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Elemente von Gütekraft anhand von Beispielen erklärt

Der Vortrag von Hildegard Goss-Mayr wurde zwar bereits am 5.10.2001 in der Evangelischen Akademie Iserlohn im Rahmen des Fachgesprächs der Arbeitsgruppe Gütekraft: “Gütekraft: Von Gandhis Satjagrah zum aktuellen Verständnis der Kraft der Gewaltfreiheit” gehalten. Wir veröffentlichen ihn hier, weil er wegen seiner grundlegenden Einführung in Elemente und Wirksamkeit von Gewaltfreiheit und Gütekraft lesenswert ist. Und ermutigend vor allem durch die Beispiele erfahrener Praxis mit Gewaltfreiheit und Gütekraft an der gesellschaftlichen Basis.

Elemente von Gütekraft anhand von Beispielen erklärt

Von Hildegard Goss-Mayr

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Ich verstehe meinen Beitrag als eine Verknüpfung von der bereits laufenden wissenschaftlichen Erforschung mit der Praxis. Ich komme also her von der Ebene des Erlebens und des Engagements an der Basis. Mein Verständnis von Gewaltfreiheit und von Gütekraft vertieft und verändert sich im Laufe der Jahre, in denen ich daran arbeite.

Aber ich stoße auch immer wieder an Grenzen. Mit dem Fundamentalismus kommen neue Fragen auf, die uns bewegen.

Ich möchte durch gelebte Beispiele einige wesentliche Elemente der Gütekraft verdeutlichen. Das können nur Elemente sein unter anderen. Aber diese scheinen mir wesentlich zu sein. Ich sehe sehr deutlich die Notwendigkeit der wissenschaftlichen Erforschung und Annäherung an den Begriff der Gütekraft.

Die Humanwissenschaften haben schon sehr wichtige Elemente der Gütekraft ans Licht gebracht. Ich glaube, es ist nötig, eine holistische, umfassende Sicht aufzubauen und der Öffentlichkeit vorzustellen.

Ich sage “Annäherung”, weil meiner Meinung nach Gütekraft Dimensionen enthält, die erkenntnismäßig, kognitiv, nicht erfassbar sind: Ein Element der Transzendenz, die Kraft der Liebe oder Compassion, die in den verschiedenen Religionen und Kulturen unterschiedlich benannt wird.

Einführung

Ich möchte zur Einführung andeuten, ohne eine Definition zu geben, was ich unter Gütekraft verstehe: Eine Kraft, die eine Dynamik bewirkt, Bewegung, Gestaltung, Veränderung; eine Kraft, die der Wahrheit, der Liebe und der Gerechtigkeit zur Überwindung von Leben mindernden, Leben zerstörenden Haltungen (Gewalt) und zum Aufbau von größerer Gerechtigkeit, Versöhntheit und Frieden für den Einzelnen und die menschliche Gemeinschaft beiträgt. Vor mir steht der Begriff “Leben in Fülle für alle”.

Ich bin überzeugt, dass Gütekraft eine in jedem Menschen grundgelegte Urkraft ist, genauso wie wir in uns den Willen zu Herrschaft, zu Gewalt tragen. Eine Urkraft, die die absolute Achtung seiner selbst wie des anderen - des Gegners, des Feindes mit eingeschlossen - begründet. Es ist für mich eine Lebenshaltung, die darauf ausgerichtet ist, im Ringen um größere Gerechtigkeit gewaltfreie Mittel anzuwenden. Sie sehen das auch bei Gandhi und King: Mittel und Ziel sind eins. Sie tritt aktiv kämpferisch für Leben in Fülle für alle ein.

Als eine die Lebensweise orientierende Kraft hat sie auch eine ganz spezifische Sicht des Menschen, seiner selbst wie der anderen. Es ist eine Frage der Beziehung.

Vier wesentliche Perspektiven dieser Sicht des Menschen zeichnen sich ab:

  • erstens die Achtung jedes Menschen,
  • zweitens die Überzeugung, dass jeder über ein Gewissen verfügt, das ansprechbar ist, das veränderungsfähig ist. Das ist etwas ganz Wesentliches, es macht die Würde des Menschen aus, dass wir diese Möglichkeit in uns tragen: Die Veränderungsfähigkeit zum Guten und natürlich auch zum Negativen.
  • Dritter Punkt: Die Bereitschaft zum Engagement, das heißt die Bereitschaft, Konsequenzen, die aus solchem gütekräftigen Handeln entstehen, freiwillig und bewusst auf sich zu nehmen.
  • Viertens gütekräftige Methoden zu erlernen, um an einer Alternative in Richtung auf Leben in Fülle für alle zu arbeiten. Das Ziel ist nicht Sieg, sondern doppelte Befreiung: Befreiung der Opfer und Befreiung der Täter in Richtung auf versöhntes Leben.

