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Agustín Aguayo wegen seiner Weigerung angeklagt, in den Krieg zu ziehen

Prozess gegen den in Mannheim inhaftierten US-Verweigerer beginnt am 6. März

Beim Haftprüfungstermin am 25.01.2007 in den Leighton Barracks der US-Armee in Würzburg wurde gegen den US-Kriegsdienstverweigerer Agustín Aguayo offiziell wegen “Desertion” und “Verpassen der Verlegung der Einheit” Anklage erhoben. Ihm droht eine Haft von sieben Jahren. Das Verfahren wird am 6. März um 9.00 Uhr in den Leighton Barracks in Würzburg beginnen. Das Verfahren ist öffentlich.

Agustín Aguayo ist seit Anfang Oktober 2006 im US-Militärgefängnis in Mannheim inhaftiert, weil er sich Anfang September 2006 weigerte, sich zwangsweise zum erneuten Einsatz in den Irak bringen zu lassen und sich genötigt sah, für einige Wochen die Armee unerlaubt zu verlassen. Er war als Sanitäter in der 1. Infanteriedivision in Schweinfurt stationiert.

Kurz vor seiner Flucht aus der Armee hatte er gegenüber den US-Behörden seine Motivation erläutert: “Ich war im Irak. Nun weiß ich, was mich erwartet. Auch als Nichtkombattant trug ich zum Krieg bei. Umso mehr Zeit vergeht, desto stärker und intensiver werden meine Überzeugungen. Ich kann einfach nicht dem Befehl zur erneuten Verlegung ins Kriegsgebiet Folge leisten.”

Agustín Aguayo versucht seit fast drei Jahren vergeblich, als Kriegsdienstverweigerer anerkannt zu werden. Trotz positiver Stellungnahmen seiner direkten Vorgesetzten lehnte das Militär seinen Antrag ohne Begründung ab. Über die Klage von Aguayo hatte das US-Berufungsgericht für den Bezirk Columbia zuletzt am 21. November 2006 verhandelt, aber vorläufig keine Entscheidung getroffen. Damit hatte das Gericht den Weg für das Militär freigemacht, strafrechtlich gegen Agustín Aguayo vorzugehen (ausführlicher Bericht unter www.Connection-eV.de/usa/aguayo09.html ). Rudi Friedrich von Connection e.V. erklärte heute dazu: “Im Fall von Agustín Aguayo wird das auch in den USA bestehende Recht auf Kriegsdienstverweigerung mit Füßen getreten. Es zeigt deutlich, dass die US-Armee gegen den Widerstand von SoldatInnen mit Härte reagiert und das Gewissen von Verweigerern ignoriert.”

Der Fall von Agustín Aguayo erhielt große Aufmerksamkeit in den USA. Eine internationale Unterstützungskampagne fordert seine sofortige Freilassung, seine Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer und die Einstellung des Strafverfahrens. Elsa Rassbach von American Voices Abroad (AVA) Military Project erklärte: “Agustín Aguayo hat sich nach wenigen Wochen bei der Armee in Kalifornien selbst gestellt - und er erhielt für seine Kriegsgegnerschaft große Unterstützung von vielen Friedensorganisationen in den USA. Auch die Mehrheit der US-Bevölkerung sieht aufgrund der Entscheidung von SoldatInnen wie Agustin, dass der Krieg gegen den Irak schnell beendet werden muss.”

In Deutschland wurde eine Postkartenkampagne für Agustín Aguayo gestartet, mit der bislang bereits fast 1.500 Personen ihre Solidarität mit ihm bekunden. (siehe www.Connection-eV.de/postanagustin )

Agustín Aguayo schreibt dazu: “Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht Post erhalte, die mich sehr bewegt. Es gibt so viele, die mich unterstützen. Das ist wunderbar.”


Chronologie des Falles Agustín Aguayo

2003: Agustín Aguayo geht zum US-Militär. Nach der Grundausbildung kommt er als Sanitäter mit seiner Einheit, der 1. Infanteriedivision, nach Schweinfurt.

2004: Er wird mit seiner Einheit zum Einsatz in den Irak verlegt. Agustín Aguayo stellt einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung.

August 2004: Sein Antrag wird vom Militär ohne Begründung abgelehnt, obwohl sich seine Vorgesetzten für eine Anerkennung ausgesprochen hatten. Gegen die Entscheidung reicht Agustín Aguayo Klage ein.

2005: Die 1. Infanteriedivision kehrt nach einjährigem Einsatz aus dem Irak nach Deutschland zurück.

August 2006: Das Gericht lehnt die Klage von Agustín Aguayo ab. Er geht daraufhin in Berufung.

September 2006: Seine Einheit wird erneut in den Irak verlegt. Agustín Aguayo entzieht sich der Verlegung, weil er keine andere Möglichkeit mehr sieht, seinem Gewissen treu zu bleiben. Wenige Wochen später stellt er sich in den USA den Militärbehörden.

Oktober 2006: Agustín Aguayo wird in das US-Militärgefängnis nach Mannheim überstellt und wegen “Desertion” und “Verpassen der Verlegung der Einheit” angeklagt. Ihm droht eine Verurteilung von bis zu sieben Jahren Haft.

Weitere Informationen unter www.aguayodefense.org   (englisch) oder www.Connection-eV.de   (deutsch).

Quelle: Connection e.V.   - Pressemitteilung vom 25.01.2007, gez. Rudi Friedrich, Connection e.V.; Michael Sharp, MCN; Stephen Darnell Summers, Stop the War Brigade

Veröffentlicht am

25. Januar 2007

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