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Gefährliche Fehlkonstruktion in deutschen Atomkraftwerken

Brände können zum Super-GAU führen

Nach Angaben der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW besteht in 12 deutschen Atomkraftwerken ein erhöhtes Risiko für gefährliche Brände im Reaktorgebäude innerhalb des Containments (Sicherheitsbehälter), weil sich dort ungünstigerweise große Ölbehälter befinden. Das Öl ist erforderlich, um die Hauptkühlmittelpumpen zu schmieren, die den Primärkreislauf der Atomkraftwerke umwälzen. Die Anordnung dieser Ölinventare innerhalb des Containments ist nach Auffassung der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) aus brandschutztechnischer Sicht nachteilig. Von dem Problem betroffen sind die Siedewasserreaktoren Krümmel, Brunsbüttel, Philippsburg-1, Gundremmingen B, Gundremmingen C und Isar-1 sowie die Druckwasserreaktoren Biblis B, Unterweser, Neckarwestheim-1, Grohnde, Brokdorf und Philippsburg-2.

“Es handelt sich hierbei um eine gefährliche konzeptionelle Fehlkonstruktion dieser von Siemens errichteten Anlagen, weil es aufgrund der großen Ölinventare zu gefährlichen Bränden und letztlich zum Super-GAU kommen kann”, kommentierte Henrik Paulitz, Atomexperte der IPPNW. “Hierzu trägt auch bei, dass in vielen dieser Anlagen die Sicherheitssysteme völlig unzureichend räumlich getrennt sind.”

Aus brandschutztechnischer Sicht ist darüber hinaus auch der Umstand äußerst nachteilig, dass in 11 deutschen Atomkraftwerken PVC-Kabel innerhalb des Containments verlegt wurden. Besonders gefährdet sind dadurch die Anlagen Krümmel, Brunsbüttel, Philippsburg-1, Gundremmingen B, Gundremmingen C, Isar-1, Biblis A, Biblis B, Unterweser, Neckarwestheim-1 und Grohnde.

Die GRS weist außerdem auf Alterungsprozesse bei den Kabelisolierungen hin. In alten Atomkraftwerken muss daher mit einem deutlich erhöhten Risiko von Kurzschlüssen und Kabelbränden gerechnet werden.

In allen deutschen Atomkraftwerken stellen Brände eine große Gefahr dar, weil die Löschanlagen nicht automatisch aktiviert werden. “Die Löschanlagen müssen manuell ausgelöst werden und wenn sich dann die Löschflüssigkeiten über die sensiblen elektrotechnischen Einrichtungen ergießen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass es gerade durch den Löschvorgang zum Versagen von Sicherheitssystemen kommt”, so Paulitz. Laut GRS handelt es sich hier um einen “Zielkonflikt”, der bei einem Brand im Containment besteht.

Laut IPPNW kann es aus den verschiedensten Gründen zu Bränden kommen. Eine besondere Gefahr stellen menschliche Fehler bei Wartungsarbeiten dar. Im März 1994 beispielsweise brannte in Biblis A innerhalb des Containments der Motor einer Hauptkühlmittelpumpe, weil es aufgrund eines bei Wartungsarbeiten in dem Motor vergessenen Stahlmeißels zu einem Kurzschluss gekommen war. In Biblis B kam es im März 2003 wegen Wartungsarbeiten zu einem Schwelbrand innerhalb des Containments.

“Auch der Umstand, dass jetzt im Atomkraftwerk Krümmel ein Transformator tagelang brannte, zeigt, dass diese Technik nicht beherrschbar ist”, so Paulitz. “Wir müssen zügig die Atomkraftwerke abschalten und aus diesem gefährlichen Abenteuer endlich aussteigen. Schon morgen kann es in Europa zu einem zweiten Tschernobyl kommen.”

Quelle: Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges   (IPPNW) - Pressemitteilung vom 04.07.2007.

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Veröffentlicht am

10. Juli 2007

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