Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

Ihre Spende ermöglicht unser Engagement

Spendenkonto:
Bank: GLS Bank eG
IBAN:
DE36 4306 0967 8023 3348 00
BIC: GENODEM1GLS



Suche in www.lebenshaus-alb.de
 

Achter und neunter Fastentag von Bischof Frei Luiz Cappio

Sobradinho - Am 04.12.07 bekam Dom Cappio Besuch von Dom Geraldo Majella und Dom Ceslau Stanula. Im Gespräch betonten sie, dass sie seine Ziele gutheißen, versuchten ihn allerdings von anderen Protest-Methoden zu überzeugen. Dom Luiz hielt aber an seinem Fasten fest und feierte am frühen Abend, gemeinsam mit über 4.000 Wahlfahrern aus der Umgebung eine Messe am Flussufer. Eine besondere Freude bereiteten ihm dabei die Teilnahme von über 20 Pfarrern, zum Teil aus seiner eigenen Diözese Barra.

Dom Luiz wird in seiner mutigen Entscheidung, durch die zunehmenden Protestaktionen und Solidaritätskundgebungen im ganzen Land gestärkt. In der Stadt Ibotirama, Diözese Barra (West-Bahia), haben am Morgen des 05.12.07 über 2.000 Personen die Brücke der Hauptverkehrsverbindung Brasília - Fortaleza, die über den São Francisco Fluss führt, besetzt. Den ganzen Tag über war sie für den Verkehr gesperrt. Die Protestaktion in Solidarität mit Dom Luiz führte zu massiven Verkehrsbehinderungen. Es beteiligten sich die verschiedensten sozialen Bewegungen, Nichtregierungsorganisationen, Fischer sowie Einwohner der fünf angrenzenden Diözesen. Auch in São Paulo, Belo Horizonte und Goiás fanden Solidaritätskundgebungen statt.

Seit heute dem Nachmittag des 05.12.07 nimmt Dom Luiz eine Zucker-Salz-Lösung zu sich. Sie soll dazu beitragen, dass der bereits um 3 Kilo abgemagerte und etwas erschöpft wirkende Bischof, sowie der immer größer werdende Widerstand der Bevölkerung an Zeit gewinnen. Ebenfalls ist dies eine Antwort auf Aussagen des Integrationsministers Geddel Vieira Lima. Dieser erklärte in Interviews, dass die Regierung plant, Dom Cappio bei Eintreten der Bewusstlosigkeit in ein Krankenhaus zwangseinzuliefern.


Antwortschreiben von Dom Luiz Cappio an Dom Aldo Pagotto, Erzbischof von Paraíba

(Übersetzung: Gustav Krammer, Pax Christi Burgenland)

Sobradinho, am 30 November 2007
Fest des Hl. Andreas, Märtyrer

Lieber Dom Aldo,
Pax et Bonum!

Ich habe Ihr “Erklärungs-Schreiben” erhalten und aus Respekt vor Ihnen antworte ich. Zugleich nütze ich die Gelegenheit, um den Brüdern und Schwestern von Paraiba den Sinn meines Tuns zu erklären.

1. Ich stimme zu, dass unser Leben Gott gehört und wir nicht das Recht haben, es uns zu nehmen. Genau weil mein Leben nicht mir gehört sondern Gott - seit vielen Jahren habe ich es Ihm übergeben -, bringe ich es Ihm dar für das Leben vieler. Ich nehme mir nicht das Leben - ich faste und bete nur, wie es biblische und christliche Tradition ist, und das auf unbestimmte Zeit, bereit bis zum Ende zu gehen. Erstens wende ich mich dadurch an Gott, den Herrn des Lebens und der Geschichte, als ein Opfer: Er möge sich unser erbarmen und das Herz der Menschen - erblindet durch Macht und Geld - ändern. Zweitens wende ich mich dadurch an die Regierenden dieses Landes, als legitime Handlungsweise eines Bürgers, um - nachdem alles versucht wurde und die bisherigen Bemühungen ergebnislos geblieben sind - breiten Sektoren der Zivilgesellschaft Gehör und Respekt zu verschaffen. Das ist ein persönliches Zeichen, aber mit kollektiver Bedeutung.

