Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Entführte Friedenstifter im Irak

“Ich hoffe, dass mein gewaltfreies Handeln
ein Kanal für Gottes Liebe sein kann,
dass sie andere Menschen verändert,
wie sie mich verändert hat.”

James Loney, Ende November 2005 im Irak entführt

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Von Wolfgang Krauß, Deutsches Mennonitisches Friedenskomitee

Was können wir tun angesichts der Gewalt im Irak? Wenige humanitäre Arbeiter sind geblieben, darunter die jüngst entführte Deutsche Susanne Osthoff und Mitarbeiter von Christian Peacemaker Teams (CPT). Die CPT-Leute wollen durch ihren Einsatz die Geltung der Menschenrechte unterstreichen und durch gewaltfreies Handeln Zeichen der Hoffnung setzen. Was können wir tun, wenn nun auch sie von kriminellen oder terroristischen Gruppen entführt werden?

Zunächst können wir informieren. Das möchten wir als deutsche Unterstützer von CPT tun. Wir werden in der nächsten Zeit die in den Medien oft nur spärlich wiedergegebenen Informationen über die Arbeit von CPT, über die Person der jetzt Entführten und die Entwicklung im Irak weitergeben. Damit viele informiert beten können.

Information und Gebet - beides sind Waffen im gewaltfreien Kampf gegen die Mächte und Gewalten, die sich der Gewalt verschrieben haben, sei es im Namen einer Ideologie der “Freiheit” oder im Namen eines missverstandenen Islam. Wir wollen beten und hoffen, dass das gewaltfreie Zeugnis von Gottes Liebe zu Freund und Feind Menschen und Situationen konkret verändert.

Wir rufen auf zum Gebet für alle, die unter der Gewalt im Irak leiden, für die Soldaten der Besatzungstruppen, für diejenigen die Widerstand gegen sie leisten, für diejenigen die Menschen entführen, aus politischen Gründen oder einfach nur um Geld zu erpressen, für die irakische Regierung, die deutsche Regierung und ihre Bemühungen zur Freilassung von Susanne Osthof, für den US-Präsidenten und seine Regierung, dass sie sich ihrer Schuld an der verfahrenen Situation stellen, für alle Menschen im Irak, die gewaltfrei für Frieden und Gerechtigkeit arbeiten.

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Was den Menschen hier angetan wird

Von der CPT-Webseite: www.cpt.org

Bagdad, 30.11.05. Es machte uns sehr traurig, die Bilder unserer Lieben in Al-Dschasira-TV zu sehen. Wir machen uns große Sorgen, seit wir das Video der Entführer gesehen haben. Wir fürchten, dass die häufige Wiederholung dieses Videos zur weiteren Gefährdung des Lebens unserer Freunde beiträgt. Ihre Entführung stürzt uns in tiefe Sorge.

Wir beten, dass ihre Entführer Gnade walten lassen und dass sie bald freigelassen werden. Wir hoffen so sehr, dass wir bald ihre Gesichter hier zuhause wieder sehen. Sie sollen wissen, wie sehr wir sie lieben, vermissen und in Sorge um sie sind.

Wir sind auch zornig, denn was unseren Kollegen geschehen ist, ist das Ergebnis des illegalen Angriffs der US-amerikanischen und britischen Regierung auf den Irak, der fortgesetzten Besatzung und Unterdrückung des irakischen Volkes und allem, was damit einhergeht. CPT setzte sich in seiner Arbeit für die Rechte irakischer Gefangener ein, die durch die US-Regierung illegal gefangengehalten und missbraucht wurden. Wir waren die ersten, die öffentlich die Folter irakischer Gefangener durch die US-Armee verurteilten, lange bevor westliche Medien zugaben, was in Abu Ghraib geschah. Wir gehören zu den wenigen im Irak verbliebenen internationalen Organisationen, die die Wahrheit verbreiten, darüber was den Menschen hier angetan wird. Wir hoffen, dass wir diese Arbeit fortsetzen können, und wir beten für die baldige Freilassung unserer Kollegen.

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Zur Person und Identität der Festgehaltenen:

Tom Fox, 54, aus Clearbrook, Virginia. Vater zweier Kinder. Seit zwei Jahren Friedensarbeit mit CPT in Kooperation mit irakischen Menschenrechtsorganisationen. Seit 22 Jahren praktizierender Quäker. Im Irak lernte er den Reichtum der islamischen Kultur kennen. Er sieht sich verpflichtet, die amerikanische Bevölkerung aufzuklären über die Schrecken des Krieges und ihre Auswirkung auf normale irakische Familien infolge der US-Politik. Fox spielt Bassklarinette und Blockflöte. Er kocht gerne und hat als Lebensmittelhändler gearbeitet. Er war Leiter von Jugendprogrammen und Sommerfreizeiten der Quäker für Kinder. Er hat Jugendliche motiviert, sich gegen Krieg und Gewalt zu engagieren. Fox ist ein ruhiger und friedlicher Mensch. Er begegnet jedem mit Respekt, der “an das von Gott in jedem Menschen” glaubt. Darum ist der Einsatz für den Frieden so wichtig für ihn.

Norman Kember, 74, aus London, England. Verheiratet, zwei erwachsene Töchter, ein dreijähriger Enkel. Zeit seines Lebens Pazifist verweigerte er als 18jähriger den Wehrdienst und arbeitete stattdessen in einem Krankenhaus. Vor seiner Pensionierung war er Medizinprofessor am St. Bartholomew’s Hospital in London. In England ist er als Friedensaktivist und Mitarbeiter mehrerer Friedensgruppen bekannt. Seit zehn Jahren hilft er in einem Programm, das Obdachlose mit Essen versorgt. Zu seinen Hobbies zählen Spazierengehen, Vogelbeobachtung und das Schreiben humoristischer Lieder und Sketche. In jüngeren Jahren auch Bergsteigen.

