Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Ein Traum auf dem Weg zur Verwirklichung

Rundbrief Nr. 1 - Rundbrief Nr. 50

Von Michael Schmid und Katrin Warnatzsch - aus: Rundbrief Nr. 50 vom September 2006, Lebenshaus Schwäbische Alb.

Beim Rundbrief von Lebenshaus Schwäbische Alb e.V. gibt es ein kleines Jubiläum: gerade ist die Nummer 50 herausgekommen. Seit der Nummer 1 vom April 1994 erschien jedes Vierteljahr ein Rundbrief. Wir haben dies zum Anlass genommen, nochmals in der ersten Nummer nachzulesen. Darin hatten wir die Ziele und Vorhaben unseres damals noch sehr jungen Vereins vorgestellt und einige Erfahrungen aus den ersten Monaten beschrieben. In der jetzigen 50. Jubiläumsausgabe des Rundbriefs zitieren wir einige größere Passagen von damals und schreiben einige Gedanken dazu auf. Verbunden mit diesem Rückblick ist ein Blick in Gegenwart und Zukunft. Dies betrifft insbesondere das alternative Finanzierungsmodell des Lebenshauses.

(Auszug aus Rundbrief Nr. 1 vom April 1994)

Im Sommer 1993 wurde durch die Initiative von Menschen, die hier auf der Schwäbischen Alb seit vielen Jahren in der Arbeit für Frieden, Gerechtigkeit und Ökologie aktiv sind, der Verein “Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.” gegründet. …

Was sind überhaupt die Ziele des Lebenshaus-Vereins? Wir verfolgen die Absicht, sowohl die Einsicht in bestimmte gesellschaftliche und politische Problemlagen zu fördern als auch zum praktischen Handeln anzuregen. Praktisches Handeln konkretisiert sich bei uns u.a. indem wir versuchen

  • gemeinsam Wohnraum zu schaffen und Hausgemeinschaften zu bilden.
  • “schwächere” Menschen in Hausgemeinschaften zu integrieren,
  • Flüchtlinge zu begleiten,
  • einen solidarischen Umgang mit Geldvermögen zu praktizieren,
  • für den Abbau von Gewalt und für Wege der gewaltfreien Konfliktlösung zu arbeiten.

Die bisherigen Reaktionen auf unsere Arbeit zeigen, daß unser relativ kleines Projekt schon wegen der unterschiedlichen Aspekte, die wir zusammenbringen, Modellcharakter über unsere Region hinaus haben kann. Wir versuchen, für eine breitere Öffentlichkeit anstößig in dem Sinne zu sein, daß wir mit unserem Ansatz viele weitverbreiteten Wertvorstellungen und Orientierungsmuster in Frage stellen: Schenkgeld und zinslose Darlehen statt renditeträchtiger Vermögensanlage; Nutzungs- und Wohnrecht am Boden und im Haus statt Privateigentum; Solidarität mit “Schwächeren” statt Ellbogendenken und egoistischem Individualismus; gewaltfreie Konfliktlösungen statt ausufernder Gewalt; aktives Handeln statt passivem Dahintreibenlassen… Das alles und noch viel mehr stellt eine große Herausforderung dar. Das zeigen bereits unsere bisherigen Erfahrungen.

 “Projekt der Hoffnung”

Wenn wir auf uns wirken lassen, was wir vor 12 1/2 Jahren geschrieben haben, dann hat sich hinsichtlich der Zielsetzung nichts geändert. Entwickelt hat sich ein kleiner Verein mit derzeit rund 70 Mitgliedern, sowie einem nicht genau bezifferbaren Kreis von einigen hundert Menschen, welche das Projekt unterstützen. Diese Menschen leben in der weiteren Region, eigentlich über fast die ganze Republik verstreut.

Inzwischen sind längst nicht mehr alle Menschen mit dabei, die am Anfang bei Vereinsgründung ihre Mitgliedschaft erklärten. Wie es dem Wesen eines Vereins entspricht, gab es Austritte und Eintritte. Der Verein hat sich so unentwegt weiterentwickelt, er ist lebendig geblieben. Das ging teilweise mit Auseinandersetzungen einher, es gab Konflikte und schwierige Zeiten. In diese Erfahrungen mischt sich bei uns persönlich auch Traurigkeit, denn Freundinnen und Freunde zu verlieren, die uns nach unserer Wahrnehmung nahe standen, hat sehr wehgetan. Bei all dem blieb das Lebenshaus als ein Projekt der Hoffnung gegen die herrschende Resignation letztlich bestehen.

