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Zum Thema Terror

Leserbrief an die New York Times

Vn Howard Zinn - 21.08.2007 - ZNet

Samantha Power hat die Genozide unserer Zeit exzellent chronologisiert und darüber hinaus dargelegt, wie sich die westlichen Mächte durch Passivität zu Komplizen gemacht haben.

In ihren vier Buchbesprechungen zum Thema Terror - vor allem in der zu Talal Asads ‘On Suicide Bombing’, das sie am 29. Juli besprochen hat -, behauptet Power allerdings, es bestehe ein moralischer Unterschied zwischen der “unabwendbaren” Tötung von Zivilisten bei Bombardements und der “bewussten” bei Selbstmordanschlägen. Powers Haltung ist nicht nur alogisch, sondern erleichtert auch die Rechtfertigung solcher Bombardements (sie wollte das nicht, denke ich).

Power glaubt, “es ist ein moralischer Unterschied, ob ich losziehe, um so viele Zivilisten wie möglich zu töten oder ob ich Zivilisten unabsichtlich und zögernd bei der Verfolgung eines militärischen Zieles töte”. Natürlich besteht zwischen Beidem ein Unterschied. Die Frage ist nur, ob es sich um einen moralischen Unterschied handelt, das heißt, ob die eine Handlungsweise strafwürdiger ist als die andere?

Zum Thema zivile Todesopfer bei Bombardements antworten Donald Rumsfeld und Dick Cheney in zahlreichen neuen Verlautbarungen auf entsprechende Reporterfragen, dies sei “unabsichtlich” oder “unabwendbar” geschehen oder “versehentlich” - als ob sich das Problem damit erledigte. Während des Vietnamkrieges versuchten Lyndon Johnson, Hubert Humphrey, Richard Nixon und verschiedene Generäle auf ähnliche Weise, die enorme Zahl ziviler Bombenopfern zu rechtfertigen.

Diese Bezeichnungen führen in die Irre, da sie unterstellen, dass eine Handlungsweise entweder “bewusst” oder “unabsichtlich” erfolgt. Es gibt allerdings noch ein Mittelding: “zwangsläufig”. Wenn man eine Aktion durchführt, bei der nicht zwischen Zivilisten und Kombatanten unterschieden werden kann, wie etwa ein Flächenbombardement (und als Ex-Bomberpilot der Air Force weiß ich, wovon ich rede), ist der Tod von Zivilisten zwangsläufig, auch wenn keine “Intention” dahintersteht. Stellt dieser Unterschied eine moralische Rechtfertigung dar?

Der Terror durch einen Selbstmordbomber und der Terror durch ein Flächenbombardement stehen moralisch auf derselben Stufe. Wer etwas anderes sagt (auf der einen oder der anderen Seite), beansprucht moralische Überlegenheit über die andere Seite und trägt so dazu bei, dass der Horror unserer Tage weitergeht.

Quelle: ZNet Deutschland   vom 25.07.2007. Orginalartikel: On Terror . Übersetzt von: Andrea Noll.

Veröffentlicht am

26. August 2007

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