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Bericht des Weltklimarates: Noch ist es nicht zu spät, die Klimakatastrophe zu stoppen

Der UN-Weltklimarat (IPCC) hat am Freitag in Bangkok den dritten Teil seines Klimaberichtes 2007 vorgelegt. Auch in diesem Teilbericht wird mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass Klimaschutzmaßnahmen unverzüglich ergriffen werden müssen. Und die Verfasser des Berichts erklären, dass wirksame Maßnahmen jetzt noch zu einem bezahlbaren Preis zu haben sind. Klimaexpertin von Greenpeace, Gabriela von Goerne, die das IPCC-Treffen in der thailändischen Hauptstadt begleitet hat, kommentiert den dritten Teilbericht.

“Der Bericht zeigt, dass Klimaschutz kein Buch mit sieben Siegeln ist und nicht das letzte Hemd kostet”, sagt von Goerne. “Seit heute liegen die Fakten auf dem Tisch. Jeder kann aus dem Bericht ersehen, dass sich die globalen Emissionen der Treibhausgase bis 2030 halbieren lassen, dass dies technologisch machbar und außerdem finanzierbar ist.”

“Jetzt braucht es den politischen Willen und konkrete Schritte”, erklärt von Goerne. “Jetzt muss auch entsprechend gehandelt werden. Ein Verbot des Neubaus von Braunkohlekraftwerken in Deutschland wäre ein solcher erster Schritt - der Ausbau von Offshore-Windanlagen und eine massive Wärmedämmung bei Gebäuden weitere.”

Kein Klimaschutz mit Atomkraft und CO2-Abscheidung

Anlässlich der Veröffentlichung des neuen IPCC-Weltklimareports hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) davor gewarnt, beim Klimaschutz aufs falsche Pferd zu setzen. Atomreaktoren, so genannte CO2-freie Kohlekraftwerke oder das Verbrennen von Biosprit in ineffizienten Automotoren seien keine geeigneten Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung. Die IPCC-Vorschläge, mit dem entschlossenen Ausbau der erneuerbaren Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung sowie durch entscheidende Verbesserungen bei der Energieeffizienz mehr Klimaschutz zu erreichen, wiesen hingegen in die richtige Richtung.

Angelika Zahrnt, BUND-Vorsitzende: “Wer beim Klimaschutz seine Hoffnungen an Atomkraft, CO2-Abscheidung in Kohlekraftwerken oder Biosprit knüpft, wird scheitern. Mit diesen Schimären kann die Energiewende nicht gelingen. Der Königsweg beim Klimaschutz sind mehr Energieeffizienz, der Ausbau erneuerbarer Energien und die Vermeidung jeglicher Energieverschwendung.”

Atomkraftwerke könnten keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten, da ein Ausbau der Kernenergie zu teuer und schon aufgrund der begrenzten Uran-Vorkommen nicht möglich sei. Vor allem aber berge die Atomkraft zu hohe Risiken und verursache unlösbare Atommüllprobleme.

Fragwürdig seien auch die Versuche, CO2 aus der Kohleverbrennung in unterirdischen Lagerstätten zu versenken. Das Verfahren sei extrem teuer, verschlechtere den ohnehin mangelhaften Wirkungsgrad großer Kraftwerke und berge das Risiko des späteren Austritts des CO2 in die Atmosphäre. Dem Klimaschutz zuwider liefen auch alle Pläne, neue Kohlekraftwerke zu bauen. In der Pflicht seien außerdem die Auto- und Flugzeugindustrie. Sie müssten sehr viel sparsamere Antriebe entwickeln als dies heute der Fall sei.

Zahrnt: “Auf Atom- und Kohlekraftwerke zu setzen bedeutet vor allem ein Weiter-So für die Energiewirtschaft. Wenn das geschieht, werden weder Deutschland noch die EU noch andere große Industrienationen ihre CO2-Reduktionsziele erreichen können. Das wäre auch ein schlechtes Vorbild für die Entwicklungs- und Schwellenländer, ohne die auf Dauer wirksamer Klimaschutz nicht möglich ist.”

