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Bischof fordert mit erneutem Hungerstreik den Stopp des Projekts Umleitung des Rio São Francisco

Der Bischof der brasilianischen Diözese Barra (Bahia), Dom Luiz Flávio Cappio, hat in einem offenen Brief an den Präsidenten Lula bekannt gegeben, dass er seinen Hungerstreik als Zeichen des Protestes gegen die Zerstörung des Rio São Francisco und das Flussumleitungsprojekt wieder aufnimmt.

Der Bischof verwies in seiner Ansprache in der Franziskus-Kapelle in Sobradinho (Bahia), am Ufer des Sobradinho Stausees, auf die drängenden Probleme der Wasserreserven des Flusses. Der Stausee verfügt momentan nur über 14% seiner Speicherkapazität. Darin sieht Bischof Cappio ein deutliches Zeichen dafür, dass eine Flussumleitung und weitere Eingriffe fatale Folgen hätten.

In seinem Brief verkündet der Bischof, seinen Hungerstreik erst dann zu beenden, wenn das Militär, das derzeit mit den Bauarbeiten beauftragt ist, von der Baustelle der beiden Kanäle abgezogen wird und das Projekt der Flussableitung endgültig gestoppt wird.

Der São Francisco Fluss gilt als die Lebensader Nordostbrasiliens, insbesondere des semi-ariden Teiles. Von seinen 2700 km durchqueren 58% das so genannte Dürregebiet des Sertão. Obwohl der Fluss für Millionen Menschen und eine Unzahl von Pflanzen und Tieren lebensnotwendig ist, leidet er besonders in den letzten Jahren unter den Folgen eines sozial und ökologisch unhaltbaren Entwicklungsmodells.

Um die bisher nur extensiv genutzten, aber weit weg vom Fluss liegenden Böden für die Exportlandwirtschaft (v.a. Obstplantagen) nutzen zu können, sollen, durch Ableiten eines Teiles des Wassers vom São Francisco, Bewässerungsprojekte ermöglicht werden. Das Wasser soll mittels riesiger Pumpstationen und Kanälen in Richtung Norden geleitet werden, wo dann das Wasser genutzt werden soll. Zudem sollen temporäre Flüsse zu Flüssen mit ständig strömendem Wasser gemacht werden. Nutznießer werden die Banken, wenige agroindustrielle Unternehmen und die großen Baukonzerne sein. Die ökologischen Schäden sowohl unterhalb der Entnahmestelle als auch dort, wo das Wasser hingeleitet wird, sind von unabhängigen Untersuchungen bestätigt. Auch ökonomisch rechnet sich das Ganze nicht, darauf weist auch die Weltbank hin, die die Finanzierung des jetzigen Projektes ablehnte. Die in dieser Region lebende Bevölkerung, die es gelernt hat mit der Trockenheit zu leben, wird nichts vom Projekt haben, im Gegenteil, sie muss um ihr Land fürchten.

 


Brief von Dom Luiz Cappio an den Präsidenten Lula

 

Barra, BA, 4. Oktober 2007, am Fest des Heiligen Franziskus

Herr Präsident,
Pax et Bonum!

Am 6.10.2005 haben wir gemeinsam in Cabrobó (Pernambuco) die Vereinbarung getroffen, das Projekt der Umleitung des Rio São Francisco auszusetzen und einen umfassenden Dialogprozess zwischen der Regierung und der brasilianischen Zivilgesellschaft zu beginnen, um Alternativen für die nachhaltige Entwicklung der ganzen semi-ariden Region zu suchen. Angesichts dessen habe ich das Fasten abgebrochen und an das Abkommen und die Verhandlung geglaubt.

Zwei Jahre sind vergangen, der Dialogprozess wurde lediglich begonnen und sogleich unterbrochen. Es gibt bereits konkrete Gegenvorschläge, wie die Wasserversorgung für die ganze Bevölkerung der semiariden Region garantiert werden kann: die im Atlas des Nordostens vorgesehenen Projekte - vorgestellt von der Nationalen Wasserbehörde (ANA), sowie die vom Netzwerk der Nichtregierungsorganisationen der semi-ariden Region (ASA) entwickelten Maßnahmen.

Am 22. Februar 2007 habe ich im Regierungspalast ein Dokument eingereicht, das die Wiederaufnahme und Weiterführung des Dialogprozesses fordert, der wahrhaftig, transparent und partizipativ sein soll. Ihre Antwort war der Beginn der Bauarbeiten der Umleitung durch das brasilianische Militär.

Herr Präsident, Sie haben ihr Wort nicht gehalten. Sie haben unser Abkommen nicht eingehalten. Sie haben mich und die ganze brasilianische Gesellschaft betrogen.

Eine Nation kann man nur mit aufrichtigen Menschen schaffen, angefangen bei seinen Regierenden. Würde und Ehrbarkeit sind notwendige Voraussetzungen für die Bürgerrechte.

Daher nehme ich mein Fasten und Beten wieder auf. Und ich werde es erst beenden mit dem Rückzug des Militärs von der Baustelle der Flussumleitung am Nord- und am Ostkanal und mit der endgültigen Archivierung des Projektes der Umleitung des Rio São Francisco. Es besteht keine andere Alternative.

Ich nehme an, dass die Kräfte, die Interessen in dem Projekt haben, alle Mittel nutzen werden, um unseren Widerstand zu entmutigen und die öffentliche Meinung zu verwirren. Doch als Jesus sich entschlossen hat, sein Leben zu opfern, hatte er keine Angst vor dem Kreuz. Ich nehme es auf mich, gekreuzigt zu werden, denn das ist der Preis, der zu zahlen ist.

Das Leben des Flusses und seines Volkes oder der Tod eines brasilianischen Bürgers.

"Wenn es keine Vernunft mehr gibt, ist der Wahnsinn der Weg."

Der Gott des Lebens sei die Garantie des vollkommenen Lebens.

"Brasilien ist ein Land von Größe. Wird es auch Regierende von gleicher Größe haben?" (Bourdoukan Georges in "Capitão Mouro").

Dom Frei Luiz Flávio Cappio, OFM
Bischof des Bistums Barra


Zum Herunterladen:

 

Kontakt: CPT (Landpastorale Juazeiro) 0055-74-3611 1913 oder 0055-74-91956363; Thomas Bauer—CPT-BA: 0055-74-9125 2544, tbauer@newnet.com.br; Andrea Zellhuber—CPT-BA 0055-71-87145724.


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Unterschriftenaktion in Solidarität für Dom Luiz Cappio und gegen das Flussumleitungsprojekt des São Francisco - Petition an den Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva.

Veröffentlicht am

28. November 2007

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