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Drogen, Waffen und Geld: Die USA in Kolumbien

Von Dan Kovalik - ZNet 21.04.2004

Kürzlich veröffentlichte das RAND Nationale Verteidigungs- und Forschungsinstitut einen Bericht mit dem Titel “Waffenhandel und Kolumbien”. Wie RAND erklärt, basiert der Report auf einer vom “Verteidigungsminister, dem Generalstab, den vereinigten Kommandobrücken und Verteidigungsinstitutionen unterstützten” und vom Bund finanzierten Untersuchung. Die Ergebnisse sind faszinierend, aber wohl auch enttäuschend für diese “Sponsoren” sowie die NRA [National Rifle Organisation; Anm. d. Ü.], die gerade ihren Bundeskongress hier in Pittsburgh abhält.

Die Kolumbianische Mordrate ist die höchste der gesamten Welt - 77,5 Tote pro 100.000 EinwohnerInnen. Wenn in den USA ebenso viele Menschen umgebracht würden, würden knapp 230.000 Menschen im Jahr ermordet, im Vergleich zu 18.000 momentan. Und gemäß den Angaben der kolumbianischen Nationalpolizei werden 85 % dieser Morde mit kleinen Waffen begangen.

In Kolumbien sind über 3 Millionen illegale, kleine Waffen und zusätzlich eine Million legaler kleiner Waffen im Umlauf. RAND schlussfolgert dementsprechend, dass die Lieferung kleiner Waffen die Gewalt in Kolumbien anheize. “Die Lieferungen kleiner Waffen ist weiterhin eines der größten Probleme des Landes” und einer der entscheidenden Faktoren für die Gewalt und die Instabilität in Kolumbien - ein Land, das unter immenser Gewalt und einem bereits Jahrzehnte lang andauernden Bürgerkrieg leidet, der einerseits zwischen dem kolumbianischen Militär und dessen paramilitärischen Verbündeten (die sich unter der Dachorganisation AUC zusammenschlossen) und andererseits den beiden größten Guerillagruppierungen, der FARC und der ELN, ausgetragen wird. RAND folgert daraus, dass das Überleben und das Wachstum der AUC, ELN und FARC - die alle vom US-Außenministerium als “Terroristen” bezeichnet werden - von funktionierenden Waffenlieferungen abhänge, insbesondere von denen kleiner Waffen. Denn wie im Bericht festgehalten wird “sind der Zugang zu Waffen und Munition entscheidend […] für die Stärke, Macht und den Einfluss jeder dieser Organisationen”.

RAND dokumentiert zudem, dass die bewaffneten Gruppen in Kolumbien über beständige Waffenlieferungen verfügten, um den Krieg fortzuführen, und dass der Handel mit kleinen Waffen “zur Eskalation der Gewalt in Kolumbien beigetragen hat, so dass eine ausschlaggebenden Dynamik zwischen dem Waffenhandel und politischer Gewalt enthüllt werden konnte”. Eine noch unheilvoller klingende Schlussfolgerung der Studie besagt, dass die USA das kolumbianische Militär auf einem Rekordniveau unterstützen. Kolubien, das Militärhilfe im Wert von über 2,5 Milliarden U.S. Dollar von den Vereinigten Staaten erhalten hat, bekommt mittlerweile das drittgrößte U.S. Hilfspaket auf der Welt.

Kurz gesagt, schlussfolgert RAND, dass die US-Militärhilfe ihren Weg in die Hände so genannter “terroristischen” Gruppen finde. Und im Fall der AUC Paramilitärs wird diese Militärhilfe sogar freiwillig an TerroristInnen ausgehändigt. Die US-Regierung ist sich dieser Tatsache durchaus bewusst, denn das US-Außenministerium berichtete in ihrem Menschenrechtsberichten 2002 und ‘03 zu Kolumbien, dass das Militär mit den Paramilitärs auf unterschiedlichste Weise zusammen arbeite, doch insbesondere indem es “sie mit Waffen und Munition versorgt und sich ihren Truppen anschließt, wenn diese dienstfrei haben”.

Dies ist aus mindestens zwei Gründen ziemlich beunruhigend. Erstens, weil die AUC unwiderruflich für die meisten Terrorakte verantwortlich sind und die USA dennoch gleichzeitig behaupten, in Kolumbien den Terrorismus zu bekämpfen. Tatsächlich hat die respektierte Anwaltsvereinigung Kolumbiens bekannt gegeben, dass die Paramilitärs 80 bis 85% der politischen Morde in Kolumbien begangen hätten. Zweitens ist die AUC der größte Einzeldrogenhändler Kolumbiens. Sie betreibt laut den Angaben der U.S. amerikanischen Drug Enforcement Administration (DEA) 40% des kolumbianischen Drogenhandels. Und - was nicht weiter überrascht - stecken die AUC ihre Drogengelder in den Kauf neuer Waffen - die wiederum zum größten Teil aus den Waffenverstecken stammen, die während der “Iran- Contra- Affäre” eingerichtet wurden. Die Konsequenzen sind unverkennbar. Wie Rand selber schreibt, hätten die USA zum Ärgernis der oben genannten Sponsoren “die Flammen der Gewalt in Kolumbien angefacht”.

Und sie fächern ihnen über die anhaltende Militärhilfe weiter Frischluft zu. In Anbetracht der moralischen und politischen Auswirkungen müssen die USA nun aufhören, den kolumbianischen Konflikt anzuheizen indem sie zumindest die Militärhilfe einstellen, ihre Verbündeten daran hindern, Waffen nach Kolumbien zu liefern (die selbstverständlich ursprünglich aus den USA kommen) und indem sie fordern, dass der kolumbianische Staat und dessen Truppen ihre Lieferungen an die Paramilitärs und andere kriminelle Gruppen stoppen, die diese für ihr Überleben benötigen.

Daniel Kovalik ist ein in Pittsburgh ansässiger Anwalt und spezialisiert auf Arbeitsrecht und Menschenrechte

Quelle: ZNet Deutschland vom 01.06.2004. Übersetzt von: christian stache. Orginalartikel: “drugs, Guns and Money” .

Veröffentlicht am

01. Juni 2004

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