James Loney, 41, Sozialarbeiter aus Toronto, Kanada. Seit August 2000 CPT-Mitglied. Derzeit Programmkoordinator für CPT-Kanada. Bei früheren Irakreisen lag sein Arbeitsschwerpunkt, Aussagen der Familienangehörigen von Gefangenen zu sammeln; sie wurden zur Grundlage des CPT-Berichts über die Misshandlungen in US-Gefängnissen im Irak. Daraus erarbeitete er Empfehlungen zur Sicherung grundlegender Menschenrechte. Loney leitete die November-2005-Delegation von CPT in den Irak. Er ist Friedensaktivist, Schriftsteller und als ausgebildeter Streitschlichter Mitarbeiter von zwei Konfliktbearbeitungsprogrammen in Stadtteilen von Toronto. Seit vielen Jahren unterstützt er Unterkunfts- und Versorgungsprogramme für Wohnsitzlose. In einem persönlichen Schreiben an CPT drückt er seine Überzeugung so aus: “Ich glaube, dass unser Handeln als Volk des Friedens ein Ausdruck der Hoffnung für alle Menschen sein muss. Ich hoffe, dass mein gewaltfreies Handeln ein Kanal für Gottes Liebe sein kann, und dass sie andere Menschen verändert, wie sie mich verändert hat.”

Harmeet Singh Sooden, 32, Kanadier, Elektroingenieur. Derzeit studiert er in einem Masters-Studiengang englische Literatur an der Universität Auckland, Neuseeland. Berufsziel: Lehrer. Hobbies: Malerei, Sqash. Teilzeitig war er lokaler Squash-Trainer. Seine Familie beschreibt ihn als friedlichen, Spaß liebenden Menschen, der sich einsetzt für unterprivilegierte Menschen in aller Welt.

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IRAK: Vier Christian-Peacemaker-Team Leute im Irak vermisst

CPT betont gewaltfreie Grundsätze

Von der CPT-Webseite: www.cpt.org , 29.11.2005

Die internationale für die Verminderung von Gewalt arbeitende Organisation Christian-Peacemaker-Teams (CPT) bestätigte heute, dass vier seit 26.11.05 in Bagdad vermisste ausländische Menschenrechtsaktivisten mit CPT verbunden sind. Einer der Vermissten ist Norman Kember, Mitglied der gerade im Irak sich aufhaltenden CPT-Delegation. Das britische Außenministerium bestätigte am Sonntag, Kembers britische Staatsbürgerschaft.

CPT ist seit Oktober 2002 im Irak präsent. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Dokumentation und Veröffentlichung von Menschenrechtsverletzungen, besonders die Misshandlung von Gefangenen. Außerdem vermittelt CPT Kontakte zwischen Irakern und lokalen sowie internationalen Menschenrechtsorganisationen. Irakische Menschenrechtler und normale Bürger schätzen die unabhängige und gewaltfreie CPT-Präsenz und ermutigen die Mitarbeiter dazu, ihre
Erfahrungen der Weltöffentlichkeit mitzuteilen.

In einer “Grundsatzerklärung” betonen die Langzeit-Teammitglieder, dass ihnen die “vielen Risiken bewusst seien, denen Iraker und Internationale derzeit in Irak ausgesetzt seien”. Diese Risiken seien jedoch nicht schwerwiegender als ihre Absicht zu bleiben. Sie formulieren ihre Hoffnung, dass “Liebe zu Freund und Feind, gewaltfreies Eingreifen auf der Seite der systematisch Unterdrückten, ein kleiner Beitrag sein kann, die schwierige Situation im Irak zu
verändern”.

CPT befürwortet nicht Gewaltanwendung, um das Leben seiner Mitarbeiter zu retten, sollten sie entführt und als Geiseln gehalten oder in einer Konfliktsituation gefangen sein.

CPT entsendet Teams ausgebildeter Friedensarbeiter in Krisensituationen und militarisierte Regionen an verschiedenen Orten der Welt. Die örtlichen Teams empfangen regelmäßig Delegationen von Friedens- und Menschenrechtsaktivisten. Die Besuchsdelegationen arbeiten mit den Teams und einheimischen Zivilisten zusammen in der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen und der Entwicklung gewaltfreier Alternativen zu bewaffneter Konfliktaustragung. Das CPT-Team im Irak war in den letzten drei Jahren Gastgeber für insgesamt 120 Teilnehmer an 16 Delegationen.

Außer im Irak gibt es derzeit CPT-Teams in Barrancabermeja, Kolumbien; Hebron und At-Tuwani, Palästina; Kenora, Ontario/Kanada; und an der Grenze von Mexiko und USA.

Christian Peacemaker Teams (CPT) möchte die ganze Kirche gewinnen, mitzuarbeiten an organisierten gewaltfreien Alternativen zum Krieg. CPT entsendet Teams ausgebildeter Friedensarbeiter in Regionen tödlicher Konflikte. Ursprünglich eine gewaltvermindernde Initiative der historischen Friedenskirchen (Mennoniten, Church of the Brethren und Quäker), hat CPT inzwischen Mitglieder und erfährt Unterstützung aus vielen christlichen Kirchen.

Quelle: Deutsches Mennonitisches Friedenskomitee .

Weblinks:

Veröffentlicht am

02. Dezember 2005

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