Elemente der Gütekraft anhand von Beispielen

Die Frauen von Medellin

Mein Mann und ich haben lange Zeit in Lateinamerika gearbeitet, unter anderem in Kolumbien. Dorthin waren eingeladen von einem kolumbianischen Priester, der in Medellin in einem sehr großen Elendsviertel gearbeitet hat. Ungefähr 30.000 Menschen haben dort gelebt, zugezogen vom Lande, wo sie keine Arbeitsmöglichkeiten hatten. Die alte Kolonialstadt Medellin liegt in einem Tal: Die moderne Großstadt unten in der Talsohle - an den Hängen ziehen sich die Elendsviertel hinauf. Die Lebensbedingungen in diesen Barrios sind wie überall in der Dritten Welt. Es gab keine Urbanisierung, weder Wasser noch Strom, noch Wege. Wenn es regnete, wurden die Hütten, die aus Lehm gebaut waren, den Berg hinuntergeschwemmt; große Arbeitslosigkeit und sehr große Kindersterblichkeit. Der Priester hatte versucht, in dem Barrio Basisgemeinden aufzubauen. Das bedeutet: Menschen tun sich zusammen und entdecken an Hand der Bibel, was ihre Würde ausmacht; sie lernen, sich zu erheben aus der Unterwürfigkeit. Sie lernen: Gott hat alle in gleicher Weise geschaffen, Du hast dieselbe Würde wie alle anderen. Du trägst in Dir die Kraft, Dich einzusetzen für Gerechtigkeit und für Leben. Er zeigte ihnen, aus der Situation der Ohnmacht aufzustehen und zu beginnen, sich für eine Veränderung der Situation des Elends einzusetzen. Bei dieser Bibelarbeit haben sie entdeckt, dass Unrecht nicht mit neuem Unrecht, sondern aus der Kraft, die das Evangelium uns schenkt, also aus der Liebe, der Gerechtigkeit, der Wahrheit, überwunden werden muss.

Nachdem diese Basisgemeinden eine Zeit gearbeitet hatten, lud der Priester uns ein, mit Leuten aus den Gemeinden ein Seminar durchzuführen zur Schulung in Gewaltfreiheit, in Gütekraft. Wir haben eine Woche mit ihnen gearbeitet und sind nach diesem Seminar wieder abgereist.

Nach dem Seminar hat sich eine Gruppe von Frauen, die an dem Seminar teilgenommen hatten, zusammengetan und gesagt: “Ja, jetzt müssen wir uns engagieren. Wir haben jetzt eine neue Kraft, einen neuen Weg in uns entdeckt. Das müssen wir jetzt umsetzen.” Sie haben zunächst mit ihren Nachbarinnen gesprochen um sie dafür zu gewinnen, mit ihnen zu überlegen, wie das Engagement aussehen könnte. Sie haben die Situation analysiert. Sie haben sich gefragt: “Was ist von dem vielen Unrecht, das wir erleiden, das schlimmste? Wir können nur einen kleinen Teil auswählen.” Und sie kamen zu der Überzeugung, dass das schlimmste ist, dass sie kein Trinkwasser haben. Sie mussten unten an den Zapfstellen für das Trinkwasser bezahlen und es dann zwei Kilometer den Berg herauf schleppen. Es war ihnen klar, dass die Kindersterblichkeit stark mit dem Fehlen von Trinkwasser zusammenhing. Sie sagten: Das ist das erste, was wir angehen wollen.

Wie könnten sie nun die befreiende Kraft bei der Trinkwasserversorgung zur Anwendung bringen? Sie überlegten verschiedene Methoden des gütekräftigen Vorgehens. Sie sagten sich: Wir versuchen den Dialog. Medellin hat über eine Million Einwohner. Es ist eine reiche Stadt. Es gelang ihnen, einen Termin bei der Stadtverwaltung zu bekommen und ihr Problem vorzubringen. Sie ersuchten, Trinkwasser einzuleiten. Die Antwort war: Zur Zeit gäbe es kein Geld dafür, aber in ein paar Monaten würde man mit ihnen über das Projekt sprechen, sie sollten nur nach Hause gehen.

Die Frauen haben gewartet, und es ist natürlich nichts passiert. Warum? Weil die Machtverhältnisse so ungleich waren. Eine Handvoll armer Frauen auf der einen Seite, die Verwaltung einer wohlhabenden Stadt auf der anderen. Sie waren wirklich ohnmächtig, ohne Macht. Alle Macht war auf der anderen Seite. Das haben die Frauen verstanden. Sie sagten: Wir sind in ihren Augen nichts, also müssen wir versuchen, Solidarität zu schaffen, damit wir Partner werden, mit denen man verhandelt. Sie überlegten, wen sie am ehesten ansprechen und für sich gewinnen könnten: Sie entschieden sich für die wohlhabenden Frauen, die unten in der Stadt leben und die Situation der armen Frauen nicht kennen. Sie haben sich folgende Aktion überlegt.

