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“Die Kraft der Gewaltfreiheit”

Versöhnungspreis Trier 2007

Am 26. Oktober 2007 wurde die in Wien lebende Ehrenpräsidentin des Internationalen Versöhnungsbundes, Hildegard Goss-Mayr, für ihr Lebenswerk mit dem Versöhnungspreis 2007 der Klaus Jensen Stiftung in Trier ausgezeichnet. Die 77-jährige Hildegard Goss-Mayr hat sich während der vergangenen 50 Jahre in 39 Ländern für Gewaltfreiheit, Demokratie und Gerechtigkeit eingesetzt. Erfolgreiche gewaltfreie Revolutionen gegen Militärdiktaturen (z.B. gegen das Marcos-Regime auf den Philippinen, in Madagaskar) waren durch sie beeinflusst. Mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert, steht sie für die Kraft der gewaltfreien Praxis. In zahlreichen Publikationen hat sie diese Kraft beschrieben, ihr Engagement in Lateinamerika, Afrika, Asien und Europa wurde durch diese Kraft geprägt.

Nach der Laudatio von Ueli Wildberger, Zürich/Schweiz hielt Hildegard Goss-Mayr eine Rede, die wir nachfolgend dokumentieren.

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"Die Kraft der Gewaltfreiheit"

Von Hildegard Goss-Mayr


Lieber Klaus Jensen, lieber Ueli, liebe Stiftungsverantwortliche und Anwesende, liebe Freunde!

Es ist eine besondere Freude für mich, diesen Preis am 26. Oktober entgegennehmen zu dürfen. Denn an diesem Tag, dem österreichischen Nationalfeiertag, findet in der Kathedrale von Linz, Oberösterreich, die Seligsprechung des Bauern Franz Jägerstätter, Kriegsdienstverweigerer und Märtyrer des Hitlerregimes, statt. Er ist einer der Zeugen dessen, was in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, der Zeit grausamster Diktaturen, opferreichster Kriege und Massaker an gewaltfreiem Widerstand bis zur letzten Konsequenz, an Friedens- und Versöhnungsarbeit im persönlichen und gesellschaftlichen Bereich aufgebrochen ist.

Ebenso wie die Gewalt hat dieser Aufbruch der Gewaltfreiheit das 20. Jahrhundert geprägt. Mein Mann, Jean Goss, und ich durften daran mitwirken, doch nicht allein, sondern gemeinsam mit vielen tausend Menschen, die - unbenannt - in allen Teilen der Welt sich unter großen Opfern erhoben und aus der Kraft der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Liebe dem Unrecht widerstanden, beharrlich Friedensinitiativen setzten und Wege der Versöhnung öffneten. Ihnen allen gebührt diese Ehrung, für die ich meinem Freund Klaus Jensen und dem Stiftungsrat meinen herzlichen und aufrichtigen Dank aussprechen möchte.

Die nahezu acht Jahrzehnte meines Lebens waren untrennbar verflochten mit der kampferfüllten, leidvollen Geschichte dieses Jahrhunderts sowohl auf meinem persönlichen Weg mit Jean Goss, wie durch mein Elternhaus und die Einbindung in den Internationalen Versöhnungsbund (IVB): durch sie alle wurde ich gestärkt und bekräftigt in der befreienden , heilenden und versöhnenden Botschaft Jesu. Daher liegen die Wurzeln meines Friedensengagements in den Erlebnissen der Nazi-Zeit (1938-45) und des 2. Weltkrieges. Mein Vater, Kaspar Mayr, gehörte dem 1. Leitungsteam des Internationalen Versöhnungsbundes in London, später in Wien, an und war mit den Bemühungen um deutsch-polnische Verständigung beauftragt, was mit dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 Verfolgung für unsere Familie bedeutete. Inmitten von Nationalsozialismus und Krieg lehrte er uns Kindern die Einheit aller Menschen, aller Rassen und Religionen und die Achtung vor jedem, auch vor dem Gegner und Feind. Deshalb, so sagte er, sollen wir nicht nur die Regimegegner unterstützen, sondern auch regimetreuen Mitschülern die Werte wahrhafter Humanität aufzeigen. Diese Sicht der doppelten Befreiung, der Opfer und der Täter, um zu neuem Leben in Würde und Gerechtigkeit zu gelangen, erkannte ich später als Wesenskern der Botschaft Jesu wieder. Sie wurde prägend für meinen Dienst am Frieden. In dieser Zeit entdeckte ich auch, 12-jährig, während eines Aufenthaltes Adolf Hitlers in Wien, die Verpflichtung zum Widerstand, als ich inmitten einer begeisterten, jubelnden Menschenmasse erlebte, wie diese von der menschenverachtenden Kraft, der Hitler sich verschrieben hatte, vereinnahmt wurde, und ich wusste: Du darfst den Arm zum Hitlergruß nicht heben, auch wenn sie dich lynchen. Auch dies blieb prägend für mein Leben.