In vielfältigen Aktivitäten haben wir versucht, zu Gerechtigkeit, Frieden und Erhalt der Mitwelt beizutragen. Mit Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, Mahnwachen und Demonstrationen, mit dem Rundbrief und inzwischen mit einer sehr gut besuchten Website im Internet zeigen wir Probleme auf und stellen Überlegungen zu Veränderungsmöglichkeiten an.

Wir wollten Anstöße und Hoffnung vermitteln. In vielen Gesprächen und Schreiben wird uns immer wieder bestätigt, dass dies so wahrgenommen wird. Das freut uns und motiviert zum Weitermachen. Die große finanzielle Unterstützung und Beteiligung vieler Menschen bestätigt unseren Weg.

Sind wir dabei zu politisch? Es war nie unsere Absicht, uns auf mildtätiges Handeln zu beschränken. Dabei bestünde die Gefahr, zu einer Fortschreibung von Abhängigkeit und Unmündigkeit beizutragen und zur Verfestigung bestehender ungerechter Verhältnisse (siehe hierzu Martin Luther King in nachfolgendem Kasten).

Martin Luther King hat in seinen Reden immer wieder folgendes gesagt: “Wir sind aufgerufen, den guten Samariter am Straßenrand des Lebens zu spielen; aber das wird nur das Vorspiel sein. Eines Tages muss die ganze Straße von Jericho so umgewandelt werden, dass die Menschen auf ihrer Lebensreise nicht mehr geschlagen und beraubt werden. Echtes Mitleid bedeutet mehr, als einem Bettler eine Münze hinzuwerfen; es ist das Verständnis dafür, dass ein Haus, das Menschen zu Bettlern macht, umgebaut werden muss.”

Weil er es für notwendig erachtete, das “Haus der Welt” umzubauen, hat King zu einer “Revolution der Werte” aufgerufen. “Eine echte Revolution der Werte”, sagte er, “wird mit Unbehagen den schreienden Gegensatz von Armut und Reichtum sehen. Mit berechtigter Empörung wird sie Tausende von arbeitenden Menschen sehen, die durch die Automation aus ihren Stellungen verdrängt sind und nun kleinere Einkommen haben, während die Gewinne der Arbeitgeber unberührt bleiben, und wird sagen: ‚Das ist nicht gerecht.’ Sie wird über die Meere schauen und sehen, wie einzelne Kapitalisten des Westens riesige Geldsummen in Asien, Afrika und Südamerika investieren, nur um ohne Rücksicht auf eine soziale Verbesserung in diesen Ländern die Gewinne abzuschöpfen, und wird sagen: ‘Das ist nicht gerecht.’”

Wir wollen gerne zu jenen Initiativen gehören, welche sich - vergleichbar den Pflanzen, die sich in den Ritzen einer Mauer ansiedeln - aufgemacht haben, das scheinbar feste Gefüge in Politik und Gesellschaft an einigen Stellen zu lockern und aufzusprengen. Gerne wollen wir dazu beitragen, dass diese Pflanzen langfristig an Kraft gewinnen.

Mitfühlen mit anderen Menschen - Hausgemeinschaft bilden

Von Anfang an bestand ein wesentliches Anliegen mit dem Lebenshaus-Projekt in der Unterstützung und Begleitung von Menschen, die Schwierigkeiten haben, mit ihrem Leben in dieser Gesellschaft zurechtzukommen, die benachteiligt, an den Rand gedrängt sind.

Diese Zuwendung geschieht nicht aus purer Selbstlosigkeit. Sie hat zu tun mit der grundlegenden Einsicht, dass wir alle miteinander verbunden und voneinander betroffen sind. Wenn ein natürliches Phänomen leidet - ob Mensch, Tier, Pflanze, Wasser, Luft oder andere - dann hat das Auswirkungen auf alle und alles. Deshalb ist das Beste, was wir Menschen für einander und für uns selber tun können, praktiziertes Mitgefühl. Als Menschen verfügen wir über Möglichkeiten, das Leid anderer durch unser Bemühen zu lindern, denn Mitgefühl bedeutet Gerechtigkeit. Und soweit es gelingt, eine mitfühlende Haltung einzunehmen oder zu erlernen, hemmt uns dies in der Anwendung von Gewalt, macht uns friedensfähiger.

