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Wahnsinn - oder Frieden, Zukunft und Sicherheit sind Fremdwörter in Palästina

Weihnachtsbrief von Faten Mukarker aus Beit Jala/Palästina


Liebe Freunde in der Ferne

Der Wahnsinn und die Angst vor dem Bruderkrieg, die wir zur Zeit in Palästina erleben, hat keine Worte mehr, in die ich sie kleiden kann. Machtkämpfe werden auf offener Straße ausgeführt. Wenn uns nicht die israelischen Soldaten erschießen, dann tun wir es selber, was für eine Ironie. Und nach dem Motto, wenn zwei sich streiten, hat der dritte Ruh’, schaut Israel auf uns und sagt sich, endlich haben wir sie soweit gebracht.

Seit bald vierzig Jahren weiß niemand in Palästina wie Frieden aussieht.

Man kennt nur das Leben unter Besatzung mit hunderten von Militärgesetzen und Straßensperren, die das tägliche Leben einschränken.

Meine Kinder sind in der ersten und zweiten Intifada groß geworden. Wenn sie von Ihrer Kindheit erzählen würden, sie hätten nicht viele schöne Ereignisse zu berichten. Ihre Kindheit ist überschattet von Angst vor Soldaten, Panzern, Schüssen und Raketenangriffen. Angst um das eigene Leben (Beit Jala war mehr als eineinhalb Jahre unter täglichem Beschuss) hat ihr Leben geprägt.

Da ich die ersten zwanzig Jahre meines Lebens in Deutschland verbracht habe, in einem Land, wo Kinder wie Kinder aufwachsen, kann ich ihnen erzählen von Spielplätzen, Schwimmbädern und Ausflügen, sozusagen von all dem, was mit Kindheit zu tun hat.

Einmal fragte mich mein Sohn, was ist Zukunft? Ist das etwas, was man hat, wenn man alt wird? Nein, sagte ich zu ihm, Zukunft ist etwas, was jeder Mensch hat. Doch wie sieht Zukunft aus, fragte er weiter. Gibt es so etwas auch in Palästina?

Die Zukunft in Palästina ist weder sichtbar, noch fühlbar, geschweige denn greifbar.

Die bunten Zukunftsträume unserer Kinder prallen ab am grauen Beton der neun Meter hohen Getto-Mauer, die man um Bethlehem herum gebaut hat. Eine Generation wächst auf ohne Vertrauen in die Zukunft, ohne Sicherheit und ohne Perspektive.

Bald ist Weihnachten.

Die Welt schaut auf Bethlehem, auf dieses kleine Kind, das geboren wurde, um Frieden, Zukunft und Sicherheit in diese Welt zu bringen.

Jeder einzelne von uns ist verantwortlich, mit zu helfen, dass diese Begriffe keine Fremdwörter bleiben, in Palästina und nirgendwo.

Ich wünsche Euch allen ein gesegenetes Fest und ein Neues Jahr, voller Gesundheit und Kraft. Möge es ein Jahr des Friedens werden.

Salam

Faten Mukarker


Weblink

  • Eingemauertes Fest   - Johannes Zang hat verschiedene Menschen aus Bethlehem fotografiert und ihre Aussagen zu Weihnachten 2006 dokumentiert. In der palästinensischen Geburtsstadt Jesu leben die Menschen im Schatten des israelischen Grenzwalls. Sie leiden unter dem Konflikt, der die Touristen fernhält, und wünschen sich zu Weihnachten nur eins: Frieden. Eine Galerie mit Texten und Bildern von Johannes Zang .

Veröffentlicht am

21. Dezember 2006

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