbulenzen leide. Auch andere Olympia-Sieger aus der Wirtschaft meiden die Öffentlichkeit und schweigen zu ihrem fernöstlichen-Engagement, seit durch die Tibet-Kampagne ein Image-Schaden droht und Gewinne in China durch Verluste im Westen gefährdet erscheinen.

Am 25. März übrigens, nur wenige Stunden nach den Zwischenfällen beim Entzünden der olympischen Flamme, lief Felix Magath wirklich einige hundert Meter weit über die Harilaos-Trikoupis-Brücke im griechischen Patras. “Die Olympische Fackel einmal tragen zu dürfen”, so Magath, “war ein lang gehegter Wunsch.”

Quelle: FREITAG. Die Ost-West-Wochenzeitung   20 vom 16.05.2008. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Veröffentlicht am

20. Mai 2008

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