Deshalb haben wir im Lebenshaus auch immer ein Projekt gesehen, in dem Mitgefühl, Anteilnahme und Teilen wichtig sind. Deshalb unterstützt und begleitet das Lebenshaus Menschen in Krisen- oder Übergangssituationen.

Und um zumindest manche dieser Menschen in eine Gemeinschaft zu integrieren und zu begleiten, wollten wir unter anderem “gemeinsam Wohnraum schaffen und Hausgemeinschaften bilden.”

Deshalb hat der Verein bereits relativ kurze Zeit nach seiner Gründung ein Gebäude in Gammertingen erworben. Dort ist dann unsere Familie als Kerngruppe eingezogen, und nach einigen Ausbau- und Renovierungsarbeiten standen einige Zimmer bereit für Menschen, die in der Hausgemeinschaft zeitlich befristet mitleben können.

In den vergangenen 10 Jahren haben über 140 Menschen das Angebot des Mitlebens wahrgenommen - Menschen, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befanden, etwa aufgrund von Arbeitslosigkeit, nach einer Trennung, aufgrund fehlenden Ausbildungsplatzes, Flüchtlinge, psychisch kranke Menschen. Außerdem sind wir Anlaufstelle geworden für viele Menschen, die Rat und Unterstützung suchen, ohne im Lebenshaus mitzuwohnen. Bei alledem haben wir zu tun mit Menschen verschiedener kultureller Prägung, unterschiedlicher sozialer Herkunft, auch muslimischen Glaubens, mit einigen sogar längere Zeit zusammengelebt.

Wir haben viel gelernt in diesen vergangenen Jahren. Der Einblick in vielerlei Schicksale und das Einüben von Anteilnahme und Mitgefühl, aber auch Abgrenzung, ist ein andauerndes Lernfeld für uns. Wir mussten mit Enttäuschungen, Ärger und manches Mal auch mit unserer Überforderung zurecht kommen und die Konsequenzen ziehen. Aber stets blieb uns das eine wichtig: die Idee, in einem Haus zu leben, das für andere offen ist, die sich am Rand der Gesellschaft befinden. (…)

Nur angedeutet werden soll hier, dass das Lebenshaus-Gebäude weiteren vielfältigen Zwecken gedient hat und dient. Es ist ein Ort geworden für Veranstaltungen unterschiedlicher Art, für Begegnungen unzähliger Menschen, der Ferienspiele für ausländische und einheimische Kinder, für Sprachkurse; es gibt ein Büro, in dem die Informations- und Bildungsarbeit vorbereitet und teilweise umgesetzt wird, etc.

(Auszug aus Rundbrief Nr. 1 vom April 1994)

Entsolidarisierung durch Jagd nach Geldvermehrung

Einem Großteil der Menschen ist höchstes Ziel ihres Lebens geworden, Geld zu erlangen, zu besitzen, zu vermehren. Die sozialen Handlungen auf der ganzen Welt werden heute weitgehend durch Preis, Ertrag oder Zins für Geld bestimmt mit allen damit verknüpften Konsequenzen und ihren Schreckensbildern. Ganze Erdteile werden abgekoppelt und seine BewohnerInnen ihrem Schicksal überlassen, nachdem Verbindungen nicht mehr als gewinnbringend betrachtet werden. In den reichen Wohlstandsgesellschaften werden ältere Menschen und Kranke nicht oder nur noch mangelhaft versorgt, weil das keine entsprechende Rendite auf das eingesetzte Kapital erbringt. Einer gewinnorientierten Wirtschaft wird der Faktor “Arbeit” zu teuer. Arbeitslosigkeit und Armut nimmt zu, die Betroffenen sind weitgehend von der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

Deshalb stellt sich die drängende Frage: Soll das Maß aller Dinge weiter Zins, Ertrag, Gewinn, Profit auf angelegtes oder eingesetztes Geld sein, oder aber der Mensch mit allen seinen Lebensbedingungen, d.h. den übrigen Lebewesen, den Pflanzen, der Erde, dem Wasser und der Luft?

Wenn Leben auf der Erde eine Zukunft haben soll, dann darf auf gegenseitige Hilfe aller Menschen und Völker untereinander nicht verzichtet werden. Wir sind alle miteinander verflochten, voneinander abhängig: wir bedürfen der gegenseitigen Hilfe und sind einander wechselseitig verpflichtet.

