Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Ein Leben im Dienst des Friedens - Zum Tod von Herbert Froehlich

Am 30. März 2005 ist Herbert Froehlich gestorben. Er hat zu den Unterstützern von Lebenshaus Schwäbische Alb ? Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V. gehört. Für diese unmittelbare Unterstützung, vor allem aber für seine engagierte und vorbildliche Friedensarbeit in den vergangenen Jahrzehnten, sind wir sehr dankbar.

Vor drei Wochen hat sich Herbert Froehlich per Mail von uns verabschiedet und uns weiterhin “eine gute Netzbildung für gerechten Frieden und für das Leben” gewünscht. Wir sind traurig über den Verlust durch seinen Tod. Gleichzeitig nehmen wir uns vor, uns weiter in dem uns von Herbert Froehlich gewünschten Sinne zu engagieren.

Im Folgenden veröffentlichen wir einen Nachruf für Herbert Froehlich von Johannes Schnettler, dem Vorsitzenden des Geschäftsführenden Vorstandes von pax christi.

(Michael Schmid)

>> Todesanzeige für Herbert Froehlich

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Ein Leben im Dienst des Friedens

Die deutsche pax christi-Bewegung trauert um ihren Geistlichen Beirat, Herbert Froehlich

Von Johannes Schnettler

Der Geistliche Beirat und das langjährige Mitglied des Präsidiums von pax christi, Herbert Froehlich, ist tot. Er starb am Mittwoch der Osterwoche, den 30. März 2005, an den Folgen seiner Krebserkrankung. Herbert Froehlich wurde 60 Jahre alt.

Der laute Protest war die Sache von Herbert Froehlich nicht. Selbst als er gewiss wurde, dass die Krankheit sein baldiges Lebensende bedeuten würde, war kein Aufschrei und Klagen von ihm zu vernehmen. Für ihn war es der Weg, “der mir bleibt”. So erwies sich Herbert Froehlich auch in diesem letzten Lebensabschnitt als der, den wir über die Jahre als Freund und Weggefährten in pax christi kennen lernen durften; ein Mensch mit einem großen Gottvertrauen und einer beeindruckenden Demut vor dem Leben. Diese Haltung verdichtet sich in dem Wort seiner Todesanzeige, die er in der Zeit seines Sterbens entworfen hat. “Du hast mich abgeschnitten wie ein fertig gewobenes Tuch.” (Jes.38,12). Uns allen, die wir erschüttert vor diesem plötzlichen Ende seines Lebens stehen, stellt er die Frage “Warum sollte der Meister das Tuch nicht abschneiden?”, um direkt die Antwort auf seinen frühen Tod zu geben: “Für Ihn ist es fertig.”

Dieses Gottvertrauen gab Herbert Froehlich Kraft, Ausdauer und Leidenschaft für sein Leben, das er ganz in den Dienst des Friedens stellte. Über dreißig Jahre davon wirkte er in der pax christi-Bewegung. Dem Präsidium gehörte er seit 1975 ununterbrochen bis zu seinem Tode an; darüber hinaus übernahm er in diesen Jahren verschiedene Ämter und Funktionen, so im Geschäftsführenden Vorstand, in Fachkommissionen, in der Redaktion der Zeitschrift pax zeit, im Exekutive-Komitee von Pax Christi International, als Vorsitzender der Kommission Friedensdienste, als Geistlicher Beirat der Bistumsstelle Freiburg und seit 1996 als Geistlicher Beirat der deutschen Sektion.

Der Freiburger Bistumspriester Herbert Froehlich kam zu pax christi, als er in den 70er Jahren als Beauftragter der deutschen Bischofkonferenz Verantwortung für die Kriegsdienstverweigerer und Zivildienstleistenden trug. In pax christi traf er auf die Gründergeneration der internationalen katholischen Friedensbewegung, die aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs eine Praxis der Friedens- und Versöhnungsarbeit begründet hatten. Herbert Froehlich fand hier Freunde, Gleichgesinnte und Weggefährten für seine Suche nach Frieden und sein Engagement für Versöhnung.