Nach all den Erfahrungen von Nazismus, Krieg und Tod war mein Vertrauen in die Menschen und in das Leben sehr verletzt. In einer langen Krise musste ich mich als Jugendliche der Gewalt, die ich als Kind erlebte - der eigenen und jener unseres Volkes - stellen und nach einer Kraft suchen, die stärker ist als Entmenschlichung, Hass, Gewalt und Tod. In dieser dunklen Zeit durfte ich als Antwort die Gewaltfreiheit Jesu entdecken, die Liebe Gottes, die sich für die Andern, die Gegner hinschenkt, um Frieden zu erwirken. Ich durfte erkennen, dass sie in uns Menschen grundgelegt ist und uns zu Geschwisterlichkeit und Weltgestaltung ermächtigt und befähigt. Diese Kraft hat mein Leben getragen, auch durch sehr schwere Zeiten, sie hat in mir die Entscheidung zum Dienst am Frieden reifen lassen und mich immer neu mit Freude und Dankbarkeit für dieses sinn- volle Leben erfüllt.

Ein weiteres Geschenk auf meinem Lebensweg war die Begegnung mit Jean Goss, einem gleichgesinnten Partner. Als französischer Soldat, der zur Abwehr von Hitlers Armee Tag und Nacht töten musste, erlebte Jean in einer Gotteserfahrung, dass der totalen Gewalt die absolute Liebe entgegengesetzt werden muss, um neue Lebensbedingungen zu erringen. Jean wurde zu einem kraftvollen Zeugen dieser befreienden Liebe. Durch sie hat er tausenden Menschen - Armen, Unterdrückten wie Führungspersönlichkeiten geholfen, ihre Angst zu überwinden und sich gewaltfrei. für Gerechtigkeit und Frieden zu engagieren. Er vertraute dem Gott des Lebens.

Gemeinsam arbeiteten Jean und ich im Leitungsteam des Internationalen Versöhnungsbundes. Dort analysierten wir regelmäßig die Weltsituation, um zu erkennen, wo wir unsere kleinen, aber unentbehrlichen Kräfte einsetzen könnten. So ergaben sich Schwerpunkte, die sowohl die geschichtlichen Herausforderungen wie auch das Leid der Menschen im Blick hatten.

Ost-West-Arbeit

So galt es in den 50er Jahren den Eisernen Vorhang geografisch, psychologisch und politisch zu durchbrechen, das wahnsinnige Wettrüsten zu stoppen und durch Begegnungen Ängste abzubauen, d.h. das Gespräch mit dem Feind anzubahnen. Dabei war die Frage, ob ein Dialog möglich ist, heiß umstritten. Auf beiden Seiten, Ost und West, wurden wir verurteilt: als Kapitalisten oder als fellow travellers.

Die kommunistischen Weltjugendfestspiele 1957 und 1961 in Moskau, 1959 in Wien, boten erste Gelegenheiten. Es ging darum, den Andern (Feind!) als Mensch zu sehen, ihm zuzuhören, seine Wahrheit, seine Probleme zu erkennen, ihm Vertrauen zu schenken, um schließlich Gemeinsames für eine Koexistenz zu erarbeiten. Aus den zahllosen Kontakten mit Jugendlichen, kirchlichen Gruppen, Tolstojanern, politisch Verantwortlichen seien zwei kleine Beispiele der Bemühung um Entfeindung herausgegriffen:

Lenins Dekret zum Schutz von Kriegsdienstverweigerern

Während der Jugendfestspiele 1957 in Moskau trafen wir den Enkel des Sekretärs von Leon Tolstoj, Mr. Tschertkoff. Er erzählte uns von der Situation der Tolstojaner unter der stalinistischen Diktatur und gab uns die Kopie des Dekretes zum Schutz von Kriegsdienstverweigerern, das Lenin 1919 auf Druck der pazifistischen Gruppen Russlands erlassen hatte. (Das älteste europäische Dekret zum Schutz von Dienstverweigerern)