Im neuen Umgang mit Geld und Vermögen braucht es Keimzellen von Alternativen an den Rändern der Macht- und Einflussapparate, Pioniergruppen und Experimente, “Trampelpfade” ins Neuland.

Keimzellen können wachsen oder auch erfrieren. Deshalb kann “Vermögen” haben auch heißen: etwas ermöglichen können. Es könnte sogar bedeuten, über Spendenabgabe und Besitzansprüche hinauszukommen; im Sinne des paulinischen “haben, als hätten wir nicht” die innere Freiheit vom Besitz nicht nur als bildungsbürgerliche Tugend, sondern als sozialpolitische Praxis zu begreifen! Wir laden dazu ein, bei der Umsetzung unserer Vorhaben teilzuhaben, die entstehende Keimzelle wachsen und nicht erfrieren zu lassen!


Der Zins ist die große Droge, von der zu viele von uns abhängig sind, die große Nuckelflasche, ohne die sie nicht leben können, auch wenn alle, die das kleine ABC der Volkswirtschaft kennen, wissen müssen, womit die Flasche vor allem gefüllt ist, nämlich mit der Mühsal und der Not der Armen.

aus: Willi Haller: Die heilsame Alternative. Jesuanische Ethik in Wirtschaft und Politik, Wuppertal 1989, S. 104)


Erfreuliche finanzielle Unterstützung

Die Verwirklichung unseres Gesamtvorhabens ist natürlich auch eine Frage der Finanzen. Alleine für den Erwerb des Gebäudes, den Ausbau des Dachgeschosses und erste Renovierungsarbeiten werden wir wenigstens rund 450.000 DM aufzubringen haben. Über die Kosten für den Anbau läßt sich momentan noch nichts Genaues sagen. …

Hocherfreut sind wir darüber, welche finanzielle Unterstützung unser Projekt bereits erhalten hat, bevor ein konkreter Hauskauf anstand: In relativ kurzer Zeit hat unser Verein bereits über 200.000 DM an zinslosen Privatdarlehen erhalten bzw. zugesagt bekommen. Außerdem sind über 16.000 DM an Mitgliedsbeiträgen und Spenden eingegangen (Stand: März 1994).

Alternatives Finanzierungsmodell: Viele Menschen tragen bei zu Finanzierung des Lebenshaus-Projektes

War das nicht reichlich vermessen damals, als neu gegründeter Verein ein Haus bauen oder kaufen zu wollen? Nun, es gab bereits als gut funktionierendes Vorbild das Trossinger Lebenshaus. In verschiedenen Gesprächen haben uns insbesondere Willi Haller und Ullrich Hahn Mut dazu gemacht, etwas Ähnliches zu wagen. Noch haben wir die Worte unseres inzwischen leider verstorbenen Freundes Willi in den Ohren, der meinte, Geld sei nicht das Hauptproblem bei der Umsetzung eines solchen Projektes. Wenn Menschen sich zusammen tun würden und entschlossen seien, in Gemeinschaft etwas zu beginnen, dann würde das für ihre Anliegen erforderliche Geld schon fließen. Natürlich sei dies letztlich ein Weg des (Gott-)Vertrauens.

Solcherart ermutigt gingen wir das Wagnis ein. Und bereits acht Monate nach der Vereinsgründung schlossen wir den Kaufvertrag für das jetzige Lebenshaus-Gebäude in Gammertingen ab. Wagen konnten wir diesen Schritt nur, weil bis zu diesem Zeitpunkt der noch junge Verein bereits rund 112.000 € in Form von Spenden, Mitgliedsbeiträgen, zinslosen Privatdarlehen erhalten bzw. zugesagt bekommen hatte. Wunderbar!

Doch es kam noch besser: Denn im März 1994 war mit den rund 112.000 € nur etwas mehr als die Hälfte des Geldbetrages zusammen, der bis zur vollständigen Bezahlung des Kaufpreises für das Gebäude bis zum Jahresende erforderlich war. Und tatsächlich setzte sich diese Wundergeschichte fort: Aufgrund weiterer Spenden und Privatdarlehen fehlte am Jahresende für die restliche Bezahlung des Gebäudes und der Maklergebühr nur noch die relativ kleine Summe von 8.700 €. Wir nahmen dann dafür und für die Finanzierung erster dringend notwendiger Renovierungsarbeiten 17.900 € bei der GLS Gemeinschaftsbank als Darlehen auf.

