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US-Generäle “werden hinschmeißen”, wenn Bush einen Angriff auf den Iran befiehlt

Von Sarah Baxter und Michael Smith - Sunday Times (London) / ZNet 26.02.2007

Einige der ranghöchsten Militärkommandeure der USA sind bereit, ihren Abschied zu nehmen, sollte das Weiße Haus einen Militärschlag gegen den Iran befehlen. Das verlauten ranghohe Geheimdienst- und Verteidigungs-Quellen.

Die Spannungen in der Golfregion nähren die Befürchtung, ein Angriff auf den Iran - noch vor Ende der Ära Bush - werde immer wahrscheinlicher. Wie unsere Sunday Times erfahren hat, wollen bis zu fünf Generäle beziehungsweise Admiräle lieber zurücktreten, als einem, aus ihrer Sicht, rücksichtslosen Angriff zuzustimmen.

“Wir wissen von vier oder fünf Generälen beziehungsweise Admirälen, die abdanken wollen, sollte Bush einen Angriff auf den Iran anordnen”, so eine Quelle, die enge Verbindungen zum britischen Geheimdienst hat. “Im Pentagon gibt es einfach keine positive Stimmung dafür, außerdem wird von vielen Leuten infrage gestellt, dass ein solcher Angriff effektiv beziehungsweise überhaupt machbar wäre”.

Eine Quelle aus dem britischen Verteidigungsministerium bestätigt die tiefen Unstimmigkeiten innerhalb des Pentagon beim Thema Militärangriff (gegen Iran). “Allen Generälen ist klar, dass sie nicht über die militärischen Kapazitäten verfügen, sich mit dem Iran anzulegen - jedenfalls nicht auf irgendeine vernünftige Art. Keiner will es tun, es wäre für sie eine Gewissensentscheidung”.

“Es gibt genügend Leute, die fühlen, dass eine derartige Fehlentscheidung zu weit ginge, es würde zu Abdankungen kommen.”

Eine Generalsrevolte dieser Größenordnung wäre etwas, was es noch nie zuvor in Amerika gab: “Amerikanische Generäle bleiben normalerweise und kämpfen, bis man sie feuert”, so eine Pentagon-Quelle. US-Verteidigungsminister Robert Gates hat bereits wiederholt vor einem Angriff gegen den Iran gewarnt. Es sei davon auszugehen, dass Gates repräsentativ für seine Kommandospitze spricht.

Die drohende Abdankungswelle kommt zu einem Zeitpunkt, da Vizepräsident Dick Cheney warnt, alle Optionen - auch die militärische - lägen nach wie vor auf dem Tisch. Cheneys Warnung ist als Antwort auf einen Kommentar des britischen Premiers Blair zu verstehen, der gesagt hatte, er halte es nicht “für richtig, mit einer Militäraktion gegen den Iran vorzugehen”.

Währenddessen ignoriert der Iran das UNO-Ultimatum der vergangenen Woche, das ihn auffordert, sein Urananreicherungsprogramm einzustellen. Präsident Mahmoud Ahmadinedschad beharrt darauf, der Iran werde “nicht um einen einzigen Schritt von seiner nuklearen Position abweichen”.

Die Internationalen Atomaufsichtsbehörde (IAEA) behauptet, der Iran könnte demnächst genug Uran angereichert haben, um zwei Atombomben pro Jahr zu produzieren. Demgegenüber behauptet Teheran, sein Programm werde ausschließlich zivilen Zwecken (Energiegewinnung) dienen.

Nicholas Burns, der Verhandlungsführer der Amerikaner, wird morgen in London mit britischen, französischen, deutschen, chinesischen und russischen Offiziellen zusammentreten, um über zusätzliche Sanktionen gegen den Iran zu beraten. UNO-Diplomaten beruhigen: Man werde allenfalls milde Maßnahmen beschließen, mit einer Übereinkunft sei erst in einigen Wochen zu rechnen.

