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Es ist genug! Dies zu sagen, ist nie zu spät.

Von Yitzhak Laor - Haaretz / ZNet Deutschland 18.07.2006

Israel ist im Libanon nicht besiegt worden, weil es nicht genug gebombt und zerstört hat. Nur die jahrelange Selbstzensur und Mystifizierung der IDF hat die Israelis nicht wissen lassen, was die IDF den Libanesen angetan hat und wo die konzeptuellen Grenzen der IDF als einer Organisation liegen, deren Stärke mächtig ist - der es aber eindeutig an Weisheit mangelt. Nur der unerträgliche Status der IDF in der israelischen Gesellschaft hat Israelis, die mit größter Mühe und Not aus dem Libanonkrieg herausgekommen waren, daran gehindert, auf die Offiziere zu zeigen und zu sagen: jetzt reicht es - es ist genug! …

Wie schnell haben wir die lange Besatzung des südlichen Libanon vergessen. Sobald ein neuer General in die Position des Nördlichen Kommandos eingeführt wurde, versprach man eine umfassende Änderung der “Strategie”. Generalmajore kommen und gehen und die IDF-Strategie wird weiterhin als eine Expansion der “Taktiken” angesehen: noch mehr Menschen töten, noch mehr Granaten und noch mehr Schläge gegen Zivilisten (s. den Horror im Gazastreifen) . Keiner kann sich vorstellen, dass da mit dem ganzen Konzept etwas schief läuft. Hat die Verantwortung der IDF sich wirklich nur wegen der 2 getöteten und des einen entführten Soldaten veranlasst gesehen, zu handeln? (Dann wäre es letztlich die Schuld des Entführten und der 2 Getöteten). Muss man wirklich einen Grenzzwischenfall - so ernst er sein mag - zu einem Kasus Bellum machen, in dem man über “abschreckende Gewalt” schwätzt. …

Und deshalb sitzt Generalmajor (res.) Yossi Peled im Studio. Er ist einer der Helden jenes Krieges, den man in militärischer Sprache “Operation für den Frieden in Galiläa” nannte. Er predigt: “Was nachher geschehen wird, weiß ich nicht - aber eines weiß ich, dass es nötig ist, jetzt so viele Hisbollahleute wie möglich zu töten”. Er und andere Generäle, die in den Fernseh-Kanälen Kommentare abgeben, waren im Libanon und nahmen nicht nur an der Zerstörung dieses Landes und an der größten Niederlage der IDF teil, sondern auch am Entstehen der Hisbollah.

Der augenblickliche Krieg kann nicht nur eine echte Antwort auf Israels Probleme geben, sondern wird auch von denselben Offizieren ausgeführt, die im Libanon besiegt worden waren, und die deshalb noch eine offene Rechnung zu begleichen haben. Bücher wurden geschrieben, eine Protestbewegung entstand (Peace Now) , eine Untersuchungskommission über Massaker (Sabra und Shatila) wurde geführt, ein Verteidigungsminister, der schließlich Ministerpräsident wurde, wurde verurteilt, und selbst wenn er jetzt irgendwo bewusstlos liegt, wirkt sein Geist anscheinend in seinen blassen Nachfolgern weiter - Ministerpräsident Ehud Olmert, Justizminister Haim Ramon & Co - und die nächste Generation leidenschaftlicher Jugendlicher wächst um uns herum heran und schreit über Internet: “Zeigt es ihnen!” Später, wenn sie dann in den brennenden Fahrzeugen vielleicht in Syrien sitzen und der Terminus “Landmine” in das gelöschte Wörterbuch der Vergangenheit zurückkehrt, werden sie schreien: “Wir wollen nach Hause!” Werden sie dann das Gefühl des Schreckens vor dem Krieg der nächsten Generation weitergeben? Während im Fernsehen noch dieselben Generäle mit demselben Konzept, mit derselben kurzsichtigen und begrenzten Sichtweise von strategischem Verständnis sitzen und die dieselbe Begeisterung bei ihrem Publikum wecken, das wieder nichts anderes will, “als es ihnen zeigen!”

Der Direktor des Büros des Amerikanisch jüdischen Komitee für Israel/ Nahen Osten, Eran Lerman, empfiehlt schon den nächsten Krieg gegen Syrien. Jeder, der den Reden über die Notwendigkeit zuhört, Syrien - im Namen dieser “Strategie” - anzugreifen, dem wird bewusst, dass für diese Leute “Strategie” nur bedeutet, den Rahmen der Kriegshandlungen auszudehnen, was gleichzeitig auch bedeutet, die Zivilisten zu treffen. Was Israels “Strategen” anzubieten haben, ist die Zerstörung eines weiteren Landes. Lassen wir die Generation beiseite, die vor den Fernsehern aufwächst; lassen wir den Horror beiseite, der vor unsern Augen und in unser aller Namen geschieht. Es genügt, die Verwüstung des Irak zu sehen und seine Folgen. Die Amerikaner haben nicht vor, in dieser Region zu leben - aber wir müssen hier leben. Und denken die, die im Norden Israels den Finger am Abzug haben, über die Opfer im Norden nach und über das Schicksal der (beiden) Gefangenen? Nein. Diese Leute, die ihren Finger am Abzug haben, ( die also entscheiden), dachten nur in Termini “wer wird es ihnen mehr heimzahlen.” Wer kann die Armee bremsen? Nur die israelische Opposition. Die Köpfe der Armee warnen sogar vor solch einer Operation. Es ist also noch nicht zu spät.

Yitzhak Laor ist ein israelischer Romanschriftsteller, der in Tel Aviv lebt.

Quelle: ZNet Deutschland vom 22.07.2006. Übersetzt von: Ellen Rohlfs.

Veröffentlicht am

23. Juli 2006

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