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Der Friede vor Gericht

Von Kathy Kelly - ZNet 25.07.2006

In Dublin standen diesen Juli fünf Friedensaktivisten (Karen u. Deirdre Clancy, Nuin Dunlop, Ciaron O’Reilly und Damien Moran - Anmerkung d. Übersetzerin) vor Gericht, weil sie auf dem Dubliner Shannon-Flughafen ein amerikanisches Kriegsflugzeug entwaffnet hatten.

Februar 2003. Die USA waren dabei, ihre Vorbereitungen für ‘Shock and Awe’ (Irakinvasion) abzuschließen, als fünf Aktivisten in einen Flughafen-Hangar des Shannon-Airport einbrachen, den die Amerikaner zu diesem Zeitpunkt als "Boxenstopp" für ihre Flugzeuge auf dem Weg in die Kriegszone nutzten. Die Fünf nannten sich ‘Boxenstopp-Pflugscharen’ (Pitstop Ploughshares). In Anspielung auf das Bibelzitat ‘Schwerter zu Pflugscharen’Anmerkung des Übersetzers: Zitat aus dem Alten Testament, Michäas 4, 3: "Die Schwerter schmieden sie zu Pflugscharen und ihre Lanzen zu Winzermessern. Nimmer wird Volk gegen Volk das Schwert erheben, und nicht mehr lernt man die Kriegskunst". schmiedeten sie mittels Hammer die Schnauze eines C48 U.S. Navy Supply Fliegers bis zur Unbrauchbarkeit um. Ausführliche Details unter www.peaceontrial.com

Damals wurde die Welt Zeuge, wie sich eine der größten Massenbewegungen in der Geschichte formierte, eine Bewegung, die forderte, den Krieg zu beenden, noch bevor er begann. Die ‘Ploughshares’-Aktivisten hatten mich in Kildare gehört. Fünf Tage später fand ihre Aktion zur Entwaffnung jenes Flugzeugs auf dem Shannon-Airport statt. In allen Gerichtsverhandlungen, die seither stattfanden, wurde ich als Zeugin der Verteidigung benannt. Die von mir vorgebrachten Beweise hätten sie damals motiviert, die Verantwortung in die eigene Hand zu nehmen und die amerikanischen Auftank-"Boxenstopps" auf dem Flughafen Shannon zu beenden.

Irland ist ein neutrales Land. Gemäß der irischen Verfassung und gemäß internationalem Recht darf Irland wohl nicht an amerikanischen Kriegsplanungen teilnehmen. Im Januar 2003 waren schon 36 000 US-Soldaten über den irischen Flughafen Shannon in Richtung Golfregion transportiert worden. Das Flugzeug, das von den ‘Pitstop Ploughshares’ entwaffnet wurde, war ein amerikanisches C48 Versorgungsflieger der Navy, der die Sechste U.S. Navy Flotte im Mittelmeer logistisch unterstützen sollte.

Die fünf Angeklagten wurden von drei der begabtesten Rechtsanwälte Irlands vertreten. In ihren Schlussplädoyers stellten alle Drei der Jury folgende drängende Frage: Fragen Sie sich nicht nur, ob diese Angeklagten das Recht hatten zu handeln, fragen Sie sich vielmehr, warum der Rest von uns nicht gehandelt hat. Rechtsanwalt Nix ist einer der Drei. Die Staatsanwaltschaft lobt ihn als "den letzten großen Redner". Nix: Der Staatsanwalt stellt die Sache so dar, als hätten die Angeklagten "politisch" gehandelt und als wäre dies etwas Schlechtes. "Ich nenne ihnen jemanden, der einmal eine große politische Rede gehalten hat", so Nix, "es war die größte politische Rede aller Zeiten: Jesus Christus." Nix fuhr fort und begann vor der Jury die Bergpredigt zu zitieren. Das Bleistiftgekritzel hörte auf, und im ganzen Gerichtssaal fielen die Kinnladen runter. Ein schaurig-schöner Moment. Der eigentliche Schock aber sollte noch kommen.

Kürzlich ging ich durch den Park, so Rechtsanwalt Nix, ich hörte die Kinder, wie sie lachten und riefen, wie sie sich gegenseitig und ein paar Enten glücklich durch das grüne Gras scheuchten. Der Lärm spielender Kinder repräsentiere für ihn den Klang des universellen Glücks.

Mit gesenkter Stimme fährt Nix fort: "Heute brennt der Libanon. Am heutigen Tag wurden Kinder bombardiert, die in einem Pool schwammen", donnert er. "Ein Swimmingpool voller verbrannter Kinder. Das ist Krieg".

Zitat aus The Guardian vom 18. Juli 2006, Seite 4:

"Welches Ziel die Israelis auch immer im Auge hatten, die Bombe fiel in einen schmalen Wasserkanal neben dem Flüchtlingslager Qasmia (bei Tyrus/Südlibanon), in dem rund 500 Palästinenser leben. Die Opfer waren 11 Kinder, die am Nachmittag im Kanal schwammen. Der erste Einschlag hinterließ einen fast 4 Meter tiefen Krater, viele der Schwimmer wurden tief unter der orangefarbenen Erde begraben. Sieben Kinder wurden verletzt, drei davon lebensgefährlich. Drei wurden nicht gefunden.

