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Kriegsgegner melden sich zu Wort

Michael Schmid über den echten und den virtuellen Ostermarsch


Gammertingen: Das Friedensnetz Baden-Württemberg lädt für Karsamstag zum landesweiten Ostermarsch 2007 nach Calw ein. Gleichzeitig wird auch zum “virtuellen Ostermarsch” im Internet aufgerufen. Michael Schmid vom Lebenshaus Schwäbische Alb e.V. in Gammertingen fühlt sich dieser Bewegung seit Jahren zugehörig. Die Schwäbische Zeitung (SZ) sprach mit ihm.


Das SZ-Interview von unserem Redakteur Ignaz Stösser



SZ: Herr Schmid, Sie rufen zum virtuellen Ostermarsch auf. Sind die Ostermarschierer faul geworden?

Schmid: Die Ostermarschierer sind nicht faul geworden. Wir rufen ebenfalls zum landesweiten Ostermarsch nach Calw auf, an dem Menschen leibhaftig teilnehmen werden. Bei dem virtuellen Ostermarsch geht es um die zusätzliche Nutzung des modernen Mediums Internet. Konkret sammeln wir Unterschriften unter eine “Ökumenische Erklärung gegen Wirtschaftskriege”. Und zwar Unterschriften von Christinnen und Christen, um damit in den Bereich der Kirchen hineinzuwirken.

SZ: An Ihren Gammertinger Mahnwachen gegen den Krieg nehmen meistens nur eine Handvoll Menschen teil. Ist dies bei den Ostermärschen anders? Haben Sie schon Erfahrungen mit dem virtuellen Ostermarsch?

Schmid: In Deutschland werden rund 80 Ostermärsche stattfinden. Ich gehe davon aus, dass sich dabei wieder wie in den Vorjahren die Initiativen der Friedensbewegung, Gewerkschafter, Globalisierungskritiker und christliche Gruppen lautstark zu Wort melden und für Alternativen zur Außen- und Militärpolitik der Bundesregierung werben werden. Seit unserem Aufruf zum virtuellen Ostermarsch vor ein paar Tagen gibt es eine sehr positive Resonanz. Die Zahl der Unterzeichnenden unter die “Ökumenische Erklärung” ist von bisher 450 auf fast 600 gestiegen. Täglich kommen viele neue dazu. Es sind Unterschriften aus ganz Deutschland und aus dem deutschsprachigen Ausland. Bis Ostern hätten wir gerne 1000 Unterschriften zusammen. Deshalb laden wir herzlich zum Mitmachen ein!

SZ: Wie entwickelt sich die Zahl der Anhänger in Gammertingen und der Umgebung?

Schmid: Bei Mahnwachen in Gammertingen gegen Krieg, für Frieden und Gerechtigkeit, sind wir in der Tat öfter nur eine Handvoll Menschen. Manches Mal waren es in den vergangenen beiden Jahren auch 15 bis 20 Menschen. Und wenn dann wieder ein Krieg begonnen wird wie zuletzt im Jahr 2003 der US-geführte Angriff auf den Irak, dann können es auch in Gammertingen schon mal 60 Menschen und mehr sein, die an solchen Aktionen teilnehmen. Im Übrigen wissen wir aus gelegentlichen Rückmeldungen, dass wir durchaus stellvertretend auch für andere Menschen stehen, die persönlich nicht an solchen Aktionen teilnehmen, es aber gut finden, dass wir sie veranstalten.

SZ: Kriegsgegner zu sein, ist doch grundsätzlich etwas Ehrenvolles. Wie erklären Sie sich das mangelnde Interesse?

Schmid: Ich sehe keinen Grund, über mangelndes Interesse zu klagen. In über 30 Jahren Engagement in der Friedens- und Ökologiebewegung habe ich genug Erfahrungen sammeln können, dass es ab und zu Situationen gibt, in denen wirklich sehr viele Menschen aktiv wurden. Dies war zum Beispiel der Fall, als es um den Protest gegen die neuen Atomraketen Anfang der 80er-Jahre ging oder nach der Katastrophe von Tschernobyl. Zumeist war und ist es aber nur eine kleine Minderheit, die sich in öffentlichen Protestaktionen für gesellschaftspolitische Anliegen engagiert. Das mag an diesen Protestformen selber liegen, weil es ja durchaus eine gewisse Hemmschwelle gegenüber der Teilnahme an Demonstrationen und Mahnwachen gibt. Es mag außerdem daran liegen, dass anderes gerade mehr im Mittelpunkt steht, etwa die familiäre oder berufliche Beanspruchung. Teilweise spielen sicherlich Resignation sowie eine andere politische Sichtweise eine Rolle.

Info: Die “Ökumenische Erklärung” kann im Internet unterschrieben werden. Das Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V., Bubenhofenstr. 3, 72501 Gammertingen, informiert über die Aktion im Internet unter www.lebenshaus-alb.de . Daten zu “nicht-virtuellen” Ostermärschen gibt es unter www.friedenskooperative.de .

Quelle: Schwäbische Zeitung vom 04.04.2007

Hier der Artikel aus der SZ zum  Herunterladen   (PDF-Datei, 138 KB)

Veröffentlicht am

07. April 2007

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