Im Jahr darauf besuchten wir Moskau mit einer Delegation des Internationalen Versöhnungsbundes und wurden u.a. von der Leitung der offiziellen Friedensbewegung der Sowjetunion, dem Sowjetischen Friedensrat empfangen. In diesem, wie in anderen Gesprächen, wurde uns die Angst der Bevölkerung vor einem militärischen Angriff des Westens bewusst, die auf das Trauma des Hitlerkrieges der verbrannten Erde und Millionen Toten aufbaute. Sie wurde, wie im Westen, durch die Propaganda geschürt. Diese Angst ließ die Menschen auf bewaffnete Verteidigung bauen und sie in das dramatische Wettrüsten einbinden. Diese Haltung vertrat auch der Friedensrat. Wir bemühten uns, so wie wir es im Westen taten, Zustimmung für erste Schritte der Abrüstung und für die Entwicklung friedlicher Mittel der Verteidigung zu gewinnen. Schließlich setzten wir uns auch für jene ein, die alles Töten ablehnen: die Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen. Man sollte ihr Anliegen der Menschlichkeit verstehen und sie schützen. Unser Vorschlag wurde jedoch als bürgerlicher Revisionismus zurückgewiesen. Doch wir bestanden darauf, dass ein Genosse, dem niemand seine Authentizität absprechen könne, dieses Zeugnis der Menschlichkeit geachtet und geschützt hätte: Lenin. Und Jean und ich reichten die Kopie des Dekretes von 1919 herum. Niemand sprach ein Wort. Schweigend wurde uns das Dokument zurückgegeben. Doch am Ende dieses Gespräches lud uns einer der Teilnehmer, ein Film- und Theaterregisseur, tief bewegt zu sich ein. Lange sprachen wir miteinander über Werte und Haltungen der Gewaltfreiheit und deren Verwirklichung. Wir verschwiegen nicht die Konsequenzen solchen Friedenwirkens: Verlust der Stellung, Gefängnishaft, … Und obgleich wir nicht in allem einer Meinung waren, sagte er, als wir uns verabschiedeten, sichtlich ergriffen: "Für dieses Ziel der Achtung des Menschen lohnt es sich, sein Leben hinzugeben."

Weltjugendforum in Moskau 1961

Im Sommer 1961, als das neue Parteiprogramm, das die Vermeidbarkeit des Krieges und friedliche Koexistenz proklamierte, in der SU vorgestellt wurde, fand in Moskau ein Welttreffen der Elite der Kommunistischen Jugend statt. Lediglich das Vertrauen, das wir durch unsere Arbeit aufgebaut hatten, machte meine Beteiligung möglich. Die Atmosphäre war schwierig. Bei Gesprächen wurde ich ständig überwacht. An einem Abend war ein Forum über Jugend und Religion angesetzt. Mehrere Hundert Teilnehmer drängten sich im dichtgefüllten Saal. Das Rednerforum setzte sich aus je einem Vertreter von sechs Religionsgemeinschaften zusammen, darunter die Russisch-Orthodoxe, Katholische und Armenische Kirche wie Baptisten und Muslime. Jeder Vertreter stellte seine Kirche und deren Arbeit in einem kurzen Statement vor. Inhaltlich gingen die Erklärungen kaum über eine statistische Darstellung hinaus. Was konnte etwa der einzige katholische Priester Moskaus, der dort seine Stellung halten musste, sagen?

In der anschließenden Diskussion wurden spöttische, verächtliche Angriffe auf die Kirchen gerichtet. Das Podium befand sich in einer äußerst schwierigen Lage. Ich spürte, dass ich hierzu nicht schweigen dürfe, doch hatte ich Angst, mich der Situation auszusetzen. Da fiel mir die Stelle aus dem Evangelium ein: "Macht euch keine Sorgen, was ihr reden sollt, sagt vielmehr, was euch in jener Stunde eingegeben wird" (Mk 13,11). Mit zitternden Knien trat ich ans Rednerpult: "Ich habe die Einladung zu diesem Jugendforum angenommen, weil ich überzeugt bin, dass für Euch Eure Ideologie nicht Äußerlichkeit, sondern echte Überzeugung ist, für die Ihr Euch mit allen Kräften einsetzt. In gleicher Weise erwarte ich von Euch, dass auch Ihr die Aufrichtigkeit meiner christlichen Überzeugung achtet, für die ich mich mit allen Kräften einsetze. Für mich bedeutet Christsein Engagement für die Würde und die Rechte des Menschen; Einsatz für die Überwindung der Apartheid in Südafrika, wo Mitglieder meiner Organisation, ohne zu töten, bis zum Gefängnis gegen den Rassismus kämpfen; Einsatz für die Beendigung des Kolonialismus. Unsere Bewegung führt in Frankreich einen äußerst schwierigen gewaltfreien Kampf gegen den Algerienkrieg. Für mich bedeutet Christsein: unablässiger Einsatz gegen die Rüstung im Westen wie im Osten. In diesem Friedenswirken bauen wir nicht auf Macht und Gewalt, sondern auf die Kraft der Gerechtigkeit, der Wahrheit, des Dialogs und der organisierten Weigerung, am Unrecht mitzuwirken. Diese wahrhaft menschliche Kraft ist es, die die Fähigkeit besitzt, Frieden zu schaffen. Sie liegt in jedem von uns: im Osten wie im Westen. Gehen wir gemeinsame daran, sie in uns zu entdecken und mutig anzuwenden. Mit dieser Kraft des Menschen werden wir jene Brücken bauen, die zu echter Koexistenz führen. In dieser Kraft erkenne ich Gott".

In dem Moment, als ich an meinen Platz zurückkehrte, brach plötzlich heftiger Applaus aus. Hinter der Maske des Zynismus waren diese Worte auf die tiefsten Hoffnungen der Teilnehmer gestoßen. Das Eis war gebrochen. Die oft schwierigen Gespräche dauerten bis tief in die Nacht.