Die bereits eingeschlagenen Pfade festigte und belebte er u.a. durch Besuche in Oradour und Auschwitz, die Suche nach den Zeugnissen christlicher Kriegsdienstverweigerer im Zweiten Weltkrieg oder das Gedenken und die Aktualisierung der Zeugnisse und Symbole der Versöhnungsarbeit. So hat Herbert Froehlich maßgeblich Anteil an der Begegnung deutscher und französischer pax christi Mitglieder in Oradour im Jahre 1994 zum 50. Jahrestag des Massakers, der Auschwitzfahrt 1984, 20 Jahre nach der ersten pax christi-Fahrt an diesen Ort des Völkermordes, dem Gedenken an den katholischen Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter in pax christi. Immer wieder verstand er es, die Symbole dieser Arbeit, wie den Kelch von Oradour und das Aachener- und Bühler Friedenkreuz in ihrer Bedeutung für heute neu zur Sprache zu bringen oder, wie im Rahmen der 50 Jahrfeier der deutschen Sektion 1995, eindrucksvoll an die Zeugen von Versöhnungsarbeit wie Franz Stock zu erinnern.

Seine Krankheit hatte ihn im vergangenen Jahr bereits so stark gezeichnet, dass er diese Arbeit am Werk der Versöhnung nicht mehr fortsetzen konnte und seine Teilnahme an der jüngsten Auschwitzfahrt des Präsidium ebenso wie sein Mitwirken am Jägerstätter-Gedenktag 2004 in Österreich absagen musste. Den Dialog zwischen Christen und Muslimen sah er aktuell als eine große Aufgabe der Friedensarbeit. Solange es seine Gesundheit zuließ, widmete er sich dieser Begegnung und bereicherte sie mit Wort und Tat.

Aus den Erfahrungen des Kriegs lernen und Frieden stiften im Kleinen als Grundlage für einen andauernden Frieden, das war Herbert Froehlich Programm und Auftrag zugleich. Umso mehr schmerzte es ihn, als er am Vorabend des Balkankrieges ohnmächtig mit ansehen musste, wie Hass und Feindschaft unausweichlich wieder zum Krieg in Europa führten. Auf den Hilfeschrei seiner kroatischen Freunde, die ein Zeichen des Widerstandes gegen den drohenden Krieg erflehten, wusste er zusammen mit den friedliebenden Menschen in Europa keine heilende Antwort zu geben.

Diese Grenzerfahrung prägte Herbert Froehlich nachhaltig. Aber sie entmutigte ihn nicht in seinem Friedensengagement. Er begab sich in das Kriegsgebiet und sprach mit den Menschen dort. Er wollte die Menschen verstehen und daraus Brücken der Verständigung bauen. Es ist das Verdienst von Herbert Froehlich, dass er Orte der Friedensarbeit im Kriegsgebiet ausfindig machte und in Deutschland und Europa Menschen gewann, die bereit waren, dort einen Beitrag zum Frieden zu leisten. Aus diesen zahlreichen Kontakten und Begegnungen entstanden die Friedensdienste in pax christi, zunächst als kurzzeitige Einsätze in Flüchtlingslagern dann als Langzeitdienste qualifizierter Fachkräfte in Friedens- und Versöhnungsprojekten.

Er selbst verschrieb sich ganz dieser Arbeit und konnte mit Unterstützung der Erzdiözese Freiburg und dem Oratorium Philipp Neri in Heidelberg, in dem er eine spirituelle Heimat gefunden hatte, seine Zeit und Kraft für die Ausgestaltung dieser Dienste einsetzen. So wurde er zum Initiator und Mitbegründer des Schalomdiakonats, aus dem der Ökumenische Dienst entstanden ist, dessen Vorsitzender er bis zu seinem Tode war. In seinem spirituellen Verständnis bildeten die Friedensdienste für Herbert Froehlich Samen der Hoffnung inmitten der Verwüstungen des Krieges ebenso wie sie bereits Teil eines größeren Friedens in der Hand Gottes sind.

