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Der Iran im Visier

Von David Edwards - ZNet 21.01.2005

Iran - das letzte Hurra

Diesen Januar berichtete der renommierte Investigativ-Journalist Seymour Hersh im Magazin New Yorker über US-Pläne für einen Angriff auf den Iran. Ein hoher Ex-Geheimdienstoffizieller hatte zu Hersh gesagt: “Dies ist ein Krieg gegen den Terrorismus, und der Irak nur eine Kampagne. Die Bush-Administration sieht das alles als riesen Kriegszone. Als Nächstes werden wir die Iran-Kampagne erleben. Wir haben den Krieg erklärt, und der Feind sind die bösen Jungs - wo immer sie auch sein mögen. Es ist das letzte Hurra - wir haben (nur noch) vier Jahre. Was wir wollen, ist am Ende sagen können, wir haben den Krieg gegen den Terror gewonnen” (Seymor M. Hersh: “The coming wars” , The New Yorker vom 17. Januar 2005). Und Hersh fügt hinzu: “In meinen Interviews wurde mir immer wieder gesagt, das nächste strategische Ziel sei der Iran”.

Diese Woche berichtet Ian Traynor im Guardian, seit 2003 zeige sich der Westen zunehmend besorgt über ein angebliches iranisches Atomwaffenprogramm. 2003 war bekannt geworden, dass Teheran seit 18 Jahren geheime Atomaktivitäten betreibt - und damit gegen Verträge verstößt, zu denen sich das Land verpflichtete. Traynor: “Die internationale Atomenergiebehörde in Wien hatte während des gesamten Zeitraums Inspekteure im Land. Die fanden zwar vieles verdächtig aber keinen Beweis für ein heimliches Atombombenprogramm. (Ian Traynor: ‘Special forces “on the ground” in Iran’, The Guardian vom 17. Januar 2005).

Bemerkenswert, dass die BBC die US-Behauptung, der Iran stelle eine Bedrohung für den Westen dar, reflexartig übernimmt und verstärkt. Es läuft fast haargenau wie 2002 und 2003. So erklärt in den gestrigen BBC1-Mittagsnachrichten der diplomatische Korrespondent der BBC, James Robbins: Die amerikanischen Beziehungen zum Iran “sehen aufgrund der nuklearen Bedrohung sehr düster aus” (BBC1, 13 Uhr News vom 20. Januar 2005) - womit er selbstverständlich auf die angebliche Nuklearbedrohung aus dem Iran anspielt. In den 18 Uhr Nachrichten sagt Robbins erneut etwas zum Thema Iran: (Dies sei der Ort,) “wo der (amerikanische) Präsident die nukleare Bedrohung konfrontiert” (BBC1, 18 Uhr News vom 20. Januar 2005). Sieht so etwa die ausgewogene, objektive Berichterstattung der BBC aus?

Noch ist die schleichende Katastrophe im Irak in vollem Gange, schon bereiten BBC und andere Medien die Öffentlichkeit auf den nächsten Krieg vor. Sollte es diesen Leuten tatsächlich gelingen, die Öffentlichkeit zu überzeugen, dass es sich diesmal um eine echte “Bedrohung” handelt, dürfen die Politiker ihre Bomber aufs Neue ungestraft losschicken. Wie viele Unschuldige müssen noch sterben, bevor die Journalisten endlich aufwachen und ihrer moralischen Verpflichtung nachkommen: erstens, menschliches Leben ist zu schützen, zweitens, Dritte-Welt-Länder sind kein Spielball des Westens, drittens, Kriegstreiber-Propaganda gehört infrage gestellt - viertens sollten Journalisten die Fähigkeit entwickeln, rational und unabhängig zu denken.

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Quelle: ZNet Deutschland vom 23.01.2005. Übersetzt von: Andrea Noll. Orginalartikel: Targeting Iran

Veröffentlicht am

23. Januar 2005

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