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Russland schadet sich

Von Andrea Strunk

Tschetschenen-Führer Maschadow getötet

Der Sarkasmus, mit dem die Regierung in Moskau am 8. März den Tod des tschetschenischen Rebellenführers Aslan Maschadow bekannt gab, könnte ihr bald vergehen. Die Erschießung des einstigen Präsidenten der Kaukasusrepublik, über deren Umstände es nach wie vor nur Spekulationen gibt, ist im Konflikt mit dem tschetschenischen Widerstand alles andere als ein Triumph, schon gar nicht der von Russland propagierte Erfolg im Kampf gegen den Terrorismus.

Im Gegenteil: Es ist zu befürchten, dass sich nun radikale Kräfte in das von Maschadow hinterlassene Machtvakuum schieben, die auf das Kommando des Terroristen Shamil Basajew hören. Während Maschadow zuletzt einen Stufenplan entworfen hatte, um dem eingefrorenen Dialog mit Russland über den toten Punkt zu helfen, und Präsidenten Putin bei verschiedenen Gelegenheiten eine Versöhnung anbot, hat Basajew kein Interesse an einem Konsens. Er setzt auf eine islamische Macht im Kaukasus und auf Gewalt. Mit welcher Kaltblütigkeit er dabei vorgehen kann, hat nicht zuletzt die Geiselnahme im nordossetischen Beslan gezeigt, als bei der Besetzung einer Schule Anfang September 2004 mehr als 350 Menschen - die Hälfte davon Kinder - starben. Erst vor einigen Wochen drohte Basajew mit weiteren Aktionen im Stile Beslans und verteidigte Gewalt gegen Zivilisten als adäquate Verteidigung tschetschenischer Interessen.

Durch Maschadows Tod ist Basajew nun die Nummer eins im Widerstand. Russland hat sich gerade dadurch in eine wenig komfortable Situation manövriert, denn allen Vorwürfen zum Trotz, Maschadow habe mit Basajew kollaboriert und sei zuletzt selbst ein Terrorist gewesen, war er doch für Moskau der einzig denkbare Verhandlungspartner. Anders als Basajew und Feldkommandeure der jüngeren Generation hatte der einstige Oberst der Sowjetarmee stets verlangt, der bewaffnete Kampf einer tschetschenischen Guerilla gegen die russische Armee müsse sich an die Genfer Konventionen halten und dürfe keiner Ausbreitung des Konflikts auf andere Kaukasus-Regionen Vorschub leisten. Obwohl die russische Regierung Maschadows Einfluss zugunsten radikaler Kräfte schwinden sah, war es diesem zuletzt gelungen, für den Februar einen Waffenstillstand seiner Rebellen durchzusetzen, der eingehalten wurde.

In seinem letzten Interview vom 4. März hatte Maschadow sich noch einmal an Wladimir Putin mit der Bitte um Verhandlungen gewandt und erklärt: “Ich bin zutiefst überzeugt, dass der Präsident der Russischen Föderation in eine tiefe Verwirrung geführt wurde und von den wirklichen Geschehnissen in Tschetschenien weit entfernt ist. Ein halbstündiges ehrliches Gespräch unter vier Augen würde genügen, diesen Krieg zu beenden.”

Quelle: FREITAG. Die Ost-West-Wochenzeitung 11 vom 18.03.2005. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Andrea Strunk und Verlag.

Veröffentlicht am

18. März 2005

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