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Cindy Sheehans Taktik

Von Jerry Fresia - ZNet 13.08.2005

Cindy Sheehans Strategie, mit der sie Präsident Bush zur Rechenschaft zieht, sollte nach ihrer Effektivität beurteilt werden. Ich glaube, Sheehans Effektivität wurzelt in etwas, das Martin Luther King einst als notwendigen Bestandteil jeder effektiven gewaltlosen Aktion bezeichnet hat: “Konfrontation” - um das “Unsichtbare sichtbar zu machen”.

Denken wir an die Kampagne von Birmingham im Jahr 1963 - das sogenannte ‘Project Confrontation’. “Anstatt uns Grausamkeiten im Geheimen, in Tausenden dunklen Gefängniszellen, an unzähligen dunklen Straßenecken, auszusetzen”, so formulierte King seine Strategie, sollte, wer gewaltlos Widerstand leistet, “den Unterdrücker dazu zwingen, seine Brutalität in aller Öffentlichkeit zu begehen - am helllichten Tag und mit dem Rest der Welt als Zeugen”.

Sinn solcher Konfrontationen sei es, so King, “die Kluft zwischen Versprechen und Umsetzung drastisch zu verdeutlichen… das Unsichtbare sichtbar zu machen”.

“Was wir zutage fördern, ist ja nur verdeckte Spannung, Spannung, die bereits existiert. Die Ungerechtigkeit muss offengelegt werden - mit allen Spannungen, die mit dieser Offenlegung verbunden sind… Gewaltlosigkeit ist effektiv…”, bringt Martin Luther King es auf den Punkt: “Falls sie radikal genug umgesetzt wird, wird sie auch etwas bewirken”.

Indem sie sich am helllichten Tag vor die Ranch des urlaubenden US-Präsidenten stellt, greift Cindy Sheehan auf eine Strategie der Gewaltlosigkeit zurück - eine radikal-konfrontative Taktik. Sheehan erzeugt Spannung, sie erzeugt Reibung. Sie greift zum Mittel der Provokation. Sie sagt: “Wir werden ihn (den Präsidenten) dazu zwingen, uns zu antworten”. Das Ausbleiben einer Präsidentenantwort - vor den Augen der Welt - sagt natürlich ebenso viel aus.

Mehrere zehn Millionen Menschen verfolgen inzwischen die Sheehan-Story. Sie erleben, wie Bush sich täglich Zeit für seinen Trainer nimmt, aber keine einzige Stunde, um der Mutter eines toten ‘Gold-Star’-Soldaten zu erklären, was er unter einer “ehrenhaften Sache” (noble cause) versteht. Dabei ist das doch so eine einfache Frage. Die Nation schaut zu, wie Bushs Fahrzeugkolonne an Cindy vorbeifegt - Bush auf dem Weg zu einem 2-Millionen-Fundraiser-Barbecue - und Sheehan buchstäblich in einer Staubwolke zurücklässt. Für viele war bislang unsichtbar, wie arrogant Bush ist. Auf diese Weise wird Bushs Arroganz sichtbar - äußerst sichtbar. Auch die unsichtbare Verachtung, die Bush für Leute wie Cindy Sheehan hegt, für Leute, die widersprechen, für ihr bürgerschaftliches Engagement, wird so verdeutlicht. Und nicht nur das. Da ist diese Diskrepanz zwischen Bushs Versprechungen - was Familienwerte und Verantwortung angeht -, und der Umsetzung in der Realität. Hier wird das explizit deutlich.

Vielleicht sollten auch wir, bei der Planung künftiger Aktionen, auf Situationen setzen, die die Mächtigen - mittels gewaltloser Konfrontation und Provokation - dazu zwingen, ihre Verbrechen im grellen Tageslicht zu begehen, mit der Nation in der ersten Reihe und dem Rest der Welt als Zeugen.

Quelle: ZNet Deutschland vom 14.08.2005. Übersetzt von: Andrea Noll. Orginalartikel: Sheehan Strategy

Veröffentlicht am

14. August 2005

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