2. Wenn Sie mein Leben kennen, wissen Sie, dass mein aktuelles Verhalten in unumstößlichem Zusammenhang mit meinem Franziskanischen Werdegang steht: als Pater und Bischof im Dienst der Verteidigung und Förderung des Lebens zu sein. Das will mein bischöflicher Wahlspruch zum Ausdruck bringen: “Damit alle das Leben haben” (Joh 10,10).

3. Wörtlich hat mich der Heilige Stuhl durch den Apostolischen Nuntius “gebeten”, dass ich nicht mehr zum Mittel des Hungerstreiks greifen sollte. Es handelte sich dabei nur um eine “Bitte”. Den Ausdruck “Hungerstreik” verwendete ich letztes Mal, weil er bekannter ist und wegen seiner politischen Bedeutung. Dieses Mal bevorzuge ich “Fasten und permanentes Gebet”.

4. Bezüglich des Projekts der Flussumleitung sollten Sie und andere gut informierte Persönlichkeiten, die es verteidigen, dem Volk die ganze Wahrheit darüber sagen: seine wirklichen Ziele, Kosten, Gebühreneinhebungen für Wasser, Trassenverläufe weit weg von den wirklichen Trockengebieten, Geschäftsinteressen etc. Dieses Projekt ist keine Lösung, es wird mehr ein Problem sein. In der momentanen Situation ist es eine Fortsetzung des alten “Diskurses von der Trockenheit” oder das Predigen eines “Wasser-Populismus” im Dienst der gewohnten “Industrie der Trockenheit”, jetzt ganz modern “Hydrobusiness” genannt, ein schlechter Dienst am Volk und eine Perversion unseres Hirtenauftrags. Die Frage, um die es hier geht, ist nicht technischer, sondern pastoraler Art, denn “Schafe” in Gefahr suchen die Fürsorge des Guten Hirten. Basierend auf dieser Argumentation trugen die Bischöfe vom Nordosten vor fast 60 Jahren - mit pastoraler Kompetenz und technischer Hilfe - zur Bildung der SUDENE bei.

5. Das Projekt der Flussumleitung wird keinen wirklichen Fortschritt bringen. Die Propaganda der Bewässerung des São Francisco Tales verdeckt das wahre Gesicht der sozialen und umweltbedingten Schäden, und auch die wirtschaftlichen Erfolge sind relativ. Es ist kein Modell, das man fördern sollte, es bedarf dringend einer Überarbeitung. Warum setzt man sich nicht genauso lautstark ein für die 530 Maßnahmen, die im Atlas des Nordostens von der Nationalen Wasserbehörde (ANA) vorgeschlagen werden, und für die mehr als 140 angepassten Maßnahmen, entwickelt vom Netzwerk der Nichtregierungsorganisationen der semi-ariden Region (ASA) oder der landwirtschaftlichen Bundesforschungsanstalt (EMBRAPA)? Denn diese sind wirkliche Lösungen und um vieles billiger. Sie lösen den Wassermangel in den Städten und fördern eine den vielfältigen Gegebenheiten des semi-ariden Gebietes angepasste Entwicklung. Dem ohnehin schon so leidgeplagten Volk des Nordostens und der Umwelt werden dabei keine neuen Lasten auferlegt.

6. Die Stimme des Geistes des Herrn weht, wo Er will (vgl. Joh 3,8) und beim Wehklagen des Volkes fordert Er von uns, “arglos zu sein wie die Tauben und schlau wie die Schlangen” (Mt 10,16).

Mögen Sie meinen Gruß annehmen, der auch allen Schwestern und Brüdern von Paraiba gilt!

+ Luiz Flávio Cappio
Bischof der Diözese von Barra - Bahia

Siehe ebenfalls:

Veröffentlicht am

06. Dezember 2007

Artikel ausdrucken

Weitere Artikel auf der Lebenshaus-WebSite zum Thema bzw. von