An einem bestimmten Tag haben sie sich in zehn Gruppen aufgeteilt. Jede der Frauen hat ihr jüngstes Kind - meistens haben sie viele Kinder - auf den Arm genommen und dann gingen sie hinunter zur Plaza, auf den alten, schönen Hauptplatz, dorthin, wo rundherum Boutiquen sind, in denen die vornehmen Leute einkaufen. Dort befindet sich ein großer Springbrunnen, aus dem Tag und Nacht Wasser fließt. Der Wind trägt Wasser über den Rand des Brunnens hinaus und es entstehen Pfützen außerhalb des Brunnens auf der Straße. Die erste Gruppe geht zu dem Brunnen. Die Frauen beginnen, ihre Kinder zu waschen, aber nicht in dem Brunnen, sondern in den Pfützen. Natürlich blieben gleich Frauen stehen und sagten: “Ihr seid verrückt, ihr seid dumm! Wie könnt ihr eure Kinder in dem schmutzigen Wasser waschen? Sie sterben dann!” Damit hatten sie die Möglichkeit, ihr Leid, ihr Problem mitzuteilen. Und sie haben den wohlhabenden Frauen gesagt: “Dies ist ein Symbol. Wir leben da oben in dem Barrio, da gibt es nur Regenwasser, aber kein Trinkwasser. Und wir haben die Stadtverwaltung gebeten, aber sie hat uns die Trinkwasserleitung verweigert.” Und so kamen sie mit einigen wohlhabenden Frauen ins Gespräch. Dann kam schon die Polizei. Sie vertrieb die Frauen und sagte: “Hier werden keine Kinder gewaschen!” Die Frauen wurden verjagt. Nach zehn Minuten kam die zweite Gruppe. So haben sie die Geste fünf oder sechs Mal wiederholt. Immer wieder eine neue Gruppe und auch immer mehr Polizei und mehr Frauen, die stehen blieben. Schließlich hat die Polizei angefangen, auf eine der Frauen mit ihrem Kind mit Knüppeln loszuschlagen. Da stellte sich eine wohlhabende Frau dazwischen und sagte zu ihm: “Mein Herr, wenn ihre Frau in der Situation wäre, würde sie dasselbe tun.” Das wirkte: die Polizei schlug nicht mehr zu, weil sie ja nicht auf die wohlhabenden Frauen einschlagen wollte.

Am Ende der Aktion bildete sich eine kleine Gruppe aus armen und wohlhabenden Frauen.

Nach ein paar Wochen sind sie zusammen zur Stadtverwaltung gegangen, und haben noch einmal das Problem aufgerollt. Jetzt waren die armen Frauen durch die Solidarität mächtiger geworden. Es kam zu einem Gespräch. Die armen Frauen hatten inzwischen ihre Männer dafür gewonnen, sich zu solidarisierten. Sie hatten gesagt: “Ihr seid arbeitslos. Seid ihr bereit, die Gräben für die Wasserleitung auszuheben? Damit wir der Stadtverwaltung vorschlagen können: Ihr braucht nicht alles zu bezahlen, wir machen einen Teil.” Es entstand Solidarität: Die Wasserleitung wurde gebaut.

Als mein Mann und ich etwa sechs Monate später wiedergekommen sind, um Nacharbeit zu machen. da floss schon das Trinkwasser. Oben am Hügel war ein Stein mit der Aufschrift angebracht: “Zu Ehren der Frauen vom Barrio Santo Domingo, die den Mut hatten, für die Wasserleitung zu kämpfen”.

Aus der ersten Erfahrung der Frauen mit der Kraft, die in ihnen liegt, sind viele andere Initiativen entstanden. Einen hohen Preis hatte der Priester zu zahlen: Er wurde beim Bischof als subversiv angezeigt und ist versetzt worden. Aber die Armen im Barrio waren inzwischen schon so weit, dass sie selbstständig weitergearbeitet haben.

Dieses einfache Beispiel zeigt wesentliche Elemente von Gütekraft:

a) Es gab einen Geburtshelfer oder eine Hebamme - ich empfinde meine Arbeit auch ein bisschen als die einer Hebamme: Die Kraft der Gewaltfreiheit, die Gütekraft liegt in uns Menschen, aber meistens ungehoben, unentwickelt, oder unterentwickelt oder bewusst von außen zurückgedrängt. Es gilt also, diesen Samen, der da ist, zur Entfaltung zu bringen. Der Geburtshelfer war in diesem Falle der Priester, es kann irgend jemand sein, der diese Kraft bereits entdeckt hat, sie durch sich wirksam macht und anderen Menschen hilft, sie zu entdecken.

