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Massenabschiebungen nach Libyen: Den Völkerrechtsbruch klar verurteilen

PRO ASYL appelliert an Kanzler Schröder, die italienische Praxis der Massenabschiebungen nach Libyen klar zu verurteilen. Wenige Tage nach dem eklatanten Völkerrechtsbruch durch die italienische Regierung muss das unerträgliche Schweigen in den europäischen Hauptstädten beendet werden. Die heutigen deutsch-italienischen Konsultationen sind der geeignete Anlass.

Italien, einer der Gründungsstaaten der Europäischen Gemeinschaft, hat vorsätzlich die Genfer Flüchtlingskonvention verletzt und mit der Praxis der Massenabschiebungen per Luftbrücke die Fundamente des internationalen Flüchtlingsschutzes und des Europäischen Menschenrechtsschutzes beschädigt. Über 1.100 Menschen wurden ohne Prüfung ihrer Fluchtgründe nach Tripolis ausgeflogen. Dem Vertreter des UN Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) wurde über Tage hinweg kein Zugang zu den von der Abschiebung betroffenen Menschen gewährt. Die Behörden in Tripolis verweigern ebenfalls den Zugang zu den aus Italien abgeschobenen Flüchtlingen.

Nach Angaben des italienischen Fernsehsenders SkyTG 24, wurden Hunderte der aus Lampedusa Abgeschobenen einfach in die Wüste an die südliche Landesgrenze Libyens verfrachtet. PRO ASYL erinnert daran, dass im September 2004 bei einer Abschiebung durch das libysche Regime unter ähnlichen Bedingungen achtzehn Flüchtlinge im Grenzgebiet zu Niger ausgesetzt wurden und verdursteten.

Außer dem Aufschrei von Menschenrechtsorganisationen, UNHCR und vereinzelter Politiker erfolgte bis jetzt keine nennenswerte Reaktion von Mitgliedsstaaten und Institutionen der Europäischen Union. Nimmt die EU die Grundsätze ernst, denen sie sich in Verträgen verpflichtet hat, dann müsste der Tabubruch der italienischen Regierung als ein “Verstoß gegen Grundsätze der Freiheit, der Demokratie, der Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie der Rechtsstaatlichkeit” (Artikel 6 des EU-Vertrages) qualifiziert und mit Sanktionen gedroht werden.

PRO ASYL erwartet von der Bundesregierung nicht nur eine klare Verurteilung Italiens. Alle deutsch-italienischen Initiativen zur Schaffung von Auffanglagern in Nordafrika müssen unverzüglich eingestellt werden. Darüber hinaus muss das Schicksal der abgeschobenen Flüchtlinge aufgeklärt werden.

gez. Karl Kopp
Europareferent
Vorstandsmitglied von ECRE
13 October 2003


Schröder, Fischer and Schily at summit in Rome
h3. Mass deportations to Libya PRO ASYL calls on Chancellor: Condemn breach of law of nations!

PRO ASYL calls on Chancellor Schröder to clearly condemn the Italian mass deportations to Libya. A few days after the Italian government?s striking breach of the law of nations, the unbearable silence in European capitals has to be broken. Today?s German-Italian consultations are the best occasion to do so.

Italy, which is one of the founding countries of the European Community, deliberately violated the Geneva Refugee Convention. The Italian airlift mass deportations bring damage not only to the foundations of international refugee protection but also to the European protection of human rights. Without examination of their flight reasons, more than 1.100 persons were flown out to Tripoli. For days, the High Commissioner for Refugees (UNHCR) was denied access to the persons who were soon to be deported. Similarly, the authorities in Tripoli do not give access to the refugees that were being deported from Italy.
According to the Italian TV channel SkyTG 24, hundreds of persons deported from Lampedusa were simply transferred to the desert near Libya?s Southern border.

PRO ASYL reminds of the fate of eighteen refugees who in September of 2004 were deported to Libya?s common border with Niger by the Libyan regime. They were exposed to the desert and died with thirst. Except for the outcry of human rights organisations, UNHCR and a few individual politicians, there has not been one noteworthy reaction from the side of the member states and the institutions of the European Union. If the EU stood by its own contractual principles, Italy?s actions would have to be qualified as violation of the “principles of liberty, democracy, respect for human rights and fundamental freedoms, and the rule of law” (Article 6and 7 TREATY ON EUROPEAN UNION). Consequently, sanctions would have to be considered.

PRO ASYL expects of the Federal Government not only a clear condemnation of Italy. In addition, all German-Italian initiatives to build reception camps in North Africa have to be cancelled immediately. The fate of the deported asylum seekers must be clarified.

sgd. Karl Kopp Director of European Affairs Executive Member of ECRE

Quelle: PRO ASYL vom 13.10.2004.

Veröffentlicht am

13. Oktober 2004

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