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Martin Luther King: Den Kampf für seine Sache nicht aufgeben

Jesse Jackson, 03.04.2008 - Chicago Sun-Times / ZCommunications

Am 4. April 2008 war der vierzigste Jahrestag der Ermordung Martin Luther Kings. Noch vierzig Jahre später erinnert man sich seines Traumes und gedenkt seiner. Kings Mission allerdings bleibt, in vielerlei Hinsicht, unerfüllt.

Reverend King sah den Kampf um die Bürgerrechte stets als eine Symphonie aus mehreren Bewegungen. Da gab es die Bewegung gegen Apartheid per Gesetz - für das Recht, in einem Bus zu fahren oder an einem Tresen zu essen, in eine öffentliche Bücherei zu gehen oder auf eine öffentliche Schule. Darauf folgte der Kampf für das Wahlrecht. Dies wurde durchgesetzt, als die Nation sich über die Szenen bei der Demonstration in Selma (Alabama) entsetzte.

Reverend King wurde getötet, während er die Schranken hob. Er hatte sich in einer Kampagne der kleinen Leute engagiert, den Krieg in Vietnam herausgefordert - und die Tatsache, dass die Nation zuviel für Gewalt und zuwenig für die Armen ausgab. In Memphis marschierte er mit streikenden Müllarbeitern für eine anständige Entlohnung.

Reverend King glaubte daran, dass die Nation ihre Prioritäten ändern sollte. Er glaubte, dass kostbares Leben und kostbare Ressourcen nicht in fernen Kriegen verheizt werden sollten. Er war der Ansicht, dass jede Person in Amerika garantierte ökonomische Rechte haben sollte - eine persönliche “economic bill of rights”, wie es Franklin Roosevelt genannt hatte -, das Recht auf einen anständig bezahlten Job, auf medizinische Versorgung, bezahlbare Bildung, einen gesicherten Ruhestand, das Recht, sich am Arbeitsplatz zu organisieren, nicht diskriminiert zu werden und einen Anspruch auf grundlegende Menschenrechte. Wir haben diese Rechte in der ‘United Declaration of Human Rights’ verankert, aber in Amerika nicht in die Praxis umgesetzt.

40 Jahre später ist Reverend Kings Mission noch immer unerfüllt. Armut und Arbeitslosigkeit steigen. Das (soziale) Sicherungsnetz ist zum großen Teil geshreddert, die Sozialhilfe abgeschafft. Die Arbeitslosenversicherung schützt immer weniger Arbeiter und diese immer kürzer. Kostengünstiger Wohnraum ist rar. Der Mindestlohn hat an Bedeutung verloren. Die Gewerkschaften sind in der Defensive. Sie repräsentieren weniger als 10 Prozent der privaten Arbeitnehmerschaft. Keine Überraschung, dass wir diese krasse Ungleichheit zuletzt 1929 sahen - kurz vor der Großen Depression.

In seiner letzten Rede sprach Reverend King über praktische Aktionen, um die Sache voranzutreiben. Welche praktischen Dinge ließen sich heute - vierzig Jahre später - umsetzen, um Martin Luther Kings Mission zu erfüllen?

Erstens sollten wir uns alle - vor allem aber die Jungen - in Wahlregister eintragen lassen und zu den Wahlen gehen. Es ist eine Schande, wie viele Menschen sich nicht darum scheren, ein Wahlrecht auszuüben, für das einst so viele Menschen so viel geopfert haben.

Zweitens drängte Martin Luther King alle, Verantwortung zu übernehmen. Ihr könnt im Getto geboren sein, ohne dass das Getto nicht in euch erstehtwörtlich: ‘you can be born in the ghetto without letting the ghetto be born in you’ (Anmerkung d. Übersetzerin). Diese Lehren sind weder konservativ noch liberal, sie sind einfach nur richtig.

Drittens würde Reverend King heute gegen den üblen Krieg im Irak angehen, der so viele Leben vergeudet und Monat für Monat 12 Milliarden Dollar - inmitten eines Bürgerkrieges fern unserer Küste - verschleudert. King würde neue Investitionen in Amerika fordern, mehr Macht für die Arbeiter, eine Anhebung der Mindestlöhne, bezahlbare Colleges, Investitionen in eine erstklassige Bildung für Kinder aus allen (gesellschaftlichen) Klassen. Er würde zudem gegen die schändliche Diskriminierung angehen, die unser Strafjustizsystem entstellt.

King wäre sicher nicht der Ansicht, dass andere diese Probleme lösen sollten. Er würde uns drängen, aufzustehen und unsere Stimmen zu erheben, uns zu organisieren. Er bezeichnete sich ja als Tambourmajor der Gerechtigkeit. King war nicht auf der Suche nach einem gewählten Amt oder nach Geld. Er wollte Menschen empowern, auf ihren eigenen Füßen zu stehen, ihre Rechte auszuüben und die ihnen zustehende Macht zu erringen. Vor 40 Jahren wurde uns Martin Luther King mit 39 Jahren genommen. Seine Sache weiterzuführen ist die beste Art, sein Opfer zu ehren.

Quelle: ZNet Deutschland   vom 06.04.2008. Orginalartikel: We Musn’t Give Up Fight for King’s Cause .  Übersetzt von: Andrea Noll.

Fußnoten

Veröffentlicht am

07. April 2008

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