Diese Pionierarbeit setzten wir in Osteuropa in den 60er-Jahren fort, bis sie von den offiziellen Kirchen aufgenommen wurde. Schließlich brach die Kraft des gewaltfreien Widerstandes in Osteuropa mit Macht auf: in Polen durch Solidarnocz, der Prager Frühling in der CSR, die Wende in der DDR. Sie leistete einen wesentlichen Beitrag dazu, dass das Ende des kommunistischen Regimes ohne Blutvergießen durchgesetzt werden konnte.

Das Vatikanische Konzil (1961-65)

Am Höhepunkt der Ost-West-Spannungen tritt Papst Johannes XXIII. in die Geschichte ein. Mit festem Vertrauen auf das Wirken Gottes in der Zeit durchbricht er die Mauer der Feindschaft, öffnet den Dialog mit den politischen Führern beider Seiten, ja, wendet durch seine Intervention die Gefahr eines Atomkrieges in der Kubakrise ab. Seine Friedensenzyklika "Pacem interris" lässt weit über den katholischen Bereich hinaus Hoffnung aufbrechen. Es ist verständlich, dass konservative und anti-kommunistische Kreise des Vatikans versuchen, seine Initiativen zu verhindern, besonders als er das 2. Vatikanische Konzil einberuft, um, wie er in seiner Eröffnungsrede ausführt: "die moderne Welt mit den lebenspendenden Energien des Evangeliums in Kontakt zu bringen…und der angsterfüllten Welt Vorschläge für den Frieden anzubieten."

Das Konzil löste starke Energien der Erneuerung aus, die, aller Opposition zum Trotz - doch zum Teil beschlossen werden konnten: eine neue Sicht der Kirche als Volk Gottes, in der alle Getauften gemeinsam Verantwortung tragen, Öffnung der Ökumene, eine neue Beziehung zum Judentum, zu den Weltreligionen und zu Nicht-Gläubigen, Verantwortung für Nord-Süd-Gerechtigkeit, die Durchsetzung der Menschenrechte und schließlich die Frage Krieg und Frieden.

Obgleich die Ausgangslage in der Vorbereitungszeit (1961) aussichtslos erschien, fühlten Jean und ich die Verpflichtung, die Friedensfrage in das Konzil einzubringen. Mit Hilfe von Theologen formulierten wir Vorschläge zu drei Punkten: Rüstung, atomare Abschreckung und Krieg zu verurteilen, Kriegsdienstverweigerung gut zu heißen, eine Friedenstheologie gründend auf der Gewaltfreiheit Jesu anzubahnen. Nach und nach entwickelte sich eine internationale Friedenslobby und große Konzilstheologen wie K.Rahner, Yves Congar und Bernhard Häring unterstützten uns. Es galt nicht nur möglichst viele Bischöfe für unsere Vorschläge zu gewinnen (wir kontaktierten etwa 200), sondern auch der massiven US-Lobby, die die sogenannte Theologie des gerechten Krieges zu bestätigen trachtete, entgegen zu treten.

Als schließlich in der letzten Konzilsperiode die Frage unter hitzigen Auseinandersetzungen behandelt wurde, führten wir, gemeinsam mit der Gemeinschaft der Arche, ein 10-tägiges internationales Fasten von Frauen durch. Der Bischof von Verdun - jener Region, in der während des 1. Weltkrieges 1 Million Menschen ums Leben kamen - verlas vor den 2000 Bischöfen die Botschaft der Frauen, die zu mutigen und entschiedenen Friedensschritten aufforderten; die einzige Botschaft von außen, die während des Konzils verlesen wurde.

Obgleich es nicht gelang, den bewaffneten Widerstand als letzte Möglichkeit der Verteidigung auszuschließen, hat das Konzil in "Gaudium et Spes" jedoch die Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung ausgesprochen, die Haltung der Gewaltfreiheit gelobt und die Versöhnung der Menschheit durch die sich hinschenkende Liebe Jesu als Grundlage der Friedenstheologie bekräftigt. Seither wurden durch Paul VI. und Johannes Paul II. Gewalt und Krieg immer eindeutiger verurteilt, und die Gewaltfreiheit Jesu als Wesenskern der Befreiungs- und Versöhnungsbotschaft Jesu bekräftigt.

Eine kleine Anekdote, um die Bedeutung der Friedenslobby zu unterstreichen: In einer Sitzung der Theologischen Kommission, so berichtete uns ein Teilnehmer, sagte Kardinal Ottaviani, bekannt als der mächtigste Vertreter des konservativen Flügels des Konzils: "Es ist schwer, diesem Jean Goss zu folgen, mais quel souffle évangélique (was für ein Sturm evangelischer Kraft)." Kardinal Ottaviani setzte sich in der Friedensfrage für die Entfaltung der Gewaltfreiheit nach dem Vorbild Gandhis ein.

Lateinamerika - "Du sollst deinen Bruder nicht unterdrücken!"

