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Brände in Kalifornien: Heizt den Politikern ein

Von Amy Goodman, 25.10.2007 - TruthDig.com / ZNet

In Südkalifornien wüten die Feuer, Starkregen durchtränkt New Orleans, der Südosten der USA - von Tennessee bis Carolina und bis nach Georgia hinein -, erlebt eine Dürre, die alle Rekorde brechen könnte, und in Atlanta droht Wassermangel. Die Presse bemüht sich unglaublich, Live-Bilder dieser extremen Wetterphänomene zu liefern - die Ursachen der Ereignisse erklärt sie uns nicht. Welche Verbindung besteht zwischen den Krisen? Es ist die ‘globale Erwärmung’. Diese beiden Worte fehlen viel zu häufig auf den Webseiten der Regierung und in ihren Forschungsstudien.

Wenn die Presse den Zusammenhang nicht herstellt - Bill McKibben tut es. Sein 1989 verfasstes Buch ‘The End of Nature’ war eines der ersten, die die globale Erwärmung als beginnende Umweltkrise beschrieben. Fast 20 Jahre später leitet McKibben eine Kampagne, mit der, auf Graswurzelniveau, Massenbeteiligung bei der Aufklärung über die potentielle Katastrophe erzielt und die Forderung an die US-Regierung gerichtet werden soll, “umgehend etwas zu unternehmen” (step it up). Der erste Step-it-up-Aktionstag fand am 14. April 2007 statt. Über eine gemeinsame, zentrale Webseite hatte man sich lokal in den Gemeinden organisiert. In nur drei Monaten kam es zu 1400 koordinierten Aktionen. Der zweite Tag dieser Art ist für den 3. November geplant - organisiert über die Webseite www.stepitup2007.org .

“Wir müssen uns daran erinnern, der Grund, weshalb wir heute all unsere Zeit in die Organisierung stecken und all diese Dinge ändern wollen, ist: Bis heute hat der Mensch die Temperatur des Planeten um rund ein Grad Fahrenheit erhöht”, so McKibben. “Das Computermodell zeigt sehr deutlich, bevor dieses Jahrhundert endet, werden wir die Temperatur des Planeten um weitere fünf Grad erhöht haben, es sei denn, wir steuern massiv dagegen. Nehmen Sie alles, was Sie heute sehen, mal Fünf und dazu alle Kaskadeneffekte, die erfolgen, wenn wir von Stufe zu Stufe fallen”.

‘Kaskadeneffekt’ ist ein wichtiger Begriff, den wir verstehen sollten. Wie kann 1 Grad Fahrenheit einen so gewaltigen Unterschied machen? Eine der schon messbaren Folgen dieser vermeintlich leichten Temperaturerhöhung, so Tom Swetnam von der University von Arizona, sind die großen Waldbrände im Westen der USA, die an Dauer und Häufigkeit zugenommen haben. Swetnam und sein Team sehen einen Zusammenhang zwischen dem Trend (seit den 80ern) zu steigender Hitze und zunehmender Trockenheit und den Feuern - siehe die mehr als ein Dutzend Feuer, die derzeit in Südkalifornien außer Kontrolle geraten sind.

Die Aussichten sind schlecht. Bäume nehmen Kohlendioxid auf und geben Sauerstoff an die Umwelt ab. Kohlendioxid ist das wichtigste Treibhausgas. In einem Artikel für Science von 2006 schrieb Swetnam, die Wälder im Westen der USA verwandelten 20 bis 40 Prozent des Kohlendioxids der USA in Sauerstoff. Wenn die Wälder brennen, so McKibben, werde Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre abgegeben. Anschließend fehlen die Bäume, um neues Kohlendioxid aufzunehmen. Es wird also noch heißer. Dies wird zu noch gewaltigeren und länger brennenden Feuern führen und so weiter. Auf diese Weise entsteht ein sich verstärkender Rückkopplungseffekt. Eine der wichtigsten Warnungen der Forschergemeinde: Wenn die Temperatur der Erde weiter steigt - um vielleicht drei oder vielleicht sechs Grad - wird ein Punkt erreicht werden, an dem ein irreversibler Rückkopplungseffekt das Weltklima zum Kippen bringt. Das Klima wird in Kaskaden abgleiten. Der Planet wird sich immer mehr aufheizen.

Auch Konzern-Amerika bekommt die Hitze zu spüren. Branchen, die Kohlendioxid freisetzen - etwa die Ölindustrie - sind durch die Erfahrungen von Big Tobacco (Raucher) und der Asbestbranche gewarnt: Vielleicht wird man sie künftig zur Verantwortung ziehen (vor allem, da sie Junk-Wissenschaft und “Astroturf” (Pseudo-Graswurzelgruppen) zu finanzieren pflegen, um die Auswirkungen der globalen Erwärmung in Zweifel zu ziehen. Auch Versicherungsgesellschaften können es sich nicht mehr erlauben, die Konsequenzen der globalen Erwärmung zu ignorieren. Die extremen Wetterphänomene verursachen Schäden in Milliardenhöhe.

McKibben und die Step-it-up-Kampagne stellen drei Grundforderungen:

Grüne Jobs für alle und zwar sofort. 5 Millionen grüne Jobs sollen bis 2015 zu einer Energieeinsparung von 20% führen. Grüne Jobs entstehen, indem man eine durch Kohle und Öl betriebene Wirtschaft in eine nachhaltige umwandelt (durch eine Reihe neuer Energieressourcen). Dies sichert, dass die Menschen, die in der alten Wirtschaft zurückgelassen werden, künftig nicht mehr zurückgelassen werden.

Bis 2050 sollen die Kohlendioxidemissionen um 80% gedrosselt werden. Das Level der Umweltverschmutzung müsse umgehend eingefroren werden. Bis 2020 solle die Umweltverschmutzung um 30% reduziert werden, bis 2050 um mindestens 80%.

Keine neue Kohle mehr: Ein Moratorium auf alle neuen Kohlekraftwerke wird gefordert.

McKibben erklärt: “Wir brauchen eine starke Bewegung, so opferbereit, leidenschaftlich und moralisch drängend, wie es die Bürgerrechtsbewegung vor einer Generation war. Wenn wir das nicht bald erreichen - und wir haben ein echtes Zeitlimit - wenn dies nicht bald gelingt, werden wir den nötigen Wandel gegenüber den sehr mächtigen Interessen, die die Dinge beim Alten lassen wollen, obwohl dies den Planeten in absolut drastischer und tragischer Weise destabilisieren wird, nicht durchsetzen können.”

Doch die Menschen werden aktiv. Am Montag wurden in Washington D.C. 60 Leute verhaftet, als sie sich an den Aktionstagen von ‘No War, No Warming’ beteiligten, mit denen der Krieg im Irak, die Erfahrungen mit den Aufbauarbeiten nach Katrina und der Klimawandel in einen Zusammenhang gestellt werden. Sie verlangen vom Kongress, zu handeln und heizen den gewählten Vertretern mächtig ein. Die globale Erwärmung ist menschgemacht. Wir haben noch ein kleines Zeitfenster als Chance, um den Schaden zu begrenzen. Doch die Zeit wird knapp. Step it up.

Amy Goodman leitet “Democracy Now!” ( www.democracynow.org/ ) - ein Radio/TV-Nachrichtenprogramm mit 500 Stationen in Nordamerika.

Quelle: Quelle: ZNet Deutschland   vom 26.10.2007. Orginalartikel: Hold Politicians’ Feet to the Fire . Übersetzt von: Andrea Noll.

Veröffentlicht am

28. Oktober 2007

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