Letzte Woche lief eine zweite US-Flugzeugträgerflotte (navy aircraft carrier strike group) unter Führung der USS John C Stennis im Golf ein. Damit hat sich die amerikanische Präsenz in der Region verdoppelt. Vizeadmiral Patrick Walsh, Kommandeur der Fünften Flotte, warnt: “Sollten die Schiffe angegriffen oder Länder in der Region zum Zielobjekt werden oder sollten US-Soldaten direkt angegriffen werden, wird Amerika militärische Aktionen durchführen.”

US-Generalstabschef General Peter Pace hingegen sagte kürzlich, es bestünden “null Chancen” für einen Irankrieg. Er relativierte Geheimdienst-Anschuldigungen, die iranische Regierung versorge Aufständische im Irak. Seine Aussagen zwangen Bush in die Defensive.

Britische Geheimdienst-Offizielle unterstützen Paces Position. Es geht um die Aktivitäten einer kleinen Gruppe von “Revolutionsgardisten” im Irak. Inwieweit die iranische Regierung in deren Aktivitäten involviert ist, sei “alles andere als klar”, so die britischen Geheimdienstmitarbeiter.

Hillary Mann war bis 2004 der maßgebliche Iranexperte des amerikanischen Nationalen Sicherheitsrates (National Security Council). Für ihn ist die Tatsache, dass Pace die Behauptungen der US-Regierung zurückgewiesen hat, ein Zeichen für eine tiefe Zerrüttung an der Spitze der USA.

“Er (Pace) ist ein sehr ernsthafter und sehr loyaler Soldat”, so Mann. “Absolut ungewöhnlich, dass er öffentlich solche Kommentare von sich gibt. Das deutet darauf hin, dass es ernsthafte Probleme zwischen dem Weißen Haus, dem Nationalen Sicherheitsrat und dem Pentagon gibt.”

Mann befürchtet, die US-Regierung könnte versuchen, den Iran zu einer Reaktion zu provozieren und diese Reaktion dann als Entschuldigung für einen Angriff nutzen. Ein britischer Offizieller sagte, die US Navy sei sich der Risiken einer Konfrontation sehr wohl bewusst und verhalte sich “ernsthaft vorsichtig” im Golf.

Die US Air Force hingegen sei gewillter, den Iran anzugreifen. Air-Force-Chef General Michael Moseley hatte auf einer Militärkonferenz Anfang Februar den Iran als das wahrscheinlichste eventuelle Hauptziel der US Air Force bezeichnet.

In einem Artikel des Magazins The New Yorker wird berichtet, das Pentagon habe bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die Luftschläge gegen den Iran planen soll. Zuerst habe sich das Gremium schwerpunktmäßig auf die mögliche Zerstörung iranischer Atomanlagen und die Herbeiführung eines Regimewechsels konzentriert. In letzter Zeit habe die Gruppe jedoch Anweisung erhalten, sich auf iranische Ziele zu konzentrieren, die etwas mit Nachschub oder Hilfe für Militante im Irak zu tun haben könnten.

So oder so, Armeekommandeure befürchten, ein Angriff auf den Iran könnte negative Auswirkungen auf die amerikanischen Soldaten im Irak haben und dort zu noch mehr Terroranschlägen führen, sie befürchten die Gefahr eines Krieges in der Region und einen Anstieg der Ölpreise.

Großbritannien befürchtet, die eigenen Truppen könnten in einen amerikanischen Konflikt mit dem Iran mithineingezogen werden - unabhängig von einer Beteiligung der britischen Regierung an eventuellen Angriffen.

Einer jener pensionierten US-Generäle, die damals gegen Donald Rumsfelds Vorgehen im Irakkrieg protestierten (“generals’ revolt”), sagt heute, er hoffe seine (ehemaligen) Kollegen danken ab, wenn der Befehl zum Angriff auf den Iran kommt. “Wir sollten nicht erneut die Initiative ergreifen - bevor wir uns nicht wirklich über die Folgen unserer (Kriegs-)Strategie im klaren sind.”

Erschienen in der britischen Sunday Times am 25. Februar 2007

Quelle: ZNet Deutschland   vom 02.03.2007. Übersetzt von Andrea Noll. Originalartikel: US generals ‘will quit’ if Bush orders Iran attack .

Veröffentlicht am

03. März 2007

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