Weltklimarat warnt vor hohen CO2-Emissionen im Verkehr

Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) hat anlässlich der Veröffentlichung des dritten UN-Weltklimaberichts von der Bundesregierung ein Maßnahmenpaket für mehr Klimaschutz im Verkehr gefordert. Nach Angaben des IPCC hat der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen aus dem Verkehr seit 1970 um 120 Prozent zugenommen - und damit fast doppelt so stark wie die Emissionen aus der Industrie. Laut IPCC-Bericht gefährdet das hohe Wachstum des Verkehrs den Effekt notwendiger Klimaschutzmaßnahmen in diesem Bereich.

In Deutschland, so der VCD, sei der CO2-Ausstoß im Verkehr seit 1990 um etwa fünf Prozent gestiegen, während die CO2-Emissionen in allen anderen Sektoren sanken. Dies sei vor allem auf die starke Zunahme des Lkw- und Flugverkehrs sowie auf die wachsende Zahl von schweren und PS-starken Pkw zurückzuführen.

Michael Gehrmann, VCD-Bundesvorsitzender: “Der unbegrenzte Ausstoß von Treibhausgasen im Verkehr konterkariert anderweitige Bemühungen für mehr Klimaschutz. Die Bundesregierung muss jetzt entschieden anpacken, um endlich auch im Verkehr die CO2-Emissionen dauerhaft zu senken. Oberstes Ziel muss es sein, klimaschädlichen Verkehr zu vermeiden, ihn auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu verlagern und die Effizienz aller Verkehrsmittel zu erhöhen.”

Seien 1970 noch rund 15 Millionen Pkw auf der Straße unterwegs gewesen, so gebe es heute schon über 46 Millionen Autos in Deutschland. Dabei habe auch Gewicht und Leistung der Pkw zugenommen, was Fortschritte beim Bau spritsparender Motoren zunichte mache. Beim Güterverkehr habe es eine deutliche Verlagerung zu Ungunsten der Schiene gegeben. So betrage der Anteil des Lkw-Verkehrs an der gesamten Güterverkehrsleistung mit 70 Prozent heute doppelt so viel wie 1970. Der Anteil des Gütertransports auf der Schiene sei gleichzeitig um die Hälfte gesunken. Der klimaschädliche Flugverkehr wachse jährlich um fünf Prozent.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: “Der Verbrauch von neuzugelassenen Pkw muss bis 2016 halbiert werden. Wichtige Voraussetzung dafür ist ein EU-Grenzwert für Neuwagen von 120 Gramm CO2 pro Kilometer ab 2012, ohne die Anrechnung von Biokraftstoffen. Die Bundesregierung ist gefordert, noch während ihrer Ratspräsidentschaft hier Weichen zu stellen. Auch eine CO2-basierte Kfz-Steuer, die Spritfresser stark belastet, sowie ein generelles Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen sind für mehr Klimaschutz unabdingbar.”

Zudem müssten der öffentliche Nah- und Fernverkehr gefördert und Rad- und Fußwege ausgebaut werden, damit der Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel attraktiver werde. Um den Güterverkehr auf die Bahn zurückzuverlagern, sollte die Lkw-Maut schrittweise erhöht und auf alle Landstraßen ausgeweitet werden. Die Schieneninfrastruktur müsse verbessert und der Marktzugang für Transportunternehmen erleichtert werden. Um die klimaschädliche Wirkung des Flugverkehrs einzudämmen bedürfe es unter anderem der Einführung einer Kerosinsteuer sowie der Einbindung des Flugverkehrs in den Emissionshandel.

VCD-Hintergrund “Klimawandel und Verkehr” zum Download unter  www.vcd.org/klimawandel_verkehr.pdf .

Quelle: Greenpeace   - Pressemitteilung vom 04.05.2007; BUND   - Pressemitteilung vom 03.05.2007; VCD   - Pressemitteilung vom 04.05.2007.

Veröffentlicht am

04. Mai 2007

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