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Spektakuläres Zeichen gegen Krieg und nuklearen Wahnsinn

Gewaltfreie Aktion auf dem Gelände des EUCOM in Stuttgart-Vaihingen

Am 9. August, dem Nagasaki-Gedenktag, haben die Friedensaktivisten Martin Otto (51), Johannes Mader (22) und Hanna Jaskolski (70) auf dem Terrain der US-Kommandozentrale (EUCOM) erneut ein deutliches Zeichen gesetzt. Martin Otto hatte die Aktion vorher dem Kommandanten des EUCOM, der US-Botschaft, der Bundesregierung und der Stuttgarter Polizei angekündigt. Darin heißt es unter anderem:

“Bei unserer gewaltfreien Aktion wollen wir den Zaun des EUCOM an einer Stelle öffnen und dahinter ein paar Quadratmeter des EUCOM-Geländes unsererseits einzäunen.

Dieses kleine Stück des EUCOM kaufen wir mit diesem Brief der Us-army zum Preis von 1,— Euro ab. Zu diesem Zweck ist hier eine 1-Euro-Münze eingeklebt. Wir kaufen das Stück EUCOM-Gelände auf ähnliche Art und Weise, wie die US-Regierung einst eine riesige Fläche Land den Western-ShoshoneIndianerInnen in Nevada abgekauft hat, um das Gebiet anschließend mit Atomtests zu zerbomben. Nach der Weigerung der IndianerInnen, ihr Land zu verkaufen, wurde kurzerhand ein Geldbetrag auf das Konto des “Bureau für indianische Angelegenheiten” überwiesen, und die US-Regierung erklärte sich damit zum Eigentümer dieses Landes.

Unsere Aktion soll gleichzeitig symbolisch und konkret sein. Im EUCOM werden Kriegseinsätze gesteuert, möglicherweise in der Zukunft auch Atomwaffeneinsätze. Wir wollen die vom EUCOM ausgehende Gefahr symbolisch verringern, indem wir das EUCOM-Gelände konkret verkleinern. Wir sehen die Aktion als einen Schritt, auf dem Weg hin zu politischen und juristischen Entscheidungen, die irgendwann für die konkrete Schließung des EUCOM sorgen werden. Um solche Entscheidungen zu erreichen, ist politischer Druck notwendig. Unsere Aktion ist ein Beitrag dazu.”

Einer Presseerklärung ist über den Verlauf der Aktion folgendes zu entnehmen:

Zu dritt schnitten wir den Zaun auf und betraten das Gelände. Unterstützt wurden wir von vier Mitstreitern. Mit Bändern und 12 Dreiecksschildern grenzten wir ein circa 10 × 15 Meter großes Feld ab. Auf den Schildern stand “Menschenschutzgebiet statt EUCOM” und “Menschenschutzgebiet - No more Nagasakis”. Außerdem hängten wir ein langes weißes Band in die Bäume, auf dem in großen Buchstaben zu lesen war: “NON VIOLENT ACTION”. Anschließend säten wir Sonnenblumensamen als Zeichen des Lebens. Um 11.13 Uhr, der Zeit des Atomwaffenabwurfs auf Nagasaki vor 60 Jahren, gedachten wir der Opfer mit Schweigen und leisen Flötentönen.

Danach gingen wir drei - noch unentdeckt - in einiger Entfernung ungehindert durch ein Tor, das sich öffnen ließ, mitten in das EUCOM-Gelände hinein. Wir kamen auch an dem Gebäude der eigentlichen Kommandozentrale vorbei, von der im sog. Ernstfall auch die in Deutschland stationierten Atomwaffen zum Einsatz gebracht werden, und an dem hohen Sendemast, über den Befehle zu Kriegseinsätzen in aller Welt übertragen werden. Das alles in einem sauberen, mit Rosen und anderen Blumen geschmückten Ambiente. Menschen, Kinder und Erwachsene, grüßten uns freundlich. Fast hätten wir uns im tiefsten Frieden gewähnt, wenn nicht die vielen uniformierten Soldaten uns an die Wirklichkeit erinnert hätten. Auch sie grüßten uns freundlich. Im Krieg - so ging es uns durch den Kopf - steht diese idyllische Welt mit ihren menschlichen Werten auf dem Kopf. Um dagegen etwas zu tun, auch wenn nur zeichenhaft, und Sand im Getriebe zu sein - dafür waren wie hier.

Niemand beachtete unsere einfache Kleidung und die von dem langen Weg durch den Wald verdreckten Schuhe. Auch Martins Rucksack störte keinen. So kamen wir nach zwei Stunden unerkannt bis zum Haupteingang, durch den wir ungehindert nach draußen gelangten. Zuvor legten wir noch ein Transparent mitten auf die Hauptstraße. Seine Aufschrift: EUCOM SCHLIESSEN - ATOMWAFFEN ABSCHAFFEN!”

Draußen stand ein Streifenwagen der Stuttgarter Polizei mit zwei jungen PolizistInnen, die gerade dabei waren, dem EUCOM “Objektschutz” zu gewähren; denn das ist eine ihrer Aufgaben. Wir gingen auf den Wagen zu und erzählten den Beamten, was wir in den letzten beiden Stunden auf dem Gelände der US-Kommandozentrale getan und erlebt und welche Motive wir für diesen Besuch hatten. Sie begriffen nur langsam. Dann aber erwachten sie aus ihrer Lähmung und gerieten in forcierte amtliche Aktivität, unterstützt von den aufmerksam gewordenen amerikanischen Militärs: Leibesvisitation auf offener Straße - erkennungsdienstliche Maßnahmen - eindringliche Befragungen - heiß laufende Handys in beiden Lagern. Ein chaotischer Auflauf, Hektik allerorten - und wir friedlichen Menschen mittendrin. Nichts für uns! Melodramatischer Höhepunkt: Ermahnung mit Platzverweis!

Postskriptum

Wir wollten nicht die Sicherheitsmängel des EUCOM aufdecken, wie es die Stuttgarter Presse hochgespielt hat.
Wir wollen das EUCOM weghaben, auch die Atomwaffen aus Deutschland und der ganzen Welt.
Sicherheit lässt sich nicht herbeibomben, schon gar nicht mit Atomwaffen.
Sicherheit wird nur ermöglicht durch mehr Gerechtigkeit, Solidarität und Vertrauen.

Pressemitteilung von Hanna Jaskolski vom 13.08.2005

Weblinks:

Veröffentlicht am

14. August 2005

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