Durch diesen Geburtshelfer der Gütekraft entstand eine Befreiung aus Unterwürfigkeit und Angst. Menschen, die in solchen Bedingungen leben, haben Angst vor Repression. Sie ist mit ein Faktor, der dazu beiträgt, dass Gewaltsysteme im Kleinen und im Großen bestehen können. Der Geburtshelfer hat aus der Angst, der Unterwürfigkeit, der Passivität befreit.

b) Die Entdeckung und Entfaltung der Gütekraft kann aus verschiedenen Wurzeln kommen. In diesem Fall war es aus biblischen Wurzeln, aus der Theologie der Befreiung. Auf diesem Wege hat der Priester geholfen, die eigene Würde und Achtung aber auch die Achtung des Gegners zu entdecken, wie die Kraft der Gerechtigkeit und Wahrheit zur Überwindung von Unrecht.

Ein Beispiel aus Peking zeigt eine andere Wurzel der Gütekraft auf, woher die Bereitschaft zu gütekräftigem Einsatz gespeist werden kann: Auf dem Tiananmen-Platz haben 1989 Studenten sich für die Menschenrechte und für einen Schritt des Staates in Richtung auf Demokratie eingesetzt. Als die Repression gegen die Studenten begann, hat sich eine Gruppe auf den Sockel des großen Monuments, das auf diesem Platz steht, geflüchtet. Eine Studentenführerin sagte zu ihnen: “Erinnert Euch an die Geschichte, die uns unsere Eltern erzählt haben: In einem Baum war ein Ameisennest. Der Blitz schlug in den Baum ein. Da überlegten die Ameisen, was sie tun könnten, um das Volk zu retten. Und sie beschlossen, eine Kugel zu bilden und von dem brennenden Baum herunter zu rollen.” Und dann sagte sie: “Dann verbrennen nur die, die außen sind, und das Volk wird gerettet. Heute sind wir außen. Wenn wir nicht bereit sind, außen zu sein, dann kann in unserem Volk sich nichts bewegen. Dann kann es nicht frei werden.” Ein sehr sprechendes Beispiel auf einer anderen Ebene.

In den afrikanischen Traditionen gibt es viele Formen der Streitschlichtung durch den Palaver und anderen Formen.

In der philippinischen Kultur gibt es die Herstellung von Harmonie.

Es gibt auch humanistische Quellen der Gütekraft, Quellen, die der Logik entsprechen. Etwa in 1968 Prag: man hat erkannt, dass Gegengewalt keine Lösung ist. Die Gütekraft wurde als die zielführende, die Gewalt überwindende Strategie eingesetzt. In jedem Fall geht es um eine grundlegende Umkehr zu einer neuen Lebenshaltung für uns selbst und in Beziehung zu anderen.

c) Ein weiterer Punkt ist, die Wirklichkeit zu erkennen. Es geht um Wahrheitsfindung, dafür ist eine Analyse zu machen. Die Gütekraft wirkt als neugestaltende Kraft der Wahrheit. Die Frauen von Medellin hatten in dem Seminar gelernt, eine Analyse zu machen.

Zuerst wurde das Unrecht genau benannt (es muss sich objektiv um eine Verletzung von Grundrechten handeln.)

Sodann: Das Unrecht kann deshalb bestehen, weil es gestützt wird. Als ersten Pfeiler, der das Unrecht stützte, erkannten die armen Frauen ihre eigene Mitverantwortung. Sie haben hinterfragt: “In welcher Weise sind wir verantwortlich, dass dieses Unrecht bestehen kann?” Sie erkannten ihre Angst, sich der Situation zu stellen. Sodass sie sich sagten, wir sind mit ein Pfeiler dieser Situation. Sie erkannten als weitere Pfeiler, die das Unrecht stützten: die Stadtverwaltung, ihre Männer, die auch schweigend das hingenommen haben, die Polizei, die Kirche - zwar nicht ihr Priester, der mit ihnen gearbeitet hat, aber die Kirche als Organisation in der Stadt - und weiter die reichen Frauen, die politischen und sozialen Strukturen. Die beiden letztgenannten Pfeiler konnten sie erst später entdecken. Sie haben versucht, die
Wahrheit, die Wirklichkeit der Situation zu erkennen.

Bei der Analyse kommt es darauf an, der Wirklichkeit, der Wahrheit der Situation auf den Grund zu gehen und dabei die eigene Mitverantwortung in die Untersuchung einzubeziehen. Und auch die Bedürfnisse der anderen Seite zu erkennen und mit hineinzunehmen in den Prozess der Umgestaltung der Situation.

