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Brasiliens Befreiungstheologe Frei Betto: Bio-Treibstoff ist Todes-Sprit

Die Produktion von Agro-Treibstoffen hat der bekannte brasilianische Dominikanerbruder und Befreiungstheologe Frei Betto angesichts des Hungers in der Welt als unverantwortlich und unmenschlich verurteilt.

In einem von der katholischen Nachrichtenagentur ADITAL veröffentlichten Beitrag mit dem Titel “Treibstoffe des Todes” http://www.adital.com.br/site/noticia.asp?lang=PT&cod=28604 . , http://www.adital.com.br/site/noticia.asp?lang=ES&cod=28604 . (span.) schrieb Frei Betto am Dienstagabend (Ortszeit) in Sao Paulo, der Boom bei fälschlicherweise als Biosprit bezeichneten Produkten provoziere bereits weltweit einen deutlichen Preisanstieg bei Lebensmitteln, darunter in Europa, in China, Indien und den USA. In Brasilien selbst, das die Herstellung von Ethanol aus Zuckerrohr nach Kräften fördere, habe die Bevölkerung im ersten Halbjahr dieses Jahres für Nahrungsmittel dreimal soviel ausgeben müssen wie im gleichen Vorjahreszeitraum. Die brasilianischen Großfarmer, so Frei Betto weiter, stürzten sich geradezu auf das neue “Gold” namens Zuckerrohr und ließen den Anbau traditioneller Agrarprodukte beiseite. Dies wirke sich nicht anders als in den USA natürlich auf die Lebensmittelpreise aus. In der ganzen Welt gebe es etwa 800 Millionen Autos - die gleiche Zahl von Menschen leide unter chronischer Unterernährung. Beunruhigend sei, dass dennoch keine der jetzt von den Agrartreibstoffen so begeisterten Regierungen das Modell des Individualverkehrs in Frage stelle. “So, als ob die Profite der Automobilindustrie tabu, unangreifbar wären.”

Der Theologe, Bestsellerautor und Zeitungskolumnist erinnerte zudem daran, dass der Zuckerrohranbau in Brasilien seit der Kolonialzeit auf extremer Ausbeutung, Umweltvernichtung und Abzweigung öffentlicher Gelder beruht. Die Regierung von Staatschef Luis Inacio Lula da Silva habe dieses Jahr Großfarmen wegen Sklavenarbeit bestraft. Diese sei indessen weiterhin häufig. 1850 habe ein Sklave auf den Zuckerrohrplantagen fünfzehn bis zwanzig Jahre lang geschuftet - heute seien es wegen des exzessiven Arbeitspensums nur noch durchschnittlich zwölf Jahre.

Der Boom beim Zuckerrohranbau bewirkt laut Frei Betto zudem eine gewaltige Binnenmigration, Slumwachstum, die Zunahme von Morden und Rauschgifthandel sowie Kinderprostitution. Weil sich der Sojaanbau im Südosten Brasiliens durch die Ethanolproduktion verringere, komme es zu einer starken Ausweitung der Sojaflächen in Amazonien. Dies bedeute rücksichtslose Urwaldzerstörung. Frei Betto forderte die Lula-Regierung auf, sich um die Hungernden des Tropenlandes zu kümmern, statt die Zuckerrohrunternehmer reich zu machen.

Quelle: Rettet den Regenwald e. V.   - Pressemitteilung vom 26.07.2007.

Fußnoten

Veröffentlicht am

27. Juli 2007

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