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Ächtung der militärischen Nutzung der Atomtechnologie - Verzicht auf Kernkraftwerke

27. Friedenskonsultation der landeskirchlichen Friedensausschüsse und christlichen Friedensdienste setzt sich mit den Gefahren der Nukleartechnologie auseinander

Vom 22. bis zum 24. Januar 2007 tagte in Hannover die 27. bundesweite Friedenskonsultation der landeskirchlichen Friedensausschüsse der Evangelischen Kirche in Deutschland und der christlichen Friedensdienste. Zum Thema “Nukleare Zeitenwende? Die Verantwortung der Kirchen angesichts der Gefahren der Nukleartechnologien” referierten u.a. Bischof i.R. Christof Demke, Berlin, und Regina Hagen, Koordinatorin des International Network of Engineers of Scientists Against Proliferation (INESAP), Darmstadt.

Mit großer Sorge sahen die Teilnehmenden die Gefahr, die von Atomwaffen und der Energiegewinnung durch Kernkraft ausgeht. Sie ermutigen die Gemeinden und Kirchen deshalb, sich - im Sinne der “Mayors für Peace” - für internationale Friedenspartnerschaften zwischen Kirchengemeinden und Kirchen einzusetzen. Ebenso bitten sie die Gemeinden, Projekte zur nicht-atomaren Stromgewinnung zu unterstützen und auf die Möglichkeit zum Wechsel des Energieanbieters aufmerksam zu machen.

In einer Abschlusserklärung (siehe unten) fordern sie Kirchen und alle Christinnen und Christen eindringlich auf, sich für die Ächtung aller Nuklearwaffen einzusetzen. Der Atomwaffensperrvertrag sei “verbindlicher und umfassender zu gestalten” und die vorhandenen nuklearen Waffenarsenale müssten abgebaut werden.

Die deutschen Kirchen werden weiterhin aufgefordert, “sich für den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland”, “für eine atomwaffenfreie Zone in Europa” einzusetzen und “für eine möglichst schnelle Abschaltung der vorhandenen Kernkraftwerke einzutreten”.


Resolution der 27. Friedenskonsultation in Hannover zur Ächtung der Herstellung, der Verbreitung und des Einsatzes von atomaren Waffensystemen und der Energiegewinnung durch Kernkraft

Die 27. bundesweite Friedenskonsultation der landeskirchlichen Friedensausschüsse und christlichen Friedensdienste hat sich vom 22. bis 24. Januar 2007 in Hannover mit der Verantwortung der Kirchen angesichts der Gefahren der Nukleartechnologien befasst. Dabei sind die Teilnehmenden nach eingehender Beratung zu folgenden Ergebnissen gekommen:

Wir sehen mit großer Sorge die Gefahr, die von Atomwaffen und der Energiegewinnung durch Kernkraft ausgeht.

Der Einsatz atomarer Massenvernichtungsmittel nimmt unvergleichbar schreckliche “Kollateralschäden” bei der zivilen Bevölkerung in Kauf und bedroht durch nachhaltige Kontamination die gesamte Schöpfung.

Die Bemühungen um die Nichtverbreitung atomarer Waffen waren bislang erfolglos. Solange sich die Atomstaaten den Einsatz und sogar den Ersteinsatz von Atomwaffen vorbehalten und ihre Abrüstungsverpflichtung nicht erfüllen, entspricht es der militärischen Logik, dass unterlegene Staaten - wie immer man sie politisch oder moralisch bewerten mag - ein Gleichgewicht zur Selbstverteidigung herstellen wollen. Überdies haben nicht alle Staaten den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Mit dem internationalen Terrorismus wächst zudem die Gefahr, dass radioaktives Material in die Hände derer gelangt, die sich an keine Verträge binden lassen.

Der gegenwärtige Iran-Konflikt zeigt, dass beide Problembereiche untrennbar miteinander verbunden sind. Die zivile Nutzung der Nukleartechnologie schafft die Möglichkeit für die militärische Verwendung, weil sie Ausgangsprodukte für die Waffenproduktion zur Verfügung stellen kann.