Herbert Froehlich wusste, dass Friedensarbeit auch ein Mindestmaß an Struktur benötigt. Deshalb arbeitete er über drei Jahrzehnte im Präsidium der pax christi-Bewegung an verantwortlicher Stelle mit, - geradezu ein Glücksfall für die Basisbewegung pax christi. Wie kaum ein anderer spürte er die Befindlichkeiten der Bewegung auf und konnte diese in bewundernswerter Weise in die interne politische Auseinandersetzung einbringen. Weil er genaustens mit den Strukturen der pax christi-Bewegung vertraut war, gelang es ihm auch in kritischen Situationen, als Vermittler zu wirken und Konsense herbeizuführen. Mehr als einmal erwies er sich als Mann des Ausgleichs und der Verständigung. Als sich in der pax christi-Bewegung der 80er Jahre ein Wandel in der Mitgliederschaft und der inhaltlichen Schwerpunksetzung vollzog, wurde er zum Brückenbauer innerhalb der Bewegung, der langjährige und neue Mitglieder zusammenführen und bisherige Traditionen der pax christi-Arbeit in neue Akzentsetzungen und Arbeitsformen zu überführen vermochte. Ihm lag daran, die

Erfahrungen der Menschen in pax christi für die Arbeit des Friedens fruchtbar zu machen. In diesem Sinne initiierte er die Generationenbrücke, den Vorläufer der heutigen pax christi-Stiftung. Noch bei seiner letzten Präsidiumssitzung im Dezember 2004 regte er eine Geschichtswerkstatt zur Sicherung des Erfahrungswissens in pax christi an, die nun ohne Herbert Froehlich im Oktober stattfinden muss.

Sein Geburtsort Ettlingen vermittelte Herbert Froehlich schon früh die Erfahrung grenzüberschreitender Kontakte, insbesondere zu Frankreich. So war für Herbert Froehlich die Internationalität der pax christi-Bewegung stets von besonderer Bedeutung. Von Beginn an pflegte er in pax christi die Beziehungen zu den europäischen Nachbarsektionen, zur englischen und US-amerikanischen Sektion und den Gruppen und Organisationen in Übersee. Diese Kontakte nutzte er während seiner Zeit als Mitglied im Exekutive-Komitee von Pax Christi International in den Jahren 1997 bis 2004 und trug zur Stärkung der pax christi-Bewegung als einer internationalen Friedensbewegung mit Mitgliedsorganisationen in allen Kontinenten bei. Sein besonderes Interesse galt dem Jugendforum und der Belebung der internationalen Routen von pax christi. Ihm lag der Austausch von pax christi-Mitgliedern zwischen den einzelnen nationalen Organisationen sowie die Verankerung der Friedensdienste am Herzen. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit waren zu dieser Zeit die Vorbereitungen der pax christi-Versammlungen in Amman/Jerusalem, Mainz und New Jersey und sein Engagement für den Dialog zwischen den christlichen Kirchen. Im Jahre 2000 unterrichtete er im Rahmen einer Sommerakademie an der Orthodoxen Universität in Moskau und setzte sich dort insbesondere mit der zivilen Konfliktbearbeitung auseinander.

Die pax christi-Bewegung verliert mit Herbert Froehlich eines ihrer profiliertesten Mitglieder. Friedensarbeit war für ihn immer Dienst am Frieden und in diesem Sinne Dienst am Menschen. Er war in der Lage, den Menschen zuzuhören, ihre Nöte und Ängste, aber auch Hoffnungen und Sehnsüchte zu erspüren und sie in Kontemplation und Aktion umzusetzen. Begegnung war für ihn die Voraussetzung zum Frieden. Herbert Froehlich hat die Friedensarbeit immer als Basisarbeit betrieben ohne dabei gesprächsunfähig gegenüber den Verantwortungsträgern in Kirche und Politik geblieben zu sein. Er hat den Dialog mit der Macht gesucht, wo immer er für die Menschen in zerrissenen Situationen hilfreich werden konnte. Auf diese Weise führte er Menschen für das Werk am Frieden zusammen, knüpfte ein dichtes Netz an Kontakten und Beziehungen und belebte dies immer wieder neu mit seiner Spiritualität und Musikalität.

Mit seiner Querflöte, die er so einfühlsam zum Klingen bringen konnte, hat Herbert Froehlich unzählige Male zur Meditation, zur Begegnung, zum Mitsingen oder zum Nachdenken eingeladen und Mut und Zuversicht vermittelt. Jenseits der Trauer und des Schmerzes um den Verlust dieses friedensbewegten Menschen sind wir dankbar für die Weggemeinschaft mit ihm. Er hat uns ein reichhaltiges Erbe hinterlassen, und seine Spuren haben sich tief in pax christi eingegraben. Wir werden die Arbeit am Frieden in seinem Sinne fortsetzen. Möge er ruhen in Gottes ewigem Frieden.

Bad Vilbel, den 01. April 2005

Veröffentlicht am

01. April 2005

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