In den 60er und 70er-Jahren erkannte der Internationale Versöhnungsbund die dramatische Situation in Lateinamerika. Der Aufbruch zu Veränderung auf diesem Kontinent stand jedoch im Zeichen der Euphorie gewaltsamer Befreiung durch Guerillabewegungen. Wir fragten uns, ob und wie der Internationale Versöhnungsbund dazu beitragen könnte, die Gewaltfreiheit in den Kampf um Befreiung einzubringen. Wir wurden mit dem Versuch beauftragt. Es war sehr schwierig, denn Jean und ich standen zwischen den mächtigen Konservativen und jenen Gruppen, die nur den Befreiungsweg der Gewalt kannten. Es ging also darum, aufzuzeigen, dass Gewaltfreiheit fähig ist, persönliche Haltungen wie auch ungerechte Strukturen zu verändern und diese Kraft bekannt zu machen. Ausgangspunkt hierfür wurde 1966 die von Earl Smith, methodistischer Pastor in Montevideo, organisierte Konsultation über den Befreiungsweg von Christen. Vertreter aus 19 Staaten des Kontinents, aus Kirchen und Basisbewegungen, überlegten gemeinsam ihre unterschiedlichen Positionen und viele wünschten, die Möglichkeit des gewaltfreien. Kampfes, die sie nicht kannten, besser kennen zu lernen. Von da an wurden Jean und ich in viele Länder des Kontinents eingeladen und wir entwickelten, aufbauend auf Gandhi und King, Schulungsseminare in Gewaltfreiheit, die von der Situationsanalyse ausgehend, Spiritualität und Praxis der Gewaltfreiheit anhand der konkreten Konflikte lehrten.

Ich glaube, sagen zu dürfen, dass dies ein wichtiger Beitrag zur gewaltfreien Orientierung von Basisbewegungen war, wie auch der aufseiten der Armen engagierter Kirchenführer (Dom Helder Câmara, Dom Fragoso, Kardinal Arns u.a.), für die wir ein eigenes Seminar durchführten. Aus dieser Arbeit entstand die kontinentale gewaltfreie Bewegung Serpaj (Servicio Paz y Justicia) unter Leitung von Adolfo P. Esquivel, der selbst verhaftet und gefoltert wurde und nur durch eine breite internationale Kampagne, bei der Klaus Jensen und ich zusammenarbeiteten, der Ermordung entging (Buch: A.P.E. Der gewaltfreie Rebell, Hrsg. Marianne Spiller-Hadorn, orell füssli, 2006).

Unter dem Druck der USA und dem Schlagwort des Einsatzes für "Nationale Sicherheit" wurden auf dem Kontinent Militärdiktaturen errichtet, die Guerillabewegungen zerschlugen und jeden Einsatz für Menschenrechte und Gerechtigkeit als subversiv bezeichneten. So waren wir alle der Verfolgung ausgesetzt.

Aus diesem Kampf ein Beispiel aus Sao Paulo: Im Herbst 1975 erreichte die Welle der Folterungen in Sao Paulo ihren Höhepunkt. Wer immer sich für menschliche Grundrechte einsetzte, wurde verhaftet. Alles erstarrte vor Angst. Trotzdem lud der Leiter von Serpaj-Brasil, Mario de Jesus, zur Jahrestagung nach Sao Paulo ein. Adolfo Esquivel und ich sollten internationalen Schutz bieten. Es kamen etwa 80 Teilnehmer aus verschiedenen Teilen des Landes. Völlig überraschend kam zu Beginn auch der Kardinal Dom Paulo Evaristo Arns. "Jeden Morgen", so sagte er uns, "stehen zahlreiche Frauen und Mütter von Entführten, Gefolterten, Ermordeten vor meiner Tür und bitten um Hilfe. Ein Mensch allein, selbst wenn er Kardinal ist, kann sich dieser Situation nicht stellen. Ich ersuche Euch, eine gewaltfreie Strategie zur Überwindung der Folter zu erarbeiten." Wir willigten ein. Und so wurde während dieser Tagung das Konzept der Zentren zur Verteidigung der Menschenrechte geboren, das in der Folge an immer zahlreicheren Orten Bedrohten Hilfe und Schutz bot. Rechtsanwälte, Lehrer, Ordensleute stellten sich in winzigen Büros der Bevölkerung durch Rechtsberatung und Solidarität zur Verfügung. Dieser Dienst erforderte große Opfer. Zahlreiche Berater wurden ermordet.