Von ihrer Analyse ausgehend haben sie dann versucht, die Art und Weise, wie sie dieses Problem auf gütekräftige Weise angehen wollen, zu entdecken und eine konkrete Vorgehensweise zu erarbeiten, ein Projekt zu entwerfen. Aufgrund dieser Analyse dachten sie, dass sie als Frauen zuallererst die reichen Frauen, die in Wohlstand leben, zur Solidarität gewinnen könnten. Und deshalb haben sie ihr Projekt auf dieser Basis aufgebaut.

d) Ansprechen des Gewissens: Hier wird ein weiteres Element der Gütekraft sichtbar, ein sehr wesentliches: Die Frauen haben mit Hilfe des Priesters und in dem Seminar zunächst die Gütekraft in sich entdeckt und damit an der Bewältigung ihrer Angst gearbeitet. Sie konnten sich erst dann der Situation stellen, nachdem sie in sich diese Kraft der Wahrheit, die Kraft der Liebe, die Kraft der Gerechtigkeit entdeckt hatten und sich auch bewusst geworden waren, dass die andere Seite grundsätzlich ansprechbar ist, dass hier eine Möglichkeit ist, das Gewissen anderer Frauen zu solidarisieren. Diese Wahrheit wurde ihnen klar. Sie haben eine grundsätzliche Einsicht in die Situation gewonnen und sich dann gefragt, wie sie das Gewissen des Gegners oder der Passiven mit Gütekraft ansprechen können und sie einsichtig machen können in das Unrecht: durch Gesten, die einerseits den Verstand und andererseits das Herz erreichen. In diesem Fall ging es darum zu zeigen: Unsere Kinder können nicht leben, weil wir kein Trinkwasser haben.

e) Ein weiterer Punkt war, dass es hier nicht zu Verurteilung oder Revanche kommen kann, dass sie vielmehr alle Konsequenzen des Sprechens, des Bezeugens dieser Situation freiwillig auf sich nehmen müssen. Das kann selbst Schläge, Verhaftungen, Misshandlung bedeuten. Ich glaube, wir wissen alle, dass eine freiwillig ertragene Konsequenz, die manchmal bis zur Hingabe des Lebens gehen kann, eine enorme moralische und politische Wirkkraft hat. Ich glaube, dass es nicht selbstverständlich ist, hierzu bereit zu sein. Wir brauchen eine spirituelle Vorbereitung.

Die Frage der Macht: Hier ist es auf einer ganz kleinen Ebene dargestellt, aber wir sehen es auch auf der Ebene eines ganzen Staates, einer Gesellschaft oder auf weltweiter Ebene. Die Gütekraft verändert Machtverhältnisse nicht durch Zwang, sondern durch Meinungsbildung. Die Frauen in Medellin haben versucht, durch ihre Geste das Gewissen der reichen Frauen anzusprechen und sie zu solidarisieren. Bei gütekräftigem Vorgehen werden Machtverhältnisse nicht durch Zwang verändert, sondern durch Meinungsbildung: Indem Solidarität geschaffen wird, indem versucht wird, das Gewissen der anderen Seite aufzuschließen, zu solidarisieren, wächst die Kraft der Bewegung und es kommt zu einer Ermächtigung der Gruppe, die sich engagiert.

f) Ein weiteres Element war das Element der Solidarität. Das heißt einerseits zu versuchen, zunächst die Gruppe anzusprechen, die uns am nächsten steht, also diejenige, bei der Hoffnung besteht, dass am ehesten eine Öffnung zu gemeinsamen Handeln zustande kommen kann. Daher beginnt der Prozess der Solidarisierung meistens mit denen, die am ehesten einsichtig gemacht werden können für eine Unrechtssituation.

g) Ein weiteres Element war, eine kreative Alternative, eine kreative Lösung zu suchen, die auch die Bedürfnisse der anderen Seite einbezieht. Es ging hier darum: der Stadtverwaltung entgegenzukommen. Dadurch, dass man die Männer gebeten hat, die Wasserleitung zu legen, hat die betroffene Gruppe gezeigt, dass sie bereit ist, selbst einen Teil der Verantwortung an dieser Problematik zu übernehmen. So konnte das Projekt verwirklicht werden.

h) Ein weiterer Punkt ist: Ein erster kleinerer Schritt vermittelt Erfahrungen mit der Gütekraft und ermutigt dann auch zu weiteren Schritten. Immer wenn wir gütekräftig vorgehen, entdecken wir die Fähigkeit daran zu wachsen. Und durch die Praxis, durch die Anwendung dieser Kraft, die in uns liegt, entdecken wir weitere Möglichkeiten, immer größere Projekt aufzugreifen und umzusetzen.

Kürzlich haben mir Frauen in Israel ein Beispiel erzählt, Frauen von Bat Shalom: Sie hatten in der Zeit des Libanonkrieges begonnen öffentlich zu demonstrieren, sie hatten nur angemeldete Demonstrationen gemacht. Durch ihr Engagement wurden sie mutiger: In der Zeit der zweiten Intifada haben 500 Frauen zusammen einen Menschenteppich vor dem Verteidigungsministerium gemacht unter Vernetzung zahlreicher Organisationen, um Grundrechte für die palästinensische Bevölkerung einzufordern.

