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Mordechai Vanunu erhielt den Lennon-Ono-Friedenspreis

Mordechai Vanunu, Israels nuklearer “whistleblower” (“Alarmpfeifer”) ist einer von zwei Personen, die 2004 den zweijährig verliehenen Lennon-Ono-Friedenspreis von Yoko Ono erhalten haben. Ono sagte, Vanunu und der Journalist Seymour Hersh, die beide ein Preisgeld von 50.000 US-Dollar bekommen, würden das Lied ihres verstorbenen Gatten John Lennon “Gimme Some Truth” verwirklichen. Ono hat die diesjährigen Preisträger persönlich wegen ihres Mutes bei der Suche nach der Wahrheit und einer friedlicheren Welt ausgewählt.

Vanunu und Hersh wurden am 7. Oktober 2004 während eines privaten Abendessens bei den Vereinten Nationen geehrt. Wegen der von der israelischen Regierung gegen Vanunu nach seiner Entlassung aus 18jähriger Haft im April verhängten Beschränkungen, einschließlich des Verbots, Israel zu verlassen, konnte dieser nicht nach New York reisen, um den Preis in Empfang zu nehmen. So nahmen seine US-amerikanischen Adoptiveltern, Nick und Mary Eoloff, den Preis für ihn entgegen.

Mary Eoloff sagte: “Wir sind sehr traurig, das Mordechai immer noch nicht zu uns nach Hause, nach St. Paul, Minnesota, kommen kann. Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass er diese Auszeichnung persönlich hätte entgegennehmen können. Ich verstehe einfach nicht, warum Israel Mordechai weiterhin bestraft, nachdem er die volle Strafe von 18 Jahren einschließlich Einzelhaft abgesessen hat. Er hat genug gelitten, und sie sollten ihn gehen lassen.”

Rayna Moss von der Internationalen Kampagne zur Befreiung Mordechai Vanunus meinte: “Israel bestraft und knebelt Mordechai Vanunu weiterhin, weil er die Wahrheit sagt: dass Israel ein Schurkenstaat ist, der Massenvernichtungswaffen ohne jede Form öffentlicher oder internationaler Überwachung herstellt und lagert. Die internationale Gemeinschaft muss ihre Verantwortung wahrnehmen: das geheime Nuklearprogramm Israels und die Verfolgung des Alarmpfeifers Vanunu beenden. “

Die Dankesrede Mordechai Vanunus

*Verlesen von Nick und Mary Eoloff

Im 21. Jahrhundert beginnen Menschen in der ganzen Welt, die Wichtigkeit des “Alarmpfeifers” (“whistleblower”) anzuerkennen und wertzuschätzen. Das ist derjenige, der den Mut hat, im Namen der ganzen Menschheit Verantwortung zu übernehmen, der den Mut hat, im Namen der ganzen Menschheit zu handeln. Der “Alarmpfeifer” hat die Sicherheit des Lebens auf der Erde und der Menschen im Sinn. Er oder sie handelt, um Katastrophen zu vermeiden, indem er oder sie die Öffentlichkeit direkt durch die Massenmedien informiert - das ist die kombinierte Macht von Wissen und Gewissen. In diesem Zeitalter der Massenkommunikation sollten Informationen nicht länger ein Geheimnis und in einer Demokratie offen und den Menschen zugänglich sein. Die Aufgabe der Person, die später “Alarmpfeifer” wird, ist es, Auge und Ohr für die Menschen zu sein, auch wenn es ihn seine Freiheit kostet.

Ein “Alarmpfeifer” bezahlt einen hohen Preis dafür, sich zu weigern, stillzuschweigen und stattdessen die Wahrheit zu verkünden, indem er seine Freiheit aufs Spiel setzt. Wenn eine Regierung die Öffentlichkeit absichtlich im Dunkeln über atomare Geheimnisse lässt, fällt es dem Einzelnen, der darauf vorbereitet ist, sein Leben zu opfern, zu, Licht zu verbreiten und die Menschen wissen zu lassen. Im Falle Israels fiel mir die Aufgabe zu, das Ausmaß ihres Nuklearwaffenprogramms zu enthüllen. Es war keine leichte Entscheidung, aber ich wusste, dass ich sie zu fällen hatte. Ich bin sehr glücklich, dass es mir gelungen ist, trotz des Krieges, den Israel gegen mich geführt hat und noch führt.