Überall an diesem Ort liegen kleine Plastiksandalen herum, mehrere in Blut eingebacken. Ismael, Vater eines der Kinder, sitzt am Rande des Bombenkraters. Er hält den Kopf in beiden Händen und weint. "Kinder! Kinder!" brüllt er unter Tränen. "Hier Kinder! Mein Sohn hier!" Er steht auf und schaut in den Krater hinab. "Ist hier etwa Hisbollah? Nur Kinder hier!" sagt er".

Als er mit seiner Ansprache fertig ist, fragt Mr. Nix die Richter und uns Anwesende: "Was würde Sie selbst zum Handeln veranlassen?"

Diese Frage sollten wir uns alle stellen. Während ich diese Zeilen hier schreibe, berät das Gericht noch. Fünf tapfere Frauen und Männer erwarten heute Nacht ihr Urteil, das über ihre Zukunft entscheidet (Urteil siehe unten). Im Libanon, im Irak und an vielen anderen Orten blicken Tausende ihrer Zukunft mit Unsicherheit und blanker Angst entgegen. Viele werden keine Zukunft haben. In Dublin steht die Friedensbewegung vor Gericht. Ein Medien-Blackout sorgt dafür, dass die Berichterstattung über diesen Fall weitgehend ausgeblendet bleibt. Die Friedensbewegung steht überall vor Gericht. Sie steht vor Gericht, wann immer eine(r) von uns sich entscheidet, sein/ihr Engagement zu intensivieren (oder aber sich zurückzulehnen und nur noch zuzusehen). Was uns bleibt, ist die Tapferkeit dieser Menschen, das Leiden so vieler Menschen und Mr. Nixs Anklage zum Schluss: "Was würde uns dazu veranlassen zu handeln?" Heute Nacht steht jede(r) von uns vor Gericht.

Wie lautet das Urteil?

Kathy Kelly (Kathy@vcnv.org) ist Koordinatorin für Voices for Creative Nonviolence (www.vcnv.org)

Quelle: ZNet Deutschland vom 31.07.2006. Übersetzt von: Andrea Noll. Originalartikel: Peace on Trial .


Freispruch für irische Pflugschar-Gruppe

Am 3. Februar 2003 rüstete die "Pit Stop Ploughschares"-Gruppe (Deirdre Clancy, Nuin Dunlop, Karen Fallon, Damien Moran und Ciaron O’Reilly) ein US-Marineflugzeug auf dem Flugplatz von Shannon/County Clare in der Republik Irland ab. Das Flugzeug war dort zwischengelandet, um für den Einsatz im Irak wiederaufgetankt zu werden. Die fünf wurden verhaftet und der "kriminellen Zerstörung ohne gerechtfertigte Entschuldigung" im Wert von 2,5 Million US-Dollar sowie der Zerstörung eines Hangar-Fensters im Wert von 100 Euro angeklagt.

Das erste Gerichtsverfahren wurde am sechsten Verhandlungstag im März 2005 abgebrochen, ein zweites am elften Verhandlungstag im Oktober 2005. Am 25. Juli 2006, dem zwölften Tag des dritten Verfahrens, wurden sie in einmütiger Entscheidung der Geschorenen-Jury für "nicht schuldig" in allen Anklagepunkten befunden.

Nach ihrem Freispruch veröffentlichten die Angeklagten, die alle der Catholic Worker-Bewegung angehören, die folgende Erklärung:

"Die Jury, deren Mitglieder nach dem Zufallsprinzip aus der irischen Gesellschaft ausgewählt wurden, stellen das Gewissen der Gemeinschaft dar. Dieses Gewissen der Gemeinschaft hat gesprochen. Die Regierung verfügt über kein Mandat des Volkes, den zivilen Flughafen von Shannon der US-Kriegsmaschinerie zur Unterstützung ihrer illegalen Invasion und Besatzung des Iraks zur Verfügung zu stellen.

Die Freisprechung der Jury der vier ‚Pflugschar-Frauen’ 1996 in Liverpool trug zum Ende der Waffenexporte an die Suharto-Diktatur in Indonesien und zur Unabhängigkeit von Ost-Timor bei.

Die Entscheidung dieser Jury sollte eine Botschaft an London, Washington D.C. und das irische Parlament sein, daß Irland an einem Krieg gegen die Menschen des Irak nicht teilhaben will. Die Wiederbetankung von US-Kriegsflugzeugen auf dem Flugplatz von Shannon sollte sofort beendet werden."

Übersetzung und Zusammenstellung: Bernd Büscher

Quellen und Kontakt:
www.peaceontrial.com
ploughsharesireland@yahoo.ie
"Ploughshares Defence Fund"
134 Phibsborough Rd. Phibsborough Dublin 7, Ireland
Ph. 087 918 4552 (mobile)
+353 87 918 4552 (international)

 

Fußnoten

Veröffentlicht am

01. August 2006

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