Ich möchte erinnern an die Arbeit im Larzac in Frankreich, wo die bäuerliche Bevölkerung sich geweigert hatte, ihren Boden für eine große Militärbasis herzugeben. Sie hatten zuerst ganz große Angst, mit ihren Traktoren in die Kreisstadt zu fahren. Doch dann entdeckten sie Schritt für Schritt immer mehr, wie diese Kraft der Gewaltfreiheit ihnen geholfen hat, immer stärkere und wirksamere Schritte zu gehen - über Demonstrationen zum zivilen Ungehorsam. So hat dort eine Bäuerin vor hunderttausend Menschen ein Referat gehalten hat. Das hat gezeigt, wie sie an Gütekraft gewachsen ist und ihre menschlichen und geistigen und spirituellen Kräfte immer stärker entwickelt hatte.

i) Ein weiterer Punkt in diesem Beispiel war das Feiern, also die Freude über eine gelungene Aktion. Den Frauen wurde ein Gedenkstein errichtet. Ich glaube, das Feiern, die Freude über das Wirksamwerden der befreienden Kraft der Gewaltfreiheit ist ein ganz wichtiges Element. Die Menschen hier in diesem Beispiel in Medellin haben entdeckt, wenn gemeinsam mehr Gerechtigkeit erreicht wird, ist das etwas Wunderbares, das gefeiert werden muss. Es ermöglicht auch ein bewussteres und engagiertes Leben für Menschen, die zunächst durch ihre Passivität oder ihr Unrecht auf der Gegenseite standen. Es handelt sich nicht um einen Sieg über andere, sondern es kann für beide Seiten Leben in größerer Fülle entstehen.

j) Dieses Beispiel zeigt auch, dass Grundhaltungen und Methoden untrennbar miteinander verbunden sind. Wenn es unsere Grundhaltung ist, Menschen zu achten, auch den Gegner zu achten, dann müssen wir Methoden suchen, in denen diese Achtung bereits zum Ausdruck kommt. Nur dann, wenn diese Verbindung von Grundhaltung, Methode und Ziel zustande kommt, kann ein gutes Ziel verwirklicht werden.

Schwierigkeiten begegnen

k) Wie können wir unsere Durchhaltekraft nähren? Es gibt oft das Problem, dass solche Prozesse lange dauern. Wir wissen alle, dass Veränderungsprozesse in uns und in der Gesellschaft Zeit in Anspruch nehmen, um durchgeführt werden zu können - sowohl beim Einzelnen wie in der Gesellschaft -, und dass der Rhythmus unserer menschlichen Seinsweise zu beachten ist. Wenn wir ihn überspringen, brechen entweder unsere Bemühungen zusammen, oder die Arbeit kippt um und wir greifen doch zur Gegengewalt. Es gilt auch: aufgedrängte Veränderungen halten nicht. Die Probleme werden dann nicht wirklich gelöst. Alle wissen, dass es die revolutionäre Ungeduld gibt, dass in dramatischen Situationen Menschen meinen, jetzt müssen wir ganz schnell die Veränderung herbeiführen. Sie führen damit Gewalt herbei und müssen erleben, dass im Grunde die Problematik nicht gelöst wird. Selbst wenn sie siegreich sind, wird der Gegner, der besiegt wurde, sofort eine Strategie erarbeiten, um zurück zu schlagen.

Wir alle wissen, dass wir in der Arbeit die Gütekraft des Einzelnen und der Gruppe ständig nähren müssen. Persönlich vielleicht durch Meditation, durch Stille, durch Gebet. In der Gruppe durch Läuterungsfasten, wir fasten für uns, dass wir bereiter werden, die Gütekraft in uns stärker werden zu lassen, dass sie tragfähig wird. Wir fasten für die Gruppe, für die Menschen, die mit uns in dieser Arbeit engagiert sind. Und wir fasten für den Gegner, für die, die in einer Unrechtssituation einen stärkeren Anteil tragen. Wichtig ist es auch, um unsere Gütekraft zu stärken, dass wir Personen einladen, die ein Charisma, also die besondere Fähigkeit haben, die Gütekraft in uns zu neuem Leben zu wecken. Ich erinnere mich: In der Arbeit im Larzac, wo gegen die Militärbase gütekräftig Widerstand geleistet wurde, haben wir immer wieder Menschen eingeladen, die gerade diese Fähigkeit hatten, in einem Widerstand, der viele Jahre gedauert hat, die Durchhaltekraft zu gewinnen, Menschen, die so spirituelle Hilfe geleistet haben. Oder auf den Philippinen habe ich erlebt, dass man sogenannte “love days” gemacht hat. Das waren Tage, an denen man sagte: “Heute stellen wir alle Aktionen ein. Wie sind müde. Wir brauchen eine Atempause.”

