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Renaissance der Atomenergie?

Von Franz Alt

CDU/CSU-Politiker, aber auch manche Publizisten, sagen eine Renaissance der Atomenergie voraus. Die Erneuerbaren allein schaffen es nicht, - um den Treibhauseffekt zu reduzieren, brauchen wir AKW, - wenn die Menschen in der Dritten Welt ausreichend Elektrizität wollen, brauchen wir mehr Atomkraft. Das sind die gängigen Argumente. Die Atomfrage wird wieder zur Kernfrage. Kommt es aber schon auf Grund einer neuen Diskussion über die Atomenergie auch zu einer Renaissance der Atomkraft?

Die “alten” Argumente gelten immer noch. Es gibt keine Endlagerung des atomaren Mülls. Die Terrorgefahr ist eher gestiegen und inhärent sichere AKWs gibt es nicht. Die neue EPR- Reaktorlinie, die Frankreich zusammen mit Siemens entwickelt hat, soll zwar “sicherer” sein als die bisherigen Reaktoren, aber nach wie vor spricht die Versicherungswirtschaft von einem “unkalkulierbaren Risiko”. Deshalb hat auch nur Finnland einen einzigen EPR- Reaktor bestellt. Alle anderen klassischen Atomländer, auch Frankreich und die USA, haben seit Jahrzehnten kein einziges AKW gebaut und planen aktuell auch keines. In den Kernländern der EU gibt es Überkapazitäten im Stromnetz.

Auch in den USA gibt es Wirbel um “Endlager” - es gibt keine. Die atomfreundliche Regierung Bush wollte atomare Mülldeponien in Nevada mit einer Sicherheitsgarantie von 10.000 Jahren. Das Ansinnen wurde von einem Bundesgericht gestoppt mit der Begründung, ein atomares “Endlager” müsse für eine Million Jahre sicher sein. Ein solches “Endlager” kann es nach menschlichem Ermessen niemals geben.

Wer jetzt noch auf Atomkraft setzt, handelt wie ein Flugkapitän, der mit seinem Flieger in die Luft geht, obwohl er weiß, er wird keinen Landeplatz finden. Regierungen, die trotzdem noch Atomenergie propagieren, müssen mit der Abstrafung durch die Wähler rechnen. Deutsche Politiker, die von neuen AKWs träumen, kann man nur empfehlen: “Viel Spaß bei der Suche nach einem Standort.”

Es kann ja sein, dass künftige Generationen weniger atomkritisch sind und Tschernobyl verdrängt wird. Es kann aber auch sein, dass ein “neues Tschernobyl” passiert und der Ausstieg weltweit forciert wird. Wirklich sichere Atomkraftwerke sind aus heutiger Sicht so unwahrscheinlich wie sichere Endlager für Atommüll. Atomares Restrisiko bleibt also jenes Risiko, das uns jeden Tag den Rest geben kann. Die Terrorgefahr ist leider eine Realität und weltweit verfügen wir über unendlich viel mehr umwelt- und klimafreundliche Energie als die gesamte Menschheit je brauchen wird.

Allein die Sonne schickt uns in acht Minuten so viel Energie wie alle 6,4 Milliarden Menschen zur Zeit in einem ganzen Jahr konsumieren. Der fossil-atomare Energiemix kann in einigen Jahrzehnten zu 100 Prozent ersetzt werden. Wir brauchen gar keine gefährliche Atomenergie. Eine atomare Renaissance ist überflüssig.

Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung von franz alt - www.sonnenseite.com veröffentlicht.

Veröffentlicht am

02. August 2004

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