Ein zweiter Vorschlag bestand darin, die Kirche zu bewegen, das Tabu der Folter zu durchbrechen und diese öffentlich zu verurteilen. Da zu dieser Zeit eine regionale Bischofskonferenz Zeit tagte, beschlossen wir, eine Delegation mit der dringenden Bitte zu entsenden, die Folter zu verurteilen. Durch Fasten und Gebet bereiteten wir uns auf dieses Gespräch vor. Es bedurfte wahrhaftig der starken Kraft des Geistes Gottes, um diesen Durchbruch zu erreichen, der die Kirche der Verfolgung aussetzte! Doch die 30 Bischöfe nahmen die Herausforderung an und solidarisierten ihrerseits die Gesamtkirche Brasiliens, die schließlich den mutigen Hirtenbrief "Du sollst deinen Bruder nicht unterdrücken" veröffentlichte. Er verurteilte Folter und Menschenrechtsverletzungen und solidarisierte die Kirche mit den Verfolgten. Langsam konnte von da an die Folter zurückgedrängt werden.

Der waffenlose Widerstand in zahlreichen Staaten Lateinamerikas trug wesentlich dazu bei, dass die Militärdiktaturen ohne Bürgerkriege überwunden wurden, wenngleich weiterhin ein harter Kampf um Demokratie und soziale Gerechtigkeit zu führen ist.

Philippinen - People Power - einende Kraft von Symbolen

Dass selbst grausame Diktaturen gewaltfrei beendet werden können, wenn die Betroffenen ihre Angst überwinden, sich solidarisieren und dem System die Unterstützung verweigern, zeigt das Beispiel von People Power (1986) gegen die Diktatur von Fernado Marcos in den Philippinen. Auch dort lag die Stärke des gewaltfreien Widerstandes in der Verbindung von Glauben und dem Kampf um Befreiung. Von engagierten Ordensleuten eingeladen, durften Jean und ich mithelfen, den nationalen gewaltfreien Widerstand aufzubauen. Eine große Schwierigkeit, aber zugleich wesentliche Voraussetzung, bestand in der Notwendigkeit, Einigkeit und Vertrauen zwischen den Widerstandskräften der Basis und den intellektuellen-politischen Persönlichkeiten herzustellen und Zeichen zu setzen, die die Passiven, ja, selbst Soldaten zu solidarisieren vermochten. Hiezu zwei kleine Beispiele:

Das gemeinsam gebrochene Brot - Schulungsseminar in Gewaltfreiheit

Die Brüche innerhalb der Opposition bestanden zwischen den Politikern, denen man aufgrund alter Erfahrung misstraute, und der Basis, zwischen Studenten und Gewerkschaftern. Die Leute sprachen nicht miteinander. Es musste zur Krise kommen. Im Verlauf des Seminars war allen klar geworden, dass Befreiung aus Unterdrückung und Unrecht nur von einem geeinten Volk erreicht werden kann. Um diese Einheit und Einigkeit mussten wir ringen. Pater Blanco, Initiator und spiritueller Leiter des Seminars, ergriff die Initiative. Bei der Eucharistiefeier am dritten Abend des Seminars verteilte er gleich nach der Konsekration an alle Teilnehmer eine große Hostie und bat, über dieses runde Brot zu meditieren. Es ist für uns der Leib Christi, rund und ganz, ohne Brüche. Es ist zugleich auch der Leib des Volkes Gottes. Brechen wir nun dieses Brot auseinander, so sehen wir die konkrete Situation des philippinischen Volkes: Es ist gespalten, uneins, voll Misstrauen. Doch nur ein geeintes Volk kann über das Unrecht siegen. "Wer dazu bereit ist", sagte er schließlich, "gehe auf jene zu, denen er bisher misstraute und teile mit ihnen das Brot des Lebens!" Es folgte ein langes, beklemmendes Schweigen. Doch plötzlich erhob sich ein Gewerkschafter, ging langsam auf einen Politiker zu und teilte mit ihm das Brot. Dieser, erschüttert, versprach, sich jetzt und in Zukunft wahrhaft und mit aller Konsequenz an die Seite des unterdrückten Volkes zu stellen. Das Eis war gebrochen. Andere folgten seinem Beispiel und wir konnten miteinander Auferstehung zu Einigkeit feiern.