Man traf sich, um Freundschaft zu leben; um mit den Familien, mit den Kindern zusammen zu sein; um untereinander und miteinander sich zu freuen, dass man auf dem Weg ist, um größere Gerechtigkeit aufzurichten. Und man dankte auch an diesem Tage miteinander für alles, was schon möglich geworden ist. Man schöpfte neuen Atem für die Weiterarbeit. Auf kollektiver, also gemeinschaftlicher Ebene ist das interreligiöse Gebet wichtig. Ich habe ein sehr schönes Beispiel erlebt in Lubumbashi, Kongo: Bergarbeiter waren aus den umliegenden Provinzen gekommen. Sie arbeiteten in den Minen. Einmal gab es eine politisch-wirtschaftliche Krise. Da wollte der Gouverneur alle fremden Arbeiter aus den anderen Provinzen vertreiben. Daraufhin haben die Arbeiter zusammen mit Studenten und der kleinen Gütekraft-Bewegung in Lubumbashi zunächst zusammen ein interreligiöses Gebet von Muslimen und Christen durchgeführt. Sie haben gezeigt: Wir beten gemeinsam zu Gott, zu Allah, dass wir in dieser dramatischen Situation, wo Tausende Menschen ihre Arbeit verlieren und vertrieben werden sollen, zu einander stehen. Gott will Leben für alle Menschen und nicht den Tod und das Verhungern. Zugleich haben sie eine praktische Arbeit begonnen: Sie haben brachliegenden Boden gemeinsam bebaut. So zeigten sie, dass Menschen aus den verschiedenen Provinzen, die der Gouverneur gegeneinander aufgebracht hatte, bereit waren, gemeinsam zu arbeiten, damit die Familien überleben konnten. Es war eine Verbindung von spirituellem und politischem Engagement.

Dasselbe finden wir auch auf den Philippinen, bei Gandhi, bei King, bei Cesar Chavez: Handeln aus dem Geist der Gewaltfreiheit ist getragen von einer immer wieder zu erneuernden humanistischen oder spirituellen Kraft, die wir nähren müssen. Wir dürfen nicht vergessen, sie zu nähren. Sonst siegt die Passivität, die Unterwürfigkeit oder die Gegengewalt.

l) Misserfolge: Noch eine Frage: Wenn wir Misserfolge haben, so ist das nicht schlimm, weil wir an den Misserfolgen lernen. Wir lernen, dass unsere Einsicht und unser Leben aus der Gütekraft noch nicht tief genug gehen, dass wir Elemente übersehen haben, dass zum Beispiel unsere Analyse, die Wirklichkeit, also die Wahrheit einer Situation zu erfassen, noch unvollständig war. Dass wir sie vertiefen müssen.

Wenn ein Projekt nicht gelingt, ist das oft ein Anstoß dafür, einen Schritt zum Wachstum in der Fähigkeit, Gütekraft zu leben wie auch in ihrer Umsetzung zu machen. Wir hinterfragen dann unsere eigene Haltung und jene unserer Gruppe. Wir werden die Strategien neu bewerten, neu erarbeiten. Vielleicht werden wir die Vernetzung verstärken müssen. Zum Beispiel, wenn wir an einem ökologischen Problem arbeiten, müssen wir sehr viele Aspekte beachten und sehr viel Vernetzung erreichen, um wirksam sein zu können. Wir brauchen vor allem auch eine Erziehung zur Beharrlichkeit. Das Beispiel des Larzac, wo die Bauern zehn Jahre Widerstand leisteten. Sie sagten: “Wenn wir das am Anfang gewusst hätten, hätten wir wahrscheinlich nicht den Mut gehabt, anzufangen.”

Aber dadurch, dass sie in der Fähigkeit, gewaltfrei zu arbeiten, ständig gewachsen sind, ist auch ihre Durchhaltefähigkeit gewachsen.

m) Eine weitere Schwierigkeit ist wohl die Freiheit des Menschen. Das ist eine Grenze. Gott zwingt nicht und in der gewaltfreien Arbeit dürfen wir auch nicht andere zwingen. Denn wenn wir andere zwingen wollen, fallen wir zurück in die Haltung der Gegengewalt. Das ist ein Widerspruch zu Gewaltfreiheit, zu Gütekraft. Und wir können nicht über den anderen, die andere Gruppe verfügen. Da stehen wir oft vor großen Schwierigkeiten.

Im persönlichen Bereich einerseits: Ich glaube, dass hier ein beharrliches Angebot zum Dialog aus Achtung und Liebe wichtig ist; Gesten setzen, einen Vermittlerdienst in Anspruch nehmen. Gute Gedanken der Vergebung und der Befreiung senden, den anderen nicht fallen lassen, auch wenn kein Erfolg sichtbar ist. Es gibt gerade im persönlichen Bereich Situationen, wo wir lange kein greifbares Resultat erkennen und sagen müssen, im Augenblick habe ich nur eine Möglichkeit, diesen Menschen oder diese Gruppe im Gebet, in mir zu tragen und sie nicht fallen zu lassen. Hier geht es wesentlich darum, dass wir im Geist der Gewaltfreiheit und der Zuneigung zum Anderen verharren und ihn in unser Denken und Beten hinein nehmen. Da sind Geduld, Umkehr, Beharrlichkeit, Vertrauen, vor allem auch immer wieder die Hinterfragung unserer eigenen Position gefragt: “Inwieweit sind wir selbst in diesen Prozess mit hinein gezogen? Wie weit leben wir selbst noch nicht diese Situation aus dem Geiste der Gütekraft?”

