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6. April - Karfreitag der Erinnerung an die Opfer des Genozids in Ruanda

Solidarisches Gedenken der deutschen Sektion von pax christi in dieser Karwoche


Von Dr. Reinhard J. Voß / Dr. Heinz Werner Wessler

Hoffnung und Mitgefühl der deutschen Sektion von pax christi gelten in dieser Karwoche und besonders am Karfreitag den kleinen Organisationen, die auf Graswurzelniveau versuchen, Schuld und Versagen aufzuarbeiten und die Grundlagen für echte Versöhnung in den Herzen der Menschen aufzubauen. Wir denken dabei insbesondere an die ruandischen Mitgliedsorganisationen im Netzwerk Große Seen von Pax Christi International. Möge doch das Unwahrscheinliche geschehen und Ruanda seine innere Versöhnung geschenkt werden. Am 6. April 1994 wurde ein Flugzeug mit den damaligen Präsidenten von Ruanda und Burundi an Bord beim Anflug auf den Flughafen von Kigali (Ruanda) mit einer Rakete beschossen und zum Absturz gebracht.

Alle Insassen kamen ums Leben. In der damaligen politisch und militärisch extrem aufgeheizten Lage in Ruanda war damit zu rechnen, dass ein solches Verbrechen einen extremen Radikalisierungsschub auslösen würde. Diese zynische Kalkulation ging auf. Wenige Stunden später begann das große Morden an der Minderheit der ruandischen Tutsis und an gemäßigten Hutus, dem bis zu 1,2 Millionen Menschen innerhalb von 100 Tagen zum Opfer fielen.

Ruanda ist ein Land voll von sichtbaren und unsichtbaren Gräbern. Mögen die Toten in Frieden ruhen. Die Völkermord in Ruanda von 1994, eine der ganz großen Katastrophen der Menschheit, schreit noch heute zum Himmel. Er ist ein Menetekel, ein Abgrund des Bösen, ein Schiffbruch der Humanität, ein totales Versagen auch der internationalen Gemeinschaft, ein Untergang des Gewissens und der Zivilisation. Ein Kreuz, das nicht nur auf den Schultern des geplagten Landes in der Region der Großen Seen in Afrika lastet, das bis zum Ersten Weltkrieg einmal eine deutsche Kolonie war. Ein Kreuz, das der ganzen Menschheit auf die Schultern gelegt ist.

In den vielen abgründigen Berichten der Überlebenden und in ihren Gesichtern, in den Film- und Bilddokumenten aus dieser Zeit, den entsetzlichen Erinnerungsorten wie der Kirche in Nyamata wird eine unerträgliche Abwesenheit der Liebe deutlich. Die Skrupellosigkeit der Täter ist nicht zu überbieten - auch nicht die der Verantwortlichen für den Flugzeugabschuss am 6. April. Und auch in der Ignoranz der Weltgemeinschaft bei den Vorbereitungen und während des Mordens in Ruanda 1994 steckt eine unbegreifliche, strukturelle Skrupellosigkeit.

Noch wenige Monate vor dieser unwahrscheinlichen, bis heute noch lange nicht verarbeiteten, Katastrophe in der ruandischen Geschichte hatte es in Ruanda Versöhnungsmärsche gegeben, organisiert von Menschen, die mit Pax Christi in Kontakt standen und die das heraufziehende Unheil erahnten. Viele von ihnen sind heute ermordet oder immer noch im Exil.

Und es gab seitens der muslimischen Minderheit im Land schon seit 1991 systematische Warnungen vor staatlicher Hasspropaganda und eine kollektive Gewaltverweigerung, ja sogar organisierten gewaltfreien Widerstand gegen das Abschlachten von Menschen - eine bleibende Mahnung an die Christen und Kirchen im Land! Obwohl es erwiesen ist, dass die muslimische Gemeinschaft nach Kräften die Verfolgten zu schützen suchte, wird diese Erinnerung weitgehend verdrängt: im offiziellen Memorial in Kigali ist sie nicht erwähnt.

Quelle: pax christi   - Meldung vom 02.04.2007.

Veröffentlicht am

04. April 2007

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