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Am Gittertor von San Quentin

Von Norman Solomon - ZNet 13.12.2005

Nein, keine Bussarde kreisen am Himmel, nur ein paar Helikopter. Der Himmel ist schwarz mit einem Stich ins Blaue, darunter die beeindruckende Küstenlinie der Bucht von San Francisco. Ein friedlicher Moment - in dem sich der Staat zum Töten anschickt.

Vor den Toren von San Quentin versammeln sich die Menschen, um gegen die bevorstehende Hinrichtung von Stanley Tookie Williams zu protestieren. Je näher Mitternacht rückt, desto mehr Menschen sind es - zuerst Hunderte, dann Tausende. Zorn liegt in der Luft, aber auch beruhigende Gebete.

In dieser Nacht heißt der Herrgott vom Dienst Gouverneur Schwarzenegger: “Ohne eine Entschuldigung (des Delinquenten) und ohne Buße für die sinnlosen und brutalen Tötungen kann es keine Erlösung geben”, hatte Arnold Schwarzenegger erklärt. Wenige Stunden nach dieser Aussage kam es zu einer weiteren Tötung - diesmal abgesegnet vom Gesetz und legitimiert durch einen Euphemismus (kurz vor Morgengrauen sendet NPR ‘Morning Edition’ die Aussage eines Medien-Augenzeugen, der bei der Giftspritzen-Hinrichtung anwesend war: Williams sei durch einen “medizinischen Eingriff” getötet worden, sagt der Zeuge live ‘on air’, er gebraucht diesen Ausdruck gleich zweimal innerhalb weniger Sekunden).

Draußen, vor dem Gefängnistor, tauchen Schilder auf.

“Nur die Schwachen können niemals vergeben”.

“Tod nicht in meinem Namen”.

“Hinrichtungen lehren uns Gewalt und Rache”.

Für den Warfare-Staat sind Rache und Gewalt Rudimente einer Politik, deren Lektionen uns tagtäglich begegnen - vor allem in Gestalt von Akzeptanz, Passivität und Budgetfragen. Dabei ist der Warfare-Staat selbst, in der Ära der großen Regierung, ein Relikt der Vergangenheit - ausgenommen Pentagon, Polizei und Gefängniswesen.

Die Hinrichtung ist auf exakt eine Minute nach Mitternacht angesetzt.

25 Minuten vorher beginnen die Menschen vor den Toren, “We shall overcome” anzustimmen.

“We shall live in peace…”

Über den Köpfen kreisen immer noch die Bussarde - Hightech-Bussarde.

Auf einem Schild steht: “Auge um Auge - und die Welt wird blind”.

Irgendwer aus der Menge fragt: “Sind wir vielleicht schon blind?”

7 Minuten vor Mitternacht. Mir kommt in den Sinn, wie sehr diese Exekutions-Countdowns doch an die Uhr des ‘Jüngsten Gerichts’ (Doomsday Clock) erinnern - jene Uhr, die Atomwissenschaftler vor mehreren Jahrzehnten erfanden, um uns klarzumachen, wie nah die Welt der atomaren Auslöschung schon gerückt ist.

Auf dem Podium preisen Redner Williams Absage an die Gewalt und sein Eintreten für Gewaltlosigkeit.

Noch 2 Minuten bis Mitternacht. Ein TV-Nachrichtenreporter klettert auf das Dach eines weißen Van und bereitet seinen Beitrag vor - die Topnachricht der Stunde. Genau um Mitternacht startet sein Live-Report, genau zwei Minuten nach Mitternacht endet er.

Ein Redner fordert ein Todesstrafen-Moratorium in allen Bundesstaaten der USA.

Auf einem Schild steht: “Keine Karrieren auf Todesmaschinen aufgebaut”.

“Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan”, steht auf einem andern.

Um 24 Minuten nach Mitternacht wird es plötzlich vollkommen still.

Dann erklingt wieder das alte Lied: “We shall… overcome… some… day”.

Um 38 Minuten nach Mitternacht gibt es eine Erklärung: Stanley Tookie Williams ist tot.

Das Land ist dadurch nicht sicherer geworden, nur brutaler.

Der Unantastbarkeit menschlichen Lebens wurde nicht Rechnung getragen, diese Unantastbarkeit wurde verletzt.

Ein Redner sagt: “Es ist vorbei - aber es ist nicht vorbei…”

Von San Quentin bis Irak - der Tod als politisches Ziel. Im Namen der Mordopfer wird staatlich gemordet. Im Namen der Gefallenen müssen noch mehr Soldaten töten, müssen noch mehr Soldaten sterben.

Norman Solomon ist Autor von ‘War Made Easy: How President and Pundits Keep Spinnging Us to Death’ - siehe www.WarMadeEasy.com

Quelle: ZNet Deutschland vom 13.12.2005. Übersetzt von: Andrea Noll. Orginalartikel: At the Gates of San Quentin

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Klare Zeichen gegen Schwarzeneggers Hinrichtungspolitik setzen: “Schwarzenegger-Stadion” in “Stanley Tookie Williams Stadion” umbenennen!

Die Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie ( ACUS ) fordert einen klaren Protest des offiziellen Österreich gegen die Hinrichtungspolitik des Österreichers Arnold Schwarzenegger.

“Die Todesstrafe ist grundsätzlich abzulehnen. Hinrichtungen sind ethisch gesehen staatlich sanktionierter Mord. Alle AnhängerInnen der Todesstrafe befürworten damit den Mord als Mittel der Politik”, betont der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie (ACUS) Richard Schadauer.

“Im Falle der heutigen Hinrichtung von Stanley Williams ist dessen Schuld nicht eindeutig geklärt. Eindeutig klar hingegen war und ist der Gesinnungswandel des heute mit einer Giftspritze getöteten Menschen, der sich gegen Gewalt aussprach und sogar für den Friedens- und Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde. Herr Williams hatte sich bekehrt und war im Gegensatz zu Herrn Schwarzenegger gegen jede Form der Gewalt.”, betont ACUS-Bundesvorsitzender Richard Schadauer.

“Die Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie fordert klare Zeichen gegen die gewissenlose Politik von Herrn Schwarzenegger. Das Schwarzenegger Stadion soll im Gedenken an das Opfer Schwarzeneggers in Stanley Tookie Williams-Stadium umbenannt werden.”, schloss der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie (ACUS) Richard Schadauer.

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Weblinks:

Veröffentlicht am

13. Dezember 2005

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