In solchen Situationen ist die Zeit vor dem Tod sehr wichtig. Es ist eine Zeit, in der alte Konflikte gelöst werden können. Wir können Sensibilität entwickeln für den Zeitpunkt, in dem alte Konflikte aufgearbeitet und bewältigt werden können. Hierher gehören Beharrlichkeit und Vertrauen, gleichgültig, was passiert. Das fällt uns oft schwer. Es zeigt sich jedoch immer wieder, manchmal überraschend: Nichts ist verloren, was aus Gütekraft heraus getan, gedacht, gehandelt oder gebetet wird.

Im gesellschaftlichen Bereich ist es sehr wichtig, zu sehen, dass da immer zwei Ebenen miteinander verbunden sind: Die eine Ebene ist die, durch moralischen Druck, Gebete, Dialog, Fasten, Meinungsbildung Umdenken zu bewirken. Ich denke an das Beispiel der Philippinen Wir haben dort während der Arbeit sehr sehr viele Gruppen angesprochen, und versucht, ein Umdenken, eine Einsicht in die Kraft der Gewaltfreiheit zu bewirken und auf spiritueller und humanistischer Ebene die Kraft der Gewaltfreiheit zu entfalten. Aber wir können über die anderen nicht verfügen. Wir können über Politiker nicht verfügen und wir konnten weder über Marcos verfügen noch über seine Mitarbeiter. Wir können nur ein Angebot machen. Die andere Ebene, die gleichzeitig betreten wird, ist eine politische Arbeit, die dem ungerechten System oder Regime, die Stützen entzieht, also ungerechtes Handeln unmöglich macht. Auf den Philippinen wurden verschiedenste Möglichkeiten von Streik und Boykott, Verweigerung der Zusammenarbeit, von Massendemonstrationen usw. durchgeführt, um dem ungerechten Regime die Aktionsfähigkeit zu entziehen, also die Pfeiler, die dieses System stützen, abzubauen.

Diese beiden Prozesse gehen miteinander. Wenn man einem diktatorischen Regime die Stützen, die Mitarbeit entzieht, dann wird es letztlich funktionsunfähig, wie es auf den Philippinen der Fall war. Wie weit nun der Prozess des Umdenkens in der Bevölkerung, vor allem in der Gruppe, die an der Macht ist, zustande kommt, das bleibt eine offene Frage. Wir wissen nicht, wie weit Marcos wirklich umgedacht hat. Aber die Möglichkeit, Macht auszuüben, ungerechte politische Macht auszuüben, wurde ihm entzogen, so dass er diese Macht nicht mehr wahrnehmen konnte. Bei der Überwindung einer Diktatur wird die neue Situation umso positiver, werden Wahrung der Menschenrechte und Demokratie umso wirkungsvoller, je mehr es gelungen ist, in dem Prozess der Veränderung das Umdenken, das heißt die Hinwendung zur Haltung der Gütekraft, zu erreichen.

Ich weiß, dass das auf den Philippinen nur zum Teil gelungen ist, und dass diejenigen, die nicht umgedacht haben, versuchen, ihre Macht wieder aufzurichten. Das heißt also, wir müssen unentwegt dieses aktive Angebot zum Umdenken einbringen, aber zugleich auch einem ungerechten System die Stützen entziehen, indem wir uns weigern, mit ihm zusammen zu arbeiten.

n) Bauen an der Alternative: Ein letzter Punkt wäre der, der meiner Meinung nach im gewaltfreien Arbeiten bisher ein Schwachpunkt geblieben ist: Ich glaube, dass es in vielen Fällen gelungen ist, Unrecht auf politischer Ebene zu bewältigen, ja auf verschiedenen Ebenen zu bewältigen. Aber wir sind immer noch sehr schwach im Bauen an der Alternative. Wenn ich mich mit Gütekraft gegen ein Unrecht einsetze, dann muss ich parallel auch Alternativen schaffen, Möglichkeiten aufbauen, in denen die Menschenrechte und die Menschenwürde in größerem Maße bewahrt werden, als in der Vergangenheit. Es gibt sicher viele alternative Ansätze, in der Pädagogik, im Sozialbereich, bei außergerichtlichen Strafverfahren, gewaltfreie Konfliktbearbeitung, in der Ökologie und so weiter. Doch da haben wir noch eine ganz große Aufgabe vor uns.

Veröffentlicht am

02. September 2005

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