Mandiola Brücke

Ein beeindruckendes Beispiel ereignete sich während eines unserer Seminare: Agapito, "Putz" Aquino, Bruder des ermordeten Oppositionsführers Ninoy Aquino, wurde dringend zu einer Massendemonstration von Studenten gerufen. Man fürchtete schwere Ausschreitungen, und Putz Aquino hatte großen Einfluss auf die Studenten. Diese beabsichtigten, die berühmte Mandiola-Brücke, die zum Präsidentenpalast führte, um jeden Preis zu überschreiten. Diese für Demonstranten gesperrte Brücke war zum Symbol der Unfreiheit des Volkes geworden. Als sich die Demonstration der Brücke näherte, war sie bereits auf der Seite des Palastes von dichten Reihen schwer bewaffneter Soldaten besetzt. Seminaristen in weißen Soutanen stellten sich in die Frontlinie. Ruhig, aufrecht, unbewaffnet schritt Putz Aquino auf die Brücke zu und suchte Sprechkontakt zu dem befehlhabenden Offizier auf der anderen Seite. Er wusste, dass die jungen Menschen nicht mehr warten konnten, aber auch, dass auf sie geschossen würde, sollten sie die Brücke betreten. Ein Kompromiss musste gefunden werden: Filipinos dürfen nicht Filipinos töten! Er verhandelte mit den Studenten, schlug ihnen vor, heute nur bis zur Mitte der Brücke vorzurücken und dort zu halten; dann verhandelte er darüber mit dem Militärkommandanten: er bürge dafür, dass die Studenten die Vereinbarung einhalten; für diese würde damit ein symbolischer Schritt in Richtung auf Freiheit erzielt. Die Studenten besetzten die halbe Brücke. Sie hielten dicht vor den Soldaten. Putz Aquino ging auf den Offizier zu und reichte diesem die Hand. In diesem Augenblick stimmten die Seminaristen das Vaterunser in Tagalok, der Volkssprache, an, eine ergreifende Melodie. Hunderte Demonstranten fielen ein und - zunächst zögernd, dann mit voller Stimme, schlossen sich die Soldaten an und legten ihre Helme ab! Kein Schuss fiel, keine Verhaftung, keine Steine wurden geschleudert. Armee und Jugend hatten sich gegenseitig geachtet, waren einen Schritt aufeinander zugegangen.

Die weitere Entwicklung ist bekannt: in vielen Teilen der Philippinen wurde gewaltfreier Widerstand gelehrt. Unter dem Druck der Situation berief Präsident Marcos vorgezogene Wahlen ein, bei denen die Witwe des ermordeten Oppositionsführers, Cory Aquino, siegte. Marcos anerkannte diesen Sieg nicht, und Cory konnte die Regierung erst übernehmen, nachdem die militärische Führung des Landes sich der Opposition anschloss und über eine Million Menschen die militärische Intervention des Diktators gegen die Dissidenten verhinderten. Als People Power stellten sich die Menschen, ausgestattet mit ihren religiösen Symbolen, den Panzern entgegen, bis Marcos kapitulierte und auf eine amerikanische Militärbase ausgeflogen wurde. Obgleich People Power nur die politischen, nicht aber die sozialen Reformen durchsetzen konnte, ermutigte diese "Kraft der Schwachen" mehrere unterdrückte Völker dazu, selbst zu diesem Befreiungsweg aufzubrechen: Madagaskar, Zaire, China, Burma, … Sie alle bauen auf das Erbe Gandhis auf, der als erster im 20. Jahrhundert durch seine Philosophie, seine spirituelle Kraft und gewaltfreie Praxis den Weg für People Power erschloss.

Vergebung - Versöhnung in Afrika

Nach den furchtbaren ethnischen Kämpfen in Afrika, für die wir Europäer große Mitverantwortung tragen, und den nationalen Kriegen auf dem Balkan in den 90er Jahren, stellte sich für uns eine neue Herausforderung: Schritte zu Versöhnung anzubahnen und Peace Building d.h. die Möglichkeit für gemeinsame friedliche Lebensbedingungen zu unterstützen. Der Weg zu Versöhnung ist lang und mühevoll; er erstreckt sich manchmal über Generationen. Er setzt einige wesentliche Schritte voraus, um zu Versöhnung zu gelangen: das Aufdecken der Wahrheit beider Seiten, Einsatz für größere Gerechtigkeit für die Opfer, um ihre Würde öffentlich wieder herzustellen, den Gegner als Mensch zu achten und Vergebung zu gewähren und zu erbitten. Wo jedoch Versöhnung gelingt, im persönlichen oder öffentlichen Bereich, - haben wir das nicht alle selbst erlebt? - öffnen sich wunderbare, schöpferische Perspektiven für ein neues Miteinander.

Mit meinem französischen Kollegen, Alfred Bour, arbeitete ich nach dem Genozid (1994) in Ruanda, Burundi und im Osten der DR-Kongo. Hier geht es um den Konflikt zwischen Hutu und Tutsi, der die Region immer neu bedroht und vor allem im Kivu zu neuen bewaffneten Auseinandersetzungen führt. Doch eine Anzahl kleiner Gruppen leistet an der Basis intensive Versöhnungsarbeit, ja, sie verwirklichten Geschwisterlichkeit schon inmitten der Gräuel und Massaker. Vor allem die Frauen, meist jene, die ihre Männer in den Massakern verloren hatten, nahmen verwaiste Kinder beider ethnischer Gruppen in ihre Häuser auf, um, wie sie sagten, dem Leben eine Chance zu geben. Wir durften an interethnischen Seminaren in Burundi und Ruanda mitarbeiten, wo unter großer Mühe, die Wahrheitsfindung durch beide Seiten versucht und vor allem auch das Gemeinsame, als Ansatzpunkt für einen Neubeginn, erarbeitet wurde. Empathisches Zuhören, in welchem man sein eigenes Leid auszudrücken vermag und in das Leid der Anderen einsichtig wird, ist eine wichtige Hilfe, um aus dem Gefängnis der eigenen Leiderfahrung auszubrechen. In beiden Ländern leisten bodenständige Friedensgruppen nun ermutigende Friedensdienste.