Ich bereue nichts. Ich bin stolz und glücklich, Israels Atomwaffengeheimnisse durch die Massenmedien aller Welt bekannt gemacht zu haben. Ich habe 18 Jahre lang fest zu diesem Akt des Verkündens der Wahrheit gestanden und stehe weiter dazu. Trotz meines persönlichen Leidens - die Entführung in Rom, die Isolierung von der Welt und das Gefühl, mein Handeln würde weder respektiert noch geehrt - glaube ich weiterhin daran, dass die Öffentlichkeit das Recht hat, die Wahrheit über Israels atomare Geheimnisse zu kennen. Ich bin nach 18 Jahren entlassen worden, 11 und ein halbes Jahr davon unter den furchtbarsten Bedingungen der Einzelhaft, und ich habe es verdient, jetzt sprechen zu dürfen; doch Israel ist nicht bereit, die Redefreiheit und das Recht der Menschen, über Israels immer noch geheimgehaltenen katastrophalen Atomwaffen Bescheid zu wissen, zu respektieren. Dies ist das Thema des “Alarmpfeifers” - die Welt braucht dieses Phänomen des “ALARMPFEIFERS”.

Ich möchte auch einige Worte zu Israels Atomwaffen sagen. Bis 1986 hatte Israel heimlich, jenseits der Vorstellungen der Öffentlichkeit oder fremder Regierungen, einen Vorrat an Massenvernichtungswaffen produziert - etwa 2000 Atombomben einschließlich der neuen Produktion von Wasserstoffbomben, und in den letzten 18 Jahren zweifellos noch viel mehr. Ich glaube, die Regierungen haben eine Pflicht, die Menschen über Waffen zu informieren, die in ihrem Namen hergestellt werden. Die israelische Regierung informierte noch nicht einmal ihr eigenes Parlament, die Knesset, geschweige denn die arabischen Nachbarstaaten, die die Hauptlast jeglichen zukünftigen Unfalls tragen müssen.

Der Grund für mein Aussagen war es, diese Nachricht zu den Menschen zu bringen, sie zu informieren und zu ermutigen, die israelische Waffenpolitik aktiv zu hinterfragen. Zusätzlich zu der durch den möglichen Einsatz dieser Waffen bestehenden Bedrohung stellt ein Lager von Atomwaffen ohne Inspektion, wie z.B. der Dimona-Reaktor, eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen der Region, sowie die Umwelt des Nahen Ostens und darüber hinaus dar.

Meine Botschaft an die Vereinten Nationen und einflussreiche demokratische Regierungen lautet: “Öffnet Dimona für Inspektionen durch die Internationale Atomenergiebehörde und unternehmt alle notwendigen Schritte, um den Einsatz von Atomwaffen in jeglichem Krieg zu verhindern!” Al Baradei und die Internationale Atomenergiebehörde sollten auf ihrem Recht auf Inspektionen bestehen. Als nächstes sollten alle Schritte unternommen werden, Israel zu einer atomwaffenfreien Zone zu machen und den gesamten Nahen Osten von Atomwaffen zu befreien.

Ich glaube, die UNO sollte jetzt den Mut besitzen, eine Resolution mit dem Aufruf zur Abschaffung aller Massenvernichtungswaffen durch ihre Illegalisierung zu verabschieden. VERBIETET die Produktion, den Besitz und den Einsatz von Atombomben - das ist wahrscheinlich das größte Geschenk, das die UNO und der Generalsekretär den sechs Milliarden Menschen dieser zerbrechlichen Welt machen könnten. Wir können unter der Bedrohung durch Atomwaffen nicht weiterexistieren.

Zum Schluss möchte ich betonen, dass es eine Ehre ist, diesen Preis zu empfangen. Ich freue mich sehr, dass Yoko Ono mich dazu würdig gefunden hat. Der Preis erkennt öffentlich an, was ich 18 Jahre lang in einem israelischen Gefängnis ausgehalten habe. Ich fühle mich verpflichtet, dabei zu helfen, Frieden zwischen Palästinensern und Israelis und die Abschaffung der Massenvernichtungswaffen im Nahen Osten zu erreichen. Ich folge den Fußstapfen von Yoko Ono, die seit vielen Jahren eine Botschaft des Friedens, der Gewaltlosigkeit und der Abschaffung der Atomwaffen gebracht hat. Der Weg zum Frieden führt über die Abrüstung und den Respekt gegenüber allen Menschen in der Welt.

Ich möchte diese Dankesrede abschließen mit der respektvollen Erwähnung der Arbeit von John Lennon, der während seines kurzen Lebens unermüdlich für den Frieden gekämpft hat. Gemeinsam mit Yoko Ono hat er die Botschaft des Friedens durch seine Entschlossenheit, Stärke, seinen Mut und seine Integrität lebendig gemacht.

“You may say, I’m a dreamer,
but I’m not the only one,
I hope some day you’ll join us,
and the world will live as one.”

Eine Welt, frei von aller Art von Atomwaffen. Danke.

Quelle: DER PAZIFIST Nr. 8/197 vom 03.11.2004. Übersetzung: Bernd Büscher.

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Veröffentlicht am

10. November 2004

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