Natürlich war das eine äußerst spannende Zeit, denn wir mussten ganz stark darauf hoffen, dass sich genügend Menschen finden, die bereit sind, einen solchen alternativen Finanzierungsweg mitzugehen und das dafür erforderliche Geld zur Verfügung zu stellen. Und diese Spannung sollte sich fortsetzen bis heute. Denn es war von Anfang an so und ist es bis heute geblieben, dass unser Projekt keine materiellen Güter herstellt, die sich gegen Geld verkaufen ließen. Einnahmen bestehen aus Mieten, die aber bewusst niedrig gehalten wurden. Und es gab andererseits noch weit höheren Geldbedarf für Ausbau- und Renovierungsarbeiten des Gebäudes. Insgesamt sind bisher ca. 345.000 € an Kosten für das Gebäude aufgebracht worden.

Seit seinem Bestehen im Juni 1993 gab es für den Verein insgesamt Einnahmen in Höhe von 1.134.000 € und Ausgaben von 1.043.500 €. Bei den Einnahmen handelt es sich um 345.300 € Spenden und Mitgliedsbeiträge, 665.900 € gingen an Darlehen ein, wovon erstaunlicherweise “nur” 42.500 € an Bankdarlehen von der GLS Gemeinschaftsbank erforderlich waren. Bei den Ausgaben bildeten die Rückzahlung von Darlehen in Höhe von 356.200 € einen großen Posten.

Schon diese erstaunlichen Beträge zeigen, dass die einstmals begonnenen “Trampfelpfade” ins Neue, die Experimente mit einem alternativen Umgang mit Geld, gelungen sind. Dank vieler Menschen, die diesen Weg des Teilens, des Anteilnehmens und Mitgefühls mitgegangen sind bzw. unterstützt haben.

Wunsch nach stabilerer Finanzierung

Selbstverständlich ist dieser Weg mit einigen Risiken behaftet und es kann wenig kalkuliert werden. Ein Weg, bei dem statt Kalkül das Vertrauen auf wohlgesinnte Menschen im Vordergrund steht.

So manches Mal plagte uns die sorgenvolle Frage: was, wenn jetzt größere Darlehensbeträge zurückbezahlt werden müssen und es nicht genügend Rücklagen oder neue Darlehen dafür gibt? Was, wenn zu den ohnehin befristeten und zu einem bestimmten Zeitpunkt rückzahlbaren Darlehen zusätzlich Kündigungen von unbefristeten Darlehen eingehen? Es war tatsächlich zwischendurch auch immer wieder knapp mit den Finanzen. Öfter haben wir mit unserem privaten Geld eine Lücke überbrückt, wenn nicht genügend Geld für bestimmte Ausgaben auf den Vereinskonten war.

Letztlich haben sich aber alle diese Sorgen und aufkommenden Zweifel zerschlagen. Immer wieder fanden sich Menschen, die durch Spenden, Beiträge, Darlehen oder auch eine Bürgschaft für Darlehen bei der GLS Gemeinschaftsbank dazu beitrugen, das erforderliche Geld aufzubringen. Manche Darlehenslaufzeit wurde überdies verlängert, verschiedene Darlehen wurden sogar in Spenden umgewandelt!

Dass dieses Finanzierungsmodell bisher gut funktioniert hat in unserer so ganz anders orientierten Welt, ist eigentlich fast unglaublich und zugleich wunderbar! Deshalb möchten wir uns bei allen Menschen ganz herzlich bedanken, die sich auf die eine oder andere Weise daran beteiligt haben. Sie haben unsere vor 12 1/2 Jahren im Rundbrief Nr. 1 formulierte Hoffnung nicht enttäuscht: die entstehende “Keimzelle” ist nicht erfroren.

Wir hoffen natürlich, dass dies auch in Zukunft so sein wird. Dass sich weiter genügend Menschen finden werden, die dieser “Keimzelle” genügend finanzielle Mittel zufließen lassen, damit diese gut weiter leben kann.