Vor allem in den Städten wächst eine junge Generation heran, die lebensdurstig ist, das Land aufzubauen wünscht und die alte Zwietracht hinter sich lassen möchte. So gibt es viele Zeichen der Hoffnung, wenn das Gebiet nicht wieder in einen blutigen Kampf initiiert durch globale Großunternehmen um den Reichtum der Bodenschätze, vor allem um Coltan und Gold, hineingezogen wird. Inter-ethnische Versöhnungsarbeit bleibt Priorität in Afrika.

Eine neue Welt ist möglich

Mit der Wende, mit dem Ende der Spaltung der Welt in Ost und West, hat die liberale Marktwirtschaft die Herrschaft über die Welt angetreten: Gewinn, Zugang zu Rohstoffen mit allen Mitteln, unerbittliche Konkurrenz stehen im Mittelpunkt dieses materialistischen Wirtschaftssystems und nicht in erster Linie das Wohl der menschlichen Gemeinschaft. Die Armut und Arbeitslosigkeit in den Entwicklungsgebieten wächst weiter und bewirkt Migrationströme von Süd nach Nord. Diese heizen Konflikte zwischen Religionen und Kulturen und Ängste vor Überfremdung, die geschürt werden, bei uns an. Ungelöste, lange schwelende bewaffnete Konflikte in Israel/Palästina, Afghanistan oder dem Irak, für die die USA wie die EU große Verantwortung tragen, begünstigen Radikalisierung und Terrorismus; neue Feindbilder werden entwickelt, neue Waffensysteme, auch atomare, aufgerüstet. Die Plünderung der Ressourcen des Globus und die Zerstörung des ökologischen Gleichgewichtes werden zu einer wachsenden Bedrohung vor allem in den verarmten Gebieten der südlichen Hemisphäre. Mit diesen und weiteren lebensbedrohenden Problemen sind wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts konfrontiert.

Nicht wenige sind angesichts dieser Situation mutlos geworden, resignieren, lassen sich in die Konsumgesellschaft einbinden - und ich und jede/r von uns trägt diese Tendenz in sich. Doch auch jetzt gilt es, die Situation zu durchleuchten und der vielen kleinen und größeren Aufbrüche gewahr werden, die bereits an neuen solidarischen, gerechteren und friedlichen Lebensbedingungen arbeiten, um "Leben in Fülle" für alle zu erringen. Der neugestaltende Geist Gottes ist am Werk auch in dieser Zeit. Er schärft die Gewissen und erweckt die Fähigkeiten, sich den neuen Herausforderungen zu stellen, im persönlichen wie im sozialen und weltweiten Bereich. Hunderte Möglichkeiten stehen uns offen, wenn wir das Gewissen schärfen und unser Herz dem Leid der Menschen öffnen: Einsatz für Gender-Gerechtigkeit, für Frieden in Partnerschaft und Familien, für Friedenserziehung in den Schulen, für einen humanen Umgang mit Fremden, für Begegnung von Religionen und Kulturen, für Abrüstung und eine bescheidene Lebensweise, für die Besteuerung von Börsentransaktionen und für Wirtschaftsbeziehungen zwischen Nord und Süd, die dem Süden eine Chance geben.

In einer Zeit des individuellen Egoismus gilt es, die globale Solidarität, die auf die ungezählten kleinen Initiativen aufbaut, im Blick zu behalten und so beharrlich, mutig und freudig am Frieden zu wirken.

Mit Dank für diesen Friedenspreis, der Menschen in aller Welt gilt, möchte ich mit einem Zeugnis aus der DDR der 70er-Jahre, das unser Vertrauen, unsere Zuversicht stärkt, schließen:

"Ich glaube nicht an das Recht des Stärkeren,
an die Sprache der Waffen, an die Macht der Mächtigen.
Doch ich will glauben an das Recht des Menschen,
an die offene Hand,
an die Gewaltlosigkeit.
Ich will nicht glauben an Rasse oder Reichtum,
an Vorrechte und Privilegien,
an feststehende Ordnungen.
Doch ich will glauben,
dass alle Menschen wirklich Menschen sind
und dass die Ordnung des Unrechts
wirklich Unordnung ist. Ich glaube nicht,
dass ich Unterdrückung bekämpfen kann,
wenn ich irgendein Unrecht bestehen lasse.
Doch ich will glauben, dass das Recht ungeteilt ist,
hier und dort
und dass ich nicht frei bin,
solange noch irgendein Mensch Sklave ist.
Ich glaube nicht, dass Liebe Selbstbetrug,
Freundschaft unzuverlässig und alle Worte Lügen sind.
Doch ich will glauben an die Liebe, die erträgt,
an die Offenheit und das Vertrauen zueinander
und an ein Wort, das wirklich sagt, was es sagt."


 

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Veröffentlicht am

22. Dezember 2007

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