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Mit dem Hammer in der Hand zwei holländische Atombomber abgerüstet

Mit einem in Assisi, dem Geburtsort des heiligen Franz, gekauften Hammer hat Turi Salvatore Vaccaro, ein aus Italien stammender Friedensaktivist, am 10. August die fünfundzwanzigjährige Tradition der direkten Aktionen für die atomare Abrüstung fortgeführt. Diese Tradition ist auch unter dem Namen Pflugschar bekannt, da sie sich auf die alttestamentliche Prophezeiung, derzufolge die Völker einst die Schwerter zu Pflugscharen und die Speere zu Rebmessern umschmieden werden, bezieht. Vaccaro aktualisierte und konkretisierte diese Prophezeiung, als er den Zaun der Luftwaffenbasis Woensdrecht in den Niederlanden überkletterte, einen Wartungshangar betrat und beträchtlichen Schaden an dern Kontrollarmaturen im Cockpit zweier F-16 Kriegsflugzeuge verursachte. Die F-16s sind das Trägersystem für die schätzungsweise 20 auf der Luftwaffenbasis Voelkel gelagerten US-/Nato-Atombomben.

Vaccaro wurde während der Aktion festgenommen und gab, wie uns berichtet wurde, der Polizei bereitwillig Auskunft, er habe die Flugzeuge im Gedenken an den sechzigsten Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki abgerüstet. Den Hammer habe er in Assisi gekauft, weil der heilige Franz ihn dazu ermutigt habe, ein einfaches und enthaltsames, Menschen und Umwelt respektierendes Leben zu führen. Aus diesem Grund habe er die Aktion sehr sorgfältig ausgeführt, um sicherzustellen, dass niemand sich bedroht fühlt. Der verursachte Schaden wurde in der Gerichtsverhandlung auf 5 Millionen Euro geschätzt. Vaccaro trug eine alte Karte der Basis bei sich. Sie stammte aus der Zeit, als er als Unterstützer für Kees Koning, einem holländischen Pflugscharaktivisten, außerhalb des Zaunes als Unterstützer tätig war.

Seit seiner Festnahme ist Vaccaro im Gefängnis und fastet. Die Gerichtsverhandlung in Breda folgte am 1. September. Er machte vor Gericht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, verständigte sich aber schriftlich mit seinen beiden Anwälten und durch Winken, Zeichensprache und Singen mit den Unterstützern. Die Anwälte argumentierten, die Staatsanwälte hätten es versäumt, den Kontext von Vaccaros Aktion zu berücksichtigen. Dieser habe darin bestanden, ein schweres Verbrechen gegen das Völkerrecht zu verhindern. Die Staatsanwaltschaft habe die Tatsache außer Acht gelassen, dass die holländische Regierung in derartige Verbrechen verwickelt sei, da sie Atomwaffen in ihrem Land habe und holländische Piloten ausbilde, sie einzusetzen. Deshalb seien die Anklagen unmäßig und müssten fallen gelassen werden.

Die Staatsanwaltschaft antwortete darauf lediglich, das Völkerrecht habe im Verfahren vor einem unteren Gericht keinen Platz. Vaccaros Anwälte baten den Richter daraufhin, die Staatsanwälte zu zwingen, eine bessere Antwort als diese zu geben. Als der Richter das verweigerte, lehnten sie ihn wegen Parteilichkeit für die Staatsanwaltschaft ab. Eine aus drei Richtern bestehende Kammer wurde daraufhin zu diesem Punkt befragt. Sie schlug sich jedoch auf die Seite des prozessführenden Richters.

Die Anwälte verlangten daraufhin eine schriftliche Begründung der Entscheidung. Als der Richter diesen Antrag ablehnte, wurde er erneut für befangen erklärt. Die Verhandlung wurde ausgesetzt und eine Woche später bestätigte die Beschwerdekammer die Entscheidung des Richters und teilte den Verteidigern mit, sie dürften den Richter in dieser Weise nicht noch einmal herausfordern.

Die Fortsetzung der Verhandlung wurde auf den 13. Oktober festgesetzt.

Für weitere Informationen steht folgende Internetadresse zur Verfügung: www.motherearth.org/prisoner/turi.php

Unterstützerbriefe sollten gesendet werden an: Turi Vaccaro, HvB de Boschpoort, Nassausingel 26, 4811, DG Breda, Niederlande

Quelle: The Nuclear Resister. A Chronicle of Hope (USA) - Nummer 138 vom 15.09.2005. Übersetzt von: Wolfgang Sternstein.

Veröffentlicht am

28. September 2005

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