Ja, gerne würden wir die Unsicherheit, die insbesondere im Zusammenhang mit der Gebäudefinanzierung besteht, noch weiter in Richtung Stabilität und Vorhersagbarkeit verringern. Wir wünschten uns auch, dass das Gebäude im Sinne von Nachhaltigkeit auf lange Sicht für gemeinnützige Zwecke bestehen bleibt. Im Vorstand haben wir uns in den vergangenen Monaten immer wieder mit der Frage nach einer stabilen Finanzierung des Lebenshaus-Gebäudes beschäftigt. Bisher bestehen noch etwas über 200.000 € Schulden für das Gebäude. Diese sind glücklicherweise durch (überwiegend zinsfrei gewährte) Darlehen abgedeckt. Vor dem Hintergrund der oben erwähnten Unwägbarkeiten haben wir unter anderem die Frage aufgeworfen, ob eine Form von Stiftung zu einer sicheren Finanzierung beitragen und damit auch Nachhaltigkeit effektiv sichern könnte - oder würden dabei neue Schwierigkeiten entstehen?

Aktuelle Finanzsituation und Perspektive

Entsprechend den Darlehensverträgen sind 2006 und 2007 noch insgesamt 141.000 € an Darlehen rückzahlbar. Dafür reichen die Rücklagen nicht aus. Deshalb sind wir dringend auf “neues Geld” angewiesen. Zumal zu diesen befristeten Darlehen noch weitere Kündigungen von unbefristeten Darlehen kommen können.

Hinzu kommen natürlich die Kosten für unsere fortlaufende Arbeit.

Und dann steht da seit Jahren die Renovierung des Balkons am Lebenshaus an bzw. dessen Abbau. Die Fensterläden sind auch marode und lassen sich nicht mehr reparieren. Diese Problempunkte tragen natürlich nicht gerade zur Zierde des Hauses bei.

Dazu kommt etwas anderes, was angesichts der zunehmenden Klimakatastrophe und nicht zuletzt angesichts steigender Ölpreise bei knapper werdenden Ölvorräten ohnehin immer dringlicher wird: die weitere ökologische Umgestaltung des Lebenshauses. Seit der Verein das Haus gekauft hat, ist hier auch schon viel geschehen (Dachdämmung, Einbau von Thermostatventilen, wärmeisolierten Fenstern und einer neuen Heizungsanlage, jetzt Sonnenkollektoren zur Brauchwassererwärmung). Der größte Posten zur Energieeinsparung, das sagt das Energiespargutachten von 1995, ist bisher nicht angegangen worden: die Außenwanddämmung. Damals ist durch eine solche Maßnahme eine Einsparung von 1.670 Litern Öl pro Jahr errechnet worden. Bei einem durchschnittlichen Ölverbrauch von ca. 3.000 Litern pro Jahr könnte somit gemeinsam mit der Reduzierung durch die solare Warmwasseranlage der Ölverbrauch im Lebenshaus fast um zwei Drittel gesenkt werden!

Es wäre wunderbar, wenn wir in einer Art Gesamtprojekt diese verschiedenen Punkte angehen könnten: Balkonabbau, ersetzen der Fensterläden durch Rollläden, Dämmung der Außenwände. Allerdings würde dies einige zehntausend Euro kosten. Das Geld, das wir im Moment auf den Vereinskonten haben, wollen wir angesichts der bevorstehenden Darlehensrückzahlungen und anderer Aufgaben auf keinen Fall für ein derartiges Projekt einsetzen.

Bei alledem hoffen wir auf Menschen, die mit ihrem Geld politischen und sozialen Wandel unterstützen wollen. Deshalb bitten wir um Spenden und Darlehen. Von bisher zwei Menschen wissen wir, dass sie unseren Verein in ihrem Testament mit einer Erbschaft bedacht haben. Es wäre natürlich wunderbar, wenn sich weitere Menschen finden, die mit einem Erbe oder einem Vermächtnis unseren Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Erhalt der Umwelt nachhaltig und wirkungsvoll fördern wollen. Gegebenenfalls können Sie bzw. könnt Ihr uns gerne vertrauensvoll ansprechen.

Kontakt: Lebenshaus Schwäbische Alb e.V., Michael Schmid/Katrin Warnatzsch, Bubenhofenstr. 3, 72501 Gammertingen, Tel. 07574-2862, E-Mail info@lebenshaus-alb.de .
Spendenkonto: Lebenshaus Schwäbische Alb e.V., Konto-Nr. 802 333 4800, GLS Gemeinschaftskonto eG, BLZ 430 609 67).

Veröffentlicht am

21. September 2006

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