Das Risiko einer Schädigung von Mensch und Umwelt durch den Betrieb von Atomkraftwerken ist nicht akzeptabel. Die Entsorgung des atomaren Abfalls ist nicht gelöst. Die Lagerstätten für atomaren Abfall müssen über einen Zeitraum gesichert werden, der die Länge des bisherigen technischen Zeitalters um ein Vielfaches übersteigt.

Daraus folgern wir die unbedingte Ächtung der militärischen Nutzung der Atomtechnologie und den Verzicht auf Kernkraftwerke. Die Anwendung nuklearer Technologien in anderen z.B. medizinischen Forschungsbereichen muss so begrenzt werden, dass die Weiterentwicklung zu Energie- oder Waffenproduktion ausgeschlossen ist.

Wir können in der globalisierten Welt nicht von anderen Staaten guten Gewissens Verzicht erwarten, solange wir nicht selbst Verzicht leisten und in Verantwortung vor Gott und den Menschen für Frieden und Bewahrung der Schöpfung eintreten.

Auch kirchliche Äußerungen haben in den letzten Jahrzehnten mit dem Hinweis auf “realpolitische Notwendigkeiten” dazu beigetragen, das Ziel der konsequenten Ächtung des Einsatzes nuklearer Technologien zu schwächen. Aufgabe der Kirchen ist es vielmehr, z.B. durch die Veröffentlichung von Stellungnahmen (in kirchlichen Medien) gegenüber den Gefahren nuklearer Technologie zu sensibilisieren und dazu beizutragen, dass das Ende der Nutzung von Kernkraft in der Energiegewinnung und in der Waffenproduktion mehrheits- und damit politikfähig wird.

Die 27. Friedenskonsultation fordert Kirchen und alle Christinnen und Christen eindringlich auf, sich für die Ächtung aller Nuklearwaffen einzusetzen. Sie greift damit den Aufruf der 9. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen vom Februar 2006 in Porto Alegre auf: “Die Kirchen müssen die Staaten so lange mahnen, bis sie die unwiderlegbare Tatsache anerkennen, dass Kernwaffen moralisch nicht zu rechtfertigen sind.” Der Atomwaffensperrvertrag ist verbindlicher und umfassender zu gestalten und vorhandene nukleare Arsenale müssen abgebaut werden.

Wir fordern die deutschen Kirchen auf, sich für den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland und, dem Beschluss der Vollversammlung des ÖRK von Porto Alegre folgend, für eine atomwaffenfreie Zone in Europa einzusetzen. Dringend ist der Abschied von der Planung des Einsatzes von Atomwaffen im Rahmen der EU- und NATO-Strategien.

Wir fordern die deutschen Kirchen auf, für eine möglichst schnelle Abschaltung der vorhandenen Kernkraftwerke einzutreten. Wir bekräftigen den Beschluss der EKD-Synode 2006 in Würzburg zum Ausstieg aus der Kernenergiegewinnung und dem Wechsel zu anderen Energieträgern (EKD-Synode von 1987, bestätigt 1998 und 2006).

Wir bitten den Rat der EKD, sich diese Anliegen zueigen zu machen und die Bundesregierung aufzufordern, insbesondere im Rahmen der derzeitigen deutschen EU-Ratspräsidentschaft ebenfalls deren konsequente Umsetzung zu betreiben.

Wir erwarten, dass die Intention dieses Appells in die vom Rat der EKD in Auftrag gegebene Friedensdenkschrift aufgenommen wird.

Wir übergeben die Ergebnisse unserer Friedenskonsultation den deutschen Delegierten der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung 2007 in Sibiu/Hermannstadt (EÖV3), damit sie diese in die Beratungen einbringen.

Hannover, den 24. Januar 2007 - Für die Richtigkeit / Kontaktadresse: Mechthild Gunkel, Zentrum Ökumene der EKHN, Praunheimer Landstraße 206, 60488 Frankfurt / Main

Veröffentlicht am

27. Januar 2007

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