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Beschwerde gegen Wasserumleitungsprojekt abgelehnt - Dom Luiz Cappio im Krankenhaus

Sobradinho - Am 23. Fastentag von Dom Luiz Cappio (19.12.) hat der Oberste Gerichtshof Brasiliens in der mit hoher Spannung erwarteten Sitzung eine Entscheidung zugunsten der Bautätigkeiten zur Wasserumleitung des São Francisco Stroms getroffen. Die Nachricht über die Fortführung der Bauarbeiten hat Dom Luiz mit entmutigter Stimme zur Kenntnis genommen. Bereits sichtlich geschwächt ist er in weiterer Folge bewusstlos zusammengebrochen. Nach den ersten Behandlungen vor Ort wurde er am frühen Abend in das Krankenhaus der 50 km entfernten Stadt Petrolina eingeliefert und dort gründlich untersucht.

Dem Spruch des Obersten Gerichtshofs war eine einstweilige gerichtliche Verfügung der Oberstaatsanwaltschaft über einen Baustopp vorausgegangen mit der Begründung, das Bundesumweltamt IBAMA hätte die Baubewilligung erteilt, ohne die gesetzlich vorgeschriebenen Studien zu den Umweltfolgen abzuschließen. Der nun zuständige Richter lehnte diesen Antrag aber ab, was der Regierung die Fortführung der Bauarbeiten erlaubt.

Unverzüglich appellierten die Oberstaatsanwaltschaft und Umweltorganisationen daraufhin an die Höchstinstanz; ein Urteil steht aus.

Sechs Richter des neunköpfigen Gremiums entschieden im Sinn des Erstspruchs und drei dagegen. Letztere stützten ihre Position auf das Prinzip der Vorsicht, weil die Gefahr irreversibler Umweltschäden nicht ignoriert werden könne.

Viele Argumente, die in der Diskussion des Höchstgerichts vorgebracht wurden, erweisen sich als äußerst brisant und kontrovers, vor allem jener mehrheitlich angenommene Befund, wonach keine indigenen Gebiete vom Regierungsprojekt betroffen seien. Der Nord-Kanal wird jedoch bei Cabrobró gerade dort angestochen, wo seit Jahren das Volk der Kirirí um sein angestammtes Territorium kämpft.


 

Letícia Sabatella sowie andere Künstler und Aktivisten, die Dom Cappio unterstützen und nach Brasília gekommen sind, verlassen traurig das Gerichtsgebäude.

 

 

 

Dom Luiz Cappio ins Krankenhaus eingeliefert

Die Nachricht über die Fortführung der Bauarbeiten hat Dom Luiz mit entmutigter Stimme zur Kenntnis genommen. Bereits sichtlich geschwächt ist er in weiterer Folge bewusstlos zusammengebrochen. Nach den ersten Behandlungen vor Ort wurde er am frühen Abend in das Krankenhaus der 50 km entfernten Stadt Petrolina eingeliefert und dort gründlich untersucht. Sein Gesundheitszustand ist mittlerweile stabil und er wird zur weiteren Beobachtung die Nacht in der Intensivstation verbingen.

Kurz nachdem Dom Frei Luiz informiert worden war, dass der Oberste Gerichtshof die Beschwerden der Wasserumleitungs-Gegner abgelehnt hatte, gestand der Bischof ein, dass es ihm nicht gut gehe und er “eine große Entmutigung” spüre. Daraufhin verließ er eine Versammlung, die eben einen Kommentar zum Spruch der Höchstrichter aufsetzte; nachdem er sich in einen abgeteilten Raum der Franziskus-Kapelle zurückgezogen hatte, fiel er in Ohnmacht.

Tatsächlich hatte Dom Luiz gehofft, dass die Justiz zugunsten der Projekt-Einstellung urteilen würde. Er bezeichnete den Obersten Gerichtshof als “letztes Refugium der bürgerlichen Rechte”, räumte dann aber ein, dass sich auch dieser dem hohen politischen Druck gebeugt hätte. Nun sei das gleiche geschehen wie im Vorjahr, beklagte Dom Luiz: Eine derartig folgenschwere Entscheidung über das größte, teuerste, äußerst bedenkliche und konfliktgeladenste Projekt des heutigen Brasilien sei in der letzten Sitzung des gerichtlichen Arbeitsjahres gefallen; einige Höchstrichter seien nicht einmal anwesend gewesen, und die Sitzung sei auf einem Niveau verlaufen, das dem Gewicht der unzähligen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Bedenken nicht Rechnung getragen habe; vielmehr sei das Meer an Rechtsverstößen übersehen worden, um sich andrerseits in hohle Formalfehler festzubeißen. Dies alles diene nichts anderem als der Rechtfertigung eines Mammutprojekts, dessen Ausführung - sollte es dazu kommen - das Land zukünftig reuen würde.

