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Menschenrechte versus Großprojekte in Brasilien - gestern und heute

Nachrichten vom 13. Fastentag von Dom Luiz


Sobradinho - Am Sonntag (09.12.2007) nahmen mehr als 5.000 Menschen an einer großen Wahlfahrt, die von den kirchlichen Sozialpastoralen organisiert worden war, teil. Vertreter von sozialen Bewegungen, Landlosenorganisationen (MST), indigenen Gruppen und politischen Parteien reisten zum Teil in tagelangen Busreisen an, um sich am Stausee Sobradinho mit der Protestbewegung gegen die Umleitung des Rio São Francisco zu solidarisieren.

In seiner Eröffnungsansprache der ökumenischen Feier ermutigte Dom Luiz die Anwesenden: “Das Wort Gottes lehrt uns: Wenn ihr Glauben habt so groß wie ein Senfkorn, dann könnt ihr zu einem Berg sagen: versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.” Als Symbol für das Senfkorn wurden Bohnensamen gesegnet und an alle Pilger verteilt, damit sie den Samen der Hoffnung in ihre Heimatorte tragen. Der Bischof bekräftigte erneut, dass es nicht möglich ist, den Glauben vom Leben zu trennen. Er wandte sich direkt an die anwesenden sozialen Bewegungen: “Wir müssen uns die Hände geben, vereint werden wir siegen. Den größten und stärksten Gegnern muss man mit Fasten und Beten begegnen.”

In Ansprachen gedachten die Vertreter der insgesamt 115 anwesenden Organisationen, Bürgerbewegungen und Nichtregierungsorganisationen der symbolischen Bedeutung des Ortes Sobradinho. Denn in dieser Region wurden vor 30 Jahren mehr als 72.000 Menschen vertrieben, als sie dem großen Sobradinho-Stausee weichen mussten. Bis heute sind in vielen Fällen die Entschädigungszahlungen vieler Betroffenen nicht erfolgt. Es wurde in den Ansprachen daran erinnert, dass beim Bau der Staumauer unzählige Arbeiter in der Staumauer “beerdigt” wurden, die bei den Bauarbeiten verunglückten und mit einbetoniert wurden.

Das indigene Volk der Tuxá Indios wurde damals in viele kleine Gruppen aufgeteilt, ihre Forderungen nach einem offiziell anerkannten Territorium wurden bis heute nicht erfüllt und nun sind sie wieder von einem Großprojekt betroffen: der Umleitung des Rio São Francisco. Zusammen mit den indigenen Gruppen der Tumbala und Truká eröffneten sie mit einem rituellen Tanz die ökumenische Feier zur Unterstützung des Kampfes gegen die Flussumleitung.

Am Nachmittag fand eine Gedenkfeier auf der Staumauer des Sobradinho-Stausees statt, bei der die Teilnehmer dem Fluss solidarisch einen Schluck Wasser, das sie aus ihren Heimatregionen mitgebracht hatten, spendeten. Als die Prozession an der Staumauer ankam, wurden die Pilger von Infanterie-Soldaten des brasilianischen Bundesheeres aufgehalten, die das Elektrizitätswerk mit Nato-Stacheldraht abgeriegelt hatten.

Insgesamt sind seit zwei Tagen 200 Soldaten am Sobradinho Stauwerk stationiert, die Zufahrtsstraße zur Staumauer ist seither für den öffentlichen Verkehr gesperrt.

Die Andacht auf der Staumauer konnte friedlich beendet werden. Doch das Szenario erinnerte viele der Beteiligten an die Zeiten der Militärdiktatur, als die Region um den Stausee als “Zone der nationalen Sicherheit” deklariert wurde.

Am Tag der internationalen Menschenrechte gibt das autoritäre Vorgehen der brasilianischen Regierung, die auf friedliche Kundgebungen der Bevölkerung mit massivem Militäreinsatz regiert, Anlass zu Zweifeln über die Situation der Menschrechte in Brasilien.

Das österreichische Fernsehen hat am Sonntag 09.12.07, um 12.30 Uhr in der Sendung ORIENTIERUNG, ORF2 einen Beitrag mit dem Titel “Bahia - ein Bischof im Hungerstreik” gesendet. Dieser wird am Dienstag, 11.12.2007, um 12.25 Uhr in ORF 2 und am Donnerstag, 13.12.2007, um 13.45 Uhr in 3sat wiederholt. Der Beitrag kann als Video-Clip heruntergeladen werden:

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Veröffentlicht am

11. Dezember 2007

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