Nachdem Dom Luiz das Bewußtsein wiedergewonnen hatte, verbesserte sich sein Gesamtzustand nur sehr zögernd. Damit war ein hohes Risiko bleibender Gesundheitsschäden gegeben und so enschied sich Dom Luiz´ begleitender Arzt Dr. Frei Klaus Finkham (wie Dom Luiz Mitglied des Franziskaner-Ordens) im Einvernehmen mit der Familie und den Vertretern der Basis-Bewegungen für die Einlieferung in ein Krankenhaus. Um 18.40 Uhr wurde der Bischof nach Verabreichung einer Infusions-Lösung mit einem Rettungswagen nach Petrolina (Stadt im Bundesstaat Pernambuco) in das Spital “Memorial” gebracht.


Laut letzter Nachrichten geht es Dom Luiz verhältnismäßig gut, er ist außer Lebensgefahr.

Die zunächst in den brasilianischen Medien verbreiteten Nachrichten über den Abbruch des Hungerstreiks stimmen allerdings nicht. Dom Luiz alleine wird über den weiteren Verlauf seines Fastens entscheiden, sobald er wieder bei Kräften ist. 

Regierung bricht Verhandlungen ab

Währenddessen verkündigte die Bundesregierung, mit dem Wind der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in den Segeln, dass die Verhandlungen über das Projekt eingestellt seien - dabei hatten sie kaum begonnen.

Der Generalsekretär der Brasilianischen Bischofskonferenz, Dom Dimas Lara Barbosa, teilte mit, dass die Regierung dem Vorschlag der Unterbrechung der Bauarbeiten zur Umleitung für 60 Tage nicht zugestimmt hat. Die Antwort wurde per Telefon durch den Kabinettschef des Präsidenten der Republik, Gilberto Carvalho, um 17 Uhr (MEZ 22 Uhr) gegeben.

Der Vorschlag, die Bauarbeiten an der Flussumleitung für die Dauer von zwei Monaten zu unterbrechen, tauchte während eines Treffens auf, das gestern am Abend zwischen Vertretern der Brasilianischen Bischofskonferenz, dem Kabinettschef des Präsidenten der Republik, Gilberto Carvalho, dem Vertreter von Dom Cappio, Roberto Malvezzi und Spezialisten der Nationalen Wasser Agentur und des Ministeriums für Nationale Integration stattgefunden hat.

Dom Luiz wird nach der Abendmesse in Sobradinho sein Fasten erklären

Agencia Estadao, 20.12., 15:24 Uhr (20:24 Uhr MEZ): Laut Mitteilungen der CPT wird Dom Luiz Cappio heute den Nachmittag mit Beten und Reflexion verbringen, gegen 17 Uhr nach Sobradinho zurückfahren und nach der 19 Uhr-Messe mitteilen, ob sein Fasten gegen das Projekt der Flussumleitung aufrecht bleibt oder nicht. Er konnte die Ärzte von seiner Besserung  überzeugen und erhielt die Erlaubnis dazu.

Auf die Fragen von Journalisten über die Umsetzung des Projekts antwortete Staatspräsident Lula (PT), dass er mit allen Mitteln daran festhalten und dass sie - bereits von Pedro II. als Traum ausgesprochen - das größte Werk der Regierung Lula sein wird. “Würde sich der Staat ergeben, würde er sich aufgeben - er muss aber funktionieren”, sagt Lula und fordert Dom Cappio zum Abbruch des Fastens auf, da er nicht nachgeben werde. Das Projekt würde 12 Millionen Menschen zugute kommen und auch die Zukunft des Flusses garantieren. Die Gegner des Projekts bezweifeln das allerdings und sprechen von Privilegien für die exportorientierte Agro- und Hydro-Industrie.

Bischof Dom Luiz fährt nach Sobradinho und nimmt an der Messfeier teil

Sobradinho, CPT, 20.12., 16:55 Uhr (21:55 Uhr MEZ): Heute in der Früh ist Dom Luiz aus der Intensivstation entlassen und zur Beobachtung  in ein Krankenzimmer überstellt worden. Dort wird er weiterhin von seinem Arzt Frei Klaus Finkam und seiner Familie, die ihm seit Beginn seines Fastens zur Seite steht, betreut.

Am frühen Abend wird er auf seinen eigenen Wunsch nach Sobradinho gebracht. Dabei wird er von seinem Arzt begleitet. Dort wird er an der täglich stattfindenden Messfeier, in der Kapelle Sao Francisco teilnehmen.

Während seines Krankenhausaufenthaltes nahm er keine Nahrungsmittel zu sich. Wie er selbst erklärte, setzt er sein Fasten fort. Nach den ersten Untersuchungen, wurde er nur mit Serum versorgt.

Im Anschluss an die Messfeier wird erwartet, dass sich Dom Luiz über den weiteren Verlauf seines Fastens äußern wird. Der Druck und die Bitte, sein Fasten abzubrechen, ausgehend von seiner Familie, Künstlern und brasilianischen Politikern sind sehr groß.

Quelle: CPT Juazeiro und Gustav Krammer, Pax Christi Burgenland


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Veröffentlicht am

20. Dezember 2007

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